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Produktinformation
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Neben dem Holocaust zählt der stalinistische Terror zu den größten Grausamkeiten des letzten Jahrhunderts. 15 Millionen Menschen verlieren durch Stalin ihr Leben. Jörg Baberowski gibt einen Überblick über dieses finstere Kapitel, das, anders als die NS-Verbrechen, bis heute kaum aufgeklärt ist. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion dringen Einzelheiten über das Ausmaß der Gewalt und des Schreckens von Stalins dreißigjähriger Herrschaft an die Öffentlichkeit. Allmählich werden Archive geöffnet und das Bild der sowjetischen Geschichte wird wesentlich verändert. Stalins Rolle erscheint in einem neuen Licht. Es ist nunmehr unbestritten, dass er selbst den Massenterror vorantrieb. Noch vor dem Beginn des Krieges ließ das Regime Völkergruppen deportieren, Hunderttausende kamen dabei um, und auch während des Zweiten Weltkrieges und nach 1945 hörten die terroristischen Übergriffe des Regime gegen Zivilisten und Soldaten nicht auf. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
35 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Die Geburt des Terrors aus dem Geist der Aufklärung,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der rote Terror: Die Geschichte des Stalinismus (Broschiert)
Jörg Baberowskis Buch über den "Roten Terror" ist als Geschichte des Stalinismus angelegt, nicht als Geschichte der Sowjetunion zur Zeit Stalins. Dieser Umstand bringt es mit sich, dass die Oktoberevolution, der Bürgerkrieg, die Kollektivierung, der Zweite Weltkrieg und viele andere Ereignisse nur am Rande behandelt werden. Das Augenmerk des Autors gilt ganz der Frage, mit welchen Mitteln der Generalsekretär aus Georgien die Macht erringen und so lange behaupten konnte. In seiner Antwort gelingt es Baberowski persönliche, institutionelle, kulturelle und gesellschaftliche Faktoren zu einem theoretischen Modell zu verknüpfen, das als "historische Ortsbestimmung" des Stalinismus verstanden werden kann.Baberowskis Ausgangspunkt ist die Ideologie. Indem sie unmittelbar an das Gedankengut der Aufklärung und die Reformpolitik der Zaren anknüpften, hätten die Bolschewiki versucht, ihrem rückständigen Land eine Ordnung aufzuzwingen, für die es nur minimale Voraussetzungen mitbrachte. Die Russen sollten in kürzester Zeit moderne Europäer werden und ihre überkommene Lebensform hinter sich lassen. "Die russischen Kommunisten waren gelehrige Schüler des Zeitalters der Vernunft und der Aufklärung. Was die Natur versäumt hatte, das sollte von Menschenhand vollbracht werden. Was sich der Vernunft, so wie die Bolschewiki sie verstanden, nicht fügte, musste aus der Wirklichkeit verschwinden. Der Sozialismus hatte am Projekt der Moderne nichts auszusetzen, er hielt sich im Gegenteil für seine eigentliche Vollendung." (S. 13). Von den Zaren hätten sich die Anhänger Lenins nur durch den radikaleren Charakter ihrer Zukunftsvision, ihr messianisches Selbstverständnis und ihre ungleich größere Brutalität unterschieden. Seien schon die zaristischen Reformprojekte über weite Strecken fehlgeschlagen, habe das utopische Gesellschaftsmodell der Kommunisten von vornherein keine Erfolgsaussichten besessen. Als sein Scheitern deutlich wurde, hätten die roten Machthaber, Lenin allen voran, durch ihre Entscheidung, die Gründe dafür nicht in den Fehlern der eigenen Ideologie, sondern in den Umtrieben von Verrätern und Klassenfeinden zu suchen, die Voraussetzungen für den Terror gelegt. Ein weiterer zentraler Schritt war