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"Wir weinten tränenlos...". Augenzeugenberichte des jüdischen "Sonderkommandos" in Auschwitz
 
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"Wir weinten tränenlos...". Augenzeugenberichte des jüdischen "Sonderkommandos" in Auschwitz [Taschenbuch]

Gideon Greif , Matthias Schmidt
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (18 Kundenrezensionen)
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Aus der Amazon.de-Redaktion

"Haben Sie manchmal geweint?" -- "Oft. nicht nur einmal. Während der Arbeit, nur ohne Tränen. Seit damals habe ich keine Tränen mehr. Dort weinten wir tränenlos."

Sieben Augenzeugenberichte versammelt Gideon Greif in seinem Dokumentarband "Wir weinten tränenlos...". Sieben Juden, die in Auschwitz-Birkenau als "Sonderkommando" tätig waren, erzählen, wie sie im täglichen Ablauf der Todesmaschinerie eingesetzt wurden. Kein einfaches Unterfangen. Wer im "Sonderkommando" arbeiten mußte, dem fällt es schwer, darüber zu reden: Zu unerträglich ist der Schmerz und zu gering die Kraft, auf Leute zu reagieren, die sie als Verräter, Denunzianten und Helfershelfer der Nazis beschimpfen würden. Dabei hatten sie niemals die Wahl, zwischen Verweigerung oder Gehorsam zu wählen. "Ihr wichtigstes Ziel sei es gewesen, zu überleben, um der Welt von der Shoah Zeugnis geben zu können", schreibt Greif in seinem Vorwort. Und wohl deshalb hat er diese Menschen, trotz aller Widrigkeiten, in einfühlsamer Annäherung und langen, zahlreichen Gesprächen dazu gebracht, über ihren Einsatz in Auschwitz-Birkenau zu reden.

Greif, Mitarbeiter der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem, ist ein gewissenhafter Historiker. Er befragt die Männer nach jedem einzelnen Detail des Vernichtungsprozesses, über den sie berichten können: Das "Sortieren" auf der Rampe, die Entkleidung, die Tötung in der Gaskammer, die "Verwertung" der Überreste -- Lebensmittel, Kleidung, Wertsachen, Zahngold --, die Verbrennung der Leichen. Gerade die minutiöse Beschreibung der automatisierten technischen und menschlichen Prozesse führt die Ausmaße des Grauens in noch schärferen Konturen vor Augen als die ohnehin schon unerträgliche Zahl von sechs Millionen getöteter Juden.

Wer diese Augenzeugenberichte gelesen hat, kennt das wahrscheinlich wichtigste Beweismittel dafür, daß die Shoah, der Völkermord an den Juden, eine eiskalt geplante Aktion gewesen war. --Bettina Albert

Kurzbeschreibung

Das Buch des israelischen Historikers erregte bei seinem Erscheinen im Jahre 1995 großes Aufsehen. Der Autor beschreibt die schreckliche »Arbeit« der »Sonderkommandos« in Auschwitz, die lange Zeit nahezu unbekannt war, da niemand von ihnen am Leben bleiben sollte. Sie bestanden fast ausschließlich aus jüdischen Häftlingen. Sie wurden gezwungen, die zum Tode Verurteilten bis zur Gaskammer zu begleiten und dabei für einen ruhigen Ablauf zu sorgen, nach der Vergasung die Leichen aus den Gaskammern zu schleppen, auf verbliebene Wertgegenstände zu untersuchen und die Goldzähne herauszubrechen, die Gaskammern zu säubern, die Leichen zu verbrennen, die Knochenreste zu Staub zu zerstoßen und danach die Asche zu beseitigen.
Gideon Greif hat sieben Überlebende der »Sonderkommandos« von Auschwitz-Birkenau interviewt. 50 Jahre nach der Befreiung legen sie erstmals Zeugnis über ihre unbeschreibliche Aufgabe ab. Das Buch enthält eine ausführliche historische Einführung des Autors und alle Interviews in vollem Wortlaut mit kurzen Einleitungen und Anmerkungen. Es wird so zu einem unübersehbaren Dokument wider das Vergessen.

