Karin Jäckel ist eine Feministin - eine von den zahlreichen Feministinnen, von denen ich als Mann nicht genug lesen kann: Christiane Olivier, Katharina Rutschky, Dorothea Dieckmann, Arne Hoffmann (uups, letzteres ist ein Mann) usw. usf. Sie nehmen auseinander und analysieren in einer Schärfe und mit einer Ausrichtung auf die Zukunft, dass es eine wahre Freude ist. Karin Jäckel tut dies nun für den privatesten Bereich, den Menschen haben können: das eigene Heim.
Und siehe da: Plötzlich lichtet sich das babylonische Sprachgewirr um Hausfrau, Mutter, Doppelbelastung Beruf-Familie, Ehemann, Ehefrau usw. usf. zugunsten einer klaren Sicht der Dinge, die da lautet: es möge jede(r) so machen, wie er/sie es wolle. Und wenn sich ein Ehepaar entscheidet, dass sie Hausfrau sein will und er das Geld heimbringt, dann ist das äußerst legitim. Genaugenommen: es hat für alle Beteiligten eine Reihe von Vorteilen: die Kinder wachsen in Geborgenheit besser heran, eine eigene Welt entsteht - die Welt der Privatheit, die Frau hat als Mutter einen wirklich eigenen Gestaltungsbereich (im Beruf ist das praktisch nie der Fall) usw. usf.
Nun habe ich es der „Frau an meiner Seite" ganz vorgelesen, das Buch - und die Erleichterung war und ist uns ins Gesicht geschrieben: wir sind also nicht pervers, ich bin kein Macho, meine Frau ist kein Hausfrauendödel, nein, sondern: wir lassen uns nur nicht von einer politischen Mode ins Bockshorn jagen. Eine Mode, die Menschen in ein Leben zwingt, das für alle Beteiligten zum Nachteil ist: die Kinder haben kein Heim, die Ehefrau hat dafür ein schlechtes Gewissen, der Ehemann hat auch kein Heim und allen miteinander fehlt der Raum der Privatheit.
Weiter so, Karin Jäckel. Durchbrechen Sie weiter diese neuen Tabus zugunsten einer freien Gestaltungsmöglichkeit jedes Einzelnen. Ein zukunftsweisendes Buch (sieht man mal von der altertümlichen Rechtschreibung ab). Schade, dass es nur noch antiquarisch zu haben ist!
Thomas Kussmaul
mit Ehefrau Birgit Heitmann-Kussmaul
München