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Das Paradox
Manchmal kann man etwas zum Verschwinden bringen, indem man es in den Vordergrund rückt. Moderne Männerkörper zum Beispiel. In Discos, Sportstudios und in der Freizeit sind sie genauso präsent wie in der Werbung und im Kinofilm. Schultern und Hüften ergeben ein siegreiches »V«; die Brüste sind raumgreifend wie die von Frauen und auf den harten Bäuchen kannst du Holz hacken. Während im fassadenverliebten letzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts der Kult um den Körper immer neue Blüten treibt, scheinen sich die realen Körper hinter den Bildern immer mehr zu verflüchtigen. Bezeichnend, dass die narzisstische Körperpräsentation jede Eigen-Art wegtrainiert und absaugt. Selbst Haare müssen entfernt werden, denn diese Bilderbuchkörper meinen »Bild«, nicht »Körper«. Diese Leiber haben im wahrsten Wortsinn keine Sprache mehr. Sie tragen keine Bedeutung, weil die Austauschbarkeit ihr Ziel ist, weil sie nur auf sich selbst verweisen.
Die Konsequenz
Die nichtprofessionellen Modelle des Berliner Fotografen Andreas Fux halten dem »Body« der Warenästhetik stur ihre Version der Körperlichkeit entgegen. Sie zeigen Tattoos, Piercings und Verletzungen. Mit fast ehrfürchtiger Unbedingtheit haben sie sich ihre Geschichte auf den Leib geschrieben, unauslöschlich und für manche Betrachter schwer zu ertragen. Man kann auf diesen Körpern lesen wie in einem Buch aber zuletzt wird man etwas ganz anderes und gar Ungeheuerliches tun: Man wird in Gesichter blicken, in Augen, und dort Menschen entdecken, keine »Modelle«.
Die Faszination
Andreas Fux arbeitet seit 1995 an dieser »weißen Serie«. Nackte Menschen im leeren weißen Raum. Keine Deko, keine Objekte sollen ablenken, nur die Körper sollen erzählen von Verletzungen und Wunschträumen, von blutigen Liebesschwüren und der Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Fux sieht sich selbst als Katalysator. Er inszeniert nicht, sondern fordert seine Modelle zu einer Haltung heraus. Manche betreten über Jahre hinweg immer wieder diesen weißen Raum und es ist faszinierend zu beobachten, wie die Körper immer neue Geschichten erzählen. Immer mehr »Kapitel« gesellen sich dazu und unweigerlich muss der Betrachter sich fragen, was passiert, wenn kein Platz bleibt auf der Haut. Ist die Geschichte dann zu Ende oder fängt sie nun erst an?
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Lebendige Kunstwerke,
Rezension bezieht sich auf: Die süsse Haut. Fotografien zwischen Lust und Schmerz (Gebundene Ausgabe)
Ungewöhnliche Menschen, die ein ganz besonderes Verhältnis zu ihrem Körper haben. Keine Mainstream-Models, wie man sie sonst in jeder Werbeanzeige sieht, sondern Typen, die ihre Haut benutzen, um anders zu sein und um zu provozieren. Und so ist auch dieses Buch anders und provozierend. Es ist kein Bildband über Tätowierungen oder Piercings, sondern zeigt lebendige Kunstwerke, die den Mut haben, weiter zu gehen als viele andere.Oft sieht man in den Augen der Modelle etwas ganz Besonderes. Hier wird deutlich, dass die Fotos nicht gestellt sind, sondern dass der Fotograf stets auf einen ganz besonderen Moment gewartet hat, um ihn dann für die Ewigkeit zu konservieren. Auch der schmerzhafte Weg der Transformation ist dokumentiert und gerade dieser Teil macht das Buch so einzigartig . Blutverschmierte Körper und schmerzverzehrte Gesichter, trotzdem wirken die Fotos nicht abstoßend. Sie faszinieren - weil sie so intim sind. Dieses Buch ist provozierend und faszinierend zugleich und ein "must have" für jeden Freund von Fotobüchern. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Die süße Haut,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die süsse Haut. Fotografien zwischen Lust und Schmerz (Gebundene Ausgabe)
