Amazon.de: Kundenrezensionen: Der Prozeß

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55 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein grosses Werk
Zur Geschichte:
"Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet." So beginnt der Roman. Trotz der Verhaftung an seinem 30. Geburtstag darf sich der Bankprokurist Josef K. frei bewegen. Vergeblich versucht er herauszufinden, wessen er angeklagt wurde und wie er sich rechtfertigen könnte. Ebenso wenig...
Veröffentlicht am 13. Dezember 2004 von Garfield

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versus
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen Kafka - Schwere Kost!
Ich schreibe hier im Namen aller gequälten Schülergenerationen:
Kafka wünschte, dass "Der Proceß" nicht der Nachwelt erhalten bleiben, sondern den Flammen anheimgegeben werden solle. Man möchte fast sagen: Kluge Entscheidung!
Sein Freund Max Brod hielt sich jedoch nicht an diese weise Bitte, und bescherte Generationen von unschuldigen Jugendlichen eine...
Vor 16 Tagen von Fürstin_der_Götterdämmerer veröffentlicht

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55 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein grosses Werk, 13. Dezember 2004
Diese Rezension stammt von: Der Prozess (Taschenbuch)
Zur Geschichte:
"Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet." So beginnt der Roman. Trotz der Verhaftung an seinem 30. Geburtstag darf sich der Bankprokurist Josef K. frei bewegen. Vergeblich versucht er herauszufinden, wessen er angeklagt wurde und wie er sich rechtfertigen könnte. Ebenso wenig greifbar sind das auf einem Dachboden tagende Gericht und das Gesetz. In einem Prozess, von dem nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch der Angeklagte ausgeschlossen bleibt, wird Josef K. schließlich von einer anonymen, für ihn unerreichbaren Gerichtsinstanz, die sich seinem Verständnis entzieht, zum Tod verurteilt. Und Josef K. fügt sich dem mysteriösen Urteilsspruch, ohne jemals zu erfahren, was man ihm vorwirft...

Franz Kafka tritt in seinem Roman "Der Prozess" weder als Erzähler noch als Kommentator auf. Was geschieht, erfahren wir Leser und Leserinnen nur aus der Perspektive der Hauptfigur Josef K. Die Einzelheiten werden durchaus konkret und sorgfältig geschildert - jedoch immer nur aus K.'s Sicht. Dabei steht K. mit seiner Wahrnehmung offenbar allein, denn seine Mitmenschen finden ganz normal, was er für absonderlich hält, und sie wundern sich andererseits über sein aus ihrer Sicht verrücktes, sinnloses Verhalten. Doch was andere denken, erfahren wir wiederum ausschließlich von K., der eine Welt erlebt, die den Überzeugungen der Leserinnen und Leser widerspricht und ihnen surreal und grotesk vorkommt.
Natürlich beobachtet K. nicht nur, was um ihn herum und mit ihm geschieht, sondern er stellt dazu auch Überlegungen an, und diese inneren Monologe schlagen sich ebenfalls im Text nieder.

Wir erwarten also, dass wir an Erfahrungen K.'s teilnehmen werden, die uns seine eigene Entwicklung andeuten und sein Weltbild verständlich machen. Aber das geschieht nicht. Die Leserinnen und Leser werden allein gelassen. Was K. aus seinem Bewusstsein verdrängt, können wir allenfalls vermuten und aus Indizien erschließen. Weil es weder ein psychologisches Profil noch eine Vorgeschichte gibt, ist Josef K. ein "Mann ohne Eigenschaften", eine Figur, die wohl für den Menschen schlechthin steht.

Der Leser bleibt irritiert, weil er der Betrachtungsweise des Protagonisten ausgeliefert ist und sich dessen eigene
widersprechende Denkweise auch nicht psychologisch erklären kann. Dadurch fühlt er sich hilflos wie K., als unverständliche Ereignisse über ihn hereinbrechen.

Ein wahres Meisterwerk Kafkas und nichts für psychisch schwache, stets grübelnde Menschen...

