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17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Über den Teufel lachen können, 27. Dezember 2006
"Mein ganzes Streben geht dahin, daß jedermann, der meine Werke gelesen hat, nach Herzenslust über den Teufel lachen kann", schrieb Gogol einmal. Und zu Lachen gibt es für den Leser der "Toten Seelen" wahrhaftig genug, auch über den Teufel, und wenn es nur der Teufel ist, der im Detail steckt, oder über den Teufel in der Bürokratie mit ihren zahlreichen Pferdefüßen, oder über den kleinen Teufel, der in jedem Menschen irgendwie steckt. Mit unnachahmlicher Bravour beschreibt Gogol in seinen "Toten Seelen" (einem Stoff, den er von seinem älteren Freund Puschkin erhalten hat)das sich selbst verwaltende Chaos der damaligen russischen Bürokratie. Gemeinsam mit seinem Helden Tschitschikow - ebenfalls ein Gauner und Hochstapler - führt er uns in eine Welt aus Korruption, Selbstbetrug und vor allem Lächerlichkeit. In einer satirisch übersteigerten Darstellung des allgegenwärtigen Bürokraten- und Pedantentums reißt er den im Roman auftretenden Personen die Maske herunter, legt das Tölpelhafte bloß, das hinter der Großmannssucht steckt, deckt die Gemeinheiten menschlichen Strebens auf, reißt respektlos die blendenden Fassaden nieder, die den Aufschneider und Großtuer umgeben. Nicht umsonst verleiht Gogol seinem Protagonisten Tschitschikow die Statur und die Physiognomie eines Napoleon. Obwohl die Handlung äußerst dürftig ist, so dürftig, daß man kaum von einer Handlung sprechen kann, fesselt einen das Buch durch die Ironie und den Sprachwitz seines Autors. Ich habe es bereits zum zweiten Male mit großem Vergnügen gelesen. Leider hat Gogol Teile des Manuskripts in der Folge seiner Hinwendung zur Religiosität, die später sogar in einen religiösen Wahn mündete, wieder vernichtet.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Schade,..., 18. November 2002
...dass Gogol sein Werk nicht vollenden konnte. Drei große Teile wollte er schreiben(angelehnt an Dantes „Commedia"), zwei sind es nur geworden, wobei der zweite Teil schon in einigen Passagen aus Fragmenten besteht, was vor allem an Gogols großer „Verbrennlust" liegt: der zweite Teil war schon druckfertig, als Gogol selbst ihn verbrannte! Dann fing er wieder an zu schreiben, war mit einigen Kapiteln nicht zufrieden und vernichtete diese dann (Auch einige Erzählungen vor den „Toten Seelen" mussten dran glauben!), so dass der zweite Teil mühselig aus den übrig gebliebenen Seiten zusammengesucht werden musste. Die Frage ist nun: Lohnt es sich, einen Roman zu lesen, der nicht einmal richtig fertig ist? Die Antwort: Ja, es lohnt sich! Nicht nur, dass wahre Größen wie Dostojewski Bezüge zu Gogols Roman schafften oder auch Puschkin und Thomas Mann ihn kannten und bewunderten - darin allein muss ja schon ein Grund liegen! -, nein, der Leser selbst wird diesen Roman zu schätzen wissen und nicht so leicht Tschitschikow, nebst anderen höchst skurrilen Figuren vergessen. Was dem Roman in der Kritik oft vorgeworfen wurde, ist seine Handlung im ersten Teil. „Da reist der Held doch nur von einem Gutsbesitzer zum anderen und kauft ihm tote Seelen ab - mehr ereignet sich doch nicht!" Nicht ganz. Denn zum einen versteht es Gogol den Leser mit großartigen, spleenigen Einfällen zu unterhalten (selbst Puschkin musste wohl sehr oft lachen, als Gogol ihm vorlas), zum anderen ist jeder der von Tschitschikow bereisten Charakteren anders gestaltet (der eine servil, der andere jähzornig, der eine dumm, der andere geizig), was unseren Helden sehr wandlungsfähig machen lässt, machen muss. Auch der verräterische Nosdrew muss hier erwähnt werden, denn dieser ist der einzige, der Tschitschikow keine toten Seelen verkauft und ihn ständig in peinliche und auch gefährliche Situationen bringt. Und dann ist da noch die genaue, fast schon radikale Beobachtungsgabe Gogols oder liest man etwa alle Tage, wie ein Schwein ein Küken verschluckt?! Solche Einfälle und Szenen sind sehr oft in den „Toten Seelen" zu lesen. Erstaunlich, bei einem Autor, der psychisch oft so angeschlagen war. Auch der komplexe Charakter des Protagonisten ist bemerkenswert. Ist