Ich hatte dieses Buch gerade zu der Zeit angefangen, als sich die Meldungen von vermissten und dann auch von missbrauchten toten Kindern in den Medien häuften.
Die bedrückende Wirkung dieses Buches ist gewaltig. Vor allem, da im ersten Kapitel die Geschichte aus der Sichtweise des pädophilien Herrn Genardy erzählt wird. Zwar wird nie direkt von Gewalt oder anderen Dingen im Bezug auf "seine Kinder" gesprochen, aber die Umschreibungen, sind fast noch schlimmer.
"Er hatte sie auf den Schoß genommen, hatte Fingerspiele mit ihnen gemacht, gelacht dabei, sie ein wenig gekitzelt, damit sie ebenfalls lachten. Damit sie das ganze für einen Spaß hielten."
Ab dem Zweiten Kapitel wird die Geschichte aus der Sicht von Sigrid erzählt. Die Alpträume ihrer Kindheit, ihre Ehe und die Erlebnisse daraus, die sie nie ganz verarbeitet hat. Oft wird von Dingen nie direkt gesprochen, aber man weiß oft genau was gemeint ist, oder man hat zumindest eine ziemlich böse Vorahnung, die sich dann immer mehr, durch das Handeln oder die Reaktionen Sigrids bestätigen.
Man weiß immer mehr als Sigrid und ihr Umfeld. Das macht es so spannend. Am liebsten würde man Sigrid warnen, ihrer übermächtigen Mutter die Meinung sagen und das verhindern, was schließlich passiert.
Eine Frage, die ich mir die ganze Zeit stellen musste:
Waren die Zeichen die Sigrids Verdächtigungen verstärken nur ein Produkt ihrer alptraumgeplagten Fantasie oder ist wirklich schon früher etwas passiert?
Es ist nur zu empfehlen, dieses Buch zu lesen, allerdings sollte man viel Zeit haben, und am nächsten Morgen nicht zu früh aufstehen müssen, sonst besteht die Gefahr zu übermüdet zu sein, weil man das Buch die ganze Nacht nicht aus der Hand legen konnte.