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Der schwarze Stern der Tupamaros
 
 
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Der schwarze Stern der Tupamaros [Gebundene Ausgabe]

Gerhard Seyfried
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 280 Seiten
  • Verlag: Eichborn; Auflage: 1., Aufl. (23. Juli 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3821807547
  • ISBN-13: 978-3821807546
  • Größe und/oder Gewicht: 21,4 x 13 x 3,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 427.532 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Gerhard Seyfried
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Gerhard Seyfrieds großer, weitgehend autobiographischer Roman aus der Zeit der deutschen Terrorismus.
München, Anfang der Siebziger Jahre. Im Hinterzimmer der Roten Hilfe treffen seltsame Gestalten zusammen: Anhänger der umherschweifenden Haschrebellen und der Spaßguerilla, revolutionsromantische Tupamaros, abenteuerlustige Studenten und Anarchistinnen. Sie alle eint die Wut auf die Arroganz und Brutalität der Behörden. Unter ihnen sind Jenny und Fred, die sich kennen und lieben lernen. In einem kurzen, ausgelassenen Sommer der Anarchie entwickeln sie ihre eigene Form des Widerstands: Spottverse, unverschämte Sprüche, die sie im Rücken der Polizei an Wände sprühen, Glasmurmel-Angriffe auf Bankschaufenster. Doch die Szene verändert sich: die Spaßguerilla wird von militanten RAF-Leuten unterwandert, Lorenz entführt und Schleyer ermordet. Als Jenny verhaftet wird, ausbrechen kann und in den Untergrund abtaucht, weiß Fred, dass es ernst wird. Und er macht sich auf die Suche nach seiner Ge liebten ...Gerhard Seyfried hat den ersten Roman aus dem Umfeld der Bewegung 2. Juni geschrieben. Er erzählt von einer Zeit, in der ausgelassene Lebensfreude und tödlicher Ernst näher beieinanderstanden als je in der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Über den Autor

Gerhard Seyfried, geboren 1948 in München, ist gelernter Industriekaufmann und Gebrauchsgrafiker. Er studierte zudem Malerei und Grafik. Seyfried arbeitete als selbständiger Grafiker, Karikaturist, Schriftsteller und Drehbuchautor. Gerhard Seyfried lebt nach Aufenthalten in Namibia und der Schweiz in Berlin.

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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Politisch Handeln in finsteren Zeiten, 10. Mai 2008
'Eine einzige Atombombe kann dir den ganzen Tag versauen...' steht es knallgelb auf dem alten VW-Bulli, mit dem Limbo 1977 seinen Freund Fred in Berlin besucht.
Gerhard Seyfried hat mit seinem politischen Roman über den eher der Praxis zugewandten Teil der Linken der 70er Jahre auf seine lakonische Art den richtigen Ton getroffen. Damals war die Gesellschaft noch viel eindeutiger von unglaublich beschränkten Kleinbürgern und Spießern geprägt. Der wache Rest hatte es umso schwerer.
In den Mainstream-Berichten über Baader-Meinhof geht die breitere politische Bewegung der Zeit völlig unter.
Seyfried holt dies nach, seine Erzählung über eine solidarische 4er WG in München ist sehr gut recherchiert, man spürt, dass er eigenes Erleben mit großer Genauigkeit und zunehmender Spannung verarbeitet.
Vor allem: 'Der schwarze Stern der Tupamaros' ruft immer wieder über vom Text abgesetzte Einblendungen vergessene politische Fakten, die ganz wesentlich für die Straßenkämpferinnen und Kleingruppen, Spontis und Spassguerilleros waren, in die Erinnerung zurück.
Die Kifferszenen fand ich eher unwichtig, auch die Beschreibung des Innenlebens der Beteiligten ist eher sparsam, aber ich habe selten bessere Beschreibungen davon gefunden, wie politische Aktionen zustande kamen.

