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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Nicht sein bestes Buch!, 19. Mai 2005
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: In unnütz toller Wut: Roman (Gebundene Ausgabe)
Dass Maarten 't Hart ein wirklich hervorragender Autor ist, hat er mit "Das Wüten der ganzen Welt" und anderen Romanen bewiesen und braucht daher (meiner Meinung nach) nicht diskutiert zu werden. Was ist also dran, am neunen Roman? Wie immer verwebt Hart die Themen Religion, Sex, Musik und Mord. Das ist man von ihm gewohnt, das gibt er einem. Anders, als in den anderen Romanen krankt "In unnütz toller Wut" allerdings an dem kaum wahrnehmbaren roten Faden: Die Inhaltsangabe, die Piper erstellt hat, scheint eher von einem Kriminal-Roman zu erzählen, als von diesem Roman. Aber: Es ist kein Kriminalroman, nicht einmal in Ansätzen. Es geht weniger um den Tod der Leute im Dorf, als um die Befriedigung des Triebes der Hauptfigur, die immer wieder betont, dass Sex kaum eine Darseinsberechtigung hat (biologisch gesehen). Und genau da ist der Verdienst des Romans: Als ehemaliger Biologe verköstigt Hart sich daran, zu erklären, dass Sex biologisch betrachtet gar nicht so bedeutend ist, wie die Menschen das gerne glauben wollen. Und trotzdem hat die Hauptfigur eine Bettgeschichte nach der nächsten. Allein für die Ironie dahinter sollte man den Roman lesen (vor allem als Biologie- und Deutsch-Student, so wie ich es bin). Andererseits kann man die Geschichte keinesfalls auf so viele verschiedene Arten lesen, wie "Das Wüten der ganzen Welt" oder "Die schwarzen Vögel". Das waren Kriminalromane. Das waren musikalische und religiöse Romane. Das waren Entwicklungsromane. Kurz und gut: Das war vielschichtig. In "In unnütz toller Wut" ist davon leider nicht viel zu merken. Allerdings machte es mir Spaß den Roman zu lesen, weil Hart eben umwerfend erzählt. Weil seine Sprache (oder eben die Übersetzung) butterweich wirkt. Weil er köstliche Figuren hat, die gerne einmal widersprüchlich sind. Ich glaube, wer das akzeptiert, kann wirklich Spaß an dem Roman haben. Jemand, der "Das Wüten der ganzen Welt" erwartet, dem sei der Roman "Die Johannisleiter" ans Herz gelegt, der soeben bei Piper erschienen ist. Hier finden wir Harts alte Tugenden.
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Fotos mit Folgen, 18. November 2007
Lotte Veeda ist Fotografin und für einen Bildband auf der Suche nach den 200 markantesten Persönlichkeiten des Ortes Monward. Nicht alle ausgesuchten Personen sind einverstanden, aber Lotte kann sie überreden. Den Ich-Erzähler, Autor eines Buches über Fortpflanzung, hat sie auserkoren, das Vorwort zu schreiben. Doch dann sterben immer mehr der Porträtierten, und auch der Erzähler entkommt dem Tod mehrmals nur um Haaresbreite. Leicht, süffisant und mit einer gehörigen Portion Selbstironie lässt 't Hart seinen Protagonisten die Geschichten in der Geschichte erzählen: Von Abel, dem Grafen, der sich auf einmal einbildet, seine Kinder seien nicht von ihm. Von der Pastorin, in die sich der Autor verliebt, und der Transsexuellen, mit der er ein Verhältnis hat. Von dem Schnippchen, das er den Behörden schlägt, als wegen der Vogelgrippe Gänse und Enten gekeult werden. Von einer Schlange, die ins Interesse der Medien rückt. Von einem Berufschauffeur, der wie ein gedopter Formel-1-Fahrer durch Wege und Straßen jagt, dabei andere, aber nicht sich selbst in Unfälle verwickelt. Der Faden, der diese Geschichten zusammenhält, ist Lottes Bildband und damit auch das gemeinsame Lebensumfeld der Personen, eine katholische Enklave in einem protestantisch geprägten Gebiet, wo es einen Monstranzwald gibt, ein Altersheim, das "Klein Lourdes" heißt, Parusieseen und Straßennamen wie Ministrantenstraße, Akolythenstraße und Unbefleckte-Empfängnis-Trift (aber auch ein Mördergässchen). In 't Harts Büchern erwartet ein Leser Musik, und er wird nicht enttäuscht: Der Erzähler ist Organist in den Gottesdiensten, und in seinen Gedanken zur Entstehung des Lebens und zum Tod verweben sich Bibelzitate mit Bachkantaten. Obwohl alle Zutaten vorhanden sind, die mich an 't Harts Büchern entzücken, obwohl ich den Erzählstil großartig finde, kann mich dieses Buch nicht begeistern, denn bis zum Ende wirkt es so, als müsse ein Höhepunkt kommen; es ist aufgebaut, als strebten alle Episoden auf eine Pointe zu, wie man sie aus seinen anderen Romanen kennt. So aber klappt man das Buch mit dem Gefühl eines großen, aber unbefriedigten Vergnügens zu: Hier hat zwar jemand ein paar absonderliche Ereignisse aus seinem Leben erzählt, aber keine "richtige Geschichte". Zwei Fragen beschäftigen mich - außerhalb der Rezension - weiterhin: Wer kam auf die Idee, dieses Buch einen Krimi zu nennen? Und wer gab ihm diesen hanebüchenen Titel?
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein schönes leichtes Buch mit verstecktem Tiefgang, 20. Mai 2006
Vor der Lektüre dieses Buches war mir der Autor völlig unbekannt. Dieser Roman hat mich auf sein übriges Werk neugierig gemacht. Die Beschreibungen der Dorfbewohner, der Ereignisse in dem kleinen Dorf und die wunderschönen Übertreibungen haben mir einige schöne Stunden und ein paar Denkanstösse beschert. Viele Kommentare des Autors lassen vermuten, dass man weitere moralische Unterstützung für diejenigen, die einen respektvollen Umgang mit unserer Umwelt vertreten, aus seiner Feder erwarten darf.
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