Es geht mir hier nicht ums Vergleichen generell, sondern speziell um den Versuch, wie in einer Wettkampfkonkurrenz, wie in einem Autorennen einen absoluten Favoriten, einen Sieger auszulesen. Hinter dem "Wer_kann's_am_besten", das ja immer wieder in diesen Foren auftaucht... sehe ich einerseits die Wünsche, oberlehrerhaft Vorschriften zu machen, mit Halbwissen zu glänzen - und andererseits sich als Normalmensch zu überhöhen mit dem Rumwerten von Produkten besonderer Menschen. Ein "Welche_Aufnahme_entspricht_wohl_am_ehesten_den_Intentionen_des_Komponisten" hätte auch schon ein Hautgout der Hybris, würde aber wenigstens einen Rahmen vorgeben, der über: "Bruce Lee kann aber weiter springen" hinausgeht. Auch wird bei solchen Gelegenheiten immer wieder so heuchlerisch und verzweifelt versucht, total subjektive Eindrücke in das Gewand des Fakts und des Objektiven zu stecken. Ich gebe Ihnen mal ein Beispiel: Callas. Für mich alle erhältlichen Aufnahmen Unterwassersound, kaum anhörbar. Und Nervenzusammenbrüche während der Performance sollten Bluesern und Jazzern vorbehalten bleiben. Soll und Haben also in geradezu lachhafter Diskrepanz. Wenn ich jetzt so tue, als hätte diese völlig subjektive Einschätzung eines Laien den Anspruch eines Dogma, dann sind wir bei der ganzen Fragwürdigkeit dieser "Besser_als"-Fragen. (Und nein - ich habe nicht übertrieben; immerhin wird ja gelegentlich sogar die Political Correctness des Interpreten als Qualitätsmerkmal seiner künstlerischen Arbeit gewertet.) Selbstverständlich bin ich nicht fähig, mich in eigener Person wirklich streng an diese Ansprüche zu halten; ich wünsche mir allerdings, es gäbe wenigstens ein Bemühen, auch allgemein. Einschätzungen verändern sich doch auch situativ, mit der Stimmung oder langfristig mit der lebenserfahrung. Die Ehrlichkeit, das Subjektive nicht als Objektives zu verkleiden!
Lieber Herr Steinecke - ein Thread wie dieser wird sicher nicht gut ankommen, ihre Kernaussage lässt sich aber in der Tat auf eine Reihe der zu diesem Forum Beitragenden anwenden. Indes, auf manch einen wiederum nicht. Und doch: Die von Ihnen genannte Darstellungsform ist ein Grund für mich, hier nur noch selten vorbeizuschauen, frage ich mich doch, wo bei der Verbissenheit einiger Teilnehmer die Freude an der Musik bleibt. Die von Ihnen bezeichnete Technik, durch Lobpreis einer vermeintlich unantastbaren Institution (sei es wie in Ihrem Beispiel die Callas) einen Glanz auf die eigene, offensichtlich "verstehende", ja anscheinend "eingeweihte" Person fallen zu lassen, ist eine Argumentationsstrategie, die einen so langen Bart hat wie Barbarossa. Dennoch scheint sie dem ein oder anderen noch etwas zu geben. Aber das ein oder andere Ego möchte scheint's noch mal gestreichelt werden - und wenn man es selbst machen muss. In anderen Foren habe ich das bisher so nicht erlebt. Sicher hat man seine Vorlieben, aber Aufnahmen aufgrund angelesenen Halbwissens und persönlichens Geschmacks in die Sphären des Sakrosanten zu erheben, wie es hier bisweilen geschieht, das hat schon etwas ganz Pikantes... Hinzu kommt, dass viele Stimmen dann schweigen oder nur noch sehr wenig zu sagen haben, wenn nicht mehr über tote Künstler gesprochen wird, eine Unsitte, die ich ganz besonders ärgerlich finde, weil sie nicht zuletzt Beleg für Einschränkungen und Unoffenheit einiger Schreibender ist. Da kommt oft nach Klemperer und Karajan nicht mehr viel, weil man danach aufgehört hat sich weiter umzuhören und die Ohren seit Schließung der Plattensammlung mühselig verstopft hält. Aber kann das wahrhaftig so sein? Keine herausragenden Musiker unter den Lebenden? Ich bezweifle es. Nun wird vielleicht ein großer Sturm im Wasserglas heraufbeschworen sein. Ich fürchte mich förmlich vor den altersweisen Kommentaren. Wird wieder einmal von Stilfragen gesprochen, von politischen Positionen, von Menschlichkeit, Sarkasmus, Bösartigkeit und und und? Man darf gespannt sein.
