Ben Furman ist ein Skandinavier. Pragmatisch, klar und so gestrickt, dass er sich auch einfacheren Gemütern verständlich machen kann. Ja, er belegt seine Ansichten durch wissenschaftliche Untersuchungen und Befragungen jeder Couleur, durch Fußnoten und Argumente. Aber er ist kein eingleisiger und engstirniger Theorieverfechter oder Dogmatiker. Keiner, der alles Übel im Leben eines Erwachsenen auf eine miese Kindheit zurückführt. Aber auch niemand, der behauptet, dass eine gute Kindheit ein rosiges Erwachsenenleben wahrscheinlicher macht. Er lässt, wie man so schön sagt, die Kirche im Dorf. Er sagt nicht, dass alle Freudianer unrecht haben, aber er sagt wohl, alles Böse in einem Erwachsenen ist nicht unbedingt in der Kindheit gesät. Er relativiert, wo andere stur verharren. Und das ist gut so! Denn das Buch nimmt uns Eltern ein wenig die allgegenwärtige Angst vor der Kindererziehung. Dieser tägliche Spießrutenlauf durch das Minenfeld möglichen Fehlerziehens, welches sich in Zukunft möglicherweise als ursächlich für irgendeinen Defekt des erwachsen gewordenen Kindes entpuppt. Man liest es dankbar, dieses Buch, weil es entspannt, wo andere pädagogischen Lehrschriften das Gegenteil bewirken. (ts)