Hallo liebe Freunde handgemachter Musik. Zunächst möchte ich mich über die vielen interessanten Beiträge hier im Forum bedanken, die mich schon seit Stunden gefangen halten.
Ich suche zum einen eine moderne, sauber produzierte (Studio-)Aufnahme von Mozarts Klaviersonate Nr. 11, mit Energie und Schwung insbesondere im Rondo alla turca. Das Klavierspiel soll clean (= nicht verwaschen), fehlerfrei und rhythmisch sauber sein. Sozusagen eine moderne Referenzaufnahme (böses Wort, ich weiss).
Und zum anderen suche ich noch eine Orgel-Aufnahme von Toccata und Fuge in d-Moll (BWV 565). Bei dieser ist mir ein sauberes, fehlerfreies Spiel ebenfalls sehr wichtig, die Aufnahme soll zudem modern sein und modern klingen (kein Hintergrundrauschen etc.), zudem voluminös (große Orgel) aber trotzdem sehr differenziert, und natürlich energiegeladen. Der Organist darf dabei ruhig etwas mehr Gas geben als gewöhnlich.
Ich hoffe, mein Anliegen wird verstanden werden. Ich bin ein Neuling auf dem Gebiet der klassischen Musik, das notwendige Vokabular fehlt mir noch zu großen Teilen.
Schonmal vielen Dank für eure Hilfe und viele Grüße ins Forum!
Bei BWV 565 und überhaupt wenn es um Bachs Orgelwerke geht lautet meine eindeutige und uneingeschränkte Empfehlung Simon Preston. Er hat von Ende der 1980er Jahre bis in die 1990er Jahre alle Orgelwerke von Bach auf verschiedenen Orgeln, ich glaube alles deutsche Kirchenorgeln u. a. die Orgel im Lübecker Dom.
Es gibt 2 Einzelveröffentlichungen aus Prestons Gesamtaufnahme wo jeweils BWV 565 mit enthalten ist und in Kombination mit anderen Bachschen Orgelwerken, wobei es bei BWV 565 jeweils die gleiche Aufnahme ist:
Ob das alles Referenzaufnahmen sind weiss ich nicht aber mir persönlich gefallen sie jedenfalls sehr gut aber die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden und so solls ja auch sein.
Ich bevorzuge die Aufnahmen von Karl Richter (Bachs Orgelwerke), sie sind zwar aufnahmetechnisch nicht als modern einzustufen (60-iger Jahrer), dafür sind sie m. E. interpretatorisch (ist natürlich immer Geschmackssache) großartig. Bei den Mozart-Sonaten gibt es hervorragende Digital-Aufnahmen von Mitsuko Uchida, aber auch die Analog-Aufnahme von Alfred Brendel (DUO-Serie bei Philips) sind überzeugend.
bei Orgelwerken mit Karl Richter stimme ich Ihnen zu. Die 2.Aufnahme mit Helmut Walcha finde ich auch sehr gut. Seine erste aus den 40ziger Jahren auch. Aber da hört man doch das Alter. Bei der Sonate von Mozart rate ich auch zu Mitsuko Uchida. Aber auch zu Wilhelm Kempff. Auch wenn ich nicht mit allem einverstanden bin, was Glenn Gould in seiner Gesamteinspielung gemacht hat, so finde ich den türkischen Marsch doch von allen seinen Mozart - Aufnahmen am besten.
Vielen herzlichen Dank für Ihre bisherige Kommentare.
Ich habe mir eben das Album Mozart: Piano Sonatas Nos. 8, 11 "Alla turca" & 12 - Fantasia in D Minor; Mitsuko Uchida (Decca) gekauft; die Aufnahmen gefielen mir etwas besser als die von Wilhelm Kempff, die ich beim Probehören als "etwas weniger fließend" empfunden habe, auch als etwas angestaubter (wobei letzteres auch mit dem Plattencover zu tun haben könnte). Da die Klassik relatives Neuland für mich bedeutet, verlasse ich mich bisher ganz auf mein persönliches Geschmacksempfinden, welches sich leider nicht immer konkret formulieren lässt.
