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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Über die Stagnation der entwickelten Gesellschaften
Der Neoliberalismus ist zum Religionsersatz geworden. Alles hat sich einem engen ökonomischen Denken unterzuordnen. Doch wirtschaftliche Phänomene sind oft nur ein Spiegel wesentlich tieferer kultureller Muster. Niedergang der Bildung in den USA, malthusianischer Schock in Europa, verschärfte Ungleichheit bedeuten mehr als eine wirtschaftliche Krise, sie sind Zeichen...
Am 4. Januar 2005 veröffentlicht
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17 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Belehrung als Selbstzweck
Der Autor will nicht nur belehren, was ja nicht unbedingt schlecht sein muß, nein, er will erziehen, was unbedingt schlecht sein muß. Er ist der Meinung, daß Protektionismus auch nur ein Problem zu lösen vermag, dies Angesichts der Tatsachen, die gegen den Protektionismus sprechen. Er ist der Meinung, daß bestimmte Produkte aus Europa ferngehalten werden müssten, damit...
Veröffentlicht am 12. Januar 2005 von alex-germany
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Über die Stagnation der entwickelten Gesellschaften, 4. Januar 2005
Von Ein Kunde
Der Neoliberalismus ist zum Religionsersatz geworden. Alles hat sich einem engen ökonomischen Denken unterzuordnen. Doch wirtschaftliche Phänomene sind oft nur ein Spiegel wesentlich tieferer kultureller Muster. Niedergang der Bildung in den USA, malthusianischer Schock in Europa, verschärfte Ungleichheit bedeuten mehr als eine wirtschaftliche Krise, sie sind Zeichen einer Krise der westlichen Zivilisation. Beugen sich die entwickelten Gesellschaften in den USA, Europa und Japan den wirtschaftlichen "Sachzwängen", heute "Globalisierung" genannt, ist ihr Untergang gewiss. Die Ohnmacht der Nationen und damit der Politik kann nur überwunden werden, wenn die Idee der gesellschaftlichen Solidarität einen neuen Rahmen findet. Die Verkünder einer glücklichen globalisierten Welt sehen in den wachsenden Ungleichheiten, der Flexibilisierung der Arbeit und der Zerschlagung des Sozialstaates den Preis, der für eine höhere Effizienz der Wirtschaft zu zahlen ist. Für ihre Gegner, die immer häufiger mit dem altmodischen Etikett des "Widerstandslagers" versehen werden, ist dieser Preis inakzeptabel und bedeutet einen Rückfall in die Barbarei. Die wirtschaftliche Effizienz der Globalisierung wurde dagegen kaum je angezweifelt. Knapp ein Jahr später wagt niemand mehr, die Globalisierung als effizient und modern zu bezeichnen. Börsen- und Währungsfluktuationen erregen die Gemüter der besorgten Besitzenden, während die Grundindikatoren der realen Wirtschaft langsam, aber unerbittlich eine stagnative Welle beschreiben, die von Asien ausgehend durch die sinkenden Rohstoff- und Fertigwarenpreise auf Russland und Südamerika übergreift und neuerdings auch die europäischen und amerikanischen Wachstumsraten bedroht. Während die Pariser Presse aus Lokalpatriotismus den vorübergehenden Wiederaufschwung des französisch-deutschen Blocks feierte, widmete sich die angelsächsische Wirtschaftspresse 1998 hellsichtig der weltweiten Krise, die sie Schritt auf Schritt mitverfolgte. Immer selbstverständlicher wurden auch Keynes' Kommentare zur wirtschaftlichen Depression des Jahres 1929 