Um die Pointe gleich vorweg zu nehmen: wer es action- und temporeich mag, ist mit "Scratches" sicher eher schlecht bedient. Freunde der gediegenen Kopfarbeit und des subtilen Grusels werden allerdings voll auf ihre Kosten kommen.
Es fängt bei dem perfekt abgestimmten, aber sehr dezenten Soundtrack an, der die jeweiligen Szenen ideal ergänzt und untermalt. Geräusche, sofern überhaupt vorhanden, werden äußerst sparsam eingesetzt, wodurch das Gefühl der Isolation in dem abgeschiedenen Landhaus deutlich verstärkt wird.
Die Atmosphäre insgesamt ist trostlos und düster - selbst der Garten, in dem Vögel zwitschern und Blumen blühen, wirkt trist und gespenstisch. Das Haus ist heruntergekommen, überall liegen Überbleibsel aus vergangenen Tagen, in denen sich vortrefflich stöbern lässt. In den Tagebüchern finden wir eine haarsträubende Geschichte, die in sich schlüssig ist und absolut fesselnd.
Die Rätsel sind angemessen schwer, wie ich finde. Bei einigen Dingen muss man ziemlich knobeln, aber im Grunde sind alle Rätsel logisch und lösbar. Einzig beim Bergen der Leiche muss man ein wenig Pixeljagd betreiben, um den genauen Punkt zu treffen, an dem dann auch die Leiche liegt. Die Steuerung ist einfach und gut zu handhaben.
Und auch, wenn insgesamt recht wenig Aktion passiert - die wenigen echten Schockeffekte des Spiels sind so gekonnt, perfekt und überraschend platziert, dass mir, die ich solche Spiele bevorzugt nachts in der dunklen Wohnung spiele, mehrfach wahrlich die Haare zu Berge standen. Und so etwas passiert mir wirklich selten.
Einziger minimaler Wermutstropfen: der Aufenthalt des Protagonisten in dem Haus dauert nur drei Tage und wenn es nach mir ginge, hätte er auch gerne eine Woche dauern dürfen.
Einige Rätsel erfordern außerdem, dass man Dinge zweimal tut. Hat man beispielsweise gerade das Haus aus reiner Neugier von oben bis unten erkundet und ruft dann seinen Makler an, schickt der einen auf Kerzensuche. Weil man ja eben gerade schon überall war und sicher ist, dass keine Kerzen im Haus sind, kommt man natürlich nicht sofort darauf, dass man für den Spielverlauf die Räume nochmal durchsuchen muss - eben NACH dem Telefonat. Aber für solche Formalitäten gibt's ja Lösungen im Internet.
Außerdem ist das Ende dann doch ein bisschen abrupt, wenngleich absolut schockierend.
Diese Punktabzüge sind jedoch so minimal, dass sie meine Gesamtwertung nicht runterziehen.
Fazit: fünf glatte Punkte für Atmosphäre, Sound, Story und Schockeffekte. Hätte es doch nur länger gedauert.