Für den Durchschnittsmenschen und selbst die meisten Akademiker sind Mathematiker rätselhafte Menschen (oder Aliens?): In Film und Fernsehen treten sie kaum auf (und wenn, dann wie in "A Beautiful Mind" meist als geisteskranke Spinner), und die in der Schule präsentierte "Mathematik" (die besser Rechenunterricht hieße) wirkt meist so nützlich und alltagspraktisch wie etwa eine japanische Teezeremonie.
Der Gießener Mathematikprofessor Albrecht Beutelspacher hat es unternommen, Mathematik von innen zu präsentieren: Als ein lebendiges, spannendes Unternehmen ebenso lebendiger Menschen. Man erfährt, warum Mathematik so abstrakt ist, warum Mathematiker so viel Wert auf Beweise legen, worüber Mathematiker lachen, welche (und wie viele!) offenen Fragen es so gibt...
Ein Beispiel dazu aus dem Buch: Man denkt sich irgendeine (natürliche, positive) Zahl aus - zum Beispiel 24. Ist die Zahl
- gerade, teilt man sie durch 2,
- ungerade, nimmt man sie mal 3 und addiert 1 dazu.
24 ist gerade, man erhält also 12. Diese Zahl ist wieder gerade, man bekommt 6 - und dann 3. 3 ist ungerade, also ist 3*3+1 = 10 die nächste Zahl. Von der 10 (gerade) kommt man zur 5 (ungerade), 3*5 + 1 = 16 ist die nächste Zahl, es folgen 8, 4, 2, 1, 4, 2, 1, 4, 2, 1, ...
Wenn man das mit ein paar Zahlen durchprobiert, kommt man anscheinend immer wieder zu dieser Zahlenfolge: 4, 2, 1.
Aber wirklich "immer"? Geht der Trick mit jeder Zahl?
Tausende Mathematiker und Laien haben sich an diesem Problem versucht, und bisher hat keiner eine Antwort gefunden - niemand weiß, ob es nicht irgendeine Zahl gibt, mit der das nicht funktioniert! (Auf die Antwort ist übrigens ein Preisgeld von einer Million Dollar ausgelobt.)
Beutelspacher beschränkt sich nicht darauf, einige offene Fragen zu erläutern (da findet man in P. Basieux' "Top Seven der mathematischen Vermutungen" mehr zu), oder viele praktische Anwendungen zu erklären (das leistet beispielsweise "Alles Mathematik" von M. Aigner auf unterhaltsame Weise) - er bleibt bewusst etwas an der Oberfläche, geht Mathematik von vielen Seiten an und serviert schmackhafte, leicht verdauliche Appetithäppchen.
Am Ende hat man nur wenig Mathematik gelernt, aber sehr viel über Mathematik und Mathematiker - und die Faszination des Faches. Das ganze ist sehr unterhaltsam und verständlich, große Vorbildung braucht man nicht - mein Exemplar ist jedenfalls laufend verliehen, und bei vielen Bekannten und Freunden ist der Funke übergesprungen. (Einer studiert inzwischen sogar Mathematik...)
Ideal für alle, die wissen wollen, was es mit der Mathematik wirklich auf sich hat - und warum man sie spannend finden kann!
(Und auch ideal für Mathematiker und Mathematiklehrer, die ihre eigene Faszination fürs Fach Freunden, Bekannten und Schülern weitervermitteln wollen!)