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43 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Zeitloses Nachschlagewerk tragischer Erinnerungen, 22. August 2004
Rezension bezieht sich auf: "Wir weinten tränenlos...". Augenzeugenberichte des jüdischen "Sonderkommandos" in Auschwitz (Taschenbuch)
Die jüdischen Sonderkommandos in Auschwitz-Birkenau sind bis in die Gegenwart Thema zahlreicher Legenden und Vorurteile geblieben. Dies liegt vor allem daran, dass man bis vor kurzem kaum etwas über das Innenleben dieses Arbeitskommandos und seiner Häftlinge wusste. Im Januar 1995 wurde erstmals ein Werk veröffentlicht, das Erinnerungen von sieben Überlebenden des jüdischen Sonderkommandos in Auschwitz-Birkenau gesammelt vorlegte und sich dieser Forschungslücke in der Historiographie des größten nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagers annahm: Gideon Greifs vielbeachtetes Buch mit dem ausdrucksstarken und bewegenden Titel „Wir weinten tränenlos...".
Vermutlich nur bis zu 110 Häftlingen gelang es zu überleben - 110 von schätzungsweise 2200 Männern, die zwischen Mai 1942 und Januar 1945 zur Arbeit im Kommando „der lebenden Toten" gezwungen wurden. Gegenwärtig leben noch 18 ehemalige Sonderkommando-Häftlinge. Von den 110 Überlebenden haben nur weniger als die Hälfte (45%) überhaupt Zeugnis abgelegt. Von ihnen konnte Greif 24 Zeugen interviewen. Etwa ein Drittel der Befragten kommt in Greifs Buch zu Wort, das seit Januar 1999 in der überarbeiteten Ausgabe des Fischer Taschenbuchverlags vorliegt.
In Gideon Greifs Band berichten sieben von schätzungsweise zwanzig Überlebenden, die zwischen Sommer 1946 und Ende 1949 in Eretz Israel ihre neue Heimat fanden. Die Auswahl und Zusammenstellung ihrer Aussagen gibt einen relativ guten Überblick über die Zwangsarbeit des Sonderkommandos, da diese Überlebenden unterschiedlicher sozialer und nationaler Herkunft waren sowie Funktionen in verschiedenen Arbeitsgruppen hatten. Somit ergibt Greifs Interview-Sammlung eine recht gute Zusammenstellung der verschiedenen Arbeitsgruppen im Sonderkommando, liefert eine genaue Darstellung des Ablaufsschemas der Vernichtungsaktionen sowie detaillierte Informationen über die Vernichtungseinrichtungen und ihre Technik.
Bisher bleibt dieser Band das einzige Beispiel gesammelter Interviews mit ehemaligen Sonderkommando-Häftlingen weltweit. Die restlichen zwei Drittel der gesammelten Aussagen, die Greif systematisch in 18-jähriger und unermütlicher Arbeit gesammelt und aufgezeichnet hat, warten bisher noch vergeblich auf einen Verleger und auf ihre Erstveröffentlichung. Die Edition weiterer Interviews mit anderen Überlebenden wäre wünschenswert und sogar eine wichtige und notwendige Grundlage für weitere Forschungszwecke, alle Veröffentlichungs-Versuche scheiterten jedoch bisher aus „verlagswirtschaftlichen" Gründen. Diese Dokumente sollten der Öffentlichkeit 10 Jahre nach der Erstveröffentlichung von „Wir weinten tränenlos..." nicht länger vorenthalten werden. Möglicherweise ist die mangelnde Unterstützung des Projekts aber auch ein Indiz für die Ignoranz der Entscheider.
Neben der ersten Gesamtdarstellung der Geschichte des jüdischen Sonderkommandos, der im zuKlampen-Verlag im Oktober 2002 erschienenen Monographie „Zeugen aus der Todeszone", ist Greifs Werk das einzige erhältliche Buch in deutscher Sprache, das aus dem innersten Zirkel der Todesfabrik Auschwitz, dem „Innern der Hölle" (Gradowski) und „der Grauzone" der Shoah (Levi) berichtet. Neun Jahre nach der Erstveröffentlichung ist Greifs Werk nach wie vor eine unverzichtbare Quelle für die intensive Beschäftigung mit der Massenvernichtung an den europäischen Juden, ein zeitloses Dokument sowie eine eindringliche Arbeit, in der immer wieder längst verdrängte Details beim Lesen neue Aufmerksamkeit hervorrufen.
