Das Thema der Hexenverfolgungen hat sich seit den 1970er Jahren geradezu zu einem Musterbeispiel an sozialgeschichtlich orientierter Forschungen entwickelt. Längst ist erkannt, dass die Anstösse zur Verfolgung der Hexen – in Deutschland war übrigens jeder 4., in Frankreich sogar jede 2. Hexe ein Mann! – oftmals nicht von der Obrigkeit, sondern von der Bevölkerung ausgingen. Gerade im Zusammenhang mit wirtschaftlichen Krisen, ausgelöst durch klimatische Veränderungen, zwangen oftmals Initiativen "von unten" die zögernde Obrigkeiten zu Hexenverfolgungen. Und dass mindestens 90% aller Hexenprozesse nicht von kirchlichen, sondern von staatlichen Gerichten geführt wurde (weil "Hexerei" für das damalige Empfinden eine gewöhnliche Straftat war, ebenso wie Diebstahl oder Körperverletzung) weiss jeder, der sich mit den tatsächlichen historischen Quellen beschäftigt hat. Von all dem, für die wissenschaftliche Hexenforschung längst Binsenweisheiten, ist in diesem Buch leider gar nichts zu finden. Methodisch steht die Verfasserin im 19. Jahrhundert, indem sie die in ihrer Wirkung masslos überschätzte gelehrte Hexenliteratur, vor allem den "Hexenhammer", zur wichtigsten Grundlage macht. Dass im Vorwort der deutschen Ausgabe der "wissenschaftliche" Leiter des Faust-Museums in Knittlingen, Günter Mahal, behauptet, es seien "zwei oder fünf oder sechs Millionen Frauen" als Hexen hingerichtet worden und wörtlich hinzufügt: "man sollte hier nicht lange über Zahlen streiten" (tatsächlich waren es rund 60.000 Hinrichtungen, wovon etwa 40.000 Frauen) sagt alles über die "Wissenschaftlichkeit" dieses Buches. Von diesem Buch rate ich daher dringend ab! Es gibt viele gute und wissenschaftlich seriöse Bücher über Hexenverfolgung, z.B. von Wolfgang Behringer, Gerd Schwerhoff, Sönke Lorenz u.a. mehr. Wer sich für das Thema interessiert, sollte dort nachlesen.