Amazon.de: Kundenrezensionen: Die nervöse Großmacht: Aufstieg und Untergang des deutschen Kaiserreichs 1871-1918

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27 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Hervorragendes Buch über das Deutsche Kaiserreich
Dieses Buch von Volker Ullrich gehört zu dem Besten, was ich über das Deutsche Kaiserreich gelesen habe. Nach dem sehr interessanten, wenn auch umstrittenen Buch von Hans-Ulrich Wehler: Das Deutsche Kaiserreich von 1973 sowie dem Buch von Wilfried Loth: Das Kaiserreich: Obrgkeitsstaat und politische Mobilisierung von 1996 wird hier ein umfangreiches Buch geboten, welches...
Veröffentlicht am 11. August 2001 von Bernhard Nowak

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versus
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen Wenn's aus dem Subtext immer lauter ruft...
Leider kann ich die ausnahmslos sehr guten Kritiken der anderen Rezensenten nicht nachvollziehen. Ullrich liefert mit diesem Werk einen intellektuell bemantelten Abgesang auf das Kaiserreich, das zunächst vor allem im Subtext eine vorgefertigte negative Grundeinstellung gegenüber dem Kaiserreich erkennen lässt.

Bei aller berechtigten Kritik an bestimmten...
Vor 2 Monaten von Langly veröffentlicht

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27 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Hervorragendes Buch über das Deutsche Kaiserreich, 11. August 2001
Dieses Buch von Volker Ullrich gehört zu dem Besten, was ich über das Deutsche Kaiserreich gelesen habe. Nach dem sehr interessanten, wenn auch umstrittenen Buch von Hans-Ulrich Wehler: Das Deutsche Kaiserreich von 1973 sowie dem Buch von Wilfried Loth: Das Kaiserreich: Obrgkeitsstaat und politische Mobilisierung von 1996 wird hier ein umfangreiches Buch geboten, welches alle relevanten Aspekte der Innen-, Außen-, Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik des Kaiserreiches umfasst. Es ist weniger umfangreich wie die Werke von Thomas Nipperdey: Deutsche Geschichte 1866-1918, W.J. Mommsens: Das Ringen um den nationalen Staat oder Hans-Ullrich Wehlers: Deutscher Gesellschaftsgeschichte. Der Anspruch des Autors, "die Geschichte des Kaiserreichs nicht nur in einem überschaubaren Rahmen zu halten, sondern sie auch so zu erzählen, daß ein größeres, nicht nur fachlich interessiertes Publikum daran Gefallen finden kann" (Vorwort, Taschenbuchausg., S. 12) wird erfüllt. Es wird nicht nur das "eigentümliche Zwitterwesen" des Kaiserreiches, die widerspruchsvolle "Verbindung von Immobilität und Modernität" deutlich herausgearbeitet, auch die Gründe, die die Eliten (Fritz Fischer) dazu brachten, die "Flucht nach vorn" in den Weltkrieg anzutreten, werden gut herausgearbeitet. Fazit: ein gut lesbares, hervorragend recherchiertes Werk zum Kaiserreich.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen Wenn's aus dem Subtext immer lauter ruft..., 19. November 2009
Leider kann ich die ausnahmslos sehr guten Kritiken der anderen Rezensenten nicht nachvollziehen. Ullrich liefert mit diesem Werk einen intellektuell bemantelten Abgesang auf das Kaiserreich, das zunächst vor allem im Subtext eine vorgefertigte negative Grundeinstellung gegenüber dem Kaiserreich erkennen lässt.

Bei aller berechtigten Kritik an bestimmten politischen Entscheidungen, sowohl unter Wilhelm I. als auch Wilhelm II., und der gesellschaftlichen Zustände, hat doch gerade die neuere Geschichtsforschung einen differenzierten Blickwinkel auf das Kaiserreich geschaffen. Leider berücksichtigt Ullrich solche Erkenntnisse nicht und singt wie viele andere die ewige Leier des angeblich rundherum rückständigen Kaiserreichs, das aus seiner Sicht quasi als historisches Brückenelement zwischen Preußen und dem Dritten Reich fungiert. Dies wiederum muss man gar nicht erst zwischen den Zeilen herauslesen, das wird dem Rezipienten explizit serviert.