Greifs Interview- Sammlung ist ein Nachschlagewerk der Erinnerungen an das Grauen in der Todeszone, das nicht von historischen Kommentaren unterbrochen oder in größere und komplizierte Zusammenhänge eingebettet wird. Dieses bewährte Konzept macht das Buch für jeden leicht lesbar und für Interessierte unbedingt lesenswert.
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57 von 67 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Die Nahansicht der Shoa - herzzerreißend und notwendig, 12. Januar 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: "Wir weinten tränenlos...". Augenzeugenberichte des jüdischen "Sonderkommandos" in Auschwitz (Taschenbuch)
Dieses Buch zeigt die schreckliche Fratze der Shoa - des von den Nazis verübten Massenmords - aus der Sicht derjenigen, die sie aus allergrößter Nähe sahen - der Überlebenden,die in den sog. "Sonderkommandos" eingesetzt waren. Was haben diese Menschen erlebt, die dabei waren, wenn ihre Mitjuden in die Gaskammern geführt wurden, die den Toten die Goldzähne zogen und sie in die Verbrennungsöfen schoben? Das Buch geht dieser Frage mit großem Einfühlungsvermögen nach. Besonders bemerkenswert ist hierbei, daß in den Interviews nicht nur darüber gesprochen wird, was objektiv passiert ist, sondern vor allem auch darüber, wie die Überlebenden es erlebten. Die Auswirkungen auf ihre Psyche, ihre Spiritualität und ihr Weltbild werden zum Thema gemacht, so daß es dem Leser/der Leserin möglich wird, die Shoa wirklich "von innen" zu betrachten, als eine Geschichte von _Menschen_. Unvergeßlich blieb mir zum Beispiel die Antwort des Überlebenden Leon Cohen, der auf die Frage, ob er(noch)an Gott glaube, erwiderte:"Ja, aber nicht wie einer, der das alles nicht durchgemacht hat.", um sich im gleichen Atemzug zum Zionismus zu bekennen, der ihm zur "zweiten Religion" geworden war. Als "Nahaufnahme" des Abgrunds, der sich hinter dem Namen "Auschwitz" verbirgt, ist "Wir weinten tränenlos" ein herzzerreißendes Buch. Es ist jedoch auch ein sehr notwendiges Buch. Notwendig, weil es uns nicht nur klar macht, daß tatsächlich 6 Millionen Juden ermordet wurden, sondern auch, daß jeder dieser 6 Millionen ein Gesicht und ein Herz hatte, so wie die Menschen, die in diesem Buch ihre Geschichte erzählen. Ich empfinde Dankbarkeit dafür, daß wenigstens diese Menschen überlebt haben und den Mut gefaßt haben, Zeugnis abzulegen wider die Barbarei. Wir brauchen sie!
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41 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen unwirkliche Wirklichkeit!!, 2. Juli 2004
Rezension bezieht sich auf: "Wir weinten tränenlos...". Augenzeugenberichte des jüdischen "Sonderkommandos" in Auschwitz (Taschenbuch)
Beim Lesen dieses Buches kam es mir oft vor, wie ein schlimmer Alptraum, ich konnte das da geschreibene nicht begreifen, konnte nicht realisieren, dass diese Ereignisse wirklich so stattgefunden haben. Doch durch die Berichte der ehemaligen Häftlinge wird dieser unwirklich erscheinende Alptraum zur Realität! Man kann begreifen, was damals geschah, wie die Menschen sich fühlten... obwohl das wohl kaum mit Worten auszudrücken ist. Doch genau das ist hier ausgesprochen gut gelungen!
Das Buch ist nicht einfach zu Lesen, da man direkt mit den unbegreiflichen Taten früher im KZ Birkenau konfrontiert wird. Teilweise liefen mir die Tränen über das Gesicht, an anderen Stellen musste ich das Buch aus der Hand legen... Manchmal ist es so grauenvoll, dass es unwirklich erscheint, und wenn man dann anfängt zu begreifen, ist man unfähig zu weinen vor Trauer, Schmerz und Wut!
Eines der besten und wichtigesten Bücher zu diesem Thema!
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