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Aus der schönen neuen Welt. Expeditionen ins Landesinnere
 
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Aus der schönen neuen Welt. Expeditionen ins Landesinnere (Broschiert)

von Günter Wallraff (Autor)
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Produktinformation

  • Broschiert: 208 Seiten
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch Verlag; Auflage: 1., Auflage (14. Oktober 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462040499
  • ISBN-13: 978-3462040494
  • Größe und/oder Gewicht: 21,4 x 13,6 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Grimmig dreinblickende Männer tragen Bomberjacken mit dem Aufdruck „Deutschland“ in Frakturschrift. So sehen die Fußballfans aus, zu denen Günther Wallraff in den Zug steigt – und zwar als Schwarzer verkleidet. Zügig erleben Leser, warum der Enthüllungsjournalist nur kurze Zeit später „noch nie so innige Gefühle für Polizeibeamte“ hegte.

Um zu erfahren, wie sich „von oben angeheizter Rassismus im Alltag bemerkbar macht“, geht Günther Wallraff wieder verdeckt auf Recherche. Seine Erlebnisse auf der Straße, in Kneipen oder Vereinen untermauern, wie Schwarzen hierzulande immer wieder ein normales Leben verwehrt wird. Wallraff spricht dabei von einer „modernen Spielart des Rassismus“, die die Würde von Menschen nur achtet, solange sie auf Distanz bleiben.

Wallraffs Erlebnisse als verkleideter Schwarzer sind der Aufmacher des Buches. Zeitgleich machte der mutige Mahner diese Legende im Zeit-Magazin publik. Weitere Recherchen hatte Wallraff bereits vorher im selben Medium etappenweise offenbart. Im Vergleich zu früher sind die Resultate seiner Arbeit jedoch weniger spektakuläre Enthüllungen, vielmehr die Dokumentation bestehender Missstände. Denn dass das Leben als Obdachloser bei Minustemperaturen hart ist, wussten wir bereits.

Des Weiteren lernen Leser, wie Callagenten in einem schleichenden Prozess zu routinierten Betrügern werden, dass für Lidl keine großen Brötchen gebacken werden – oder dass in Küchen und im Servicebereich teils verdammt lange Schichten gefahren werden. Zudem deckt das verkörperte schlechte Gewissen der Nation auf, wie verkaufswillige Unternehmer mittels skrupelloser Paragraphenreiter gegen eigene Mitarbeiter vorgehen. Eine zusätzliche Bahn-Doku stammt noch aus Zeiten von Hartmut Mehdorn.

Ideen zu den Recherchen kamen teils von Hilfe suchenden Landsleuten, und ein Paar Mal wurde der „verdeckte Ermittler“ erkannt. Dennoch trägt Wallraffs Arbeit gestern wie heute dazu bei, Licht in die dunklen Ecken unserer Gesellschaft zu bringen. Trotz zu erwartender hoher Verkaufszahlen wird Aus der schönen neuen Welt allerdings nicht an den Millionenerfolg von Ganz unten aus den achtziger Jahren herankommen – weniger, weil Wallraff an Schlagkraft eingebüßt hat, vielmehr, weil wir in den letzten zwanzig Jahren viele Illusionen verloren haben, wozu der mutige Journalist immer wieder entscheidend beigetragen hat.
– Herwig Slezak



Kurzbeschreibung

Günter Wallraff ist wieder da - Reportagen aus einem reichen, armen Land.

Ganz unten, Günter Wallraffs Reportage über den menschenverachtenden Handel mit Leiharbeitern, war mit über fünf Millionen verkauften Exemplaren einer der größten Erfolge in der deutschen Buchhandelsgeschichte. Jetzt ist Wallraff wieder undercover unterwegs ... Niemand hat mehr Missstände aufgedeckt als er. Millionen haben seine Bücher gelesen, junge Journalisten nehmen sich an ihm ein Vorbild, wenn sie in Rollen schlüpfen, um die dunklen Seiten der gesellschaftlichen Realität aufzudecken - eine Vorgehensweise, die im Schwedischen wallraffa genannt wird. Doch Günter Wallraff hat sich nicht zur Ruhe gesetzt. Seit einiger Zeit ist er wieder undercover unterwegs. Als Michael G. recherchierte er den Alltag in deutschen Callcentern - das Echo auf die in der Zeit veröffentlichte Reportage war gewaltig: Wallraff war Gast in Fernseh- und Hörfunksendungen; zahlreiche Callcenter-Mitarbeiter meldeten sich, die ihm von eigenen Erlebnissen berichteten. Der zweite Coup: Als Niedriglöhner arbeitete Wallraff in einer Fabrik, die für Lidl Brötchen backt, bis zur Erschöpfung, erlitt mehrfach - wie auch seine Kollegen - Brandverletzungen. Dem Lidl-Aufsichtsratschef Klaus Gehrig schlug Wallraff in der Sendung Kerner vor, gemeinsam mit ihm zwei Tage lang unter diesen Straflager-Bedingungen zu arbeiten - was dieser ablehnte. Und im Winter 2008/2009 hat Günter Wallraff am eigenen Leibe erfahren, wie Obdachlose in Deutschland leben. Er quartierte sich in Obdachlosenheimen ein und verbrachte die kältesten Tage des Winters auf der Straße, bei Temperaturen bis zu minus 20 Grad. Neben einer vierten Rolle, die bis zum Erscheinen geheim bleiben muss, und weiteren Fällen dokumentiert Wallraff in diesem Buch erstmals umfassend die Ergebnisse seiner neuen Recherchen, die auch nach den Presseveröffentlichungen weitergehen. Sein Fazit: In einem reichen Land leben heute immer mehr Menschen ganz unten, und das droht die Gesellschaft zu zerreißen. Gesamtauflage von Ganz unten: über 5 Mio. Exemplare