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13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Eigentlich, 27. Oktober 2004
Diese Rezension stammt von: Der Prozess (Taschenbuch)
„Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet." So beginnt Franz Kafkas Meisterwerk. Die Geschichte des Prozesses des Josef K. Nachdem die Überraschung etwas überstanden ist, macht sich der Verhaftete daran aus dieser Misere zu kommen. Doch etwas ist anders: Er weiß nicht wessen er beschuldigt wird, er weiß nicht wer ihn anklagt - und muss erkennen, dass er um so tiefer in die Sache hineingezogen wird, je mehr er sich bemüht herauszukommen.
Kafka schildert diese unglaubliche Geschichte mit seiner kühlpräzisen, abstrahierenden Sprache und erweißt sich als Meister der Stimmung. Trotz genauester Beschreibung gelingt es ihm, die Spannung zu halten. Um K. herum zieht sich die Schlinge unaufhaltsam enger...
Die enorme Verständlichkeit der Sprache, steht dabei in krassem Gegensatz zur Geschichte: Schon viele Interpreten haben sich an Deutungen des Werks versucht, allein der Roman steht nach wie vor und gibt dem Leser Rätsel auf, da er gegen jede Deutung oder Interpretation resistent zu sein scheint.
Das beste ist: Man macht sich selber ein Bild.
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31 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Einzigartig!, 31. März 2005
Von Michael Pietrucha (Forchheim Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Diese Rezension stammt von: Der Prozess (Taschenbuch)
Dieser berühmte Roman Kafkas sollte von jedem gelesen werden!
In manchen Schulen gehören immerhim Fragmente daraus in den Unterricht als Pflicht-oder Klausurlektüre, was mich persönlich einst von Kafka ferngehalten hat, weil er anders, als viele Schriftsteller vor und während seiner Zeit, nicht im Geringsten eindeutig und wertend geschrieben hat. Das macht seine Werke so anziehend in der Freizeit! Die äußere Sprache ist einfach strukturiert und verständlich, aber die innere Sprache wird wohl jeder individuell anders verstehen, weil Kafka doch recht wenige Anhaltspunkte vorgibt. Nach jedem gelesenen Abschnitt und dem Beginn des nächsten brach für mich jedesmal ein neuer Interpretationsansatz zusammen; ich bin dann zwar zu einer Art "Gesamtergebnis" gekommen, werde es allerdings unterlassen, hier darüber zu schreiben, sondern empfehle den "Proceß" noch einmal wärmstens!
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16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Kafkas verstörende Welt, 31. Januar 2005
Diese Rezension stammt von: Der Prozess (Taschenbuch)
Der Prozeß ist ein Jahrhundertroman,ein verstörendes Meisterwerk.Es ist schwer,ein Buch zu finden,in dem eine ähnlich intensive,geheimnisvolle Ätmosphäre herrscht wie im Prozeß.So wie Picasso mit drei Strichen einen Stier zeichnet,erschafft Kafka mit drei Sätzen eine Welt,wie sie mysteriöser nicht sein könnte.In dieser Welt kann man sich verlieren,sie ist so einzigartig wie düster.Kafkas Helden sind allein in einer feindlichen Welt gefangen und werden von einem elementaren Gefühl der Schuld förmlich erdrückt.Verzweifelt kämpfen sie gegen anonyme feindliche Mächte,um sich dem finalen Urteil zu stellen:Verdammnis oder Gnade.Grandios!Dabei ist sein Stil nicht so trocken,wie oft behauptet wird:In seinem Werk findet sich ein subtiler,minimalistischer Humor,der nur selten zutage tritt.So öffnet Josef K. im Prozeß heimlich die Gesetzesbücher der Richter und entdeckt,daß sie nur schlechte Pornographie enthalten.Auch ist seine Prosa von einer unvergleichlichen Eleganz,wie man sie heute im Zeitalter drittklassiger Popliteraten vergebens sucht.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Sind Sie auch schon im Prozeß ?, 8. März 2008
Diese Rezension stammt von: Der Prozess (Gebundene Ausgabe)
Es ist hier schon so viel gesagt worden, dem ich mich nur anschließen kann, insbesondere über die Vieldeutigkeit des Romans auf verschiedensten Ebenen (also Futter für den Geist), und - spiegelbildlich - die verschiedensten emotionalen Ebenen, auf denen die Geschichte jeden ganz persönlich berühren kann. Deswegen ist der Roman so ganz besonders reichhaltig für mich.

