Diese live in Wien im Konzerthaus aufgenommene CD ist eine wunderbare Einspielung. Marianne Faithfull hält sich mit ihrer Interpretation eng an die Originalfassung, anders als zum Beispiel Lotte Lenya in der Aufnahme aus dem Jahr 1956. Faithfull's rauhes und brüchiges Timbre klingt authentisch und paßt zur Geschichte des Mädchens Anna, die sich, aufgerieben durch die Anforderungen des harten Daseins als Tänzerin, in 2 Persönlichkeiten - die „gute" Anna I und die „schlechte" Anna II, welche immer wieder ihren Wünschen und den Verlockungen nachgibt - aufspaltet. Brechts Text ist pure Kapitalismuskritik, teilweise durchsetzt mit antiamerikanischen Klischees.
Weill adaptiert in jedem Satz eine populäre Musikform wie Walzer oder Foxtrott und verbindet dies mit symphonischen Klängen. Das RSO Wien unter seinem damaligem Chefdirigenten Dennis Russell Davies begleitet Marianne Faithfull energisch zupackend und doch immer auch subtil.
Als Zugabe gibt es auf der CD einige Songs von Kurt Weill, die in der Jazz - und auch Pop/Rockszene bereits Standards geworden sind, wie Pirate Jenny oder den Alabama Song, in originalem symphonischem Gewand.
Einziger Kritikpunkt zu dieser auch schön aufgemachten CD: Es fehlen leider die Texte von Bert Brecht. Ansonsten ist dies eine sehr empfehlenswerte Sache.