Neue Zürcher Zeitung
Twentysomethings kru.
«Eine erfrischende Libertinage greift um sich, wo früher Langeweile und zunehmende Lebensfremdheit herrschten» so charakterisieren die Herausgeber, die sich nicht mit Etiketten wie Popliteratur oder Fräuleinwunder begnügen möchten, den gegenwärtigen Boom junger deutscher Literatur. Zwar ist das Alter kein Qualitätskriterium, doch gibt die Anthologie «20 unter 30» immerhin einen plausiblen Querschnitt durch das, was der Markt Zeitschriften, Leseklubs usw. derzeit an sogenannter junger Literatur feilhält. Jung, frisch und knackig die Marktmetapher trifft es durchaus, und die zwanzig Texte von Juli Zeh und Zoë Jenny, Tobias Hülswitt, Martin Brinkmann und anderen sind vielleicht weniger libertär oder gar gewagt als appetitlich und konsumierbar: eben Illustriertenliteratur. Politisches spielt keine nennenswerte Rolle, daran hat man sich fast schon gewöhnt; sprachliche Experimente sind selten; aber die seelischen Kümmernisse, die Einsamkeitstorturen oder Eifersuchtsexzesse, die hier verhandelt werden, sind subtil beobachtet und in eine geschliffene, gut lesbare Sprache übersetzt. Wer von Literatur mehr erwartet, wird wohl darauf warten müssen, bis die begabten Nachwuchsautoren kompaktere Lebenserfahrungen gesammelt haben.
Perlentaucher.de
Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.09.2002
Wenig beeindruckt zeigt sich Rezensent Wolfgang Schneider von dieser Jungautoren-Anthologie. Als "paradigmatische, literarisch meist nicht ergiebige Situation" der Beiträge beschreibt er die Party: "Das Ich fällt auf sich selbst zurück, Posen werden entlarvt, Schminke zerläuft". Auch das "geheimnislos gewordene Triebleben" von Helden und Autoren interessiert den Rezensenten nur mäßig. Trotzdem fand Schneider zwischen den Kindheits- und Pubertätserlebnissen von gelegentlich "schwer erträglicher Preziosität" auch ein paar Beiträge, die seinen literarischen Ansprüchen genügten. Darunter eine "knackig-kess" erzählte Geschichte von Ricarda Junge, die lakonische Geschichte einer studentischen Depression von Martin Brinkmann, sowie Silke Scheuermanns subtile psychologische Studie einer Vierzehnjährigen - für den Rezensenten das Highlight des Bandes.
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