zitiert. Am 5. September 1998 leitete der "Economist" eine Analyse zu der als katastrophal eingeschätzten aktuellen Lage mit einem Zitat des Meisters aus dem Jahr 1931 ein: "Wir befinden uns heute inmitten der größten Wirtschaftskatastrophe der modernen Welt... Man fühlt sich an die Prophezeiungen Moskaus erinnert, dies sei die entscheidende und finale Krise des Kapitalismus, der als gesellschaftliche Ordnung nicht überleben werde..." Der Neoliberalismus ist die letzte Großideologie des 20. Jahrhunderts. Wie seine feindlichen Brüder lässt er keine historische Erfahrung und keine theoretische Reflexion gelten, die seinen Glaubenssätzen widersprechen könnte. Diese dogmatische Enge ist ein Makel seiner Herkunft. Er ist ein kämpferischer Anti-Anti-Liberalismus, konzipiert in den Zeiten der schwersten Niederlage der liberalen Ideale. Dies prägt seine Begriffsbildung und seine Kampfesweise. Er musste seinen Feinden auf gleicher Augenhöhe entgegentreten. So übernahm er, insbesondere vom Marxismus, die Grundkonzeption einer "geschlossenen wissenschaftlichen Weltanschauung". Er zwingt alle Weltprobleme in ein einfaches Korsett, hat auf alle Fragen einfache Antworten (im wesentlichen immer dieselbe). Er verfügt über ein simples Menschenbild und er propagiert eine utopische Geschichtsphilosophie. Seine dogmatische Enge und sein utopischer Glaube hindern ihn allerdings daran, für die relevanten wirtschaftlichen Probleme pragmatische Lösungen zu finden. Dies macht ihn ebenso realitätsuntauglich, wie es der Marxismus war. Mit seinem Scheitern ist daher zu rechnen. Der Neoliberalismus ist zu einem Gutteil die Ideologie der anglo-amerikanischen Medienwelt.. Mitsamt diesem gesamtem Elitentheater, Eliteunis und der sozialen Separierung in einer raubtierkapitalistischen neoliberalen Kastengesellschaft. Emmanuel Todd, geboren 1951, lebt in Paris. Diplom am "Institut d'études politiques" in Paris und Doktorat in Geschichtswissenschaft an der Universität Cambridge. Autor zahlreicher Bücher. 1976 prophezeite er in seinem Buch "La chute finale" den Untergang der Sowjetunion. Inhalt des Buches: Vorwort zur deutschen Ausgabe. 7 Einleitung: Das Wesen der Krise. 15 Kapitel 1: Ein wenig Anthropologie für Ökonomen. 31 Kapitel 2: Am Bildungslimit. 49 Kapitel 3: Zweierlei Kapitalismus. 71 Kapitel 4: Die Wende der neunziger Jahre, oder: Ist die amerikanische Wirtschaft dynamisch? 101 Kapitel 5: Das Wiederaufkommen von Ungleichheiten und die Fragmentierung der Nationen. 135 Kapitel 6: Die Freihandelsutopie. 161 Kapitel 7: Die Währungsutopie. 197 Kapitel 8: Soziologie des Nulldenkens. 223 Kapitel 9: Rückkehr der Konflikte und Glaubensbezüge. 255 Schlusskapitel: Glaube und wirtschaftliches Handeln. 283
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Wichtiges Buch, 4. Februar 2005
Von Ein Kunde
Dieses Buch soll aufzeigen, dass spezifisch ökonomische Gesetze - deren Bedeutung keineswegs in Abrede gestellt werden soll - nur im Rahmen eines umfassenden kulturellen und anthropologischen Ganzen zum Tragen kommen können. Verschiedene Grundfaktoren wie Bildung, Bevölkerungsentwicklung und althergebrachte familiale Werte stecken im Hintergrund einen Rahmen ab, in dem die Menschen ihre Ziele und Möglichkeiten realisieren und ohne die das Handeln des Homo oeconomicus keinen Sinn ergibt. Wie im Buch ausgeführt, ist das