Es werden keine Aussagen gemacht in diesem Buch bzw. Prozeß. Und (die richtigen) Fragen bzw. Gelegenheiten, diese zu stellen, werden garantiert stets verfehlt, siehe Gleichnis mit dem Türhüter.

Fragen sowie Antworten werden dem Leser überlassen. Eine unvergleichlich angenehme Situation auf den ersten Blick. Kein besserwisserischer Held weit und breit. Aber auch niemand, der uns hilft.

Die Figur des Josef K. war mir manchmal sympathisch, manchmal unsympathisch, aber nie gleichgültig. Zu Anfang ist er ein selbstgerechter, geradezu selbstverliebter, von sich eingenommener Schnösel und Weiberheld, unentbehrlich an seinem Arbeitsplatz, unentbehrlich bei seiner Vermieterin. Nichts scheint seinen Lebensplan zu kreuzen, als urplötzlich Franz und Willem auf dem Plan stehen und ihn "verhaften".

Was weiter mit Josef K. geschieht und wie er sich langsam verändert, sein Verhältnis zu seiner Umwelt sich ändert und zu sich selbst und seine Schnöselhaftigkeit nur noch notdürftig aufrechterhalten wird, kann ich nicht anders als spannend nennen.

Kafka ist nicht der Voyeur seines "Antihelden", sondern schildert alles kühl, manchmal gegen den Strich, erfüllt keine Erwartungen, bleibt gnadenlos. Hochachtung.

Wie herzergreifend und kompromißlos dann allerdings das Ende. Man ahnte es, Josef kapituliert. Heroisch möchte er sein am Ende, so schreitet er nicht nur willenlos, sondern kooperativ seiner Hinrichtung entgegen, möchte einen letzten guten Eindruck machen, Schnösel (und nicht Kämpfer) bis zum Schluß.

Es wird im Buch klar unterschieden zwischen "normalen" rechtlichen Vergehen, wie Diebstahl, gar Mord etc. = "normalen" Gerichten, und dem "Prozeß", wie Josef K. ihn konfrontieren muß. Allen Personen im Buch ist dieser Unterschied geläufig. Niemals wird K. gefragt, was er verbrochen hat. Es geht um Schuld, oder Schulden, für die es keine "weltliche", "juristische" Anklage gibt, nur die eigene. Das kann wohl jeder Mensch nachvollziehen. Das innere Gericht, der innere Prozeß, den man sich selbst macht, für Dinge, die doch gar niemand weiß außer uns selbst. Geheimnisse.

Einmal überlegt Josef K., was in der ersten "Eingabe" bei Gericht stehen müsse. Es ist nicht weniger als sein ganzes Leben, warum er wo wie was getan habe. Eine unglaublich arbeitsaufwendige, durch keine Fragen von außen gestützte "Eigen-Psychoanalyse" also. Aber er geht nicht in sich, man erfährt weiterhin nichts über seine Herkunft etc.. Er überlegt nur, daß er jetzt seinen Job kündigen oder Urlaub nehmen müßte, um Zeit dafür zu haben, eine rein (prozeß-)technische Überlegung, denn er hat keine Lust und kein Bedürfnis zur Selbsterforschung. Im Gegenteil, er beschwert sich, er sei in den besten Jahren, tagsüber will er Karriere machen, nachts in Weinlokalen sich amüsieren. Also sucht er sich Hilfe von außen, beim Advokaten z.B.. Dieser ist ihm sogar wohlgesonnen, obwohl anderen Mandanten (Kaufmann Block:-))) gegenüber geradezu sadistisch veranlagt. Außerdem hat er einen hilfreichen und resoluten Onkel. Und er lernt den Gerichtsmaler Tintorello kennen. Das alles ist absolut wertlos für ihn.

