1567 flammen überall in Frankreich erneut Kämpfe zwischen Hugenotten und Katholiken auf, die schließlich zum zweiten von insgesamt acht Religionskriegen führen sollten. Während auf der einen Seite die "Ketzer" auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden, kommt es auf der anderen Seite u. a. in der Nacht zum 30. September in der Stadt Nîmes zur "Michelade", einem Massaker, das die Hugenotten an den ihnen verhassten "papistischen Götzendienern" verüben.
Die eigentliche Herrscherin Frankreichs ist die Königin-Mutter, Katharina von Medici. Ihr war es gelungen, ihren kranken und degenerierten Sohn (Karl IX.) von den Regierungsgeschäften fernzuhalten. Sie versucht sich in einer wechselhaften Schaukelpolitik zwischen den nationalen religiösen Parteien einerseits und deren realen und potentiellen ausländischen Verbündeten andererseits zu lavieren.
Zu Beginn des bereits 1979 in Erstauflage erschienenen zweiten Teils der "Fortune de France"-Romanreihe befinden sich der Protagonist Pierre de Siorac, sein Halbbruder Samson und ihr Diener Miroul auf ihrem erlebnisreichen Weg durch das Lanquedoc, der sie über Carcassonne und Narbonne schließlich zur Universitätsstadt Montpellier führt. Dort nehmen sie Quartier bei dem Apotheker Sanche, einem zwangsgetauften und aus Spanien geflohenen Juden. (König Ludwig XI. hatte den gelehrten und verfolgten "Anusim"= gezwungenen (Christen) in Frankreich Aufnahme gewährt.)Während Pierre als Scholar das Studium der Medizin aufnimmt, beginnt Samson nicht wie ursprünglich beabsichtigt mit dem der Jurisprudenz, sondern erlernt den Beruf des Apothekers. Zusammen mit auszubildenden Chirurgen nehmen die Brüder an den Universitätslesungen teil. Sie müssen sich gegen Standesdünkel und Initationsrituale der Studenten älterer Semester, die Apotheker als "Pillendreher" und Chirurgen als "Barbiere" verunglimpfen, behaupten. Von Calvinisten in Montpellier gegründet hat sich das "theatrum anatomicum", entgegen päpstlicher Verbote der freien medizinischen Forschung verschrieben......
Die Handlung von "In unseren grünen Jahren" bewegt sich in einem Dreieck, das durch Wechselwirkungen zwischen den Eckpunkten Glaube - Medizin - Amouren bestimmt wird. Exhumierung und Autopsie, Liebe und Sünde sowie (dezent dargestellte) Leidenschaft und "neapolitanische Krankheit" sind hierbei nur einige Kristallisationspunkte möglicher Spannungsfelder. So sich intolerante katholische und reformierte Fanatiker auch bekämpfen mögen, zeigen sie jedoch Einvernehmen darüber, wie mit Atheisten, Satanisten usw. zu verfahren ist. Mit Pierre de Siorac hat Robert Merle jedoch einen Protagonisten geschaffen, der (als Sohn eines Hugenotten und einer katholischen Mutter) oftmals zwischen die Fronten gerät. Mit calvinistischem Credo, Marienmedaillon und häufiger Erwähnung des "Heiligen Antonius" gelingt es ihm jedoch mäßigend, vernünftig und vor allem human seinen Weg in einer von Not und Armut, Rache, Hass, Beutegier und Blutrausch bestimmten Zeit mittels Courage und Witz zu gehen. Der Roman, der das Attribut "historisch" uneingeschränkt verdient, ist mit der Höchstwertung von 5 Amazonsternen zu bewerten und zwingt den gespannten und leicht süchtig gewordenen Leser geradezu, auch den dritten Teil des Epos „Die gute Stadt Paris" zu lesen....