Marc Basset ist Restaurantkritiker und das mit Leib und Seele. Seine Kritiken sind so treffend formuliert, dass sich eines Tages ein seinem beißenden Verriss zum Opfer gefallener Sternekoch das Leben nimmt. Ein echter Schock für den Verfasser der bösen Worte: Marc Basset fühlt sich schuldig und würde sich dieser Last gern entledigen - er entschuldigt sich bei den Hinterbliebenen. Die Erlösung, die er dadurch erfährt, verleiht ihm ein ungewohnt glückliches und befreites Gefühl. Er beschließt, in seinem Leben aufzuräumen und sich bei sämtlichen Menschen, denen er jemals Unrecht getan hat, zu entschuldigen. Es wird eine wahre Manie daraus, die ihm sogar einen neuen Beruf einbringt: Er wird zum Chefentschuldiger der UN ernannt. Denn nicht nur bei Personen, auch bei Ländern kann man sich für seine Untaten entschuldigen. Das wirkt sich mildernd auf die zu zahlenden Entschädigungssummen aus...
Eine grandiose Idee, die Autor Jay Rayner da mit seinem Roman "'tschuldigung" hatte: Er entsinnt eine aberwitzige Geschichte, die dennoch glaubhaft klingt, da sie sich auf eine fiktive Studie stützt, die besagt, dass eine Entschuldigung den Gekränkten milde stimmt. Diese Tatsache ist wichtiger Bestandteil von Marcs Arbeit, denn schließlich soll er der UN helfen, Geld zu sparen. Also entschuldigt er sich bei den Ländern dieser Erde, die durch Krieg, Kolonialisierung und andere Machenschaften gekränkt wurden. Marc, der für seine neue Passion seine Frau verlassen hat und seiner anderen Leidenschaft, dem Essen, gar nicht mehr nachgeht, ist mehr und mehr enttäuscht, nur Mittel zum Zweck zu sein. Er erkennt, dass eine Entschuldigung nur um der Ent-Schuldigung willen keinen Sinn macht.
Aus dem Englischen von Marlies Ruß übersetzt, spielt "'tschuldigung" ironisch mit kulturellen Unterschieden und den Bemühungen eines Mannes, ein besserer Mensch zu werden. Sein Irrweg ist bissig und intelligent beschrieben. Und nebenbei ist "'tschuldigung" auch noch ein echter Lesegenuss für Fans der Haute Cuisine.