Wirtschaftsleben auf einer bewussten, die Bildungsstruktur auf einer unterbewussten und das familiale System auf einer unbewussten Ebene anzusiedeln. Aus Anlass der deutschen Veröffentlichung dieses Buches, knapp ein Jahr nach seinem Erscheinen in Frankreich, scheint es kaum nötig, all die Bereiche zu aktualisieren, die diese tieferliegenden Schichten des Unter- und Unbewussten, der Bildung und der Familienstrukturen betreffen. Auf dieser Ebene ist ein Jahr eine völlig unbedeutende Größe. Die Entwicklungen erfolgen in großen Zeiträumen, die sich in Generationen messen, wenn es um die Bildung geht, aber auch in Jahrtausenden, was etwa die familialen Werte betrifft. Dagegen scheint es sehr wohl sinnvoll, die Beschleunigung der weltweiten Krise auf der strukturübergreifenden, bewussten Ebene der Wirtschaft zu kommentieren. Die in der "neoliberalen Illusion" diagnostizierte stagnative Tendenz wurde durch die jüngsten Ereignisse reichlich bestätigt, und das Bewusstsein über das generelle Missfunktionieren des Weltwirtschaftssystems nimmt spürbar zu. Der Neoliberalismus ist zum Religionsersatz geworden. Alles hat sich einem engen ökonomischen Denken unterzuordnen. Doch wirtschaftliche Phänomene sind oft nur ein Spiegel wesentlich tieferer kultureller Muster. Niedergang der Bildung in den USA, malthusianischer Schock in Europa, verschärfte Ungleichheit bedeuten mehr als eine wirtschaftliche Krise, sie sind Zeichen einer Krise der westlichen Zivilisation. Beugen sich die entwickelten Gesellschaften in den USA, Europa und Japan den wirtschaftlichen "Sachzwängen", heute "Globalisierung" genannt, ist ihr Untergang gewiss. Die Ohnmacht der Nationen und damit der Politik kann nur überwunden werden, wenn die Idee der gesellschaftlichen Solidarität einen neuen Rahmen findet. Der Neoliberalismus ist zum Religionsersatz geworden ("die unsichtbare Hand des Marktes", "der Markt regelt alles", man darf das Kapital nicht verschrecken", "Geiz ist geil"). Dabei wird übersehen: Wirtschaftliche Phänomene sind oft nur ein Spiegel wesentlich tieferer kultureller Muster. Wie im Buch ausgeführt, ist das Wirtschaftsleben auf einer bewussten, die Bildungsstruktur auf einer unterbewussten und das familiale System auf einer unbewussten Ebene anzusiedeln. Das Familien-System auf einer unbewussten Ebene als psychosoziale Prägung ist eine direkte Analogie zu den Ergebnissen, die Heilpraktiker bei Familien-Aufstellungen als Therapie-Formen erzielten. Ich empfehle weiterhin: "Wie das Kapital die Wirtschaft ruiniert" von Franz Groll. Im Jahre 1993 veröffentlichte Norbert Walter sein Buch "Der Neue Wohlstand der Nation". Es enthält bereits "das ganze neoliberale Kampfprogramm", so die Neue Solidarität im April 1995 in einem Artikel. Der Titel ist eine Art neoliberales Glaubensbekenntnis: Der Neue Wohlstand der Nationen soll Assoziationen an den Gründer dieser "Religion", Adam Smith, erwecken, der 1776 sein Werk Wealth of Nations veröffentlichte. Prof. Walters Stellung bei der Deutschen Bank, dem wichtigsten wirtschaftlichen Machtzentrum in Deutschland, legt nahe, daß sein Buch keineswegs zur "akademisch-literarischen Meinungsbildung" gedacht war, sondern als wirtschaftspolitisches Programm der "Konservativen Revolution", wie sie damals schon im Schwange war. Dieser neoliberale Ideologie wird von Emmanuel Todd fundiert widerlegt!
