Kurzbeschreibung
Die Patientinnen und Patienten, deren Geschichten die israelische Psychoanalytikerin Ilany Kogan in diesem Buch erzählt, haben eines gemeinsam: Sie gehören der sogenannten zweiten Generation an, sie sind Kinder von Überlebenden des Holocaust. Ihre Wahrnehmung der Gegenwart ist geprägt durch eine Vergangenheit, die nicht ihre eigene ist. Von einem Zwang geleitet, der ihnen selbst unerklärlich ist, tun sie Dinge, die, wie sich im analytischen Prozeß allmählich herausstellt, aufs engste mit der Geschichte ihrer Eltern verbunden sind: Ein junger Mann verletzt seinen Vater - einen Überlebenden -, als dieser ihn von einem Selbstmordversuch abhalten will; der Säugling einer Frau stirbt bei einem Autounfall, den sie selbst herbeigeführt hat; eine Frau empfindet ihre Familie als Gefängnis und unternimmt immer wieder Ausbruchversuche. Um das Verhältnis von Realität und Phantasie so beherrschen zu lernen, daß mit Hilfe der Analytikerin die Entstehung eines neuen, gefestigten Selbst und die Erfahrung von Glück, Liebe und intakten Beziehungen möglich ist, müssen im Zuge des psychoanalytischen Gesprächs die Patientinnen und Patienten zu schlüssigen Lebensgeschichten finden. Dies kann freilich nur geschehen, wenn die teilweise fast unzugängliche Geschichte der Eltern und Verwandten, die den Holocaust überlebt haben, aufgeklärt wird. Ilany Kogan gelingt es auf eindrucksvolle Weise und mit großer Intensität, diesen Prozeß nachvollziehbar zu machen und darzustellen, welche verheerenden Folgen der Holocaust langfristig zeitigt.