Ein schnelles Buch, in dem sich für die Hauptperson, den 15-jährigen Lukas, genauso wie für den Leser, die Ereignisse überschlagen:
Obwohl man sich in die gesamte Situation erst hineinfinden und sich das Gesamtbild nach und nach puzzleartig zusammenbauen muss, ist man dennoch sofort mitten im Geschehen. Das soll aber keineswegs heißen, dass das Buch chaotisch und undurchschaubar ist.
Dieses Roadmovie wirft Lukas und mit ihm den Leser mit vollem Karacho in die Handlung. Die ersten „Hämmer" kommen so schnell und heftig, dass dadurch sofort absolute Spannung herrscht: „Wie geht es weiter?", lautet die stets präsente Frage, und man verschlingt Seite um Seite. Es geht um keine Heile-Welt-Vater-Sohn-Beziehung, sondern um ein durch und durch problembehaftetes Verhältnis. Wie beide lernen, Position zu beziehen und sich doch dem anderen anzunähern, Verständnis, Ablehnung, die Durchsetzung eigener Interessen, Verwandtschaft, Liebe, Freundschaft und Unabhängigkeit neu zu definieren, ist ein interessanter Prozess.
Das Buch ist rasant, derb und geheimnisvoll - letzteres im wahrsten Sinne des Wortes, denn was sich in den Koffern, dem Diebesgut, befindet, wird nicht preisgegeben. Das Ende ist genial: Ja, es ist offen - man erfährt nichts über das weitere Schicksal von Lukas, seinem Halbbruder Neil und deren Vater -, das kennt man ja schon, aber es betont diese Offenheit noch dadurch, dass es mit einem Satzbruch endet. Der letzte Satz verliert sich auf dem Papier und in den Gedanken des Lesers.
Die Sprache bzw. der Schreibstil ist lebendig, ungemein geistreich und sehr wirklichkeitsgetreu. Die ungezwungene Sprache hat genau das richtige Maß an Flapsigkeit und Umgangssprache, ohne im Buch unangemessen oder aufgesetzt zu wirken. Ebenso sind alle vorkommenden Personen äußerst plastisch, die Atmosphäre unglaublich dicht.
Nicht zuletzt wirken die Kapiteleinteilung und die Aufmachung logisch, klar und modern.