Erfrischende und vor allem weitgehend wertneutrale Geschichtsschreibung wie bei Clark oder Osterhammel, Herren vom Fach, vermag Ullrich nicht zu liefern.
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15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Standardwerk!, 4. Juli 2006
Ob Laie oder Profi, ob Schüler, Student oder Hobbyhistoriker; Volker Ullrichs Standardwerk "Die nervöse Großmacht 1871-1918" ist die mit Abstand beste Gesamtdarstellung über die Geschichte des deutschen Kaiserreichs.

Das erste Drittel bietet eine inhaltlich sehr dichte Ereignisgeschichte, beginnend mit der Gründung des Kaiserreichs bis hin zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914. Der folgende Abschnitt betrachtet verschiedene gesellschaftliche und kulturelle Aspekte des Kaiserreichs. Neben der Radikalisierung des Antisemitismus und des Militarismus, analysiert Ullrich auch das Schulwesen sowie die Rolle der Sexualität im Alltagsleben. Abschließend widmet sich ein langer Abschnitt Geschichte und Kultur des Ersten Weltkrieges.

Neben der inhaltlichen Dichte überzeugt Ullrichs Darstellung vor allem durch seinen flüssigen und gut lesbaren Schreibstil. Der Autor versucht nicht, seinen Kenntnisreichtum durch einen besonders akademischen Schreibstil zu betonen. Auch die vielen Zitate, die in dem Buch verwendet werden, gestalten die Lektüre spannend und lebendig.