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60 von 69 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Reportagen über unsoziale Kälte, 15. Oktober 2009
Ja, lesen!
Er könnte längst in Rente sein und den Blick auf den Rhein bei Unkel oder auf das multikulturelle Köln-Ehrenfeld genießen. Doch Günter Wallraff (*1942) hat noch einmal rund 320 Seiten über die soziale Kälte in der Republik abgefasst.

Der abgebildete Taschenbuchumschlag ist mittlerweile der richtige und zeigt den Autor als "Schwarzen". Jeder Wallraff-Leser oder jeder, der die Karnevalsverkleidung etwa der "Poller Negerköpp" kennt, hätte ihn identifizieren _müssen, doch bis auf zwei tat das niemand. Man guckt ja bei solchen nicht so hin. In seinem ersten Buchteil beschreibt Wallraff, wie er so den täglichen ängstlichen bis aggressiven Abgrenzungsr*ssismus erfahren muss. Unfassbar.

Im zweiten Teil des Buchs schlüpft der ehemalige Linkskatholik in eine Rolle, die er früher in seinen "13 unerwünschten Reportagen" schon einmal eingenommen hatte. Als Obdachloser lernt er die Bürokratie abermals kennen, das Wegsperren, die Aggression, die Hilfsleistungsabzweigung durch die privaten Anbieter. Sei es draußen auch noch so bitter kalt: Pech. Mit-Obdachlose sterben aus verschiedenen Gründen.

Der schönen neuen Welt der Callcenter ist das nächste Kapitel gewidmet: Für eine dubiose Lottoscheinfirma (und ein paar andere Firmen) macht Günter Wallraff den Telefon-"Drücker". Nebenbei erfährt man die fiesen Tricks der Branche genauso wie das dortige systematische Betäuben des schlechten Gewissens.

Ein Hunsrücker Brothersteller für Lidl wird danach aus der Innenperspektive beleuchtet. Geschichten zu Starbucks, Mehdorns Bahn und dem als unappetlich und mobbingfreundlich dargestellten Spezialanwalt Helmut Naujoks beschließen das Buch.

Nach Wallraffs großem Erfolg vor rund 25 Jahren mit Ganz unten hätte man denken können, dass die Menschenausbeuter am Boden gewesen wären. Mitnichten.
Die Frage schäumt geradezu auf: wie können momentan prassende Kapitaleigner und eitle Managerklasse dermaßen gehätschelt werden, während wir gleichzeitig wirklich bedürftige Menschen (s.o.) so schlecht behandeln?


Wer das ZEIT-Magazin regelmäßig liest, hat dort viel davon in einer gekürzten Form bereits gelesen. Wallraff berichtet dafür im Buch auch von ersten Reaktionen/ Nicht-Reaktionen auf diese Enthüllungen. Ein Kinofilm soll bald folgen.

Der Stil des Burscheiders ist einfach, reportagenhaft und dabei von engagierten Einsprengseln durchsetzt. Wallraff sagt seine Meinung deutlich, in seiner schelmenhaften Verkleidungsrolle wie in seinen Texten. Er flicht übrigens auch Erlebnisse anderer ein, benennt das aber, soweit ich das beurteilen kann, auch deutlich.

Ich habe jedenfalls gerade das Buch dem Paketboten heute fast aus der Hand gerissen, und es war noch mehr als erwartet. Volle Sterne!
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Das erste Kapitel bitte überblättern.., 28. Oktober 2009
Von Uwe Peters - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Günter Wallraffs Bücher haben mich in meiner Jugend sehr geprägt. Die Mischung aus ungeschönten Tatsachenberichten und direktem Kontakt zur Sache haben mir die Welt etwas greifbarer gemacht. Umso überraschter war ich, als ein neues Buch des alten Enthüllungsveteranen angekündigt wurde. Und ich muss sagen, das dieses Buch wirklich großartig ist..... wenn nicht das erste Kapitel wäre.

