"Für die meisten Biologen sind lebende Organismen nichts weiter als komplexe Maschinen, die ausschließlich von den bekannten Gesetzen der Physik und Chemie gelenkt werden", so schreibt der englische Biochemiker und Naturphilosoph Rupert Sheldrake im Vorwort zu seinem grundlegenden Werk "A New Science of Life" von 1981, das hier in dieser deutschen Taschenbuchausgabe vorliegt. Das Unbehagen an der rein mechanistischen Betrachtungsweise der Natur und die offenen Fragen und Widersprüche der modernen Evolutionstheorie veranlaßten Sheldrake dazu, die bisherige Vorstellungsweise der Entwicklung alles Lebendigen im Universum durch die Theorie des morphogenetischen Feldes zu erweitern. Neben der energetischen und kausalen Verursachung postuliert Sheldrake damit noch eine dritte Variante: die Hypothese der formbildenden Verursachung. Die Entstehung der Arten beruht demnach sowohl auf der genetischen Vererbung wie auf das Vorhandensein von morphogenetischen Feldern. Woher weiß das von der DNA produzierte Eiweiß wie es sich bis ins Detail genau aufzufalten hat; wie finden junge Kuckucke ihre Eltern im Winterquartier in Afrika ohne sie je gekannt zu haben; wie erklären sich die Differenzierung der Zellen bei gleicher DNA allein aus der Biochemie der Erbsubstanz? Sheldrakes Theorie der morphogenetischen Felder erklärt dies mit der Vorstellung einer morphischen Resonanz mit früheren Ausprägungen der gleichen Form. Je öfter dabei die Formfindung in den selben Bahnen verläuft, umso ausgeprägter wird dabei die morphische Resonanz dieser Form. Es kommt dabei gleichsam zu einem Gedächtnis der Natur, das alle bisherigen Vorstellungen übertrifft. Auch wenn es Sheldrake noch nicht möglich ist, die Struktur dieses Formgedächtnisses genauer zu ergründen, so überzeugt dennoch die Anwendung seiner hypothetischen Funktionsweise auf die Problemstellungen der Morphogenese, der Evolution der Arten bis hin zur Entwicklung des Verhaltens. Trotz vieler offener Fragen gelingt es Sheldrake in seiner Darstellung dennoch, die Plausibilität und Anwendbarkeit seiner Hypothese eindrücklich darzustellen. Dass dabei die Grenzen der bisherigen Denkmuster der starren mechanistischen Modelle überschritten werden, mag zum einen zur Diskussion herausfordern, weist zum anderen aber auch die Richtung, hin zu einem dynamischeren und komplexeren Erlärung der Entwicklung der Formen in der Biologie. Dieses Buch ist schon längst ein Klassiker der Wissenschaftsgeschichte und ein Muß für alle, denen die bisherigen Antworten in der moderenen Biologie noch nicht für ausreichend erscheinen.