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Die hilfreichste kritische Rezension
29 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Lohnende Neuauflage eines Klassikers der Phantastik
Ein Bestseller zu seiner Zeit, dann vom wetterwendischen Zeitgeist etwas in den Hintergrund gedrängt, aber immer wieder dem Sumpf des Vergessens entrissen durch ein neu aufflammendes Interesse an seiner tiefgreifenden Mystik sowie an seinem latenten Okkultismus, der in Meyrinks späteren Werken immer breiteren Raum einnehmen sollte. Wie die Titelfigur des Romans, der...
Veröffentlicht am 15. Juni 2005 von Werner Fletcher
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› Weitere Rezensionen anzeigen: 5 Sterne, 4 Sterne |
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5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Hörspiel - eher enttäuschend
Die Hörspiel-CD ist aus vielen Gründen enttäuschend: die Sprecher sind teils sehr gut - teils aber miserabel! Die vielen Kürzungen (ganze Handlungspassagen weggestrichen, viele Figuren kommen gar nicht oder nur am Rande vor) auf 90 Minuten haben der Umsetzung sehr geschadet. Im Hörspiel entsteht überhaupt kein "Fluß", es wirkt leider eher wie eine...
Am 21. November 2003 veröffentlicht
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› Weitere Rezensionen anzeigen: 3 Sterne, 2 Sterne, 1 Sterne |
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29 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Lohnende Neuauflage eines Klassikers der Phantastik, 15. Juni 2005
Ein Bestseller zu seiner Zeit, dann vom wetterwendischen Zeitgeist etwas in den Hintergrund gedrängt, aber immer wieder dem Sumpf des Vergessens entrissen durch ein neu aufflammendes Interesse an seiner tiefgreifenden Mystik sowie an seinem latenten Okkultismus, der in Meyrinks späteren Werken immer breiteren Raum einnehmen sollte. Wie die Titelfigur des Romans, der Golem, immer wieder durch die engen Gassen des alten Prager Judenviertels geistert, so erlebte und erlebt dieses Buch Auflage um Auflage. Und dies völlig zu recht, wie ich meine. Die atmosphärische Dichte des Romans fasziniert immer wieder; Magie, Mystik und Gnosis geben sich auf seinen Seiten ein befruchtendes Stelldichein. Meyrink beschwört den Geist einer zauberischen Romantik herauf, die den Leser seltsam anrührt.Meyrinks Sprache vermag selbst toten Gegenständen auf wundersame Weise Leben einzuhauchen, angefangen vom Mond und den Steinen Anfang des ersten Kapitels bis hin zu den "mißfarbigen Häusern, die wie verdrossene alte Tiere im Regen nebeneinanderhockten." Das vorherrschende Motiv im Golem ist das Bewußtsein der Einkerkerung des Menschen in eine Welt des Begrenzten, und sein Bestreben, diese Grenzen zu überschreiten; seiner eigenen Existenz sowie seiner Rolle in der wahrgenommenen wie auch in der unwahrgenommenen Welt neue Facetten abzugewinnen. So steht das alte Prager Judengetto auch für Meyrinks inneres Getto, dem er Zeit seines Lebens trachtete, zu entfliehen. Mich hat dieses Buch immer wieder von Neuem fasziniert und ich möchte es denen empfehlen, die einen Hang zum Mystischen, Gespenstischen, zur dunklen Seite der Romantik haben und es dennoch nicht kennen sollten. Und es lohnt auch, sich unter ästhetischen und stilistischen Aspekten mit diesem Werk zu beschäftigen, und da kann ich Günter Kunert eben nicht beipflichten, wenn er den Roman mit "stilistisch Konventionellem, Klischeehaftem und Schablonierten" behaftet sieht. Auch seinen bei Meyrink vermuteten Antisemitismus sehe ich nicht unbedingt. Kurz und gut, eine in jedem Fall lohnende Wiederentdeckung eines (ehemaligen) Klassikers der phantastischen Literatur.