Im vorletzten Kapitel "Im Dom" sagt der "Gefängnispfarrer": Du hast Dir zuviel Hilfe von außen geholt.

Josef K. verändert sich, das ist der "Prozeß". Es ist nicht sentimental. Nicht belehrend. Nicht erbaulich. Es ist sogar vorhersehbar. Wie er mit allem umgeht, ist nicht gut. Wir stehen einem Dummkopf zur Seite, wie wir selber einer sind. Heutzutage könnte der Roman den Titel "Die Therapie" haben, oder so.

Es gibt eine Art negativen Sog in der Geschichte, der einen von Anfang an spüren läßt: dies wird keinen guten Ausgang nehmen. Die Verhaftung zu Beginn ist eigentlich das "Hallo-wach!-Zeichen" für dieses Individuum. Josef K. schafft es jedoch nie, sich dem existentiellen Kampf, der das Leben nunmal ist, mit Herzblut zu stellen. Er hat immer Ausflüchte. Und viel zu viele Gedanken im Kopf. Er meint, die Frauen könnten ihm helfen, da er offenbar von diesen geliebt wird. Er selbst ist jedoch total beziehungsarm und liebt niemanden. Besagte Frauen findet er eigentlich dumm und blöde, ist aber pfiffig genug, sie instrumentalisieren zu wollen.

Nur das Fräulein Bürstner widersteht ihm. Und nur dieses Fräulein achtet er. Und ausgerechnet sie sieht er auf seinem letzten Gang zum Schafott. Ein junger Mann, der nicht aus seiner Haut heraus kann.

Ich fand viele Szenen hochkomisch, habe laut gelacht. Szenen bildhaft vor mir gesehen. Es ist lustig, grotesk, wirklich witzig.

Und, das hätte ich vielleicht zu Beginn schreiben sollen, sehr leicht und eingängig zu lesen. Ein wunderschönes Deutsch. Manche Sätze sind lang, aber auch nur deshalb, weil Herr K. lieber durch Kommas trennt als durch Punkte. Das ist alles, nichts verschachtelt. Und dieses Stilmittel hält einen irgendwie atemlos.

Muß man gelesen haben. Und kann auch jeder lesen, der lesen kann.

P.S. Hat mich irgendwie an den Film "Caché" von Michael Haneke erinnert. Oder umgekehrt.






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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein grosses Werk, 19. Dezember 2004
Diese Rezension stammt von: Der Prozess (Taschenbuch)
Zur Geschichte:
"Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet." So beginnt der Roman. Trotz der Verhaftung an seinem 30. Geburtstag darf sich der Bankprokurist Josef K. frei bewegen. Vergeblich versucht er herauszufinden, wessen er angeklagt wurde und wie er sich rechtfertigen könnte. Ebenso wenig greifbar sind das auf einem Dachboden tagende Gericht und das Gesetz. In einem Prozess, von dem nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch der Angeklagte ausgeschlossen bleibt, wird Josef K. schließlich von einer anonymen, für ihn unerreichbaren Gerichtsinstanz, die sich seinem Verständnis entzieht, zum Tod verurteilt. Und Josef K. fügt sich dem mysteriösen Urteilsspruch, ohne jemals zu erfahren, was man ihm vorwirft...

Franz Kafka tritt in seinem Roman "Der Prozess" weder als Erzähler noch als Kommentator auf. Was geschieht, erfahren wir Leser und Leserinnen nur aus der Perspektive der Hauptfigur Josef K. Die Einzelheiten werden durchaus konkret und sorgfältig geschildert - jedoch immer nur aus K.'s Sicht. Dabei steht K. mit seiner Wahrnehmung offenbar allein, denn seine Mitmenschen finden ganz normal, was er für absonderlich hält, und sie wundern sich andererseits über sein aus ihrer Sicht verrücktes, sinnloses Verhalten. Doch was andere denken, erfahren wir wiederum ausschließlich von K., der eine Welt erlebt, die den Überzeugungen der Leserinnen und Leser widerspricht und ihnen surreal und grotesk vorkommt.
Natürlich beobachtet K. nicht nur, was um ihn herum und mit ihm geschieht, sondern er stellt dazu auch Überlegungen an, und diese inneren Monologe schlagen sich ebenfalls im Text nieder.

