Ich bin etwas zwiegespalten...
Vielleicht kurz zur Handlung: Emma Beddoes-Kelling (Die natürlich irgendwie mit Sarah Kelling verwandt ist) führt Regie in einem pompösen Musical, in dem auch wieder lauter Verwandte oder Freunde mitspielen. Die Vorbereitungen stecken in den letzten Zügen, da wird zuerst das überdimensional große (und scheußliche) Gemälde ihrer Großmutter Ernestina Kelling in der Nacht von der Wand geklaut, dann tauchen kindisch verfasste Erpresserbriefe auf, die alles nur keine realistische Summe Lösegeld fordern, und zu allem Überdruss wird auch noch eine unwichtige Nebenrolle ermordet. Schließlich stürzt ein weiterer Schauspieler die Theaterstiege hinunter, verstaucht sich aber glücklicherweise nur den Knöchel, und dann wird auch noch eine weibliche Nebenrolle am Tag vor der Aufführung von Unbekannten verprügelt. Und kein Mensch versteht den Zusammenhang, bis letztlich Sarah (die diesmal leider ohne Max Bittersohn auskommen muss) mehr durch Zufall auf die Lösung kommt.
Zum einen handelt es sich mal wieder um ein typisches Charlotte Mac-Leod Buch mit allen Schrulligkeiten, die nur so dazu gehören. Schon der Brief, in dem Mable Kelling Appolonia (und damit dem Leser) eine Zusammenfassung des Theaterstücks schreibt, ist einfach nur zum Totlachen. Geht es nach dem Lesespaß und dem Schreibstil, würde ich hier sofort 5 Sterne vergeben.
Doch bei der Handlung setzt es dann für mich leider aus.
Da schreibt MacLeod noch: "Max mag keine Detektivromane. Er ist nicht bereit, einer spannenden Geschichte wegen seinen logischen Verstand auszuschalten."... aber genau das fordert sie offenbar (und ziemlich extrem) von ihren Lesern in diesem Buch. Ich nehme gerne unlogisches hin, z.B. warum eine junge Frau 2x im Jahr irgendwo eine Leiche findet, aber die Auflösung dieses Falles war mir dann doch ein wenig zu konstruiert. Zwar ist Charles Daventers Mord nachvollziehbar ebenso wie der Überfall auf die Schauspielerin, und auch die linkisch geschriebenen Erpresserbriefe machen am Ende irgendwie so halbwegs Sinn (wenngleich man auch hier schon die Logik etwas zurückdrehen muss), aber warum dann noch ein echter Erpresserbrief aufgetaucht ist, Sarah in der Garage überfallen wurde und vor allem warum der zweite Schauspieler die Treppe runtergefallen ist... da setzt mein kleiner gesunder Menschenverstand dann doch aus und bildet mehr oder weniger große Fragezeichen.
Die Lösung des Falles kam für mich auch etwas plump, à la: "weil ich belauscht werde erkläre ich meinen Komplizen haargenau warum und wieso ich was geplant habe, wie es weitergeht, wie genau wir vorgehen und warum ich übrigens wen umgebracht habe, damit der Leser jetzt weiß was Sache ist".
Zusammenfassend lässt sich sagen: ein wieder mal super geschriebenes Buch mit Handlungsschwächen am Ende, die eindeutig daraus resultieren, dass die Handlungen, die dazu dawaren, den Leser zu verwirren, jetzt irgendwie aufgeklärt werden müssen (und vermutlich auch die Autorin verwirrt haben).
Auf jeden Fall lesenswert für Freunde der Serie und für Leute, die eine nette Gutenacht-Lektüre suchen und die auch fehlende Logik nicht stört.
Einsteiger in die Serie sollten sowieso mit "die Familiengruft" beginnen.
Daher nur (oder immerhin noch) 4 Sterne für eine meiner Lieblingsautorinnen.