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24 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Ein Buch mit Krallen, 6. Februar 2001
Von Ein Kunde
Bitte entschuldigen sie, dass ich hier auf eine Nacherzählung des Buches verzichte, aber es würde überhaupt keinen Sinn ergeben (wenn sie eine Inhaltsangabe wünschen, so lesen sie bitte die anderen Reznsionen).Die Geschichte ist fesselnd, spannend und vieles mehr. Aber das Wichtigste ist, dass sie es vermag, etwas im Leser zu wecken. Nämlich die Sehnsucht, weiter zu forschen. Der wichtigsten Figur (Athanasius Pernath) wird vom sagenumwobenem Golem das Buch "Ibbur"(Seelenschwängerung)überreicht. Pernath nimmt es und liest darin,"seine Seele wird schwanger vom Geist des Lebens". Ich wage es, zu behaupten, dass Meyrink mit "Der Golem" selbst eine Art Buch Ibbur geschaffen hat. Ich habe viel über diesen außergewöhnlichen Autor und seine Werke gelesen, doch kein Rezensent und kein Literaturwissenschafter können die Bedeutung und den Sinn seiner Werke auch nur annähernd zufriedenstellend erklären. Meyrink vermischt in diesem Roman die jüdische, teilweise auch die ägyptische Mystik mit buddistischer Weisheit auf dem naturalistischen Nährboden des Prager Judenviertels des 19.Jahrhunderts. Für mich persönlich weist die "Vermischung" diser Religionen und Philosophoien auf den gnostischen Gedanken, dass alle Glaubensrichtungen den gleichen Anfang und das gleiche Ende haben. Ich halte auch das im Roman dargestellte Leben des Pernath für ein Beispiel des gnostischen Ideals aktiv an seinem Geist zu arbeiten und zu forschen.....Oft scheint es, als würde der Autor dem Leser Fragen stellen, als gäbe er ihm Aufgaben auf, als wolle er seinen Geist prüfen...dieses Buch gibt Antworten auf viele Fragen, aber es läßt noch mehr offen. "Realistischen" Menschen wird dieses Buch wirr, klischeehaft vielleicht sogar oberflächlich vorkommen. Für Menschen, die wissen, dass die Realität nicht immer das ist, was sie zu sein scheint, wird dieser Roman allerdings eine Bereicherung ihres geistigen Lebens sein.....aber Vorsicht!: Meyrink läßt nicht mehr los. Es gäbe noch so vieles, was ich über G.Meyrink und über "Der Golem" zu sagen hätte, aber all das hat hier leider keinen Platz. Vielleicht ist ihnen aufgefallen, dass dieses Buch mich zu einer "Suchenden" gemacht hat, und das wird es auch mit ihnen tun. Alleine aus diesem Grund ist es lesenswert......
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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Geniale Bearbeitung eines genialen Buches, 9. April 2001
Von Ein Kunde
Über die inhaltlichen, stilistischten und sprachlichen Qualitäten von Meyrinks Golem brauche ich mich hier nicht ausführlich zu äußern: Alles, was in den anderen Kritiken dazu geschrieben wurde, ist richtig. Dies ist eines der eindrucksvollsten Bücher, die ich je gelesen habe, und es hat mich nie mehr ganz losgelassen. Nicht weil mich Meyrinks Philosophien besonders beeindrucken würden (sie sind vielmehr zumindest da, wo er sie in die Breite tritt, die Schwachstellen seines Werkes), die Meyrink selbst zum Teil übrigens auch nur als Mittel zum Zweck betrachtete, um die Atmosphäre seiner Schriften zu schaffen. Diese intensive Atmosphäre ist es eben, die unvergeßlich bleibt und die er in keinem seiner späteren, teilweise auch eindrucksvollen Romane (die aber hier und da von seinen Weltanschauungen arg überfrachtet sind)nie mehr so dicht und fesselnd erreicht hat. Im Golem begegnet uns die Wirklichkeit des Traums. Die Hörspielbearbeitung hält sich an den Wortlaut des Romans und auch an dessen Schwerpunktsetzung und Handlungsführung, wenngleich sie natürlich nicht so verschachtelt sein kann wie die Vorlage und auch manche Motive ganz weglassen muß. Der Roman ist kongenial ins fremde Medium übertragen worden, bis in die kleinsten Nebenrollen füllen die Sprecher ihre Charaktere hervorragend aus, gerade der Sprecher des Athanasius Pernath ist schlicht und ergreifend atemberaubend, und die stimmungsvolle Musik tut ihr übriges. Ich bin mir nicht sicher, ob das Hörspiel für Leute, die den Roman nicht gelesen haben, in seiner Gänze nachvollziehbar ist, aber das fällt nicht weiter ins Gewicht, da der Hörerkreis wohl fast ausschließlich aus Lesern Meyrinks bestehen wird. Diese Adaption ist ein Meisterwerk und wird der übermächtigen Vorlage mehr als gerecht.