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Weltweite Oligarchie-Gefahr, 26. Februar 2005
Von Ein Kunde
Meiner Meinung nach hat der Demograph, Statistiker und Politologe Emmanuel Todd ein sehr gut lesbares und lesenswertes Buch geschrieben. Er hofft auf eine positive Entwicklung, weist aber auch (bei unbegrenztem Freihandel und weiterer neoliberaler Wirtschaftspolitik) auf die mögliche gefährliche Entwicklung der europäischen Gesellschaften hin zu einer Oligarchie bzw. Plutokratie der Vermögensoberschicht und der transnationalen Konzerne hin. Tatsächlich ist Globalisierung ein soziales Erdbeben: die Lösung eines entscheidenden Teils des Kapitals von ihren Gesellschaften (und Nationalstaaten), also die Emanzipation von jener Form der politischen Organisation der Menschheit, die das Kapital mitgeschaffen hatte. Zwischen 1985 und 1995 entstanden mehr transnationale Konzerne als in den zweihundert Jahren zuvor. Sie erwirtschaften heute fünfzig Prozent der Wertschöpfung. Da ist eine Ökonomie entstanden, die sich jedem politischen Zugriff entzieht. Die rechten Neocon-Revolutionäre um Wolfowitz & Kristol und die Bush-Administration glauben, dass die Menschheit vor der Alternative steht, entweder mit der Marktwirtschaft zu brechen - was sie nicht wollen - oder mit zunehmenden sozialen Differenzen, zunehmender Gewalt, dem molekularen Bürgerkrieg zu leben. Dafür rüsten sie. Die Burg zieht die Zugbrücke hoch. Gated Communities sind das künftige Lebensmodell für die Eliten. Amerika sucht keine territoriale Ausdehnung. Sein Imperialismuskonzept ist nicht mehr amerikanisch - es ist das Unterfangen, sich den globalisierten Eliten als Gewaltmonopolist anzubieten. Um das durchzusetzen, werden Feinde geschaffen. Die US-Gesellschaft ist mittlerweile de facto eine Medien-Oligarchie und Plutokratie in der Hand der transnationalen Konzerne und des Privat-Banken Syndikates hinter der FED. Wirtschaftlich de facto, durch Verlagerung der Produktivität nach Mexiko, Kanada, Japan, Ostchina und die EU-Länder, abgesehen vom militärisch-industriellen Komplex, ausgezehrt. Ferner macht Emmanuel Todd auf die hohe Analphabetisierungsrate in den USA aufmerksam. Ähnliche Entwicklungen drohen weltweit.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Exzellent, 10. Dezember 2004
Von Ein Kunde
Dieses Buch ist eine echte Offenbarung. Bereits 1999 sah Todd die Probleme der europäischen Einheitswährung und der sich ausbreitenden Globalisierung voraus. Zwar wirken seine aus der Anthropologie hergeleiteten Schlussfolgerungen zu den Utopien des Freihandels und der Einheitswährung manchmal etwas weit hergeholt, erweisen sich aber als durchaus schlüssig. Todd erklärt warum ein 'intelligenter Protektionismus' (etwa nach Vorbild des deutschen Nationalökonomen Friedrich List, diesmal auf die Gesamt-EU übertragen) unausweichlich ist, um den sozialen Ungleichheiten in den Industrieländern angemessen zu begegnen. Wer eine gänzlich realistische Sichtweise auf die gegenwärtigen Wirtschaftsprobleme haben möchte, muss nur dieses Buch lesen - am besten gleich zwei Mal. Weiterhin empfehlenswert: Michael C. Ruppert "Crossing the Rubicon" und Albrecht Müller "Die Reformlüge". Emmanuel Todd (geb. 1951) ist ein französischer Historiker, Demograf und politischer Autor. Er studierte Geschichte und Anthropologie in Paris und promovierte in Geschichtswissenschaften an der Universität Cambridge. In seinem Buch "Vor dem Sturz" sagte er bereits 1976 den Untergang des Sowjetsystems voraus.
