Kurzbeschreibung
Robert Reitzel, eine der stärksten und charaktervollsten Persönlichkeiten des oppositionellen Spektrums im 19. Jahrhundert, war 21jährig nach Amerika ausgewandert und fand auf dem Umweg über Landstraße und Predigeramt zur sozialen Bewegung. Als einer der populärsten Redner der USA faszinierte er seine Zuhörer, und seine 1884 gegründete Zeitschrift Der arme Teufel wurde zum publizistischen Sammelpunkt der freiheitlich-sozialistisch Denkenden. – Der anarchistische Historiker Max Nettlau nannte das Blatt eine „Schatzgrube freiheitlichen und rebellischen Fühlens und Denkens und schneidenster Sozialkritik“. In seinem Blatt stellte Reitzel Herrschaft in jeder Form in Frage, kämpfte für die Emanzipation des Arbeiters und der Frauen, stritt wider moralische Heuchelei und Gewissenszwang. Wie Nietzsche erkannte er die „höchste Aufgabe und eigentlich metaphysische Tätigkeit des Lebens“ in der Hingabe an die Kunst und das Schöne. Nachdem in den letzten Jahren Der arme Teufel wieder entdeckt wurde, soll in dieser Auswahl Reitzel selbst in den Mittelpunkt gerückt werden; als Mensch und faszinierende Persönlichkeit, als ketzerischer Denker, als glänzender Schriftsteller und Stilist.
Über den Autor
Manfred Bosch wurde 1947 in Bad Dürrheim geboren, lebt als Schriftsteller in Konstanz. 1980 begründete er die Kultur- und Literaturzeitschrift "Allmende" mit. Er ist Herausgeber vergessener Autoren und Autor zahlreicher Darstellungen zur Zeit- und Literaturgeschichte des deutschen Südwestens. Manfred Bosch wurde u.a. mit dem Bodensee-Literaturpreis (1978, 1997) und dem Johann-Peter-Hebel-Preis (1990) ausgezeichnet.