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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Unheimlich, 13. August 2007
Dieser Roman entstand 1913/14 und wurde von mehreren Verlagen abgelehnt und erschien zunächst in einer Zeitschrift mit dem sinnigen Namen DIE WEISSEN BLÄTTER. Aber okkulte Mächte scheinen sich bereits früh um den Autoren gekümmert zu haben. Die schließlich vorgesehene Auflage eines mutigen Verlags von ZWEITAUSEN Exemplaren betrug plötzlich aufgrund eines Versehens, von wem auch immer, ZWANZIGTAUSEND, und die fand reißenden Absatz. Innerhalb von zwei Jahren mutierte das Buch zu einem Bestseller mit verkauften EINHUNDERTFÜNFUNDVIERZIGTAUSEND Stück.
Etwas von dem Autoren so gerne träumen. An dem Pseudonym Meyrink (eigentlich Gustav Meyers) wird es nicht NUR gelegen haben.
DER GOLEM zählt heute zu den Klassikern der phantastischen Literatur und diejenigen, die einen Faible für diese Art der Literatur hatten oder haben, kennen den Autoren selbstverständlich.
Alleine schon die Kapitelüberschriften sind so anders als sonst. Da heißt es beispielweise: Schlaf / Tag / Nacht / Spuk / Angst / Qual / Frei usw.
DAS MONDLICHT FÄLLT AUF DAS FUSSENDE MEINES BETTES UND LIEGT DORT WIE EIN GROSSER, HELLER, FLACHER STEIN. ... ICH SCHLAFE NICHT UND WACHE NICHT, UND IM HALBTRAUM VERMISCHT SICH IN MEINER SEELE ERLEBTES MIT GELESENEM UND GEHÖRTEM, WIE STRÖME VON VERSCHIEDENER FARBE UND KLARHEIT ZUSAMMENFLIESSEN.
So fängt es an. Der Erzähler glaubt, der gut vierzig Jahre alte Athanasius Pernath zu sein, der in der Hahnpasspassage im Prager Judenviertel wohnt und es als Gemmenschneider und Ausbesserer von Antiquitäten zu einem Bankkonto gebracht hat.
Auf den Folgeseiten vermischen sich die Grenzen zwischen Fantasie, Traum und Wirklichkeit und ständig geschieht etwas Unerwartetes und der Erzähler ist nicht der, für den er sich hielt.
Unheimlich. Mehr? Lesen. HMcM
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Der Klassiker schlechthin..., 6. November 2004
Dieses Werk zu lesen ist sicherlich besser als es zu hören. Denn nur beim Lesen können die Figuren des Romans sich so in der eigenen Vorstellung bilden, wie man sie als prachtvoll empfinden mag. Nach meinem Wissen war Gustav von Meyrinck ein eifriger Student der Rosenkreuzerlehren, der sich stark mit der Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit befaßte. Einem solchen ist es nicht erlaubt, jemanden anderen zu schädigen, schon gar nicht durch schwarzmagische Praktiken. Diese Praktiken dürfte man ihm höchstens angedichtet haben. Sicherlich hat er darüber nachgeforscht, um sein Werk anschaulich zu gestalten. Dabei kann man als Leser den dargestellten Stoff aber auch in übertragenem Sinn sehen. Der Golem kann ebenso gut als die Leiche im Keller des eigenen Bewußtseins gesehen werden, als der innere Schweinehund, der sich an den unmöglichsten Stellen meldet und dazwischenfunkt, mit dem man sein ganzes Leben lang inwendig ringt. Der Golem ist phantastisch geschrieben. Die Wirklichkeit verschwimmt, die Phantasie greift Raum und man verliert sich auf angenehme Art und Weise in den eigenen Vorstellungen, unmerklich betritt man eine Traumwelt mit der Gefahr sich zu verirren....in den eigenen Abgründen sozusagen. Niemand konnte den dargebotenen Stoff besser darstellen als allein Gustav von Meyrinck. Auch seine anderen Werke sind eine Empfehlung
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Ein Buch von metaphysischem Format und meisterlicher Klasse., 21. November 1998
Von Ein Kunde