Erstmals vor sieben Jahren erschienen, wurde dieses Jahr bereits die sechste Auflage von "Die nervöse Großmacht 1871-1918" auf den Markt gebracht. Auch wenn Ullrich die Eigenständigkeit der Epoche 1871-1918 herausstellt, betont er immer wieder Elemente, die im Kaiserreich ihren Ursprung hatten, um dann im Nationalsozialismus ihre ganze zerstörerische Wirkung zu entfalten. Das Ergebnis ist eine komplette Darstellung, die keine Wünsche offen lässt.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Eine geglückte Quadratur des Kreises, 1. August 2007
Volker Ullrich bietet einen kompletten Überblick über die Geschichte des Kaiserreiches. Er unterteil das Buch in vier Abschnitte. Davon behandeln die ersten beiden vorrangig die politische Geschichte (Bismarckzeit/Wilhelminismus). Danach wendet sich Ulrich der Gesellschaft des Kaiserreichs zu, um dann abschließen den ersten Weltkrieg (hier wieder unterteilt in politische und geselllschaftliche Darstellung)zu behandeln. Diese Form der Gliederung, kombiniert mit einem zu jeder Zeit flüssig und interessant gehaltenen Stil machen das Buch zu einem muss, für jeden der sich mit dem Kaiserreich beschäftigen will. Man erhält vom Ablauf der Kaiserproklamation, über die Frauen- und Arbeiterbwegung, bis zur Entstehung der Julikrise einen umfassenden Einblick in die neuesten Forschungsergebnisse. Ullrich erläutert sie einleuchtend und wägt auch sich widersprechende Meinungen gegeneinander ab. So gelingt es ihm wirklich alles zu erfassen ohne zu langweilen. Eine Seltenheit unter den deutschen, historischen Darstellungen. Kurz: das Buch ist eine rundum gelungene Sache!
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9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Geniale Darstellung des Kaiserreichs, 4. Februar 2005
Volker Ullrich schafft es in diesem Buch die deutsche Geschichte von 1871 bis 1918 allgemeinverständlich darzustellen. D.h. es gelingt ihm, in anderen Büchern oft trocken dargestellten Stoff flüssig lesbar aufzubereiten, ohne das es an Tiefe fehlt.
Das Buch teilt sich in vier große Teile. Im ersten Teil geht er auf das deutsch Reich zu Bismarcks Zeit ein. Der zweite Teil behandelt das wilhelminische Deutschland bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Teil drei geht auf die Gesellschaft des Kaiserreichs ein. Dort werden Themen wie soziale Schichtung und Gesellschaftsordnung, Frauen in der Männergesellschaft, Bildung, Wissenschaft und Kultur, und Nationalismus, Antisemitismus und Militarismus behandelt. Im vierten Teil wird abschließend auf den Ersten Weltkrieg eingegangen.
Bei Themen, die normalerweise reichlich Diskussionsstoff bieten und wo viele Autoren nur ihre eigenen Meinung darlegen, stellt Volker Ullrich die verschiedenen Standpunkte objektiv gegenüber. Er belegt alle Behauptungen mit Literaturverweisen oder gibt direkt die original Zitate an.
Einziger Kritikpunkt ist, daß die Bilder im Buch lieblos eingefügt wurden. Sie werden aus dem Text nicht referenziert und bringen einen nicht wirklich weiter.
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß es Volker Ullrich nicht nur gelungen ist die politische Geschichte Deutschlands darzustellen, sondern auch die Wirtschaftsgeschichte und Land und Leute zu beleuchten. Nach der Lektüre dieses Buch kann man den zukünftigen Verlauf der deutschen Geschichte besser einordnen und weiß z.B. wann der Schriftzug am Reichstag angebracht wurde und was Wilhelm II über den Reichstag gedacht hat.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen fundiert, flüssig zu lesen, 9. Juli 2007
Das Buch liefert einen informativen, aber nicht zu trockenen oder detailversessenen Überblick über das Kaiserreich von 1871 bis 1918. Neben der Ära Bismarcks und Wilhelms II. kommen auch gesellschaftliche Hintergründe sowie die Entwicklungen während des Kriegs zur Sprache, wobei Bilder, Karikaturen und gezielt ausgewählte Zitate sehr auflockernd wirken. Die Sprache ist geschliffen und elegant. Ich habe das Buch zur Examensvorbereitung benutzt und kann es sowohl für diese Zwecke als auch für die unbeschwerte Lektüre im Gartenstuhl wärmstens empfehlen.
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6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Umfassend und flüssig geschrieben, 7. Februar 2005
Von Maret "mih2" (Niedersachsen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REVIEWER)   
Wer sich einen umfassenden Überblick über die Politik, Gesellschaft und Kultur in der wilhelminischen Epoche verschaffen will, ob nun aus schulischen Gründen oder einfach aus Interesse, dem kann ich „Die nervöse Großmacht" nur wärmstens empfehlen.

Volker Ulrich gelingt es die Geschichte des Kaiserreichs so zu erzählen, dass auch Leser mit wenig Fachwissen gut unterhalten werden. „Die nervöse Großmacht" berücksichtigt die neuesten Forschungsergebnisse und gibt dabei auch Einblicke in die Kontroversen der Forschung. Im Gegensatz zu vielen anderen Werken über das wilhelminische Deutschland schließt Ulrich Themen wie „Frauenarbeit", „Sexualität" und „Massenkultur" mit ein. Nur das Problem der Konfessionen, vor allem die übergeordnete Stellung des Protestantismus und Wilhelms Rolle als preußischer Summus Episcopus werden bedauerlicherweise kaum bis gar nicht behandelt.