die Entmenschlichung des Gegners. Schon Lenin bezeichnete die Feinde des Bolschewismus als "menschlichen Abfall", "Insekten" und "Bakterien". Um sich zur Höhe der Gewaltexzesse der dreißiger Jahre aufzuschwingen, habe der Terror allerdings noch zweier weiterer Voraussetzungen bedurft: Der sozialen Durchlässigkeit der postrevolutionären Gesellschaft sowie der Person Stalins. Die neuen Aufstiegsmöglichkeiten hätten Männer in führende Positionen gebracht, die noch ganz der bäuerlichen Gewaltkultur des flachen Landes verhaftet waren. Fernab jeglicher Sentimentalität beschreibt Baberowski das Leben der Bauern als "primitiv, schmutzig und kurz". Die meisten von ihnen seien es gewohnt gewesen, sich regelmäßig zu prügeln und ihre Frauen und Kinder zu schlagen. Hinzu sei die Verrohung gekommen, die eine ganze Generation junger Bauern durch den Ersten Weltkrieg und den Bürgerkrieg erlitt. Die "Chancengleichheit" des neuen Systems habe nun Vertreter dieser Mentalität an die Spitze der politischen Hierarchie befördert. Gerade ihr unmittelbares, physisches Verhältnis zur Gewalt unterschied, so meint Baberowski, Stalin und seine Anhänger von den Revolutionären der ersten Stunde, den Debattierern und Kaffeehaussozialisten vom Schlage Trotzkis, Radeks und Bucharins. "Stalin ließ sich die Geschlagenen und Gefolterten in seinem Arbeitszimmer vorführen, er gab Anweisungen, wie die Verhafteten zu misshandeln seien, und er schlug seinen Sekretär Poskrebyschew. 'Wie er mich geschlagen hat. Er hat mich an den Haaren gepackt und meinen Kopf auf den Tisch geschlagen', berichtete Poskrebyschew ..." (S. 206). Der Mentalität der neuen Männer habe es außerdem entsprochen, politische Auseinandersetzungen in den Kategorien ihrer bäuerlichen Herkunft zu deuten: als Kämpfe verfeindeter Männerbünde. "Stalins Gesellschaftsmodell war die Räuberbande, deren Mitglieder in der rauhen Wirklichkeit nur überlebten, wenn sie einander auf Gedeih und Verderb die Treue hielten." (S. 179). Faktisch habe diese Einstellung die Sowjetunion in einen Personenverbandsstaat verwandelt, der von persönlichen Netzen und Gefolgschaftshierarchien zusammengehalten wurde. Zwar kam die Feudalisierung Stalins Macht zunächst zugute, doch lag in ihr auch eine Gefahr. Als seine Provinzfürsten zu selbständig zu werden drohten, habe der Diktator sich zu den Säuberungen der dreißiger Jahre entschlossen, um die feudalen Netze, die er ins Leben gerufen hatte, wieder zu zerschlagen. Ganz richtig habe er erkannt, dass persönliche Treue und Loyalität verschwinden würden, wenn niemand sich mehr seines Lebens sicher sein konnte. Indem er auf allen Ebenen Misstrauen schürte, stellte er sicher, dass seine Macht unumschränkt wurde. Die "funktionalistische" These mancher Historiker, der Terror habe sich weitgehend aus der Eigendynamik des sowjetischen Systems entwickelt, weist Baberowski zurück. Seit Öffnung der Archive bestehe kein Zweifel mehr daran, dass alle entscheidenden Aktionen von Stalin selbst ausgingen und er jederzeit die Kontrolle über das Geschehen behielt. Daraus folgt jedoch nicht, dass die Geschichte der Sowjetunion ohne ihn friedlich verlaufen wäre. Der Versuch, den Russen eine aufklärerische Utopie aufzuzwingen, musste in jedem Falle fehlschlagen. Angesichts der Herkunft der neuen Machthaber durfte man kaum erwarten, dass sie auf diese Entwicklung anders als mit Gewalt reagieren würden, ganz gleich wer sie anführte. So gesehen ist der Stalinismus nicht nur das Wüten eines einzelnen Mannes, sondern auch Ausdruck einer kollektiven Mentalität und das Scheitern der Moderne an ihren eigenen Idealen. 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20 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Durch Geschichte Wissen erlangen,
