Als ich das Buch für unser Hundeverhaltenszentrum kaufte, versprach ich mir nach dem fantastischen Buch "Stress bei Hunden" von derselben bekannten Autorin sehr viel, zumal wir nicht nur selber drei nordische Hunde unser eigen nennen, die einen ausgeprägten Jagdinstinkt haben, sondern auch im Hundeschulenalltag haben wir stets mit jagenden "Schnöseln" zu tun, wie Günther Bloch es ausdrücken würde. Die ersten Seiten beschreiben in kurzer prägnanter Form den vom Wolf stammenden und bei (fast) allen Hunderassen in unterschiedlicher Stärke vorhandenen Jagdinstinkt und dessen Jagdverhalten - soweit, so gut. Danach folgen allgemeine Lernregeln, die noch einigermaßen, zwar nicht so gut wie bei anderen Autoren, wie z.B. Barbara Schöning ("Hundeverhalten"), gut erklärt werden. Aber schon bei den "Antijagdübungen" schlägt's beim dritten Vorschlag mindestens dreizehn, wenn nicht vierzehn: Man soll, um seinen Hund jagdlich bzw. jagdsubstitutiv auszulasten einen "Würstchenbaum" suchen lassen, ich war sprachlos, sowas untaugliches und realitätsfernes habe ich noch nie gehört. Ich stelle mir nur gerade unsere eigenen Huskies und Samojeden bei der Suche nach einem Würstchenbaum vor. Ist klar, dass Kaninchen oder Wildschwein ist natürlich nicht so interessant, wie ein Würstchenbaum, der in der Natur auch sonst überall wächst und gedeiht, nicht wahr? Hinter den Bergen bei den sieben Zwergen, möchte man geradezu herausschreien! Die Idee ist ja noch absurder als seinem Hund a'la Natural Dogmanship einen Futterbeutel zu schmeißen und das ganze auch noch als gemeinsame Jagd zu verkaufen (Siehe Günther Bloch, Der Wolf im Hundepelz, S. 155)! Ferner ist das Schleppleinentraining überhaupt nicht vernünftig erklärt, die Autorin beschränkt sich auf allgemeine Ausführung und ihr Lieblingsthema, dass Hunde, was richtig und sinnvoll ist, stets ein Brustgeschirr tragen sollen, wenn sie eine solche Leine anhaben, um Schmerzen und Verletzungen im Rückenbereich zu vermeiden (siehe Anders Hallgren "Rückenprobleme beim Hund"). Schließlich ist die Autorin ernsthaft der Ansicht, dass man sich vor dem Hund, der zur Jagd gestartet ist, nicht weglaufen und verstecken darf. Bei diesem "äußerst dummen Tipp" (Reinhardt) würde man unfairer Weise mit den Verlassensängsten des Hundes Spielen. Kompletter Unsinn, kann man da nur sagen! Denn zum einen widerspricht sich die Autorin selber, da sie Richtungswechsel bei Unaufmerksamkeit befürwortet, was faktisch nichts anderes ist und zum anderen ist kein Grund ersichtlich, weshalb dieses Verhalten unfair sein soll, zumal Günther Bloch an freilebenden Wölfen, Strassenhunden, verwilderten Haushunden wie Haushunden nachgewiesen hat, dass es keine Verplichtung der Leittiere gibt auf einen juvenilen oder sonst rangniedrigeren Wolf bzw. Hund zu warten, wenn dieser einen kleinen Jagdausflug unternimmt (siehe "Der Wolf im Hundepelz" und "Timberwolf Yukon & Co."! Wer nicht aufpasst - auf die Leittiere -, den bestraft das Leben! Unsere eigene Husky-Hündin erleidet jedenfalls dadurch in keinster Weise Schäden, sie hat eine ungebrochen gute und innige Bindung zu uns, trotz solcher "Versteckspiele". Unerklärlich ist ferner, dass die Autorin pauschal gegen jeglichen Einsatz von Wasserstoffgeräten, wie Master Plus, ist, da natürlich nicht jeder Hund drauf reagiert, so ist das bei jeder Methode, und selbstverständlich auch unsichere oder gar ängstliche Hunde damit nicht trainiert werden dürfen, aber nicht nur wir bereits unzählige Hunde damit vom Jagen dauerhaft abgehalten haben. Ein selbstbewusster und ordentlich geprägter Hund erleidet dadurch keinen längeren Stress und behält auch keine bleibenden Schäden, wie die Autorin einfach nur dahinredet, ohne dies belegen zu können. Oder glaubt etwa jemand ernsthaft, dass ein gefestigter Hund, der sich bspw. über einen knallenden, weil heruntergefallenen Topfdeckel o.ä. erschreckt einen bleibenden Schaden erleidet? Wer ein besseres Buch zum Jagdverhalten lesen will, das nicht an der Realität vorbei geht und jegliche Einwirkung auf den Hund unsachlich verteufelt, der sollte die genannten Bücher von Günther Bloch und speziell zur Jagdkontrolle das Buch von Pia Gröning u.a. mit dem Titel "Antijagdtraining" lesen.