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Neoliberale Diktatur der "Eliten" (Vermögensoberschicht), 25. Februar 2005
Von Ein Kunde
Aussage des Buches von Todd ist "Die Burg zieht die Zugbrücke hoch". Die Grundthese ist: Es geht nicht primär um die USA, sondern um den Weltbürgerkrieg einer globalisierten Finanz-Elite (und der transnationalen Mega-Konzerne) gegen den Rest der Menschheit. Tatsächlich ist Globalisierung ein soziales Erdbeben: die Lösung eines entscheidenden Teils des Kapitals von ihren Gesellschaften, also die Emanzipation von jener Form der politischen Organisation der Menschheit, die das Kapital mitgeschaffen hatte. Zwischen 1985 und 1995 entstanden mehr transnationale Konzerne als in den zweihundert Jahren zuvor. Sie erwirtschaften heute fünfzig Prozent der Wertschöpfung. Da ist eine Ökonomie entstanden, die sich jedem politischen Zugriff entzieht. Die rechten Revolutionäre um Wolfowitz & Kristol glauben, dass die Menschheit vor der Alternative steht, entweder mit der Marktwirtschaft zu brechen - was sie nicht wollen - oder mit zunehmenden sozialen Differenzen, zunehmender Gewalt, dem molekularen Bürgerkrieg zu leben. Dafür rüsten sie. Die Burg zieht die Zugbrücke hoch. Gated Communities sind das künftige Lebensmodell für die Eliten. Amerika sucht keine territoriale Ausdehnung. Sein Imperialismuskonzept ist nicht mehr amerikanisch - es ist das Unterfangen, sich den globalisierten Eliten als Gewaltmonopolist anzubieten. Um das durchzusetzen, werden Feinde geschaffen.
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17 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Belehrung als Selbstzweck, 12. Januar 2005
Der Autor will nicht nur belehren, was ja nicht unbedingt schlecht sein muß, nein, er will erziehen, was unbedingt schlecht sein muß. Er ist der Meinung, daß Protektionismus auch nur ein Problem zu lösen vermag, dies Angesichts der Tatsachen, die gegen den Protektionismus sprechen. Er ist der Meinung, daß bestimmte Produkte aus Europa ferngehalten werden müssten, damit die einheimische Wirtschaft und letztendlich der Sozialstaat alter Prägung erhalten bleiben kann, verkennt dabei aber völlig, daß er sich zum Erzieher der Menschen aufschwingt - und das auch noch aus eigener Berechtigung. Das ist nicht nur autoritär, nein, das ist im weitesten Sinne Dikatur pur. Wer ist er, daß er mir vorschreibt, für ein höheres Ziel, das er als gut und schwer genug befunden hat, Verzicht auf den Gebieten zu üben, die ich für mich als wichtig und notwendig erkannt habe. Er bildet sich ein, das Gesetz von Angebot und Nachfrage neu justieren zu können und dabei auch noch ohne Fehler zu sein. Dabei weiß doch nach 80 Jahren mehr oder weniger Staatssozialismus jeder, daß selbst der kleinste Eingriff in ökonomische Gesetzmäßigkeiten zu Gunsten edler Ziele meist in einer Katastrophe endeten. Wer ist Todd, daß er mir vorschreiben will, daß ich im Namen eines anonymen Sozialstaatsgedanken keinen Fernseher von BEKO kaufen darf und damit einem Türken in Istanbul den Arbeitsplatz sichere, sondern daß ich einen teuren Fernseher von Grundig zu erwerben habe. Ganz dem Motto geschuldet: Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Das ist alt-linke Dialektik im neuen Kostüm der Globalisierungskritik. Will Todd dann auch 70000 Euro für einen Golf V bezahlen, denn das wäre die Konsequenz, wenn man mit der Abschottung der Märkte beginnen würde, denn es wäre langfristig unausweichlich, daß die Herstellung aller