Der druckfrische Bildband "Die süße Haut" von Andreas Fux liegt mir nun vor und ich muss offen zugeben, dass ich mich diesem Werk mit erwartungsvoller Spannung und Skepsis genähert habe, denn allzu oft wurde in der Vergangenheit das Thema Bodymodification mit einer allzu oberflächlichen Bildsprache behandelt, die dem vielschichtigen Inhalt der irgendwo von Schmuckfunktion bis Religionsausübung reicht, nicht gerecht wurde.Man muss Fux zugute halten, dass er sein Projekt offenbar über Jahre gepflegt und entwickelt hat. Nicht der schnelle Eyecatcher, das kurzlebige Bild war sein Ziel, sondern wohl eine eingehendere Darstellung des Menschen, der sein Äußeres – und damit sich selbst – nach seinen Vorstellungen und gegen einen fremddefinierten Zeitgeist und ein "allgemeingültiges Schönheitsideal" verändert. Fux zeigt reduzierte Bilder indem er auf Inszenierungen fast vollständig verzichtet. Ein Spiegel oder ein Kleidungsstück sind die einzigen Requisiten, die zum Einsatz kommen. Der Hintergrund der Aufnahmen ist steril weiß oder dunkel gehalten. Davor zeigt er seine Modelle ganz oder nur einzelne Körperteile. So wirkt diese Zusammenstellung oft dokumentarisch und wissenschaftlich - eine minimalistische Bildästhetik dominiert. Einzig die blutigen Fotografien, in denen Cuttings und temporäre Nadelungen (Needleplay) gezeigt werden, scheinen aufgrund ihrer schockierenden Wirkung auf den Betrachter plötzlich mit Leben gefüllt zu sein. Doch mag die abgeschlossene Fotostudioatmosphäre nicht recht dazu passen. "Die süße Haut" braucht Vergleiche mit Bildbänden wie "The Illustrated Woman" von William DeMichele (New York, 1992) und den Arbeiten von Housk Randall (z.B. in "Transfigurations", in Deutschland 1998 im Moewig Verlag veröffentlicht als "Piercing", in "Revelations" London, 1993 oder in "Radical Desire" zusammen mit Mark Ramsden, London, 2000) nicht scheuen. Doch hinterlassen gerade Randalls Schwarz/Weiss-Bilder einen bleibenderen Eindruck als die Farbaufnahmen von Andreas Fux zumal ich finde, dass bei der Wiedergabe einiger Bilder unbeabsichtigte Farbstiche zu Tage treten, was aber (wenn überhaupt) ein Problem der Buchherstellung ist. Fazit: Ein gelungenes Werk, das durch die Worte von Uwe Karsten und Boris von Brauchitsch kompetent umrahmt wird. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Pur,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die süsse Haut. Fotografien zwischen Lust und Schmerz (Gebundene Ausgabe)
So würde ich diesen Bildband von Andreas Fux wohl bezeichnen.Betrachter, die hübsche Menschen mit hübschen Tattoos oder einem süßen Nasenbrilli erwarten, werden enttäuscht sein! Fux bildet hier die Subkultur der Szene ab, läßt sie sich nach seinen Regeln darstellen, unabhängig von ihrer Intention ist alles zugelassen, bis zu Hautschnitten und Selbstverstümmelung. Fux stellt deren Intention nicht in Frage, er hält es in Bildern fest, die aus einer relativ vertrauten Nähe entstanden zu sein scheinen. Die Bilder sind pur, schlicht, unkapriziös und eindringlich vor Weiß in guter Qualität. Sie wirken wie Zeitzeugen einer für manchen verstörenden, provokativen und nicht unbedingt für jeden verständlichen Welt. Aber es wird klar, dass es Menschen gibt, die ein völlig anderes Verständnis für ihren Körper haben. Dies findet wertfrei in den Bildern Ausdruck. Format und Druckqualität sind gut. Die Bilder großformatig und gut ausgeführt. Fazit: Ein Buch, nichts für empfindliche Gemüter, aber ein cooler Einblick in die Kultur der "Manipulation der Körperoberfläche" in vielen, auch härteren, Facetten. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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