Eine Untersuchung zum Thema Ausländerfeindlichkeit ist ja sehr lobenswert, aber leider funktioniert die Wallraff-Methode in diesem Fall nicht. Man kannn nun einmal keinen Schwarzen darstellen indem man sich Braun anmalt und eine Afro-Perrücke auf den Kopf setzt. Vor dem flüchtigen Passanten oder dem besoffenen Proloschläger mag man somit noch als Afrikaner durchgehen, aber spätestens wenn man aus dem Gebüsch springt und lautstark "Brumbeeren" suchen gehen will, wird die Hautfarbe relativ egal. In so einem Fall würde jeder eher an einen entsprungenen Irren denken, egal welcher Hautfarbe.

- Als Folge dessen bleibt das erste Kapitel bedauerlich wirkungslos und man fragt sich warum Wallraff nicht einfach einen Ergebnisbericht seiner Recherche zum Thema Ausläderfeindlichkeit präsentiert hat. Der Rest des Buches zeigt deutlich das er durchaus zu dieser Form der Reportage fähig ist. Und dieser Rest zeigt ein Deutschland das irgendwo zwischen Globalisierung und Frühkapitalismus hängen geblieben ist.

- In der Rolle des Obdachlosen geht er quasi zurück zu den Anfängen. Zwischen Weihnachten und Neujahr erlebte er Deutschland aus der Welt der "ganz, ganz unten" und er fand vom Arzt bis zum Unternehmer praktisch einen Querschnitt der Gesellschaft.

- Die Kapitel über Starbucks und der Restaurantbranche ist interessant aber irgendwie glaubt man alles schon zu kennen. Das die Gastronomen und Grosshandelsketten ihre Arbeiter ausbeuten ist nun wirklich nichts neues und ich frage mich jedes Jahr, warum so viele junge Leute sich diese Tortur antun wollen, nur um von irgendwelchen Spagettimurksern mit Michelinsternen das kochen zu lernen. Das gleiche gilt für die Recherche in den Callcentern (die jedoch wirkliche Folgen hatte). Offenbar machte es der Politik nicht aus, das jährlich zigtausende Arbeitssuchende zu Trickbetrügern ausgebildet wurden.

- Das Kapitel um die Bäckerei Weinzheimer ist jedoch geradezu erschreckend. Das ein Lidelzulieferer der letzte Dreck sein kann, ist mir bekannt, das jedoch solche Zustände herrschen war einfach erschüttend. Eine unfähige Betriebsführung richtet aus reinem Unvermögen die Arbeiterschaft ebenso zugrunde wie die Substanz eines Traditionsbetriebes.

- Die Akte Mehdorn wiederum war eine Vertiefung der bekannten Fakten; das es zu massivem Mobbing und Bespitzelung innerhalb der DB kam ist mittlerweile nichts neues mehr. Und wer jemals mit der Berliner S-Bahn fuhr, kann einschätzen welche Leistung der Schröderfreund Mehdorn wirklich erbracht hat. An Ende scheiterte sogar die so ersehnte Privatisierung der einstmals im Volksbesitz befindlichen Bahn.

- Wirklich unfassbar ist jedoch das letzte Kapitel. Bitte lesen sie es selber, aber ich konnte es kaum glauben das heutzutage ein Anwalt jenseits aller moralischen Vorstellungen die Menschen geradezu kaputtmachen kann, sie regelrecht durch Psychoterror fast bis zum Selbstmord treibt. Ein Anwalt, der offenbar erkannt hat, wie schwach der Staat wirklich geworden ist. Da werden Menschen mit allen Mitteln der Legalität regelrecht kaputtgemacht, Menschenrechte mit Füssen getreten und Leben zerstört. Und alles, ohne irgendeine Konsequenz für den Unmenschen. Teilweise erinnert dieses Kapitel an die Spitzeljustiz der STASI.

Vor 35 Jahren hat Wallraff die Bild bezichtigt, Menschenleben für eine Schlagzeile zu zerstören. Heute werden Menschenleben von einem Anwalt zerstört, ohne das auch nur die geringste Konsequenz daraus erwächst. Vor 35 Jahren hätte man diesem Anwalt sofort die Lizenz entzogen.


Wirklich, eine schöne neue Welt. In seiner Jugend wühlte Wallraff noch im wirklichen Dreck, heute ist der Dreck unsichtbar geworden, der Geschmack jedoch blieb.

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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Aus der schönen neuen Welt, 16. November 2009
Jeder erwachsene Bürger sollte dieses Buch lesen. Besonders den Schönschwätzern aus dem Bereich Politik ist dieses Buch dringend zu empfehlen! Was Herr Wallraff hier aus eigenem Erleben oder durch seine Ermittlungen berichtet ist erschütternd! Man kann es kaum glauben, was in unserem Lande noch alles geschehen kann.
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