Die Aufnahme von Lars Vogt konnte ich nicht finden, die Samples bei Amazon sind aber vielversprechend. Andras Schiff habe ich ebenfalls nur auf diese Art "probegehört", und aufgrund des günstigen Preises mal in meinen Amazon-Warenkorb gesteckt, die Scheibe kommt dann bei der nächsten Bestellung mit dazu. Vielen Dank für die tollen Tipps!
Simon Prestons T&F waren leider nicht das, was ich mir vorgestellt habe, Karl Richter hat mir im ersten Teil schon etwas besser gefallen, aber auch nicht 100%ig. Vielleicht habe ich da auch einfach falsche Vorstellungen. Ich suche eine Aufnahme, die mich über Zimmerlautstärke "so richtig vom Hocker reißt", absolute Werktreue ist nebenrangig.
Diesbezügliche Empfehlungen sind gerne weiterhin willkommen.
Auch wenn's keine generelle Empfehlung sein soll: Hören Sie doch mal bei "Michael Murray - Organ Blaster Sampler" rein, darin enthalten die Toccata d-moll J.S. Bachs und die sehr bek. Toccata der 5.Symphonie Widors, oder "Michael Murray - Bach Organ Blaster" mit derseben Toccata und Fude d-moll beim US-Label Telarc, das bekanntlich mit besonderen Klangerlebnissen wirbt. Mit einigen Aufnahmen von Telarc (mit Kunzel, Shaw, Loussier...) bin ich zufrieden oder sehr zufrieden. Sonst noch: Ton Koopmann, z.B. bei Warner/Teldec (Toccaten & Fugen BWV 538, 540, 565), mit eigenen Verzierungen. Ob Nennungen weiterer der von CD weltbekannten Bach-Organisten Edward Power Biggs, Marie-Claire Alain (bei Alain, Erato, mehr Raumtiefe und auch Hall als bei Biggs oder Walcha) zweckdienlich sind, erschiene mir aufgrund der Ausführungen zu Simon Preston, den ich schon effektvoll empfand, im Sinne Ihrer Suche fraglich.
Interessant fand ich den Ausdruck "rhythmisch sauber" in Eques T.'s Frage. Man könnte ihn - über die Intention des Fragers hinaus - als das Verlangen nach nicht-'romantisierenden' Interpretationen sehen. Also z. B. kein rubato, kein rechtes Pedal. Fände ich aber für mindestens eine der Variationen des 1. Satzes von KV 331 ein schwieriges Kriterium. Und: was ist z. B. mit der Vorschlags-Notation der ersten schnellen Note im Rondo-Thema? Meistens habe ich da immer vier GLEICH schnelle Noten gehört.. und fand das auch o.k. Lediglich bei Claudio Arrau habe ich einen richtigen 'Stolperer' von der ersten in die zweite Note in Erinnerung, was reizvoll ist - aber 'rhythmisch genau'? Keine Ahnung..
Da für Sie ja absolute Werktreue nebensächlich ist, empfehle ich Ihnen alternativ Stokowskis Orchesterfassung von T & F. Da geht wirklich die Post ab. Stokowski hat mindestens zwei Stereoeinspielungen von T & F gemacht: 1958 für Capitol/EMI (ASIN: B000002S9M) und 1973 für Decca (ASIN: B00000428V). Außerdem gibt es bei Naxos eine gute preiswerte Aufnahme mit dem Bournemouth Symphony Orchestra unter José Serebrier, der von 1962-68 Stokowskis Assistent war (ASIN: B001LKLKRK).
Ergänzend zu Stokowskis Orchesterfassung von BWV 565 gibt es eine weitere interessante Bearbeitung für Blechbläserensemble, eingespielt von German Brass. Das macht auch großen Spass beim Anhören.
