Das versucht Osho mit diesem Buch zu vermitteln. Die Kirchen haben immer ein ganz bestimmtes Bild von Jesus Christus gezeichnet, haben ihn zum Zentrum eigener Glaubensideologien gemacht. Bei allen christlichen Kirchen ist dieses Zentrum, Jesus nachzueifern und es seinem Beispiel völliger Nächstenliebe gleichzutun. Natürlich unter der Bedingung, die entsprechende Institution zu besuchen und durch die Predigt oder die Sündenvergebung dem näher zu kommen.
Osho ist, das sei vorweg gesagt, absolut nicht kirchlich. Für Osho zeichnet die heutige Institution Kirche ein materialistisch verbrähmtes, verfälschtes Bild Christi. Dem entgegen setzt er eigene Interpretationen und Erkenntnisse, die Jesus in einem völlig neuen Licht erscheinen lassen. Er behandelt 10 Jesusworte und geht mithilfe seiner reichen Erfahrung auch aus der Sicht des Zen darauf ein. Soviel objektiv dazu.
Zu meiner ganz persönlichen Ansicht: für mich ist Osho überzeugend. Ein Beispiel: Jesus behauptete, man solle das Böse mit Gutem überwinden. In vielen Fällen löst aber Aggression beim Durchschnittsmenschen nicht das Gute, sondern Gegenaggression aus. Wie also damit umgehen? Verdrängt man die Wut, sammelt sie sich immer weiter an und explodiert irgendwann - kann das im Sinne Christi sein?
Osho argumentiert hier mit dem eigentlichen "Sein" im Sinne des Zen. Wer an dieser Stelle angelangt ist, also innerlich absolut still ist (mehr Informationen hierzu etwa im Buch: "Meditation: die erste und letzte Freiheit" von Osho), ruht so sehr in sich selbst, dass ihn die Aggressionen nicht mehr berühren - er kann Gutes zurückgeben. Diese Erklärung ist für mich viel überzeugender, als in der Kirche die Sündenvergebung zu erlangen. Aber das ist selbstverständlich rein subjektiv und soll niemanden diffamieren.
Dennoch, ich finde es sehr lesenswert, für den, der offen für einen Jesus Christus jenseits von katholischer oder protestantischer Lehre ist.