Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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131 von 162 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Auf der Suche nach Christian Donninger, 27. Januar 2009
Diese Bewertung steht für eine gleich lautende Bewertung von Dr. Christian Donninger, einem Mathematiker, der sich erlaubt hat, dieses überaus schwache, aber gut verkaufte Buch wissenschaftlich zu kritisieren. Er hat dies auf humoristisch-polemische Art getan. Sein Begriff des Paris-Hilton-Genies" bringt die Qualität dieses Werkes auf den Punkt: es ist und bleibt der Versuch, statistische Binsenweisheiten zu einem Popanz zu verdrehen und die Kritik daran werbewirksam auszuschlachten. Dass dieser Versuch gelingt, zeigen nicht nur die Verkaufszahlen sondern auch die Jubelkritiken von Lesern populärwissenschaftlicher Literatur. Es hat aber sicher auch damit etwas zu tun, dass Expertenschelte heute gut ankommt.
Donningers berechtigte Kritik ist seit kurzem von dieser Seite verschwunden. Gleichermaßen hat er über 80 andere Kritiken, die für Fachleute sehr hilfreich waren, von den Amazon-Seiten entfernt. In seinem Profil findet man nur noch die Anmerkung L.M.I.A.". Was das heißt, braucht man wohl niemandem zu sagen. Was hat dieses Übermaß an Verärgerung ausgelöst? Ich hoffe nicht, dass die Ursache dafür der Druck Amazons war, diese Kritik zu entfernen. Sie war keineswegs unzumutbar. Dies mögen allenfalls diejenigen behaupten, die Talebs Buch hier hochjubeln und in ihm sogar theologische (!) Dimensionen entdecken. Schade, dass kritische Meinungen hier unterdrückt werden. Ich hoffe, dass jemand von Amazon hier Stellung nimmt.
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151 von 197 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Jahrmarkt der Trivialitäten, 6. November 2008
Niemand ist daran interessiert, sich Banalitäten anzuhören" schreibt Taleb im Prolog seines Buches (Seite 4 unten). Leider hat er sein eigenes Statement nicht ernst genommen. Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft hat die FAZ dieses Buch über den grünen Klee gelobt und der Hanser-Verlag schreibt gar auf den Schutzumschlag: "Ein Meisterwerk!". Ein Meisterwerk ist dieses Buch in der Tat und zwar in der Darstellung von Banalitäten als weltbewegenden Erkenntnissen. Dass bestimmte Ereignisse, die nur einmal vorkommen können (wie z.B. die Entdeckung von schwarzen Schwänen oder der Urknall) nicht statistischen Gesetzmäßigkeiten gehorchen können, ist so trivial, dass man darüber gar nicht zu reden braucht. Solche Ereignisse nennt Taleb grundsätzlichen einen "schwarzen Schwan". Dass es aber andererseits Prozesse gibt, die sehr wohl statistisch beschrieben werden können (wie z.B. der Ausfall von mechanischen oder elektronischen Bauteilen) ist ebenso trivial und bedarf keineswegs der Bestätigung durch einen Ex-Broker, der sein Geld durch den Handel mit den Derivaten und Zertifikaten verdient hat, die die Weltwirtschaft in diesem Jahr in das sehr wohl vorhersehbare (und vorgesehene) Chaos gestürzt haben. Aber traut sich Herr Taleb etwa deshalb in ein Flugzeug, weil er weiß, dass Abstürze sehr selten sind? Hier vertraut er sehr wohl der Zuverlässigkeit statistischer Aussagen! Nähme er seine Behauptung ernst, dass sein nächster Flug im Chaos enden kann (was zweifelsohne möglich aber doch unwahrscheinlich ist), würde er den Flieger wohl kaum besteigen. Taleb buchstabiert in seinem Buch die Tatsache durch, dass eine statistische Aussage nichts darüber sagt, wann ein bestimmtes Ereignis eintritt sondern nur, dass das Ereignis eintritt und mit welcher Häufigkeit (immer vorausgesetzt man betrachtet eine große Zahl von Ereignissen). Aber auch das ist eine in der Statistik unter dem Namen Gesetz der großen Zahl" bekannte Banalität. Kurz: was man in diesem Buch an Erkenntnissen findet, ist die gründlich in die Hose gegangene Popularisierung einer Erstsemester-Vorlesung in Stochastik oder Statistik, die eigentlich "zu langweilig ist, um darüber zu schreiben" (Kapitelüberschrift im Buch!). Diese wird garniert mit einer Menge privater Äußerungen ("Wir haben die maronitischen Christen in die Berge getrieben"; Philosophen ergehen sich in "engstirnigen Tüchtigkeitswettbewerben" usw.), von denen kaum jemand verstehen wird, was sie eigentlich in einem Buch sollen, das sich mit unwahrscheinlichen Ereignissen beschäftigt. Wie ein solches Buch an einem Fachlektor vorbeikommen kann? Ich kann es mir nur mit einer weiteren Kapitelüberschrift aus dem Buch erklären: "Das Leben ist sehr ungewöhnlich!"
