Dem Autor, W. Dannhäuser, ist ein beachtliches Portrait seiner Jakobsweg-Wanderung gelungen. Er hat sich, zusammen mit seinem Cousin und über weite Strecken auch zusammen mit einem jungen deutschen Pfarrer, auf die über 800 km lange Wallfahrt von St. Jean-Pied-de-Port in den französischen Pyrenäen nach Santiago begeben.
Dannhäuser schildert mit einem bemerkenswerten Auge für Details seine Erlebnisse, Begegnungen, Anekdoten und Selbsterkenntnisse auf dem berühmten "Camino de Santiago" und verknüpft die Erlebnisse seiner Pilgertour mit geschichtlichen Abrissen über die Kulturgüter und Städte am Rande des Weges. Und eins gelingt dem Autor vortrefflich: Nämlich geschichtliche Ereignisse und Begebenheiten der Jahrhunderte unterhaltsam und nicht selten auch mit einem Augenzwinkern zu kommentieren, so daß ich mich streckenweise mit einem zufriedenen und bestätigenden Grinsen (in Anbetracht eigener Erlebnisse auf dem Weg) im Gesicht ertappt habe.
Angemerkt sei, daß es sich bei diesem Buch um keinen Pilgerführer handelt, mit dem sich eine eigene Reise planen läßt. Diesem Anspruch soll und will dieses Buch aber ohnehin nicht gerecht werden. Wer also Tips zur Ausrüstung oder zu Routen und Herbergen sucht, sollte sich einen reinen Pilgerführer, wie z.B. den "Outdoor"-Führer von Michael Kasper kaufen, aus dem Dannhäuser im übrigen hin und wieder in seinem Bericht zitiert.
Selbstverständlich geht der Autor auch auf Spiritualität und Religiosität ein. Als bekennendes "Kind der Aufklärung", wie sich Dannhäuser selbst bezeichnet, ist es dennoch verwunderlich, welche Wirkung der Weg auf ihn hat und wie oft er zum Nachdenken über sich selbst und sein Leben - trotz spürbarer Distanz zu Religion und Kirche - angeregt wird.
Das Buch ist insofern interessant, als daß ein Neuling des Weges und kein "routinierter Pilger" über seine Erfahrungen berichtet. Daher ist dieses Buch insbesondere für Neueinsteiger geeignet, die etwas über die Atmosphäre des Weges und in den Herbergen bzw. unter den Pilgern erfahren möchten und für geschichtlich Interessierte. Letzteres insbesondere auf Grund der Tatsache, daß W. Dannhäuser unverkennbar umfangreiche Recherchen in alten Pilgerberichten betrieben hat, die an vielen Stellen wortgetreu zitiert werden. Wer geschichtlich weniger interessiert ist, wird sich beim Lesen streckenweise eventuell langweilen, aber dies versucht der Autor dadurch wettzumachen, indem er historischen Passagen humorvolle Anekdoten vom Weg oder aus den Herbergen folgen läßt.