Rezension bezieht sich auf: Der rote Terror: Die Geschichte des Stalinismus (Broschiert)
Ich möchte diese Rezension über ein Buch über den Stalinismus selbst mit einem Zitat Stalins zu eröffnen: "Ein Toter ist eine Tragödie, eine Millionen Tote eine Statistik."Dieser Ausspruch macht bereits das Dilemma des Stalinismus im historischen Gedächtnis der Welt deutlich. Der Durchschnittsmensch weiss schon, dass der Stalinismus eine schlimme Episode der Geschichte war, er weiss von Gulag, Hungersnöten, Schauprozessen und Vertreibungen, und möglicherweise ist ihm auch bewusst, dass die Opferzahlen in die Millionen gehen, und dennoch sind all diese Zahlen und Worte nur abstrakte Begriffe, für ein Grauen, das ihn dennoch nicht berührt? Warum ist uns der Stalinismus, der erst 50 Jahre zurückliegt doch genauso fern wie der 30jährige Krieg oder die Hexenverbrennungen? Die Antwort ist einfach: Weil die stalinistischen Mordexzesse (im Gegensatz zu den nationalsozialistischen Verbrechen) wenig bis gar nicht im Bild dokumentiert sind. Es gibt kein Filmmaterial auf ZDF, nur wenig Fotografien; die Sowjetunion ist als Sieger untergegangen und hat die haarsträubendesten Indizien über ihre dunkelste Episode mit ins Grab genommen. Gerade in Hinblick auf den Wiederaufstieg der umbenannten SED und das zunehmende Verblassen der Gedenken von DDR-Opfern in Deutschland ist es notwendig, sich mit dieser Epoche zubeschäftigen, und das Buch von Jörg Baberowski ist mit seinem schmalen Umfang nicht mehr und nicht weniger als ein historiographischer Meilenstein, der keine Fragen offen lässt. Bereits der Skeptiker, der meint, die Verbrechen des Sowjetkommunismus seien nur ein bedauerlicher Einzelfall, und Lenin sei dennoch ein brillanter Theoretiker und Vordenker gewesen, der leider viel zu früh starb, und der schon hinter dem Titel des Buches eine Voreingenommenheit des Autors sieht, wird bereits im ersten Kapitel in seine Schranken verwiesen; denn "Der Rote Terror" war tatsächlich der Titel eines Magazins der Bolschwiken, der das Grundprinzip der kommenden Politik bereits 1918(!) auf den Begriff brachte: "Wir führen nicht Krieg gegen einzelne. Wir vernichten die Bourgeoisie als Klasse. Während der Untersuchung suchen wir nicht nach Beweisen, dass der Beschuldigte in Worten und Taten gegen die Sowjetunion gehandelt hat. Die ersten Fragen die gestellt werden müssen, lauten: Zu welcher Klasse gehört er? Was ist seine Herkunft? Was ist seine Bildung und Beruf? Und es sind diese Fragen, die das Schicksal des Beschuldigten bestimmen sollten. Darin liegt die Bestimmung und das Wesen des Roten Terrors." Hier liegt der Hauptverdienst von Baberowskis Werk: Fernab von jeglichem Zahlengestrüpp schafft er es, dem Leser die zugrunde liegende Paranoia des Sowjetkommunismus zu verdeutlichen: Die Bolschewiken fühlten sich von Beginn an durch das Schreckgespenst des "Klassenfeindes" bedroht, dessen Unterstützer sie im Klerus, der Oberschicht und den Akademikern erkannte, und das sie in späteren Jahren beliebig auf jede missliebige Volksgruppe projizieren konnten. Wer nur meint, die Opfer des Stalinismus seien Einzelbürger und Regimekritiker gewesen, deren Verurteilung durch die damalige Gesetzgebung eben unvermeidlich gewesen war, liegt einem fatalen Irrtum auf, denn spätestens nach dieser Lektüre gibt es keine Zweifel mehr, dass die Bolschewiki, genau wie die Nationalsozialisten, die kollektive Ermordung ganzer