Wenn es um das Rondo Alla Turca von Mozart geht, dann will ich hier mal weisen auf den grössten Jazzpianist der Niederlande, Louis van Dijk, der Alla Turca auf seine eigene sehr schöne Weise verjazzt hat.
Bitte, nicht denken : der kann es nicht da wir ihn nicht kennen. Louis ist auch sehr populär in Japan wo er sogar für seine Orgelinterpretationen von Beatlesmusik eine goldene Platte erhalten hat.
Ich bin gespannt was Sie von dem verjazzten Rondo ala turca finden: http://www.youtube.com/watch?v=zk-HSvC1PHk
Die CD Louis van Dijk/Mozart ist leider zur Zeit nicht mehr erhältlich, aber wenn seine Webseite http://www.louisvandijk.nl sich öffnet, sind einige Kompositionen von dieser CD komplett zu hören.
Bei JPC gibt es Hörproben von seiner neueren CD "Mostly Mozart" http://www.jpc.de/jpcng/jazz/detail/-/art/Louis-Van-Dijk-Mostly-Mozart-Live-In-Concert/hnum/3775751 (Amazon kann diese leider im Augenblick nicht liefern, zwar einige andere ohne Mozart, aber vielleicht doch nächste Woche wieder?)
das verjazzte Rondo alla turca gefällt mir persönlich sehr gut. Ist mal was anderes. Das erinnert mich an Jacques Loussier, der für seine Jazzversionen insbesondere der Musik von Johann Sebastian Bach berühmt wurde.
Passend dazu Loussiers Version von BWV 565: http://www.youtube.com/watch?v=4xng_QbhHGY&feature=related
Michael Murray war ein super Tipp! Die Versionen von Ton Koopmann und Edward Power Biggs sind auch ganz ok, aber letzten Endes habe ich mich für die Version von Marie-Claire Alain entschieden, das ist genau die, die ich gesucht habe. Das liegt wohl nicht nur an ihrem Spiel, sondern insbesondere auch an dem spezifischen Orgelsound der Aufnahme. Speziellen Dank an Fidelio!
@ Manuel Rivera: ich freue mich, dass Sie meine Suchanfrage genau gelesen und ernstgenommen haben, aber um ehrlich zu sein habe ich mir solche weit führenden Gedanken nicht gemacht; ich kenne gar nicht die Partitur. Mit "rhythmisch sauber" meinte ich eine technisch saubere Ausführung, z. B., dass alle 4 Viertelnoten eines 4/4-Takts auch gleich lang gespielt werden. Ich hatte Bach da einfach nicht als ausgesprochen progressiv in Erinnerung.
Stokowskis Bach spricht mich nicht sonderlich an, abgesehen davon ging es mir schon darum, eine Orgel zu hören. Für German Brass gilt dies ebenso - nur klingt deren Version in meinen Ohren schon beinahe zum Fürchten.
Back to Mozart: Louis van Dijks Jazzversion ist zwar auch überhaupt nicht, was ich gesucht hatte, aber dennoch so nett anzuhören, dass ich mir seine CD "Mostly Mozart" gleich besorgen musste.
Ich möchte meine Suche hiermit als abgeschlossen erklären und mich noch einmal bei Ihnen allen für die tollen Tipps und die überaus freundliche Hilfe für einen Neuling in diesem Forum bedanken.
bei 'freunden handgemachter musik' - alles super, was? - erfreut man sich doch ungeteilter mitteilsamkeit und einem bunten sammelsurium von richter, koopman und der m-c. alain, der verjazzte jacques kommt noch dazu - nur die swingles, die singers, die habens vergessen, die waren in den 60ern absolut super-hi-fi auf philips und haben dem bach vor andren den swing beigebracht! kann man nicht wissen, wenn man so neo-klassisch ist.