Insgesamt ist „Die nervöse Großmacht" flüssig geschrieben und angenehm zu lesen. Zahlreiche Illustrationen, Zitate von Zeitgenossen und kleine Anekdoten machen aus Ulrichs Werk eine umfassende und unterhaltsame Geschichtslektüre, die kaum Wünsche offen läßt

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4 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Umfassend, gut zu lesen und sehr gut geschrieben, 27. Mai 2005
Volker Ullrich gelingt es, das Deutsche Kaiserreich in all seinen Facetten flüssig und gut verständlich darzustellen. Für mich als Geschichtsstudentin ist dieses Buch eine wertvolle Hilfe. Zahlreiche Anekdoten von Zeitzeugen werden angeführt, aber auch kontroverse Theorien der Geschichtswissenschaft diskutiert. So entsteht ein lebendiges Bild der Zeit von 1871 bis 1918, das auch neben einem Nipperdey durchaus bestehen kann.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen wer nicht nur des Pudels Kern sucht...., 11. März 1999
Von Ein Kunde
....sondern noch etwas mehr, der ist mit Volker Ullrichs umfassenden Werk bestens bedient. Es beleuchtet detailliert und dabei ohne Abschweifungen die Entwicklung des deutschen Kaiserreiches, von der "Grüdung von oben" über das Bismarcksche Bündnissystem, hin zum Geltungssüchtigen Wilhelm II und dem schecklichen Ende des 2.Deutschen Reiches. Dabei beschränkt Ullrich sich nicht nur auf eine reine historische Darstellung, vielmehr zeigt er Strömungen und Zwänge der Zeit auf, ohne jedoch in die Subjektivität abzuweichen. Ein rundherum gelungenes Buch, auch wenn es mich WOCHEN gekostet hat, durch die über 700 Seiten durchzufinden, war es gerade für mich als Geschichte Leistungsschüler enorm hilfreich.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Sic transit gloria., 14. Juli 2009
Volker Ullrich bietet mit "Die nervöse Großmacht 1871 - 1918" einen leicht lesbaren und blendend fundierten Überblick über gesellschaftliche Strukturen und politische Modalitäten des wilhelminischen Kaiserreichs. Die bis 1997 herangezogene Sekundärliteratur wird dabei einer kritischen Rezeption unterworfen, in der Auflage 2007 um wesentliche Neuerscheinungen (bis inklusive 2006) ergänzt.