Volksschichten von Anfang an im Programm hatte. Das Buch ist viel zu klug, um sich auf Aufwertungen oder Vergleiche der Mordaktionen der beiden Regime einzulassen, aber dennoch lässt sich die Tatsache kaum widersprechen, dass mit der Oktoberrevolution und den darauf folgenden Jahrzehnten zum ersten Mal in der Geschichte (abgesehen von einigen spontanen Pogromen) die physische Auslöschung ganzer Volksgruppen zur Staatspolitik wurde. Die Bolschewiken sahen keine skeptischen Außenstehenden, die sie mit ihrer Politik vielleicht überzeugen konnten, wo immer sie nicht erfolgreich waren, vermuteten sie das Werk des Klassenfeinds, der ausgerottet werden musste, damit der geschichtlich legitimierte Kommunismus zur vollen Blüte reifen konnte. Und wenn man hier liest, wie zum ersten Mal "DIE Kulaken", "DIE Adligen" oder "DIE Zaristen" zur gesellschaftlichen Auslöschung freigegeben wurden, dann wird es auch ein kleines bisschen weniger unfassbar, wie 15 Jahre später ein paar tausend Kilometer weiter im Westen eine gesamte Religionsgemeinschaft kollektiv zum Tode verurteilt werden konnte, ohne dass ein Aufschrei durch die Welt ging. Und neben dem semi-bekannten Grauen von Hungersnöten, Deportationen, Parteisäuberungen und dem GULAG, deren Ausmaße bereits das Fassungsvermögen des Normallesers überschreitet, sind es erst die kleinen historischen Nebenschauplätze, die das Grauen des Stalinismus in vollem Umfang verdeutlichen: Etwa, dass während des Zweiten Weltkriegs tatsächlich die Familien hoher Armeefunktionäre als "Geisel" in Haft genommen wurden, um sie zu besseren Leistungen anzuspornen; dass die verkrüppelten Soldaten, die nach der Sowjetunion den Sieg erst ermöglichten dafür keinen Pfennig Anerkennung in der Heimat fanden, sondern ihnen als Invaliden ebenfalls Lagerhaft drohte, da die als Arbeitskräfte nicht zu gebrauchen waren; Sogar dass die kleine Handvoll russischer Zwangsarbeiter, die das Glück hatte, die Mordmaschine der Nationalsozialisten zu überleben, sich nach ihrer Rückkehr in die Heimat noch einmal vor ideologischen Standgerichten erniedrigen musste, und nicht wenige wegen "Begünstigung der feindlichen Rüstungsindustrie" gleich vom Regen in die Traufe kamen. Ein so geschliffenes, faktenreiches und glasklar erzähltes Buch ist neben vorherrschender ZDF-Doku-Sentimentalität dringend notwendig. Jörg Baberowski hat auf nur 250 Seiten ein Standardwerk abgeliefert, das mit seinem Fakten- und Detailreichtum die landesweite Anerkennung als Pflichtlektüre im Geschichtsunterricht verdient. Und so, mit Blick auf all dies, lässt sich diese Rezension mit einem weiteren Zitat diesmal des Physikers Jurii Orlov zusammenfassen: "Das waren die Verhältnisse in einer Nation, die dem Rest der Welt zeigen wollte, wie man lebt." Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
22 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der rote Terror,
Rezension bezieht sich auf: Der rote Terror: Die Geschichte des Stalinismus (Gebundene Ausgabe)
"Der Rote Terror" ist eine der besten Werke, die es zum Thema Sowjetunion und Stalin gibt. Im Vergleich zu anderen, meist sehr umfangreichen und langen Werken schafft Jörg Baberoski es, Stalins Werdegang vor dem Hintergrund der Entwicklungen im Sowjetimperium darzustellen, ohne sich dabei in den Details des zweiten Weltkrieges, Hitlerdeutschlands, der chinesischen Ereignisse etc. zu verlieren. Der Leser gewinnt dadurch ein "unabgelenktes", präzises Bild der Gesellschaft und Entwicklung innerhalb der Sowjetunion zu Zeiten des Stalinismus.
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