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80 von 104 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Heiterer Glaubenskrieger, 28. November 2008
Die Wahrscheinlichkeit ist groß, ein interessantes Buch in den Händen zu haben, wenn neben Fünfsternbewertungen auch solche mit nur einem zu finden sind. Denn dies deutet meist darauf hin, dass es sich um Angriffe auf Glaubensmodelle handelt, deren Infragestellung Verhaltensmuster ebenso erschüttern wie Institutionen und Bildungsstätten. Entsprechend harsch reagieren denn auch viele Leser. Ein Meisterwerk, wie der Chefredaktor von Wired, Chris Anderson, das Buch von Nassim Nicholas Taleb bezeichnet, ist es zwar nicht. Aber zur Lektüre kann ich es allemal empfehlen. Selbst wenn mich die Übersetzung wenig überzeugt und der Autor allzu sehr dazu neigt, gesprochene mit geschriebener Sprache zu verwechselt. Mir gefiel dieser essayistische Rundschlag gegen Wahrsager, Kurventechniker und Planungsfritzen. Zumal sie ihre Lehren noch immer ohne großen Widerspruch und meist gut bezahlt weitergeben.
Ironie des Schicksal ist es, dass Talebs Buch selber ein schwarzer Schwan ist und Auflagen erreicht, die sich zwar jeder Autor wünscht, aber kaum beeinflussen kann. Der ehemalige Trader mit libanesischen Wurzeln schrieb wie viele andere Autoren nichts Neues, hatte jedoch das Glück, dass seine Version Aufmerksamkeit erregte und sich ausbreitete. Und da sich sein Schreibstil auch von allem unterscheidet, was in Creativ Writing-Seminaren oder Fernkursen für künftige Erfolgsautoren gelehrt wird, weckt ein solcher Erfolg noch mehr Neid. Nassim Nicholas Taleb füllt die Seiten aber bestimmt nicht mit Banalitäten, wie ihm einige Rezensenten unterstellen. Denn wäre dem tatsächlich so, würde die Welt anders aussehen. Obwohl ich kein diplomierten Statistiker oder versierter Mathematiker bin, waren mir die unzähligen Gauß'schen Normalverteilungen mit ihren Glockenkurven schon in jungen Jahren suspekt. Und als ich mich dann später für die Funktionsweise des menschlichen Gehirns zu interessieren begann, wurde mir auch klar, woher diese Abneigung stammt. Das Alltagsleben kümmert sich herzlich wenig um Theorien, die mit der Praxis wenig zu tun haben. Komplexe Systeme lassen sich weder mit schönen Kurven, noch mit verdünnter Quantenphysik festhalten oder beschreiben.
Der Stil des Autors mag für viele Leser gewöhnungsbedürftig sein. Doch im Zweifelsfall ziehe ich gehobenen Smalltalk einem abgehoben Wissenschaftsreferat vor. Und dass sich ein Autor das Recht nimmt, seine Weltanschauungen mit biografischen Elementen zu garnieren, stört mich offenbar sehr viel weniger als andere Leser. Allerdings fand auch ich, der Autor wiederhole sich allzu oft und habe den roten Faden öfters aus den Augen verloren. Zudem mag ich es nicht besonders, wenn sich ein Autor profiliert, indem er andere mit dem billigen Trick ausgewählter Zitate niedermacht, ohne diese in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Aber mehr als einen Stern Abzug sind mir diese Verfehlungen nicht wert. Denn schließlich geht es um die Verbreitung einer Botschaft, die Beachtung verdient. Und die heißt in extremer Verkürzung: Selbst wenn wir für unser Seelenheil nach stimmigen Geschichten dürsten, bleibt die Wirklichkeit unberechenbar und überraschend.
Mein Fazit: Die Paradoxien komplexer Systeme, wie das Leben nun einmal eines ist, lassen sich schlecht in den gängigen Formen beschreiben. Nassim Nicholas Taleb, früher selber ein Vertreter der planenden Zunft, konfrontiert seine Leser auf unterhaltsame Weise mit Problemen, die für einige offenbar banal sind, aber für die meisten trotzdem zu alltäglichen Hindernissen werden. Für Leser, die nicht jedes Wort und jede Argumentation auf die Goldwaage legen, ist die Lektüre dieses verbalen Rundschlags sicher ein Gewinn. Trotz holperiger Übersetzung, unnötigen Längen und einem verblassten roten Faden.
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