Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
22 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Leicht zu lesen, schwer in Ordnung., 12. März 2009
So genannte Lebensratgeber werden ausnahmslos von Autoren verfasst, deren hervorragende Charaktereigenschaft Anmaßung ist. Gelesen werden sie von Menschen, die besser zu richtiger Literatur greifen sollten. Bei Hesse und Hemingway, Woolf und Wolfe, ja sogar bei Irving (John) und Konsorten findet man mehr Rat, Trost, Hilfe, Orientierung und vor allem Verständnis, als in allen Sachbüchern der Welt.
Der verletzte Mensch ist keiner von den papierenen Placebos aus dem Regal Ratgeber und der Autor Andreas Salcher ist keiner von den anmaßenden Halbalphabeten, die dieses Regal zuverlässig füllen. Salcher spinnt Anekdoten, das Buch lesend wähnt man sich im Kaffeehaus. Es ist wie ein Picknick am Redefluss eines charmanten Geschichtenerzählers. Da gibt es Schlechteres. Besser noch: Salcher erzählt aus persönlichen Begegnungen mit Menschen, die zu treffen und wenn auch nur zwischen den Seiten seines Buches berührend und inspirierend ist.
Wer das Glück hätte, Bill Strickland in Pittsburgh, David Steindl-Rast in einem Kloster, Mihály Csíkszentmihályi in seinem Arbeitszimmer und Martin Scorsese bei den Five Points selbst zu begegnen, der müsste Salchers Buch nicht lesen. Oder vielleicht doch. Denn Salcher gelingt es, aus diesen Begegnungen das Essentielle zu destillieren und dann, gut verdünnt und leicht bekömmlich, zu kredenzen.
Die Menschheit teilt sich in die ewig Verletzten und die dauernd Verletzenden. Für beide ist Der verletzte Mensch Pflichtlektüre. Eine Pflicht, die keine Last, sondern ein Vergnügen ist. Das Kapitel über das Vergeben als Therapie der Selbstheilung sollte man manchen Menschen tatsächlich aufzwingen dürfen (ich denke dabei an eine Zwangslesung, so wie Alex in Clockwork Orange - wenn Sie nicht wissen wovon hier die Rede ist, dann wissen Sie jetzt wenigstens, welche DVD Sie als nächstes bestellen müssen).
Der Autor und seine eigenen Erfahrungen begegnen einem in diesem Buch oft und das ist erstaunlicherweise nicht unangenehm. Salcher ist ein sensibler Mensch, das legt er auch beim Schreiben nicht ab. Er ist engagiert, aber nicht aufdringlich; präsent aber nicht penetrant.
Was ist das für ein Buch? Wie schon oben gesagt, ist es ein Buch wie ein langes, sehr interessantes Gespräch. Ein Gespräch, für das man Zeit und Ort selbst wählen kann. Es hilft, dass Salcher ein blendender Stilist der Leichtfüßigkeit ist. Seine Schreibe ist dem Leser nie im Weg. Der verletzte Mensch ist jede Minute wert, die man mit ihm verbringt.
|
|
|
47 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die Schule des Herzens, 11. März 2009
In seinem Bestseller "Der talentierte Schüler und seine Feinde" hat Andreas Salcher eindrucksvoll belegt wie unser Bildungssystem anstatt junge Talente zu fördern diese lieber aufgrund ihres Abweichens von der Norm vernichtet. In "Der verletzte Mensch" geht Salcher einen Schritt weiter und führt seine Arbeit konsequent fort, denn nicht nur die Lehrer und Bildungsverantwortlichen können etwas tun, sondern auch wir selbst.
Worte können verletzen und unbedachte Äußerungen von Eltern, Lehrern oder "Respektspersonen" oft eine ganze Kindheit zerstören. Was bleiben sind traumatische Erinnerungen, die obgleich meist heruntergespielt, doch sehr bewusst bleiben, manche seelische Wunden scheinen einfach nicht zu heilen. Als Schüleranwalt der Tageszeitung Kurier (zu manchen Zeiten erreichen ihn in dieser Funktion bis zu 200 E-Mails am Tag) ist Andreas Salcher längst nicht mehr nur ein profunder Kenner des österreichischen Schulsystems, sondern auch bestens mit den Debatten um Kindererziehung vertraut. Nun, hat man sicher so seine Vorbehalte gegenüber Ombudsmännern und Reform-Propheten, doch Andreas Salcher ist anders. Er ist ein scharfsinniger Beobachter und hat nicht bloß einige Dossiers studiert, sondern verstanden worum es geht, nicht zu vergessen dass er seine Ansichten allgemein verständlich vorträgt.
"Der verletzte Mensch" ist zweifelsfrei aus Salchers ehrenamtlicher Tätigkeit hervorgegangen und erzählt von der emotionalen Verletzbarkeit der Menschen. Irgendwann wurden wir alle schon einmal tief verletzt und selbst Jahrzehnte später kann uns so manche Kränkung noch derart präsent sein, dass sie in Verbindung mit Stress sogar Auslöser psychosomatischer Erkrankungen werden kann. Eine tiefe emotionale Wunde muss, wie Salcher berichtet, jedoch noch längst nicht ausschlaggebend sein, dass jemand in seinem Leben "versagt", sondern es gibt viele Beispiele für erfolgreiche Erwachsene denen in ihrer Kindheit emotional oder auch durch Missbrauch übel zugespielt wurde. Salcher lässt auch solche Leute zu Wort kommen, etwa einen etablierten Firmenchef, der ihm unter Tränen von seinen Kindheitserinnerungen berichtet hat.