Vorprodukte nicht mehr im Ausland erfolgen könnte, wenn wir unsere Märkte verschließen. Als ob davon Arbeitsplätze gesichert würden. Heilige Einfalt.Aber lesen wir Todd selbst: "Den Geldern aus den Exportüberschüssen, die auf den Märkten des Inlandes ausgegeben werden, stehen im Inland auf der Angebotsseite keine entsprechenden Güter gegenüber. Die wurden ja exportiert. Da also die Inlandsnachfrage größer als das Inlandsangebot ist, muß es zur Preissteigerung kommen." So verschroben kann keiner sein. Als ob bei einer größeren Nachfrage das Angebot nicht schnell ausgeweitet würde. Das muß ein Volk von Klippschülern sein, das ganz phlegmatisch sitzen bleibt und sagt: Nö, wir unternehmen nix, behaltet euer Geld, brauchen wir nicht. Ach, sie wollen kaufen, mir doch egal, wir produzieren nicht ein bischen mehr. Das ist sicher volle Pulle realistisch. Oder etwa nicht? Also, bleiben wir mal in der Realität: Sicherlich würde es zu kurzfristigen Preissteigerungen kommen, aber das würde eine erweiterte Produktion ausgleichen. Das ist einfachstes ökonomisches Grundwissen, denn, wie man weiß, sind Weihnachtsbäume im Sommer sehr günstig zu haben, im Dezember aber teuerer als im Sommer. Angebot - Nachfrage. Und noch mal Todd: "Mit den Gewinnen [aus dem Export] finanzieren sie die Arbeitsplatzvernichtung in Deutschland. Das war früher, als es die Globalisierung noch nicht gab, technisch gar nicht möglich. Doch heute ist es das Alltagsgeschäft der Manager, die vorgeblich zum Wohl der Allgemeinheit "die Chancen der Globalisierung" nutzen." Ja, schaffen wir die Globalisierung ab, als ob die so ganz neu und plötzlich über uns gekommen wäre und nicht schon die Welt im Jahre 1914 vernetzter war, als die Welt es, Dank der furchtbaren Kriege, erst wieder 1980 wurde. Dafür waren wir auch vor der Globalisierung nicht so reich, denn 1965 musste man noch fast einen halben Arbeitstag schuften, damit man der Familie etwas zu essen kaufen konnte. Und wir stellen uns mal einfach vor, wie das Weihnachten aussehen würde, wenn anstatt dem chinesischen DVD-Player der Selbstgestrickte unter dem Tannebäumli liegen würde. Was will Todd? Den Menschen erziehen? Ja, das will er, auch wenn er das nicht schreibt und es vielleicht nicht seine Intention sein mag, aber am Ende bedeutet es nichts anderes, und es bedeutet die Negation der Freiheit des Individuums, zu entscheiden, ganz persönlich zu entscheiden, was für ihN, im Rahmen der die Freiheit anderer schützenden Gesetze, wichtig ist. Todd will bevormunden. Das ist Klasse autoritär.
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6 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Gegen anglo-amerikanisches Gesellschafts"Vorbild", 4. Juni 2005
Von Ein Kunde
Was ist Neoliberalismus? Neoliberalismus ist das Hüllwort für Wirtschaftstheorie und Politik (also im Ergebnis Gesetzgebung) des allmählich vollständig monopolisierten, von US-Eigentümern durch ihre mehrheitlichen Anteile kontrollierten Kapitals. Das Wort bzw. sein Einsatz verfolgt offenbar zwei Zwecke: 1) Ablenkung vom längst eingetretenen Vollzug der Monopolisierung, da im Kontext der Wirtschaftstheorie »Liberalismus« traditionell mit »Markt« und »Konkurrenz« verknüpft ist; das Monopol hat davon nur die Arbeitskraft als einzige Ware übriggelassen, wodurch der Begriff Neoliberalismus faktisch auf »rüde Lohnsenkung« hinausläuft. Dadurch erhält er eine negative Konnotation und suggeriert gleichzeitig einen »starken«, d.h. vom Volk unkontrollierten