Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein außergewöhnliches Debüt, 7. März 2004
"Tagelang" ist ein außergewöhnliches Romandebut, vielleicht das beste (deutschsprachige) in diesem Früjahr. Christian Bernhardts Gespür für Rhythmus, Wort-Wiederholungen ohne Redundanz, seine glasklare, man könnte auch sagen: eiskalte Präszision bei der Beschreibung der alltäglichsten Dinge, poetisch und steril zugleich, das alles entfaltet eine hypnotische Wirkung. Es passiert wenig in diesem Buch: Das Wichtigste i s t bereits passiert; ein Mann und eine Frau hatten einen Autounfall, sie liegt im Koma, er leidet unter Gedächtnisverlust. Jetzt erinnert er sich; in kurzen Episoden entsteht das Bild eines Durchschnittsleben, so durchschnittlich wie das Reihenhaus, in denen das Paar wohnt, im Vorort einer namenlosen Stadt, die vielleicht wiederum selber nur der Vorort einer anderen, größeren Stadt ist. Das alles erinnert hinsichtlich der Handlung und des episodenhaften Beschreibungsstils oft an den jungen deutschen Film, an die Filme Christian Petzolds z.B. und vor allem an „Bungalow". Vielleicht liegt hier auch die Schwäche des Buches: Nicht unbedingt einleuchtend ist die Schreibsituation des Ich-Erzählers, warum schreibt er das alles, und warum ordnet er es so (schick) mosaikartig-fragmentarisch an? Auch die Handlung (Autounfall, Gedächtnisverlust), das kennt man ja, das sind mittlerweile Standardthemen geworden. Umso erstaunlicher ist es, daß das Buch all diese Schwächen mühelos wegsteckt: Die stilistische Brillanz und der Mut, ein parabelhaftes Buch über einen seltsam fremden Alltag zu schreiben, der der unsere ist, machen Christian Benrhardt zu einem der Talente der jungen deutschsprachigen Literatur, auf deren nächste Veröffentlichung man gespannt sein darf.
|
|
|
1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Was ist geschehen?, 20. September 2004
Ein Unfall hat sich ereignet: ein Paar verunglückt mit dem Auto auf der Landstraße. Während die Beifahrerin im Krankenhaus im Koma liegt, wird der Fahrer und Ich-Erzähler nur leicht verletzt. Er versucht, sich an den Unfall zu erinnern, doch dieser ist aus seinem Gedächtnis verschwunden. Der Erzähler verbringt seine Zeit deshalb allein im gemeinsamen Reihenhaus und versucht, die Erinnerung an das Geschehen zurückzuerlangen. Die Zeit vor dem Unfall stellt sich dabei als ein Leben ohne Höhepunkte dar, das im Alltäglichen erstarrt ist, dem im Einerlei von Reihenhaus und Einkaufsparadies das Leben abhanden gekommen zu sein scheint. Bernhardt schildert in seinem Romandebüt dieses gemeinsame Leben in geordneten, genormten Verhältnissen - das eigentlich ein „nebeneinander-her-leben" ist - sehr eindringlich. Er zeigt sich als scharfer, detailgenauer Beobachter des Alltäglichen und lässt eine sinnleere, leidenschaftslose Welt vor den Augen des Lesers entstehen. Stilistisch erzielt er diese Wirkung unter anderem durch z.T. recht exzessive Benutzung von Wort- und Satzwiederholungen, die - auch wenn man deren absichtsvolle Verwendung voraussetzt - gelegentlich etwas zu konstruiert wirkt und den Lesefluss hemmt. Auch sind die Themen Entfremdung, Fremdbestimmtheit und Vereinsamung in der Arbeits- und Konsumwelt spätestens seit den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts schon sehr (zu?) häufig Gegenstand der Gegenwartskultur gewesen. (deshalb nur drei, eigentlich dreieinhalb Sterne) Dennoch ist Bernhardt ein sehr interessantes und lesenswertes Buch gelungen, das durchaus empfehlenswert ist und darüber hinaus weiteres von diesem Autor erwarten lässt.
|
|
|
|