Endlich haben es zwei Fachleute begriffen, dass für Trainings von Vorstellungsgesprächen die Buchform nur bedingt geeignet ist. Denn die Versuchung ist einfach zu gross, solche Ratgeber durchzulesen, weise zu nicken und alles beim Alten zu lassen. Die beiden Autorinen packen das Problem über die Form an. sie liefern uns eine Box mit 184 Karten, mit denen eine intensive Vorbereitung auf spielerische Art möglich ist. Aber wer die gut 40 Stunden, die für das Training realistischerweise nötig sind, nicht aufbringen will, wird auch mit dieser Methode scheitern. Eine ganze Arbeitswoche ist keine Schnellbleiche. Doch Herrenbrück/Hoefler haben so ziemlich alle Register gezogen, um die Käufer ihres Trainingsprogramms zu motivieren. Der Aufbau in die vier Themen "Planen, Fragen, Wissen und Anwenden" ist ebenso glasklar wie die Sprache. Und das Verweissystem leitet die Übungswilligen nach deren Bedürfnissen durch die Kartensammlung. Das ermöglicht ein individuelles Vorgehen. Viele Übungen lassen sich auch zu zweit oder als Rollenspiele in Gruppen durchführen, was echten Vorstellungsgesprächen schon sehr nahe kommt. Die 48-seitige Trainingsanleitung hätte ich mir sinnlicher gewünscht. Allzu sehr erinnert sie mich an einen Bussenkatalog oder an eine Gebrauchsanweisung für japanische Kameras. Bei der Wichtigkeit solcher Anleitungen erstaunt eine solch lieblose Gestaltung. Zumal die Karten und die Box andere Erwartungen wecken. Schön, dass es am Inhaltlichen nichts zu bemängeln gibt. Die beiden Fachfrauen sind in der Praxis verwurzelt und wissen genau, worum es in der Situation eines Vorstellungsgesprächs geht. Die Eigenheiten in der Schweiz und in Österreich werden leider nicht berücksichtigt, was Alpenrepubliker jedoch nicht vom Kauf abhalten sollte. Da viele Übungen mit der eigenen Persönlichkeit zu tun haben, lässt sich die Zielgruppe fast beliebig ausweiten. Familienmitglieder oder Wohngemeinschaftler dürfen sich also durchaus an der Anschaffung beteiligen und an ihrem Auftreten feilen.