Leena Lehtolainen zählt zu Finnlands erfolgreichsten Schriftstellerinnen und hält die Fahne Finnlands hoch, wenn es um die besten und erfolgreichsten skandinavischen Kriminalromane geht. Im eigenen Land sind Lehtolainens Romane bereits erfolgreich verfilmt worden, aber auch in Deutschland erscheint mit "Im schwarzen See" bereits der achte Roman um die Kriminalkommissarin Maria Kallio.
Kallio ist nach dem Erziehungsurlaub gerade wieder in den Polizeidienst zurückgekehrt, als der Verlagsbesitzer Atro Jääskeläinen seine Frau Annukka Hackman als vermisst meldet. Und tatsächlich wird bald ihre Leiche im See Humaljärvi gefunden, wo Annukka offensichtlich beim Schwimmen erschossen wurde. Als Annukkas Leiche auf dem Untersuchungstisch vom Polizeipathologen Kervinen landet, bricht dieser zusammen, handelt es sich bei Annukka doch um seine immer noch geliebte Exfreundin. Sowohl Kervinen als auch Jääskeläinen haben kein wasserdichtes Alibi für die Tatzeit, sodass beide als Täter in Frage kommen.
Doch die Ermittlungen gehen auch in Richtung der Familie Smeds, da Annukka vor ihrem Tod an einer Biografie des berühmten Rallyefahrer Sasha Smeds gearbeitet hat. Diese Biografie jedoch muss eine Sensationsgeschichte enthalten haben, die die Smeds' lieber für sich behalten hätten, doch im aktuellen Manuskript kann die Polizei keine verräterischen Details finden. Dennoch rücken auch die Familienangehörigen des Rallyefahrers ins Zentrum der Ermittlungen.
Zeitgleich muss Annukka mit privaten Problemen kämpfen, ihr Sohn bekommt eine Grippe, ihre Tochter ein verdächtiges Paket von einem Kriminellen und ihr Mann Anntti sitzt arbeitslos und frustriert zu Hause und streitet permanent mit seiner Frau. Da bemerkt Kallio, dass ihr Vorgesetzter Jyrki Taskinen vielleicht doch mehr ist als ein guter Freund. Doch damit nicht genug, beschuldigt die stets aufreizend gekleidete Ursula einen ihrer Kollegen der sexuellen Belästigung. So bekommt Maria Kallio mehr zu tun, als ihr lieb sein kann...
Leena Lehtolainen startet mit einem Mord in ihren aktuellen Kriminalroman, beschäftigt sich anschließend jedoch damit, ihre Rahmenhandlung weiterzuentwickeln. Der Kreis der Verdächtigen wird klein gehalten, doch jeder Verdächtige wird genau unter die Lupe genommen, sodass wir uns von jeder Figur ein genaues Bild machen können. Besonders gut lernen wir Maria Kallio kennen, in deren Gedankenwelt wir richtiggehend eintauchen, sie durchlebt ein Wechselbad der Gefühle und Beruf sowie Familie wachsen ihr über den Kopf. Dadurch wird sie uns immer sympathischer, sie ist keine "Überfigur", sondern wirkt authentisch und menschlich.
In diesem Buch geht es nicht so sehr um blutige Details und raffinierte Mordmethoden, sondern um persönliche Schicksale und um die psychlogischen Hintergründe der Tat. So kommt es, dass wir am Ende traurig sind, wenn der Mörder überführt ist. Anstatt dass wir um das Opfer trauern, fühlen wir mit dem Täter mit, weil uns seine Handlungsweise durch Lehtolainens eingehende Beschreibung verständlich gemacht wird. Dies iet eine interessante Raffinesse, die Lehtolainen eingebaut hat und die uns darüber nachdenken lässt, in welchen Fällen ein Mord uns zumindest theoretisch vielleicht erklärbar gemacht werden kann.
Vielleicht ist "Im schwarzen See" eher ein Frauenkrimi, da die Autorin mehr Wert auf die psychologischen Hintergründe und eine glaubwürdige Figurenzeichnung legt als auf blutige Details, dennoch ist dieses Buch ansonsten sehr zu empfehlen!