doch unser Tschitschikow keine gleichmäßig böse Figur, sondern hat auch viele gute Seiten, die erst so richtig im zweiten Teil immer mehr zum Vorschein kommen. Und im nicht vorhandenen dritten Teil sollte dann die völlige Wandlung beschrieben werden, was leider nicht mehr zustande kam. Auch der teilweise lückenhafte zweite Part des Romans fängt (wegen einiger Längen) zu wackeln an, fängt sich aber dann wieder sehr schnell. Dort wird vor allem dann der Charakter des Helden genauer unter die Lupen genommen und dort fängt die Wandlung langsam und daher auch glaubwürdig an, am besten vielleicht in einer Szene im Gefängnis mit einem alten Mann, aber es soll hier nicht mehr verraten werden. Gogols „Tote Seelen" bleiben das, was sie sind: ein unvergessliches Stück Literatur, welche sich viele Autoren danach zu Nutze machten und immer wieder daraus rezitierten oder Bezüge schafften. Auch wenn hier etwas fehlt, was ansonsten in jedem russischen Roman zu lesen ist, nämlich die Liebe (wird nur ganz am Rande erwähnt), so hetzt Gogol trotzdem den Helden durch Themen, wie Verrat, Neid, Faulheit, Unmenschlichkeit, Prasserei, etc. Und...vergisst niemals dabei den Humor.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Gogols unvollendetes Meisterwerk, 29. Mai 2009
Nikolai Gogol, bekannt auch durch zahlreiche Kurzgeschichten wie "Die Nase" oder "Der Mantel", schuf mit den "Toten Seelen" seinen einzigen Roman, der leider unvollendet blieb. Das Manuskript zum zweiten Teil verbrannte er in einem Anfall von Wahnsinn. Verloren zwischen religiösem Fanatismus und schöpferischer Krise starb Gogol im Alter von gerade einmal 42 Jahren. Umso erstaunlicher, daß ihm eine der großartigsten und auch über Russland hinaus bekanntesten Satiren gelungen ist, die je das Licht der Welt erblickt haben. Der Nachwelt erhalten blieben nur der erste Teil, sowie Fragmente des zweiten Teiles der ursprünglich geplanten Trilogie. Tschitschikow, der Protagonist, reist auf einer Kutsche von Gutsbesitzer zu Gutsbesitzer, um ihnen verstorbene Leibeigene, die sogenannten toten Seelen, abzukaufen und später, da sie in den Revisionslisten bis Ablauf des Jahres noch als lebendig geführt werden, gewinnbringend verschachern zu können. Nicht mehr und nicht weniger ist die Handlung. Die Geschichte zieht ihren Reiz aus den Begegnungen mit den so unterschiedlich gearteten Gutsbesitzern, bei denen Tschitschikow oft sein blaues Wunder erlebt. Sämtliche Charaktere sind herrlich verschroben, Gogol karikariert nicht nur die Eigenarten des Adels, der höheren Gesellschaft, sondern der Menschen an sich. Frech und respektlos legt Gogol menschliche Schwächen bloß, spottet liebevoll über alles und offenbart so ganz nebenbei auch die Missstände im damaligen Russland. Am vortrefflichsten gelungen ist der Protagonist Tschitschikow, an und für sich ein Gauner und Halsabschneider, aber auch so liebenswürdig und schelmisch, daß man oft selbst grinsen muss, wenn er mal wieder einem ahnungslosen Gutsbesitzer die toten Seelen abschwatzt oder in Teufels Küche gerät. In Zeiten, in denen Humor oft mit Klamauk und pubertären Witzen gleichgesetzt wird, in denen der Zuschauer im TV oder der Leser von ach so aktueller Satire mit meist niveaulosem Stumpfsinn konfrontiert wird, ist Gogols subtiler und amüsanter Humor eine wohltuende Abwechslung. Um Missverständnissen vorzubeugen: "subtil und amüsant" bedeutet trotz allem, daß man an vielen Stellen Tränen lachen kann und wird. Gogols Stil ist wunderbar, mühelos meistert er die Satire, eine der schwersten literarischen Kunstformen überhaupt. Immer wieder tritt er als Autor auch selbst in Erscheinung und ist sich nicht zu schade, über sich selbst zu spotten. Zum Ende hin fällt die Qualität des Romans ab, aus dem bereits genannten Grund, daß vom zweiten Teil nur noch Fragmente übriggeblieben sind und so stellenweise ganze Kapitel fehlen. Trotz allem gibt es fünf Sterne, weil Gogol bis dahin ein phantastischer, lesenswerter Spaß gelungen ist. Wem Gogol gefällt, der kann im Anschluss direkt bei Bulgakow fortfahren - meiner Meinung nach der einzige Autor, der sich in der Satire mit Gogol messen kann.
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