Christoph Hein erzählt die Geschichte um die realen Ereignisse des GSG9-Einsatzes von 1993, bei der der Terrorist Wolfgang Grams unter ungeklärten Umständen erschossen wurden war. Die Parallele zum Realereignis zieht Hein dabei ganz explizit. Zwar verwendet er andere Personennamen, verändert aber den Tatort des Bahnhofs von Bad Kleinen nur minimal in den Bahnhof von Kleinen. Hein konzentriert sich auf den Klageweg Grams' Eltern durch sämtliche Rechtsinstanzen zur Aufklärung der Todesursache Ihres Sohnes. Auch diesen Klageweg hat es so wirklich gegeben. So verständlich das Bemühen der Eltern um Rehabilitation des Sohnes auch ist, es bleibt fraglich, ob das wiederholt vom Protagonisten vorgetragene Postulat "Mein Sohn ist kein Mörder" hinreichend ist, um damit um Sympathie der Leserschaft - eine Sympathie immerhin für einen Terroristen - zu werben, sofern das überhaupt die Absicht des Autors ist.
Gesetzt den Fall, die wäre Heins Absicht, so wird dies schon durch die schwerfällige und holzschnittartige Darstellung des Vaters erschwert, den Hein bis zur letzten Seite in konsequenter Pronomen- und Synonymenverweigerung stets mit Vor-und Zunamen Richard Zurek nennt. Auf den ersten 100 Seiten erfüllt Richard Zurek ohnehin nur ein Ziel: Den Leser nach allen Regeln der Kunst zu langweilen, etwa wenn Hein zum widerholten Male Richard Zurek alle verfügbaren Zeitungen kaufen lässt, und ihn daraus die Artikel über seinen Sohn ausschneiden und abheften zu lassen.
Nun kann man Heins monotonen Stil und die gezielte Spannungsvermeidung entweder als gewollten Kunstgriff bezeichnen oder kritisieren; eine andere Kritik, die sich gegen "In seiner frühen Kindheit ein Garten" richtet, Hein würde darin unkritisch mit dem Thema RAF umgehen, lässt sich hingegen schwerer aufrechterhalten. Sie lässt sich aber auch schwer zurückweisen. Vielmehr versucht Hein, der während des geamten Romans die RAF kein einziges Mal namentlich erwähnt, sich auf die Seite des Vaters des getöteten Terroristen zu stellen, ohne zugleich für Terroristen Partei ergreifen zu müssen. Dieses vermeintlich geniale, aber letztendlich einengendem Konstrukt würde vermutlich genügen, um die Familienehre der Familie Zurek wiederherzustellen. Das mag auch dem wirklichen Vater von Wolfgang Grams gereicht haben, Christoph Hein ist dies jedoch zuwenig: Er lässt den pensionierten Schuldirektor Richard Zurek am Ende des Romans in der Aula seiner alten Schule vor verdutzten Zuhörern feierlich seinen Amtseid widerrufen.
Die Verblüffung ist dabei ganz auf der Seite des Lesers, denn Richard Zurek betrachtet als Folge seiner Verbitterung nichts Geringeres als den gesamten Staat als seinen persönlichen Feind, weshalb ihn die Entbindung von seiner Funktion als Staatsdiener (und sei es nur die Funktion des ehemaligen Staatsdieners) als ultima ratio erscheint. Selig lässt Hein seinen Roman in einem Restaurant bei gutem Essen und einem Glas Wein ausklingen. Wozu die Aktivisten der RAF noch revolutionäre Ideale, Ideen und seitenlange Kommuniqués bemühen mussten, kommt Richard Zurek mit dem simplen Vater-Sohn-Verhältnis aus. Ganz bewusst lässt Hein sogar den Vater die Büchern seines Sohnes lesen, jedoch nur um Zureks Abneigung gegen die Inhalte darin hervorzuheben.
So wird Richard Zurek am Ende zum Revoluzzer ohne revolutionären Ideale. Selbst Christoph Hein mag diese Vorstellung kurios, wenn nicht gar anmaßend erschienen sein. Und so versucht er sich in kleinen Rückblenden Rechtfertigungen dafür zu schaffen, um für Verständnis für Richard Zureks Verhalten zu werben, während dieser wiederum bemüht ist, Verständnis für seinen Sohn Oliver aufzubringen: "Und plötzlich waren wir mitten in einem Polizeieinsatz", so berichtet Richard Zurek seiner Frau über ein Schlüsselerlebnis mit seinem Sohn, dem späteren Terroristen; und darüber, wie diese bei einem harmlosen Einkaufsbummel in Wiesbaden in einen Tumult geraten waren: "Die Wasserwerfer fuhren mit hohem Tempo auf die Demonstranten zu, und dann knüppelten sie auf alles ein, was sich bewegte". Mit unbekümmerter Leichtigkeit schlägt Hein einen Bogen von beobachteten Polizeieinsätzen hin zu jenem verkorksten Gerichtsprozeß, bei dem sich Richter und Polizei gegenseitig decken und Beweise vernichten, um daraus Richard Zurek die Schlußfolgerung ziehen zu lassen: "Da der Staat aber seine eigenen Gesetze nicht wahrt, bin ich von meinem Amtseid entbunden". Diese Schlüsse zieht Hein mit einem beachtlichen Grad an Selbstverständnis und fordert den Leser auf, ihm gleich zu tun, vorausgesetzt, das Staatsverständnis des Lesers lässt sich auf die beiden Elemente Polizei und Richter reduzieren, wie das bei Christoph Hein der Fall zu sein scheint.
Der erschöpfte Leser endet in einem hessischen Weinlokal und hat sicher ein Gläschen Roten verdient, nachdem zunächst Spannung, dann Logik, Witz, Sympathie und zuletzt auch Verständnis für den Protagonisten und seine Handlung auf der Strecke geblieben sind.