Staat als einzigen Nothelfer dagegen, obwohl dieser de facto längst arbeitsteilig mit dem monopolisierten Kapital verschmolzen bzw. von der US-Regierung abhängig geworden ist; 2) wird durch diese ökonomistische Begriffsverengung und zugleich negative Konnotation der klassische (auf kapitalistischer Konkurrenz fußende) Liberalismus mit all seinen bürgerlichen Werten - Gleichheit vor dem Gesetz, Entfaltung der Persönlichkeit, Meinungsfreiheit, Rationalität der Debatte usw. - aus der Erinnerung gedrängt und madig gemacht. Diese Werte - besonders ihr namengebender Kernwert, die persönliche Freiheit (libertas) -sollen vom Begriff des Liberalismus mittels des Wortgebrauchs von Neoliberalismus möglichst abgespalten und dann vergessen, aber auch mit negativen Konnotationen infiziert werden. Was ist Globalisierung? Globalisierung (von lat. globus, »[Erd-]Kugel«) ist die weltweite Ausbreitung des Kapitals weniger, normalerweise US-amerikanischer (»internationaler«) Aktiengesellschaften mit der Folge weltweiter Angleichung aller Wirtschaftsvorgänge. Voraussetzung dieses Vorgangs war erstens der sehr hohe Stand der Transportmittel, zweitens die politische Vernichtung und militärische Ausschaltung des einzigen auch nur einigermaßen verteidigungsfähigen Konkurrenten der USA, der Sowjetunion. In der Folge wird sich, zumindest außerhalb der USA, der Lebensstandard weltweit vereinheitlichen, und zwar auf sehr niedrigem Niveau. Das Wort Globalisierung dient vor allem als Ersatz- und Kanalisierungsbegriff für die US-Weltherrschaft. Zum Zentrum der Kritik wird nicht etwa der Imperialismus oder der Kapitalismus erhoben, sondern das »Globale«, dem höchstens ein vager und träumerischer, auf primitive Autarkie zielender Individualismus entgegengestellt wird (und auch dieses nur theoretisch). Der Vorgang wird dadurch sowohl als unabwendbar wie als alternativlos suggeriert (der Gedanke an eine weltweite vernünftige, der Mehrheit statt einer sehr kleinen Minderheit von Großbesitzern zugutekommenden Wirtschaftsplanung soll suggestiv belastet bleiben und dadurch möglichst nicht aufkommen; sogar der - freilich aufgrund der Eigengesetzlichkeit des Marktes problematische - nationale Protektionismus soll als Defensivstrategie möglichst gar nicht erst unbefangen diskutiert werden). Am Pro-US-Parteienkartell als Regierungsmonopol wird in der BRD mit aller Gewalt, Propaganda und Wahlbehinderung, neuerdings vielleicht sogar Wahlfälschung verbissener und eiserner festgehalten als an der »führenden Rolle der SED« und ihrer Blockparteien in der wegen Schwächlichkeit (und militärischer Unterlegenheit der Sowjetunion) untergegangenen DDR, in der es wegen Mißwirtschaft mancherlei nicht zu kaufen gab, aber nicht deshalb, weil der Staat auf einmal seine Soldaten für die Herrschaft der Amerikaner in Afghanistan oder dem zermetzelten Irak bezahlen mußte. (Wo sind eigentlich dessen Wunderwaffen, die als Rechtfertigung herhalten mußten, Bushs breitgetretener irakischer »Sender Gleiwitz«?! Und glaubt noch jemand wirklich an islamische Terroristen ohne US-pakistanische Fernsteuerung beim WTC-Attentat in New York oder auf dem Hauptbahnhof Madrid, ausgerechnet als Spanien seine Verbrechertruppen aus dem besetzten Irak zurückziehen wollte?! - Das alles hat mit »Hartz« nichts zu tun!, mag eine Schlafmütze nölen. - Doch, es hat damit zu tun, sehr viel sogar.) Da alle Welt unter den US-Militärstiefel geraten ist (nur die indischen und chinesischen Kaninchen starren noch