Der Gemmenschneider Athanasius Pernath, seiner Erinnerung beraubt, wird im Prager Judenviertel Opfer seiner eigenen Gedankenwelt und Visionen. Gleichzeitig wird er zum heimlichen Dreh- und Angelpunkt einer mysteriöser, tödlicher Verschwörung des Altwarenhändlers Wassertrum gegen den Medizinstudenten Charousek. Sein Leben enthüllt sich im Traum seines "Hutfinders", der Pernath 30 Jahre nach den Ereignissen im Judenviertel mit der Jüdin Mirijam vereint findet.Wenn ein Buch eine romantisch-poetische, überaus farbige Sprache hat, so ist es DER GOLEM. So düster und trostlos die Stimmung erscheint, so fein ist doch auch das Netz aus Romantik, Mystik und Visionen, das in diesen düsteren Umhang gewebt ist. Was DER GLÖCKNER VON NOTRE DAME für die Schaffung einer neuen romantischen Prosa war, das ist DER GOLEM zweifelsohne für das Genre der psychologischen Schauerromane. Doch dieses Buch kratzt nicht nur an den Nerven des Lesers, es verläßt den schauerlichen Vordergrund und den profanen Schauer eines Poes, es dringt tief ein, tief in die unergründbaren Urängste und Aberglauben der Menschen. Es kombiniert in erstaunlicher Weise visionär-apokalyptische Tendenzen mit einer der schüchternsten und anmutigsten Liebesgeschichten die ich kenne. Und dennoch leuchtet die unschuldige Liebe Pernaths zur Jüdin Mirijams, ihre Entwicklung, ihr gesamtes Wesen, wie ein Kristall durch das unsagbar grotesk-schauerliche Milieu der Romanhandlung. Wie ein Hauch fegt sie gelegentlich den düsteren Schauer beiseite, und trotzdem hat man das Gefühl, sie habe nur Fläche geschaffen, auf die der Staub schon bald wieder hinabsinkt. Enthüllungen und Erkenntnisse vermittelt dieses Buch nicht, vielmehr ist es für mich die epische Perfektion der Katharsis, ein furioses Glanzstück menschlicher Gedankenwelten. Das Sein verliert in diesem Werk seine Bedeutung, alle Charaktere bewegen sich vielmehr in einer von ihren physischen Beschränkungen losgelösten "metaphysishen Realität" und beschreiben so für mich noch umso deutlicher indirekt den menschlichen Traum von der völligen Loslösung des menschlichen Geistes von der irdischen Sphäre.
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Vorsicht, er kommt!, 17. Januar 2006
Der Golem. Ich hatte ein anderes Buch erwartet. Es ist keien Gruselstory, wie ich sie mir vorstellte. Doch das Buch das ich fand, hat mich begeistert. Es ist die Mischung aus Mystik, Liebesgeschichte und Kriminalfall, die mich so faszinierte. Und das alles im Judengetto im alten Prag. Meyrink hat es verstanden mich mitzunehmen in die alten Gassen. Er macht mich neugierig auf die alten Geschichten und Bräuche der Juden. Er hat er Buch geschrieben mit einem sehr überraschenden Ende. Ein Buch das sich lohnt zu lesen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Die Welt als Verlust der Welt ohne Versöhnung., 31. Mai 2008
Im Zentrum von Gustav Meyrinks Buch Der Golem steht die Prager Legende vom Rabbi Löw und seiner Erschaffung eines künstlichen Menschen, den er aus Lehm zu Leben erweckt. Der Erzähler schildert in einer düster-dämonischen Bilderwelt seine im Halbschlaf halluzinierte Begegnung mit dieser künstlichen Gestalt im jüdischen Viertel Prags, mit einer Geisterwelt, die sich aus Mystik, aus Okkultismus speist und all das in einer Art Gnosis ineinander und zusammen nimmt.
Man kann natürlich all das von einem realistischen, von einem rationalistischen Blickwinkel aus als reine Phantasterei, als blühende Phantasie des Autors abtun. Aber Meyrinks Golem reagiert auf Probleme und Fragen der Zeit, der Zeit des beginnenden 20. Jahrhunderts, als durch technischen Fortschritt, Industrialisierung und Verstädterung die Veräußerlichung und Veroberflächlichung der Lebensformen, die Ausbeutung und Verelendung ganzer Bevölkerungskreise stark zunahm das Projekt des menschlichen Fortschritts durch Fortschritt in Naturwissenschaften und Naturbeherrschung entgültig zerbrach ein Prozess, der bis heute bis in die Globalisierung andauert.
Meyrinks Buch der collagenhaften Bilder und Episoden speist sich aus dieser Perspektive am Unbehagen in der Kultur, als Verzweiflung über den Zustand der Welt, der die Überzeugung vom technischen Fortschritt als einem Projekt der zunehmenden Humanisierung der Welt längst zerbrochen hat, aber ohne Gegenentwurf, ohne Gegen- oder Ersatzwelt bleiben muss.
