Todesangst und Verzweiflung diktieren die atemlosen und fiebrigen Sätze dieses autobiographischen Berichtes, in dem Mario Wirz sein Leben mit dem Aidsvirus schildert.
" Ich bin es müde, immer wieder eine optimistische Pose auszuprobieren, um auszuhalten, was nicht auszuhalten ist.
In einer stakkatohaften Sprache, geradezu bedrängend in ihrer poetischen Intensität und Leidenschaftlichkeit, protestiert jede Seite gegen den Tod. Jeder Satz revoltiert sprachgewaltig gegen die Ohnmacht vor dem Schicksal. Das Aidsvirus als Metapher für Sterblichkeit und Verletzbarkeit. Deswegen werden alle LeserInnen in diesem nächtlichen Bericht ihre eigenen Ängste und Hoffnungen wiederfinden. Nach der Lektüre dieses wichtigen Buches wird jeder anders auf sein Leben schauen und die Kostbarkeit der geliehenen Zeit neu für sich begreifen.
Mario Wirz, einer der begabtesten Autoren der Gegenwart, erzählt auch die Geschichte seiner Außenseiter-Jugend in einer kleinen Stadt. Allgegenwärtig ist der Terror der Normalität. " Ich träume gegen die Übermacht der anderen. Korrigiere die Weltliteratur und verwandele das Käthchen von Heilbronn in Kurt, in den sich Graf Wetter von Strahl verliebt. Schreibe alle Schlager um und zwinge die schnuckligen Sänger, schöne Männer zu besingen ".
Mit schamloser Genauigkeit und Ironie schildert Mario Wirz seine Jahre als Schauspieler in Berlin.
Den " Männerdschungel " der Großstadt und alle " Sexwildnisse ".
" Es ist spät, ich kann nicht atmen " ist auch eine Liebesgeschichte, und sie ist es, die mich besonders berührt.
" Ich bedrohe Jan, und er flüchtet zu denen, deren Sterblichkeit weniger aufdringlich in die Augen springt: Wenn Jan mich umarmt, umarmt er seine Angst.
Ich verstehe Jan, aber mein Verständnis ist die Hölle. Feuer und Eis ".
Wie Aids uns und die Gesellschaft verändert, dokumentiert dieses schonungslos-ehrliche Buch auf unnachahmliche Weise.
Ich weiß nicht, was ich mehr bewunden soll, die virtuose Sprache dieses Autors oder seine radikale Aufrichtigkeit.