Ullrich gliedert sein Werk in vier Teile, beginnend mit der Reichsgründung und dem Zeitalter Bismarcks, über das wilhelminische Deutschland zum Ersten Weltkrieg. Der Autor schildert prägnant die, durch das Regierungssystem Bismarcks bereits von Beginn der Staatsgründung an, vergeudete Chance Deutschlands, eine gesellschaftspolitisch zeitgemäße Nation zu sein und, durch mangelnden Reformwillen aller Parteien, zu werden. Im dritten Teil, welcher speziell der wilhelminischen Gesellschaft gewidmet ist, deren Militarisierung durch das Supremat Preußens und dessen politisch und gesellschaftlich rangoberste "Kriegerkaste" in ganz Deutschland erfolgte, wird die Manifestation einer reaktionären und nur mehr grenzwertig humanen Weltsicht zum Ideal gezeigt, die sich sowohl in der Tradition der Masse, als auch im Lebensablauf des Einzelnen, egal welcher Gesellschaftsschicht oder politischen Partei zugehörig, zur Banalität festigte. Ullrich weist davon ausgehend auf die offensichtliche Kontinuität der wilhelminischen Mentalität in der nationalsozialistischen Mentalität der deutschen Gesellschaft hin. Ein besonderer Verdienst Ullrichs ist meines Erachtens die Ausführlichkeit seiner Schilderung der Genese des Antisemitismus vom "Sektenwesen" Weniger zur Selbstverständlichkeit Vieler.
Ein immer mehr degenerierendes außenpolitisches Agieren des wilhelminisch-gesellschaftlichen Weltmachtstrebens, zwischen beleidigtem Minderwertigkeitskomplex und überkompensatorischer Selbstüberschätzung lavierend, zwischen Scheitern und Pyrrhussiegen taumelnd, führte dann doch zu dem Krieg, den jeder wollte und dessen Nachwirkungen mit den Folgeerscheinungen seines Sequels bis heute noch immer im Rechtsextremismus oder Gesinnungen gleicher Wurzel in der wilhelminischen Ära, welche z.B. die Migrationspolitik überwuchern, aber ebenfalls in ökonomischen Mechanismen, welche eine "Den Letzten beißen die Hunde"-Weltanschauung zum Credo küren, spürbar sind. Aber selbst Holzhammer-Nuancen der publiken Sprache mehr oder weniger führender öffentlicher Funktionäre muten wie eine Zeitreise an, als die Pointe einer "deutschen Leitkultur" einen gezwirbelten Bart hatte, das Bonmot "Nur wer arbeitet, soll essen" ein leicht dahingeschwätztes der Saturierten sein konnte, oder der feuchte Fiebertraum in Steueroasen Soldaten zu schicken, die Evidenz einer noch immer nicht ausgeschwitzten Kanonenbootpolitik-Drohgebärdensprache darstellte. Nicht zu bezweifeln vermag man bei der Lektüre dieses kleinen Meisterwerks, daß der Schoß noch fruchtbar ist, man fragt sich nur, welches Schnurrbarts?
Deutlich gemacht wird das Verkommen der Liberalen durch Bismarcks Instrumentalisierung zum Exekutor des Herrscherwillens, ob des Kanzlers oder des Kaisers, und ihr nachmaliges Werden zur Basis des Faschismus beschrieben. Auch der gegenwärtig fehlende Kredit einer Linken, die bereits damals keine war, und trotzdem noch weniger wurde, bis sie ihre eigenen "Linken" den Schergen kollaborierend zum Mord preisgab (Seite 587), erklärt sich aus dem ununterbrochenen Unentschiedensein zwischen Aufbegehren und Arrangement, willkürlicher exogener Unterdrückung und willfähriger endogener Unterwerfung aus der Kaiserzeit. Die Linke wurde diskreditiert, sie hat sich diskreditieren lassen und sie hat sich diskreditiert. Insgesamt zeigt Ullrich gelungen die Verwerfung zwischen Regierung und Parlament, ein von der Staatsgründung an gestörtes Verhältnis der Eliten mit der Konstitution in der Monarchie und dem als Störung des Herrschaftsanspruchs empfundenen Parlamentarismus.