Meyrinks Buch Der Golem ist die Sehnsucht nach einer besseren, anderen Welt, einer voller Harmonie, Humanität, voller vollkommenen Menschseins. Aber das Buch antwortet nicht, nicht seine Episoden, seine Halluzinationen, Visionen und Bilder, und nicht die ganze Geschichte. Aber all das, dieses ganze Buch tut eines bestimmt: Es indiziert Suche - beim Leser. Nicht umsonst wird Meyrink in die literarische Linie eines E.T.A Hoffmann und Edgar Allan Poe gestellt. Mir aber fiele durchaus auch Franz Kafka ein. Alles Autoren, die nicht die Welt beschönigten, Harmonien sehen wollten, wo keine sind, sondern die mit ihrer Phantasie, ihren Bildern eine andere bessere Welt herbei zu beschwören suchten, die sie selbst noch am wenigsten kannten, aber ahnten, dass es sie geben müsse. Oder die wenigstens warnten, nicht bei dem stehen zu bleiben, wie es nunmal ist.
Meine Bewertung generell lautet: 5 Sterne = absolut herausragend; 4 Sterne = sehr gut, sehr zu empfehlen; 3 Sterne = wirklich gut, zu empfehlen; 2 Sterne = lesenswert, aber nicht ganz überzeugend; 1 Stern = abzuraten.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Phantastische Geschichte mit überraschendem Ausgang, 10. September 1999
Von Ein Kunde
P - seiner Zeit weit voraus -Meyrinks phantastische Geschichte aus dem Prager Judenghetto ist ein traumhaft tolles Buch. Nach der Legende wurde der Golem zum Schutze der Juden von Menschenhand erschaffen. Weil er richtig leben wollte, hat man ihn wieder vernichtet, als Wiedergänger alle 33 Jahre geißelt er seither die Halbherzigkeit und Unfähigkeit der Menschen mit seinem Erscheinen. Vor allem ist das Buch aber die Geschichte des Athanasius Pernath, der eines Tages dort im Judenviertel aufwacht, sich an seine Vergangenheit nicht erinnern kann, diese sucht, und bruckstückhaft kommt die Erinnerung an seine Jugend zurück, weil ein Mitbewohner in seinem Haus ihn per Hypnose untersucht und erkennt, das über seine Jugend, die zum Wahnsinn führte, eine Haube aus Erinnerungslosigkeit gelegt wurde. Pernath trifft den Grund seines Wahnsinns wieder, trotzt der Frau jedoch diesmal irgendwie, oder doch nicht, weil er stattdessen Monate im Gefängnis verbringen muss, zwar unschuldig, aber des Raubmordes angeklagt, in denen sich die Frau aus dem Staub macht samt unehelich geborenem Kind und Geliebtem; aber Pernath hat ja noch seine Mirjam, die er aus dem Gefängnis entlassen sucht und nicht findet, weil das Judenviertel saniert wird und ihr Haus nicht mehr steht; er sucht sich eine Ersatzbleibe, sieht dort in einer Feuerstbrunst Mirjam, die wieder im gleichen Haus lebt, aber in einem Raum ohne Tür, der nur durch eine Falltür zu erreichen ist, und in dem der Golem hausen soll, was er nicht tut, denn Pernath war auch schon mal in dem Raum, fand dort aber nur Erinnerungsstücke seiner Jugend ... und wacht als ein anderer in einem fremden und doch bekannten Bett auf. Grandios geschrieben, herrlich verwinkelte Handlung, tolle Charaktere, meine Zusammenfassung oben gibt einen kleinen Vorgeschmack, herrliches Ende mit Pernath, Mirjam und dem Fremden im Bett. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
(Ok)kultroman!!, 16. Juli 2001
"Der Golem" fasziniert in jeder Hinsicht: geschrieben wie in einem Fieberwahn entführt das Buch den Leser ins alte Prag, enfaltet ein verwirrendes Spiegelkabinett von Gestalten und Erzählebenen, lässt den Leser eintauchen in die magische Welt eines Suchenden nach höherer Wahrheit. Kafka+Kabbala=Golem, ein Buch, das nach fast einem Jahrhundert den Leser immer noch rettungslos in seinen Bann zieht. Die wunderschönen Illustrationen sind das Sahnehäubchen auf diesem Leckerbissen.
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Der Golem von Gustav Meyrink (Sondereinband - 2003)
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