Die Mitglieder der WG sind weder besonders fanatisch, noch gewaltgeil oder hasserfüllt, aber alle machen sie tödliche oder beinahe tödliche Erfahrungen mit staatlicher Gewalt. Es sind einfach Menschen, denen die Erfahrung von Ungerechtigkeit und Lieblosigkeit, von Unfreiheit und Perspektivlosigkeit noch weh tut. Die aufstehen und sich wehren. Die überhaupt noch etwas fühlen und spüren können. Die Willkür in Verhören, die staatliche Überwachung etc sind bis heute nicht ausgerottet (siehe Oury Jalloh, der im Polizeigewahrsam in Dessau bei lebendigem Leib verbrannt ist). Ein nachdenkliches, freundliches Buch.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Bemerkenswert, 13. Januar 2005
Rezension bezieht sich auf: Der schwarze Stern der Tupamaros (Gebundene Ausgabe)
Der schwarze Stern der Tupamaros ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert: Die Sensibilität, mit der die mikro- und makropolitische Situation gezeichnet wird, und die handwerkliche Exzellenz, mit der eine spannende Geschichte erzählt wird. Jeder/m zu empfehlen, die/der einen manchmal heiteren, oft bewegenden Ausflug in die jüngste deutsche Vergangenheit erleben möchte.
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12 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein kurzer Sommer der Anarchie, 30. September 2004
Von 
H. P. Roentgen - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der schwarze Stern der Tupamaros (Gebundene Ausgabe)
«"Also, wir denken uns das ganze bisschen so wie ein Netz, wa", fängt er an, „in jeder Stadt ne Gruppe, tupamaromäßig und so weiter. Nicht zu groß die Gruppen. Wenn ne Gruppe größer wird, sollten zwei davon ne neue bilden. Keine direkten Kontakte untereinander, zur Sicherheit. Need to know, vastehste."
Er wartet einen Moment, aber da keiner was sagt, spricht er weiter: „Denn das ist die Strategie, wa. Die Aktionen planen, die wichtig sind. Leute aus dem Knast holen. Den Oberschweinen mal eins auf den Deckel geben, damit sie nicht übermütig werden. Banken machen zwecks Finanzierung.»

Ende der sechziger, Anfang der Siebziger und die erste Generation der Spaßgesellschaft wird erwachsen. „high sein, frei sein, ein bisschen Terror muß dabei sein", skandierten die Haschrebellen und treffen damit genau Freds Lebensgefühl. Er ist einer von denen, die kurz nach dem Krieg geboren wurden, im dumpfen Mief der fünfziger und sechziger Jahre aufwächst, in einer Demokratie ohne Demokraten. Denn wer in Amt und Würden sitzt, saß dort oft schon im Dritten Reich. Die demokratischen Freiheiten stehen in der Verfassung, aber sie auszuüben, gilt als unfein, wenn nicht kriminell. Lange Haare, Demonstrationen, Diskussionen, das alles gilt bereits als subversiv. 1967 wird Benno Ohnesorg bei einer Demonstration erschossen, Rudi Dutschke wird bei einem Mordanschlag lebensgefährlich verletzt, es sollen nicht die einzigen Schüsse bleiben. Das „Establishment" reagiert heftig, die Springerpresse hetzt gegen alle, die links oder langhaarig sind und in den politischen Zirkeln gärt es, sie radikalisieren sich.

«Vor allem nicht in so eine Situation kommen wie ihre Alten, aufs Leben zusammengeschweißt, egal, obs passt oder nicht! So geht es ihnen doch allen, darüber braucht man doch gar nicht zu reden, es ist doch eins der wichtigsten Dinge in ihrer Subkultur: Nicht die Fehler der Alten wiederholen, zur Abwechslung mal was lernen aus der Vergangenheit, aus der Geschichte! Damit nicht immer alles in die Hosen geht, die Liebe und die Beziehungen, die Solidarität und die Demokratie oder gleich das ganze verdammte Land mit allem Drum und Dran wie im letzten Krieg»

Fred fängt an, mit seiner Freundin Jenny Parolen an die Wände zu sprühen: „Wer schwarz fährt, braucht nicht Rot zu werden" und das Zeichen der urugayischen Tupamaros, der Stadtguerilla. Was heute eine Schadensersatzklage eines Hausbesitzers heraufbeschwören würde, rief damals LKA und Staatsschutz auf den Plan, die Presse schiebt die Schuld den „Tupamaros München" zu. Die existieren aber gar nicht.