Wir erwarten also, dass wir an Erfahrungen K.'s teilnehmen werden, die uns seine eigene Entwicklung andeuten und sein Weltbild verständlich machen. Aber das geschieht nicht. Die Leserinnen und Leser werden allein gelassen. Was K. aus seinem Bewusstsein verdrängt, können wir allenfalls vermuten und aus Indizien erschließen. Weil es weder ein psychologisches Profil noch eine Vorgeschichte gibt, ist Josef K. ein "Mann ohne Eigenschaften", eine Figur, die wohl für den Menschen schlechthin steht.

Der Leser bleibt irritiert, weil er der Betrachtungsweise des Protagonisten ausgeliefert ist und sich dessen eigene
widersprechende Denkweise auch nicht psychologisch erklären kann. Dadurch fühlt er sich hilflos wie K., als unverständliche Ereignisse über ihn hereinbrechen.

Ein wahres Meisterwerk Kafkas und nichts für psychisch schwache, stets grübelnde Menschen...

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75 von 92 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein Paradebeispiel für die Literatur der Hermeneutik, 6. Dezember 2005
Diese Rezension stammt von: Der Prozess (Taschenbuch)
Real - irreal - Phantasie oder Wirklichkeit - Einbildung oder Fiktion - wo liegt die Wahrheit?
Ein Wunderwerk und Paradebeispiel für das Wesen der Literatur, die sich mit der Methode der Auslegung u. Deutung von Texten auseinandersetzt.
Literatur - Poesie - Psychologie und Kunst fließen ineinander über und verschmelzen. Gedanken und surreale Konstrukte machen es dem Leser fast unmöglich, eine eindeutige Interpretation zu finden. Und immer gelingt es Kafka - in diesem "Prozess" auch den seinen und den des Lesers einzuflechten - so entsteht ein Geflecht aus schier unlösbaren Knoten, die nur durch die Breite des Bewusstseins eine Deutung finden kann.
Meine Assoziationen und Gedanken liefen beim Lesen in Richtung „Sinn des Lebens“ – ich selbst suchte nach einer „inneren Überschrift“ und fand in mir folgende Vorschläge:
1. „Das jüngste Gericht“
2. „Bilanz des Lebens“
3. „Die Tür zu Gott ist immer offen“
4. „Du stehst dir selbst im Weg“
5. „Das Leben ist nur ein Trugbild deiner Persönlichkeit“
6. „Die Erkenntnis kommt immer erst im Tod“
Nach diesem inneren Resümee für mich, stelle ich fest, dass meine eigenen Überlegungen spiritueller Natur waren, da mich der Text vermehrt veranlasste, über den Sinn des Lebens zu reflektieren. Ich ging sehr schnell davon ab, mir konkrete Personen vorzustellen, die sich hier unterhielten. Vielmehr hörte ich eine innere Stimme zu mir sprechen, die mir aus dem innersten meiner Seele versuchte, neue Türen auf meinem Lebensweg zu öffnen.
Der Text sprach gleichsam einer Parabel oder einer Allegorie zu mir.
Unabhängig von allen möglichen Deutungsansätzen empfand ich den Text komisch, grotesk, tragisch, ernst und mitfühlend zugleich. Die Denkweise des Autors lässt sich nur schwer herausarbeiten, denn den Text lädt zu vielen unterschiedlichen Spekulationen ein.
Ich vermute deshalb, dass es hier nicht um Denkweisen oder Weltanschauungen geht, sondern vielmehr um eine Reflektion eines inneren Lebenszustandes, die als Symbol für das Leben an sich – einer Generation oder Minderheitengruppierung zu ihrer Zeit oder auch autobiographisch zu deuten ist.
So könnte „der arme Mann“ ein Sinnbild für eine verlorene Generation, für ein frustriertes Individuum oder aber auch das Leben selbst sein. Der Türsteher kann ebenfalls auf unterschiedlichen Ebenen eine Deutung finden. Ist er ein Symbol für die Ungerechtigkeit, die Machtinstanzen, das Schicksal – oder aber soll er die Insuffizienz und Schwächen der Persönlichkeit des Menschen symbolisieren?
Das begehrte Objekt in dieser Geschichte – das Gesetz – bewegt den Leser dazu, sich einen Gerichtssaal vorzustellen, wo zum Schluss ein Urteil gesprochen werden muss. Doch zu keinem Zeitpunkt erfahren wir, wo, wie und wer an dieser Verhandlung teilnimmt, da der eigentliche Prozess „vor der Tür“ stattfindet.