Schlussendlich ist entscheidend wie wir mit Kränkungen und Verletzungen umgehen. Allerdings garantiert auch das keinen beruflichen Erfolg, doch darum geht es auch nicht. Jeder Mensch ist ein verletzter Mensch, doch auch wenn jeder für sein eigenes Schicksal selbst verantwortlich ist, heißt das noch lange nicht, dass wir die Kränkungen die wir erlebt haben, auch weitergeben sollen. Andreas Salcher entwirft daher sein Modell einer "Schule des Herzens", die dem Prinzip der leistungsunabhängigen Liebe entspringt. Wählen wir Worte also mit Bedacht, nehmen wir uns Zeit mit unseren Kindern und Mitmenschen zu sprechen und verzichten wir auf emotionalen Terror, lieben wir uns weil wir einfach wir sind und nicht weil wir dieses oder jenes vor jemand anderem erreicht haben.
Die Botschaft von "Der verletzte Mensch" ist einfach und doch entspringt sie einer tiefen spirituellen und emotionellen Erfahrung, die Andreas Salcher eindrucksvoll zu vermitteln mag. Man kann in einer Millionenvilla unglücklich sein, aber im Schälen einer Orange Glückseligkeit finden. Hinter dieser Erkenntnis verbergen sich neben dem aktuellen Stand der Forschung auch die Erkenntnisse des Benediktiner-Mönchs David Steindl-Rasts, der Lehren Buddhas und Jesus. Und dieser Mix funktioniert hervorragend, er bietet eine Hilfe zur Selbsterkenntnis und motiviert eine Diskussion über ein Tabuthema in Gang zu bringen, über das zu sprechen bereits helfen kann, es zu bewältigen und sich gegenseitig aufzubauen, Rückhalt zu geben und auch verlorenes Glück zurückzugeben.
Fazit:
Berührend, bewegend, augenöffnend und vor allem äußerst empfehlenswert!
|
|
|
24 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Dem Buch wünscht man Menschen, die seine Anregungen in ihrem ganz normalen Familien- und Berufsalltag umzusetzen bereit sind, 18. März 2009
Im vergangenen Jahr bin ich dem österreichischen Autoren, Publizisten und großen Intellektuellen Andreas Salcher zum ersten Mal in einem Buch begegnet, "Der talentierte Schüler und seine Feinde".
Andreas Salcher ist ein in Österreich sehr bekannter und auch erfolgreicher Mann, der es sich , zusammen mit anderen, zur Aufgabe gemacht hat, in seinen "Waldzell Meetings" im Kloster Melk wichtige Themen der Zeit zu diskutieren und entsprechende Innovationen in verschiedenen Feldern voranzutreiben, und der, selbst hochbegabt, 1993 in London die "Sir Karl Popper Schule" für Hochbegabte gegründet hat.
Da lag es nahe, dass er sich in einer seiner vielen Publikationen mit dem gegenwärtigen Schulsystem befasst und es einer kritischen Analyse unterzieht. Dabei ist ihm eine Streitschrift gelungen, der man nur wünschen kann, dass sie nicht nur von den Eltern betroffener Kinder gelesen wird, sondern auch von Lehrern, die noch nicht aufgegeben haben und von Kultusbürokraten, die die Schule weiterentwickeln wollen.
In seinem neuen, jetzt vorliegenden Buch, das man sicher bald zu den großen, aussagekräftigsten Büchern dieses Jahrzehnts zählen wird, da bin ich sicher, befasst er sich auf ganz verschiedenen Ebenen mit dem Phänomen des "verletzten Menschen".
Er beschreibt die Verletzungen der Seele bei Kindern, Erwachsenen und alten Menschen und die oft lebenslangen Folgen auch nur unbedacht ausgesprochener Worte, von entsprechenden anderen Verletzungen ganz zu schweigen. Kränkungen, Missachtung und nicht selten auch Missbrauch und Gewalt schlagen in eine menschliche Seele große Wunden, die nie wirklich verheilen. Viele Menschen kommen ihr Leben lang nicht hinweg über diese Kindheitserlebnisse, andere wiederum schöpfen daraus ganz außergewöhnliche Energien daraus für ihr Leben und feiern große Erfolge in Kunst und Wissenschaft.
Das ganze Buch ist ein tiefes und engagiertes Plädoyer für eine größere Sensibilität im Umgang der Menschen untereinander und entdeckt die alte theologische Weisheit des Vergebens ganz neu. Es ist ein Buch, dem man große Verbreitung wünscht und vor allen Dingen viele Menschen, die seine Anregungen in ihrem ganz normalen Familien- und Berufsalltag umzusetzen bereit sind.
|
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|