Kurzbeschreibung
Nahezu unbemerkt hat sich eine neue pädagogische Leitvorstellung etabliert: die Selbständigkeit des Kindes. In gängigen Kindheitstheorien wird verstärkt zum Ausdruck gebracht, dass Heranwachsende ihr Leben und ihre Entwicklung selbsttätig strukturieren. Vermehrt erwarten Eltern, Erzieher und Lehrer, dass Kinder in vielen Bereichen auf sich gestellt in der Lage sind, zu regeln, was anfällt. Dieses Bild von Kindheit steht in einem deutlichen Spannungsverhältnis zu althergebrachten psychoanalytischen und pädagogischen Theorien. Vor diesem Hintergrund ergeben sich die Fragestellungen des vorliegenden Bandes: Wie ist die erzieherische Norm der Selbständigkeit einzuschätzen? Welche Form von Selbständigkeit kann als sinnvolle Herausforderung oder aber als unsinnige Überforderung gelten? Welche Entwicklungsprozesse von Kindern können besser verstanden werden, wenn man sie als Prozesse der Selbstbildung und Selbständig-Werdens begreift? Sind Kindheit und Kindlichkeit nur noch Störfakt oren auf dem Weg der fortschreitenden Modernisierung oder doch ein Raum der besonderen kindlichen Subjektivität, die des Schutzes und der Fürsorge bedarf?
Über den Autor
Dr. phil., Ao Univ.-Prof. Wilfried Datler leitet die Forschungseinheit Psychoanalytische Pädagogik und die Arbeitsgruppe für Sonder- und Heilpädagogik am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien. Er ist Lehranalytiker im Österreichischen Verein für Individualpsychologie, stv. Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Psychoanalytische Pädagogik (APP) Wien und im Vorstand der Kommission Psychoanalytische Pädagogik der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft. Er arbeitet zu Fragen im Grenz- und Überschneidungsbereich von Psychoanalyse, Pädagogik und Psychotherapie.