Hier gibt es Parallelen zum gesellschaftspolitischen Leben – aber auch starke Ähnlichkeiten zum religiösen. Ich habe die ganze Zeit das Gefühl gehabt, zwischen Wirklichkeit und Phantasie entscheiden zu müssen. Zum Schluss bin ich zu der Auffassung gekommen, dass jeder Mensch, diese Geschichte für sich so interpretieren wird, wie er selbst in der Lage ist, seinen Blickwinkel zu wechseln. Jeder andere Fokus lässt wieder eine komplett andere Interpretationsweise zu – und das ist das Geniale an diesem Buch. Man könnte es geschichtlich, gesellschaftspolitisch, psychologisch und auch theologisch deuten.
Der Text lebt durch die Differenz der Darstellung des Widersinnigen und Unstimmigen in einer scheinbar geordneten äußeren Welt im Gegensatz zu einer vernünftigen inneren Moral- und Wertvorstellung.
Letztlich bleibt die Frage: Wer ist der Schuldige im ganzen Spiel – gibt es überhaupt einen Täter – und wer ist das Opfer? Wer kann und sollte urteilen – gibt es eine Kompetenz außer der Göttlichen, die urteilen dürfte – und wenn ja, gibt es das Göttliche überhaupt, wenn der Einlass das Leben kostet?
Fazit: Alle Versuche, den Text aus dem Verstand heraus deuten zu wollen, müssen fehlschlagen, weil das Wesentliche selbst nicht über das Wort ausgedrückt werden kann. Alle Versuche, mittels Logik und Vernunft einen Sinnzusammenhang zu erkennen, müssen in den wichtigsten Fragen des Lebens scheitern. So steht der Mensch doch in den entscheiden Fragen des Lebens mit sich allein vor Gericht und muss sich der Unmöglichkeit, einer logisch-stimmigen Aussage geschlagen geben. Vielleicht ist das Geschriebene daher selbst ein Versuch, die Verzweiflung über die menschliche Insuffizienz auszudrücken.
Das menschliche Zusammenleben soll in Form von Gesetzen geregelt werden – und muss doch immer wieder deutlich ihre Lücken erkennen – wie auch das religiöse, welches nicht allein über die zehn Gebote geregelt werden kann.
Wenn der Mensch das verloren hat, was ihm zum Menschen gemacht hat, dann hat er auf allen Ebenen sein Menschsein verloren. Ob er nun im Gerichtssaal sitzt – ob er arbeitet, ob er liebt oder stirbt – ob er vor der ersten oder letzten Tür steht – wenn er den Zugang zu seinem Herzen nicht gefunden hat, dann wird er die inneren Türen seines Wesens und auch die Türen zu Gott und der Menschlichkeit nicht öffnen können. Die letzte Instanz ist nicht das Gericht – auch kein jüngstes Gericht, wenn es das überhaupt gibt – die letzte Instanz liegt im Menschen selbst verborgen und sollte von ihm verantwortlich erkannt werden.
Dieser Text hat mich deshalb eines sehr gut gelehrt: Nämlich meine eigene Erkenntnisfähigkeit zu untersuchen und das Wesen des Verstehens genauer unter die Lupe zu nehmen. Bestimmt nun das Sein das Bewusstsein oder das Bewusstsein das Sein? Ist diese Frage aus unserer Sicht überhaupt zu beantworten oder IST das Sein ein Spiegelbild des Bewusstseins? Ich denke, ein jeder von uns hat allein durch diesen kleinen Textauszug genügend „Material“, über diese wichtigen Fragen zu reflektieren.
Anmerkung: Meine Interpretation angesichts der Breite dieses Textes hat hier selbstverständlich nur den Stellenwert meines persönlichen Blickwinkels und sollte deshalb auch nur den Versuch darstellen, etwas Unmögliches möglich zu machen. Ein Blickwinkel kann nie vollständig sein – bleibt immer nur ein Ausschnitt vom Ganzen.
Kurz gesagt: Ich fand diesen Textausschnitt einfach genial, weil er zwischen den Zeilen viel in mir bewegt hat. Dies können nur Texte großartiger Schriftsteller, die selbst während des Schreibens einen innerlichen Prozess durchlaufen, der im Leser auf ein Echo stößt.
Ist ja doch ganz schön lang geworden - sorry, vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit - das Buch hat es verdient!
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28 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Wann ist Literatur "gut"?, 7. März 2005
Diese Rezension stammt von: Der Prozess (Taschenbuch)
Fragt man den Experten zu seinem Urteil über Kafkas "Der Prozeß" wird der einem wahrscheinlich sagen, dass dieses Werk gute Literatur sei. Aber was ist das, gute Literatur? Gibt es hierfür objektive Kriterien?
Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten, da die Geschmäcker bekanntlich verschieden sind und die Qualität eines Werkes von Leser zu Leser unterschiedlich bewertet wird. Dennoch, "Der Prozeß" verdient dieses Prädikat aus folgenden Gründen:

