Viele der humorvoll verpackten Ratschläge des Ehepaars Küstenmacher in bisherigen Büchern sind sehr hilfreich und in der Praxis größtenteils problemlos umsetzbar, z. B. wie man Ordnung ins Chaos bringen kann, Sammelwut hinterfragt und Zeit zu gewinnen vermag. Bei diesem Buch „Den Arbeitsalltag gelassen meistern“ fragt man sich jedoch, an wen die Ratschläge eigentlich gerichtet sind. An den normalen Büroangestellten sicher nicht, denn wer hat schon im Büro den Luxus, den im Buch beschriebenen „A-Tag“ zu nehmen, d. h. einen Aufräumtag? Wie viele Chefs und Mitarbeiter würden akzeptieren, dass sich die Sekretärin einen ganzen Tag abschottet? Welcher Angestellte kann während der Arbeitszeit einfach eine Weile spazieren gehen und die Natur auf sich wirken lassen, weil das Wetter gerade so schön ist? Den Rat würden sicher viele gern befolgen, aber realitätsbezogen ist er nicht. Auf diese Weise sind etliche Tipps der Autoren von vornherein zum Scheitern verurteilt, weil so viele Bürojobs so wenig Spielraum für individuelle Wünsche und Gestaltung bieten. Es wird im Buch von einem Idealfall ausgegangen, bei dem der Mensch frei über seinen Arbeitstag verfügen und selbst bestimmen kann, was er wann erledigt, wie und ob er Ordnung schafft etc. Nur leider werden dabei die vielen Büroangestellten übergangen, deren Vorgesetzte selbst bestimmen wollen, wie die Arbeitsplätze auszusehen haben, welche Arbeit Priorität hat usw. und die dabei keine Rücksicht auf individuelle Bedürfnisse nehmen. Auch auf den sozialen Druck, z. B. in Großraumbüros, wird kaum im Buch eingegangen, obwohl das tägliche Arbeitsklima ein ganz wesentlicher Faktor zum Wohlbefinden am Arbeitsplatz ist. Die wohlwollende Toleranz der anderen Kollegen wird auch hier vorausgesetzt. Vielleicht wäre es eindeutiger, das Buch anders zu benennen und es direkt den möglichen Zielgruppen wie Selbständigen, Managern und Führungskräften ans Herz zu legen, die ihren Arbeitsplatz unabhängiger, flexibler und individueller selbst bestimmen können. Alle anderen könnten bei der Lektüre an einigen Stellen resignieren oder sich veräppelt fühlen.