auf die Schlange), sind die Lohnabhängigen bzw. Besitzlosen aller Länder auch mit keinem nationalen (deutschen, französischen, bald auch japanischen, koreanischen usw.) Kapital mehr konfrontiert, sondern entweder mit US-amerikanischem oder einer US-amerikanischen »Beteiligung«, daneben haufenweise direkten US-Gewaltakten gegen das verbliebene Nicht-US-Kapital (z.B. Milliardenraub an Nicht-US-Konzernen durch US-»Gerichte«, erpreßte, ungleiche Handelsbedingungen - Stichwort FDA-Norm beispielsweise, die extrem parteilich Nicht-US-Chemiekonzerne ruiniert und ruinieren soll - usw. usf.). Es sind die gleichen Verhältnisse, die sich in den europäischen Kolonien des 19. Jahrhunderts im Bezug zu den »Mutterländern« gebildet hatten, wovon sich die kolonisierten auch nie mehr erholt haben - nur, daß wir Europäer, Türken, Asiaten usw. der Gegenwart nur noch ein einziges »Mutterland« haben und dieses Atomwaffen (gegen die wir jetzt so wehrlos sind wie weiland die Kongoneger gegen die Schußwaffen der Weißen, und das wußten diese, und das wissen wir). Heute holt sich die herrschende Klasse, mittlerweile internationalisiert und in der ersten Riege fast nur noch aus US-Amerikanern bestehend, die erkämpften sozialen Errungenschaften des "Klassenkompromisses" mit der Arbeiterbewegung zum Teil zurück. Denn sie hat es durch die gründliche Umfunktionierung der gesamten »Linken« zu bloßen Regierungs- und Volksverdummungsorganen (da stecken Hitler, Brandt und lange Selektionsmechanismen dahinter!), also ihrer substantiellen Vernichtung, einfach nicht mehr nötig, irgend etwas abzugeben, am wenigsten in abhängigen Satellitenstaaten (wie allen der EU, besonders aber unserem und England) - der »Ostblock«, zuvor schwächlich und schon lange deformiert, ist inzwischen auch vernichtet und stört daher nicht mehr, der »Sozialstaat« wird deshalb abgeschafft. (Entstehen konnte er auch im 19. Jahrhundert nur, weil es nur wenige erstklassige Industriestaaten gab und deren Arbeiterorganisationen etwa gleich stark waren und deshalb zusammenhielten.) Wie bei allen historischen Verbrechen, die mehr durch Lüge als durch Blutvergießen durchgeführt werden können, fällt die Durchführung dieser Aufgabe, die Abschaffung des »Sozialstaats« und damit die Verelendung ihres Teils von Europa (also dessen »Globalisierung«, d.h. Drittweltniveau für alle, weil die sog. 3. Welt eben denjenigen Teil der Welt darstellt, der aus historischen Gründen niemals eine mächtige Arbeiterbewegung hatte und deshalb ein entsprechendes, also elendes Lebensniveau aufweist) der SPD zu. Sie hat solche Aufgaben immer - und wird deshalb, wenn sie anstehen, von der herrschenden Klasse an die Macht gebracht oder auch von ihr in die Reserve zurückgezogen, wenn sie sich psychologisch abzunutzen droht und nicht mehr unmittelbar für ihren ewig gleichen schweinischen Zweck gebraucht wird - in alten Zeiten mittels der (nur dafür von der US-Besatzungsmacht geschaffenen) FDP. Emmanuel Todd will eine "Wendung nach Innen" durch Europa, eine Stärkung des Binnenmarktes und einen vorsichtigen Protektionismus nach Vorbild des deutschen National-Ökonomen Friedrich List. Ein Paradies der Ingenieure und Naturwissenschaftler (aber auch Geisteswissenschaftler, Lehrer und Sozialwissenschaftler) würde entstehen. (die Herrschaft der gegenwärtigen "Psychokratie" aus Finanzkapitalmärkten, Kreditbranche Lobbyisten und Journalisten sowie Medien-Leuten wäre beendet).
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