1) Bei Kafka sieht man, wozu die deutsche Sprache eigentlich fähig ist. Da heutzutage jeder unterklassige Möchtegernsuperstar die Öffentlichkeit mit seiner Biographie belästigt, darf dieser Aspekt nicht unterschätzt werden.

2) "Der Prozeß" erlaubt es dem Leser nicht, den Text einfach nur passiv zu konsumieren. Die hier präsentierte Welt ist zu komplex, grotesk, irreal (kafkaesk eben), um sie zu akzeptieren oder sich von ihr unterhalten lassen. Um sich seine Interpretation herzuleiten, muss der Leser versuchen, das ihm vorgesetzte Rätsel zu lösen, es in seine, die "reale", Welt zu übersetzen. Wofür steht K.? Ist er die Verkörperung einer Generation, oder gar der ganzen Welt, die sich gegen, ja gegen was eigentlich, schuldig gemacht hat? Wieviel von K. steckt in mir? Bin auch ich irgendwie schuldig?

Und so weiter und so fort. Um dieses Buch zu verstehen, muss sich der Leser mit der vorgesetzten fiktionalen Welt auseinandersetzen und sie, mit den ihm gegeben Voraussetzungen, in seine Welt transferieren. Das heisst, jeder ist dazu gezwungen, sich mit sich selbst zu beschäftigen, Teile seines Leben in dem von K. wiederzufinden.
Das führt dazu, dass man regelmäßig das Buch sinken lässt und gedankenverloren seine Blicke im Zimmer schweifen lässt und einfach nur denkt. Und wenn Literatur das schafft, verdient sie, meiner Meinung nach, die Bezeichnung "gut".

PS: Zwecks Bequemlichkeit habe ich nur männliche Pronomina benutzt. Natürlich sind aber beide Geschlechter angesprochen!