Bei aller Brillanz des großen Wurfs muten einem Ausländer doch einige seltsame Formulierungen befremdend an, ein mysteriöses "Preußentum" betreffend: Lesend stößt man auf "alte preußische Tugenden" mit "verbindlicher Kraft" (Seite 361: "..., in der die alten preußischen Tugenden ihre verbindliche Kraft verloren."), deren vorrangigste ist, wenigstens nicht "Aus-der-Rolle-zu-fallen" (Seite 152: "Diese ganze unpreußische Art des Aus-der-Rolle-Fallens ..."), und deren Gegenteil das "Theatralische" oder gar eine "donnernde Rhetorik" ist (Seite 112: "..., getrieben von einem ganz unpreußischen Hang zum Theatralischen und zur donnernden Rhetorik, ..."). Dennoch denke ich, daß in Deutschland Aus-der-Rolle-zu-fallen auch unfränkisch, unthüringisch, unfriesisch oder sonst un- sein wird. Mit böser Zunge ausgestattete Europäer mögen sogar meinen, daß eben das von Deutschen Sympathie-Handikap zu sein scheint, nie aus ihrer Rolle zu fallen...
Mich persönlich, als "Quasi-Wagnerianer", schmerzen die Worte auf Seite 360, daß "Wagners Werkidee" eine "... Mischung aus Nibelungenbegeisterung und völkischem Germanenwahn, aus Vernichtungsantisemitismus und Deutschtumsideologie ..." sein soll. Da wurde etwas unkritisch die Wortwahl Zelinskys übernommen, dessen Ansichten zu einer "Wagner-Religion" man auch als paranoide Überinterpretation deuten kann. Es gibt viele Wege einerseits populär, andererseits wissenschaftlich zitierfähig zu werden, Zelinsky wählte für einen Literaturwissenschaftler keinen üblen: Der Nachdruck, mit dem er ab 1976 seine Thesen zu untermauern versuchte (anläßlich "100 Jahre Festspiele Bayreuth": "Richard Wagner - Ein deutsches Thema. Eine Dokumentation zur Wirkungsgeschichte Richard Wagners 1876-1976", Verlag Zweitausendeins, später P. L. Rose, 1990, M. Weiner, 1995, J. Köhler, 1997, wie andere), erinnert an die Persistenz von Esoterikern, die Realität prähistorischer Ufonauten zu belegen, für deren Existenz zweifellos mehr spricht, als für eine Wagnersche Paläonazireligionsverschwörungstheorie. In Wagners Opern ein programmatisches Judenmassenmord-Konzept und verschlüsseltes Germanenkunstreligionsdogma, das sich bis 1976 offenbar nur Zelinsky, führenden Antisemiten und Nazi-Eliten zu entschlüsseln vermochte, zu interpretieren, ist so gut möglich, wie alle anderen erdenklichen "Exegesen", belegt aber weniger den Rassenwahn Wagners, als die Phantasie Zelinskys: Weil die (immer subjektive) Deutung von Artefakten (genauso von Dokumenten, Daten, Relikten, Wahrnehmungen, u. dergl.) plausibel ist, müssen Fakten noch nicht kausal zueinander sein. Es ist kaum anzunehmen, daß Wilhelm II. kein Antisemit gewesen wäre, Hitler Rassengesetze verabscheut, die Nationalsozialisten eine weniger "böse" Ideologie oder "humanere" Konzentrationslager gehabt hätten, wäre Wagner kein Antisemit gewesen, oder hätte wenigstens keinen "Ring des Nibelungen" und keinen "Parsifal" komponiert. Es gibt nix zum Schönreden: Wagners Antisemitismus ist böser, purer Antisemitismus, dumpf, niederträchtig, gemein, nebulos, wirr und krude, sowie hoffnungslos irrational, wie halt Rassismus und Xenophobie sind, eine undenkbare, unmenschliche Schande und vollendete Tatsache, ist aber nicht der Antisemitismus Wilhelms II., oder Hitlers, und Wagners "Parsifal" ist nicht sein "Mein Kampf": Von Montsalvat nach Auschwitz führt ein seelischer Abgrund durch den Wahn und das Rätsel der Entmenschung, der nicht von einigen Exponenten der Öffentlichkeit, sondern von der Masse der Nonames, denen Wagners Opern und Wagners Antisemitismus, sogar Hitlers Antisemitismus, ebenso wie Diffamierung, Diskriminierung, Entrechtung, Deportation und Massenmord der Juden, herzlich egal waren, gesäumt ist (frei nach Kershaw, in: "Popular Opinion and Public Dissent in the Third Reich: Bavaria 1933 - 1945", 1983: "The road to Auschwitz was built by hate, but paved with indifference."). Ullrich wollte mit dem Zelinsky-Zitat (aus dem Jahr 1991) Wilhelm II. als gefährlichen Antisemiten charakterisieren, nicht Wagner als Protonazi entlarven, insofern wäre eine Klarstellung angebracht gewesen.

Abgesehen von diesen wenigen Auffälligkeiten, ist dieses Buch uneingeschränkt empfehlenswert, sowohl durch die unglaublich leichte Lesbarkeit zur Basisbildung, als auch durch die extrem umfangreiche Literaturrecherche als kurzgefasste Monographie des ersten Demisäkulums des jungen deutschen Staats.
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