Antwort auf den Eintrag von Wolfgang-Armin Rittmeier:
vielleicht bin ich ja zu doof! Aber wo ist Ihr Problem? Was ist Ihre Frage? Was ist das Thema? Wie soll man dazu Stellung beziehen, ohne das heraufzubeschwören, was Sie beklagen (s.Beitrag v. Herrn Rittmeier)?
@Martin Gumpert: Diese Foren eines Onlineversandhändlers gehen mir persönlich nicht nahe genug, um ein Problem sein zu können. Ist das Fragestellen hier irgendwie eine Verpflichtung? Ist das hier so eine Art Oberlehrerbedarfsanstalt? Es kommen doch ohnehin meist bloße Selbstdarstellungen, denen man kaum trauen kann, was den Gehalt an wahrhafter Information angeht! (Dies ist ja auch keine echte Premiere der Metakommunikation, hier.) Das Thema ist die Vorspiegelung von Bildung, Sachkenntnis und Objektivität als Werkzeug im Versuch, begabtere Menschen herabzusetzen, um die eigenen Mittelmäßigkeitskomplexe zu dämpfen - und, vice versa, auch das Fandom, wie der Herr Rittmeier richtig betont. Schulmeisternde Menschen versuchen in Selbstüberhebung abwechselnd den Bohlen zu machen und auf den Schultern von Riesen zu stehen.
Alles schön und gut, lieber Stefan Steinecke, ich wollte doch nur bescheiden nachfragen, was Sie gemeint haben, damit ich, wenn ichs verstanden habe, vielleicht Stellung beziehen kann. Nicht mehr und nicht weniger. Ist das zuviel Frage, zuviel Oberlehrerdasein, zuviel Selbstdarstellung, zuviel schulmeisterliche Selbstüberhebung (um Ihre gewählten Worte zu verwenden)?
@Martin Gumpert: Habe zu viele Seltsamkeiten in diesen Foren gesehen - und mag dabei ein wenig gehässig geworden sein. Falls ich Ihnen da unfreundlicher begegnet bin, als es angemessen war, so möchte ich mich hiermit entschuldigen! Die Amazon-Foren tun mir nicht gut, das sehe ich.
eigentlich will ich mich zu dieser anfrage (und ein paar inzwischen 'seriösen' antworten) nicht äussern, deshalb nur soweit: wer sich zu einem musikalischen fixpunkt wie dem der 'callas', für seine in-fragestellung beispielhaft und derart fragwürdig äussert, entzieht sich m.e. jeder ernsthaften musikalischen diskussion. solcherart künstlerischer ignoranz hat gar nichts mehr mit persönlich-eitlen vorbehalten oder meinungen zu tun, dies ist schlichtweg ausdruck ('unterwassersound') von inkompetenz.
Du liebe Güte, was ist das denn hier für eine Geschmackspolizei? Seit wann muß man denn jeden großen Künstler mögen? Und welcher Callas-Fan wünscht sich denn nicht, es hätte damals bessere Aufnahmetechnik gegeben? Daß sie nicht unbedingt "schön" gesungen hat, ist doch schon immer unbestritten und eben Teil ihrer Einzigartigkeit. Mögen müssen muß man sie deshalb doch noch lange nicht und muß deshalb auch nicht inkompetent sein. Und ich finde auch, daß sich subjektive Einschätzung auch bei "musikalischen Fixpunkten" ändern kann. Mir geht es bei Fischer-Dieskau so, der früher mein Sängergott war und den ich inzwischen - unter dem Eindruck heutiger schlichterer Gesangstechnik - mit seinen Manierismen und Forcierungen schwer erträglich finde. Trotzdem schätze ich seine Verdienste unverändert hoch. Objektive Anerkennung ist nicht unbedingt dasselbe wie subjektiver Geschmack.
@gemi-b: Ich werde Ihnen per-sön-lich-er-seits nicht hilf-reich-hel-fen, gar Unter-oder-Ober-stützung geben, ja bie-ten, auch dieses Thema in die üblichen arabesken Bahnen ent-gleisen-entgleiten zu lassen. Wäre ein-fach zu, so zu er-achten finde ich - meiner-einer-seits - statthaft, meiner-seits, das be-scheuerte Tun, tun-lichts - tundunkelst auch! - zu unter-lassen!