Für all diejenigen die nicht in die Tiefe des Marketings einsteigen möchten und Theorie hassen, ist das sicherlich ein willkommener Versuch der Komplexitätsreduktion. Das Problem: wer sich an solcherlei grob vereinfachten Patentrezepten orientiert, wird in der Praxis leicht auf die Nase fallen. Denn: es hängt nunmal von der konkreten Situation ab, welche Entscheidung/Strategie sinnvoll ist. Und um das entscheiden zu können, muß man sich eben doch mit der Theorie befassen, statt sich auf Grundsätze zu verlassen, die sich auf ein paar beliebig aus der Marketinggeschichte herausgesuchter Beispiele stützen.
So wird der "first mover advantage" mit Charles Lindbergh "begründet". Tatsache ist, daß es haufenweise Produktkategorien gibt in denen heute kein Mensch mehr den "first mover" kennt, und daß es auch eine ganze Reihe von Nachteilen für "first mover" gibt, die diesem - je nach spezifischer Situation - das Genick brechen können. Als Beispiel seien nur "leapfrogging" und "piggybacking" genannt. In diesen Fällen lernt der "Follower" sowohl von den Fehlern als auch von den technologischen Entwicklungen des "first mover" und bringt kurze Zeit später ein eigenes, weiter fortgeschrittenes Produkt auf den Markt. Dies ist insbesondere dann möglich, wenn der "first mover" sein Geld in die Kommunikation der product benefits gesteckt hat (was der ganzen Category nützt), während der "follower" quasi im Windschatten in Produktentwicklung investiert, und auf der Kategorie-eröffnenden Werbung des "first mover" Trittbrett fährt.
Übrigens: dominiert "Charles Lindbergh Airways" heute Transatlantikflüge? Ich glaube nicht.