Dann versucht ein CSU Abgeordneter aus der zweiten Reihe sich mit markigen Sprüchen von „roten Gesindel", das es zu bekämpfen gelte, Karriere zu machen. Fred und Jenny zünden nachts seinen BMW an. Langsam wird aus Spiel, aus spätpubertären Streichen, Ernst. Es bleibt nicht bei dem Wagen. Jenny driftet immer mehr ab, erzählt Fred vieles nicht mehr und wird anlässlich einer Gefangenenbefreiung in Westberlin verhaftet. Die Bewegung zweiter Juni lockt immer mehr Spontis aus Roter Hilfe und anderen Gruppen an. „Wenn Mörder wie Kurras freigesprochen werden, Nazikarrieristen wie Filbinger und Kiesinger in der Regierung sitzen, darf man nicht tatenlos zuschauen", ist ihre Devise. Damit setzen sie Leute wie Fred unter Druck. Der hat kein gutes Gefühl bei den Aktionen, aber weiß auch nichts dagegen zu sagen. Seine Jenny flieht aus dem Gefängnis und muss untertauchen.

Ein düsteres Zeitbild entwirft Seyfried in seinem Roman, ein Lehrstück, wie harmlose Leute sich in Terroristen verwandeln, aber auch, wie schnell aus Spaß und grobem Unfug blutiger Ernst wird. Die ersten achtzig Seiten sind manchmal etwas unbeholfen, vor allem, wenn er Dialoge schreibt, deren einziger Zweck es ist, dem Leser etwas über die Zeit zu erzählen. Doch dann schreibt er sich frei und das Buch liest sich wie ein Thriller. Aber es zeigt das, was Thriller sonst nicht zeigen: Bonny und Clyde sind keine Helden, sie schießen sich im Gegenteil in den Tod. Und all die Dinge, die so spannend sind, wenn man davon liest - wie man einer Beschattung entkommt, tote Briefkästen anlegt und manches mehr - sehen in Realität ganz anders und längst nicht mehr so heldenhaft aus.

Eingebettet in diese Geschichte ist die Liebesgeschichte von Fred und Jenny, oft nur angedeutet, nüchtern, wie es der Zeit entsprach, aber umso anrührender.

Seyfrieds Roman beschäftigt sich mit Gruppen, die glaubten, durch Terror und Waffengewalt Deutschland in eine bessere Zukunft führen zu können. Wie dieser Irrglaube entstand und welche Folgen er hatte, das wird in dem Buch gut geschildert. Und mancher begreift vielleicht, warum die Amerikaner so hysterisch auf dem 9. September reagierten. Die Deutschen waren vor dreißig Jahren auch nicht anders. Terror schafft keine bessere Welt, sondern Hysterie. Und wer die Texte der RAF liest - mittlerweile im Internet frei zugänglich - wird erstaunt feststellen, wie ähnlich manches zu denen von Bin Laden und Co. klingt.

Was zu kurz kommt, ist der moralische Druck, den diese Gruppen auf jene ausübten, die ihnen nicht angehörten. Wer will sich schon Feigling schimpfen lassen, sich vorwerfen lassen, dass er wie im dritten Reich wegschaue, all diese Druck- und Verführungskünste haben zahlreiche ins Verderben gestürzt. Doch ein Roman kann nicht alles behandeln und ohne Zweifel gebührt Seyfried der Verdienst, diese Zeit erstmals geschildert zu haben.

Auf jeden Fall eines der wichtigsten Bücher dieses Jahr und nicht nur für die empfehlenswert, die diese Zeit miterlebt haben.

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