"Au revoir, bis nach dem Krieg" erweckte meine Aufmerksamkeit mit seiner Kombination aus Titel, Cover und Inhalt. Ich finde Literatur, die im zweiten Weltkrieg spielt, sehr interessant und erhoffte mir bei "Au revoir, bis nach dem Krieg" einen Roman, der nicht zu realitätsfern ist und mir ein paar Sinneseindrücke dieser Zeit vermitteln kann. Gleichermaßen machte mich die verbotene Liebe, von der auf dem Klappentext die Rede ist, sehr neugierig.
Hanni lebt in einer deutschen Familie, die einen Steinbruch und damit verbunden auch ein großes Grundstück besitzt. Bei Ausbruch des Krieges muss der Steinbruch geschlossen werden und ihr größerer Bruder, sowie ihr Vater müssen in den Krieg. Die Arbeit wird für Hanni und ihre verbleibende Familie zu viel, sodass sie das Angebot, einen französischen Kriegsgefangenen bei sich arbeiten zu lassen, nicht ablehnen. Verboternerweise verliebt sich Hanni jedoch in ihn und bringt damit viele Menschen in Gefahr.
Bevor es allerdings zu dieser Liebesgeschichte kommt, beschäftigt sich ein Viertel des Buchs mit der Zeit kurz vor dem Krieg, als Hannis Bruder und Vater noch zu Hause sind. Auf jedes Mitglied der Familie wird in den Beschreibungen wert gelegt und so lernt man vom Dackel über die Großmutter bis zum Verwalter des Steinguts hin alle kennen. Schlecht ist das nicht, denn so hat man von Hannis Umfeld sofort ein gutes Bild vor Augen. Gut umgesetzt ist es allerdings auch nicht, denn zu jedem werden nur wenige Details genannt, sodass man die Komplexität dieser Figuren nicht erfährt. Darüber hinaus lernt man durch die Beleuchtung der vielen Figuren Hanni selbst kaum kennen. Obwohl sie die Hauptfigur des Romans ist, bleibt sie daher ziemlich blass.
Auch über den Rest des Buchs hinweg konzentriert sich die Autorin nicht nur auf Hanni, sondern bezieht auch die anderen Familienmitglieder mit ein - fast genau so sehr wie Hanni. Man hat mit "Au revoir, bis nach dem Krieg" also eher eine Familiengeschichte vor sich als die eines jungen Mädchens im zweiten Weltkrieg.
Sehr interessant hätte das sein können, wenn die Erzählweise nicht so kalt und unpersönlich gewesen wäre. Gudrun Pausewangs Beschreibungen der Umgebung und anderer Sinneseindrücke mochte ich zwar, denn sie waren weder zu ausführlich noch zu kurz. Allerdings wird auf Gefühle nur grob eingegangen. Überdramatische Beschreibungen hätten diesem Buch zwar auch nicht gut getan, aber ein wenig mehr Emotionen hätte ich mir doch gewünscht. So las sich das Buch nämlich mehr wie ein Tatsachenbericht und man konnte nur schwer Anteil an den Figuren nehmen.
Man muss zu dem Tatsachenbericht aber sagen, dass er wenigstens eins nicht ist - unrealistisch. Die Entwicklungen in der Geschichte und der Figuren sind sehr glaubwürdig. Auch das Ende passt sehr zum Rest des Buchs und zerstört den Eindruck nicht durch zu viel Drama oder ein unpassendes Happy End.
"Au revoir, bis nach dem Krieg" liegt ein interessantes Konzept zu Grunde. Die Umsetzung dessen ist allerdings weniger gelungen, denn durch den Erzählstil der Autorin war es für mich schwer, eine persönliche Beziehung zu diesem Buch und seinen Figuren aufzubauen. Dringend weiterempfehlen kann ich den Roman daher nicht.