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16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Kafka? Komisch, bedrohlich, rätselhaft., 30. Oktober 2004
Diese Rezension stammt von: Der Prozess (Taschenbuch)
Ich wusste nie, was an Kafka so toll sein sollte; und so entschloss ich mich als hoffentlich irgendwann einmal fachkundige Germanistik-Studentin, mir den "Prozess" anzuschauen. Und nach der Lektüre kann ich wenigstens soviel sagen: Der Roman ist äußerst ungewöhnlich, beängstigend, magenumdrehend, abgehoben, versunken, verschleiert, mystifiziert. Viele Attribute, die aber doch das Rätsel dieser Geschichte nicht annähernd fassen können. Es brächte auch nicht viel, mit irgendeinem methodischen Ansatz ein paar Fäden zu entwirren, nur um sich hoffnungslos im nächsten Knäuel einzufangen.

Josef K. ist ein unscheinbarer Bankbeamter. Eines Tages wird er verhaftet. Der Prozess beginnt. Was folgt, ist so seltsam und selbstverständlich dem Leser ausgebreitet, dass es verstört und verschreckt. Kafkas Kunst ist es, Reaktionen, Gefühle, Seelenlagen zu erschaffen, die so unfassbar folgerichtig und so unfassbar falsch zugleich wirken. Alles ist irreal, alles ist verdreht, alles ist merkwürdig düster, angsterfüllt, isoliert. Eine Traumwelt? Das wäre wohl zu billig. Eine Allegorie? Das wäre zu realistisch. Ein bewusstes Auf-die-falsch-Fährte- Locken, Einflüstern, Suggerieren, Destruieren von Ahnungen? Wer weiß... "Der Prozess" entzieht sich jeder Deutung, weil jedes von außen angelegte Muster die Zauberkraft nehmen würde. Alles bleibt falsch, grausam falsch manchmal. Und doch- auf eine seelenlos stumpfe Weise ist auch alles logisch. Man kann so viel und so wenig zu Kafka sagen. Und damit wollen wir uns hier bescheiden :-)

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18 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Schuldlos schuldig, 21. März 2007
Von Heike Geilen (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REVIEWER)    (REAL NAME)   
Diese Rezension stammt von: Der Prozess (Gebundene Ausgabe)
In dem Roman "Der Prozess" behandelt Franz Kafka einen aussichtslosen Fall der Justiz. Der Bankangestellte Josef K. gerät in einen Prozess, dessen Ursache er nie erörtern wird und alle seine Versuche, sich aus dem Schlamassel herauszuholen, ziehen ihn nur umso stärker hinein und am Ende wird er sich kaum der Todesstrafe entziehen können.

Der Roman ist auf eine nicht leicht zu beschreibende Weise ergreifend.
Kafkas "Held" K. lässt sich immer mehr in ein System aus Justiz und Bürokratie ziehen, was irgendwie nebulös erscheint - so etwa die Gerichtskanzleien in der dumpfen Luft der Dachböden, die unerreichbaren "höheren Richter", die nie erblickbare Anklagebehörde. Gleichzeit jedoch ruiniert er aber auch in zunehmendem Maße seine gefestigte Existenz und tilgt kontinuierlich jegliches Realitätsbewusstsein aus.

Der Roman ist alles andere als leichte Unterhaltung. Er ist auch nicht als "Pausenfüller" geeignet.
Doch für den, dem Lesen nicht nur qualvolle Pflichterfüllung oder bedingt brauchbares Mittel gegen die Langeweile ist, präsentiert er sich als echte Bereicherung. Jeder Dialog ist ein Meisterwerk.

Fazit:
"Der Prozess" ist ein spannendes Werk und sehr klar und nüchtern geschrieben. All die Dinge, die Kafka beschreibt, erscheinen real und doch fantastisch und absurd.

Es ist sicherlich kein Roman für jemanden, der normalerweise nur Grisham, Irving und andere moderne Bestseller liest. Das Lesen des Werks erfordert - bedingt durch den einzigartigen Stil Kafkas - einige Anstrengung, auch von dem, der sprachlich und inhaltlich komplexe Bücher gewohnt ist.

Das Buch ist eher nicht spannend, es ist fesselnd. Kafka selbst bezeichnete seine Erzähltechnik als "Gefangennahme des Lesers", und dieses Vorhaben gelingt ihm sehr eindrucksvoll.
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