DIE VERGESSENE WELT ist wohl einer von Arthur Conan Doyles bekanntesten Romanen, wenn auch nicht unbedingt einer seiner besten. Bis zur Ankunft der vier Protagonisten auf dem Hochplateu im südamerikanischen Urwald gestaltet sich die Handlung spannend und interessant, aber einmal dort angekommen verliert sich Doyles Erzählung allzusehr in wahllos aneinandergefügten Episoden mit Dinosauriern, Affenmenschen und Eingeborenen.
Diese Hypothek kann natürlich das Hörspiel DIE VERGESSENE WELT nicht ganz abschütteln, aber es macht in der Tat das Beste daraus. Es kann zweifellos festgestellt werden, daß die gesamte Produktion bis hin zur Gestaltung des Booklets von großem Enthusiasmus und Liebe zum Detail getragen ist, was es zu einem wirklichen Hörvergnügen macht.
Tatsächlich wird die konventionell-einseitige Erzählweise der Romanmitte, in der der Journalist Malone seine Erfahrungen in Briefen an die Redaktion niederschreibt, durch die Inszenierung von Frank Gustavus ganz erheblich dadurch aufgebrochen und dynamisiert, daß er sie im Wechsel von verschiedenen, in London verbliebenen Figuren der Erzählung lesen und kommentieren läßt, nicht ohne augenzwinkernd einen der Charaktere sinnieren zu lassen, wie denn diese Briefe wohl aus dem tiefsten Dschungel immer rechtzeitig die Zeitungsredaktion erreichen mögen.
Ein ganz großes Lob ist ohnedies den Sprechern zu machen, denen ihr Spaß an der Sache deutlich anzumerken ist. Allen voran die Wortscharmützel zwischen Professor Challenger und seinem Konkurrenten Professor Summerlee sind köstlich, und auch die übrigen Sprecher lassen sich nicht lumpen. Mit der Besetzung des Stellvertretenden Direktors des Londoner Zoologischen Instituts, Sir Douglas, mit Friedrich Schönfelder, der vor Jahren die Fernsehsendung IM REICH DER WILDEN TIERE präsentierte, ist RIPPER RECORDS ein netter Coup gelungen, der diesen Ausflug in das Reich der ausgestorbenen, aber umso wilderen Tiere nostalgisch konnotiert. Von solchen feinen Ironien und Anspielungen gibt es noch einige in diesem Hörspiel, so daß auch mehrmaliges Hören zweifellos lohnt.
Die Macher des Hörspiels machen sich das Motto Doyles, welches er seinem Roman voranstellt, zu eigen: “I have wrought my simple plan, if I give one hour of joy to the boy who’s half a man, or the man who’s half a boy.“ Der Plan geht auf: Der Spaß dauert deutlich mehr als nur eine Stunde, und Sprecher wie Hörer haben eine wahrhaft kindliche Freude daran.