|
|
|
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
|
|
|
Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension
29 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Vouyeurismus als Instrument der Erkenntnis?
Gut, dachte ich mir, als ich unlängst in Wien war, dann lese ich endlich mal "Die Klavierspielerin", das Hauptwerk von Elfriede Jelinek, denn immerhin lebt die Autorin in Wien und auch die Handlung spielt in dieser Stadt.
"Die Klavierspielerin" erzählt die Geschichte von Eva Kohut, die mit ihrer herrschsüchtigen und betagten Mutter in einer beengten Wohnung lebt,...
Vor 6 Monaten von ludwigwitzani veröffentlicht
|
› Weitere Rezensionen anzeigen: 5 Sterne, 4 Sterne |
 |
14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Meisterwerk, das schwer im Magen liegt
Ich möchte vorausschicken, dass, auch wenn meine Rezension für dieses Werk nicht nur loben ausfällt, ich keiner von den gar nicht wenigen Menschen bin, die Elfriede Jelinek den Nobelpreis von Grund auf missgönnen. Ihre Sprache hat nicht ihresgleichen und das ist auch der Hauptpunkt, den ich diesem Buch zugute halte. Jelineks Sprache ist ungemein kompakt, subtil werden...
Veröffentlicht am 20. August 2007 von Michael Navratil
|
› Weitere Rezensionen anzeigen: 3 Sterne, 2 Sterne, 1 Sterne |
|
|
29 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Vouyeurismus als Instrument der Erkenntnis?, 31. Juli 2009
Gut, dachte ich mir, als ich unlängst in Wien war, dann lese ich endlich mal "Die Klavierspielerin", das Hauptwerk von Elfriede Jelinek, denn immerhin lebt die Autorin in Wien und auch die Handlung spielt in dieser Stadt.
"Die Klavierspielerin" erzählt die Geschichte von Eva Kohut, die mit ihrer herrschsüchtigen und betagten Mutter in einer beengten Wohnung lebt, im gleichen Bett schläft und mit ihr nahezu die gesamte Freizeit verbringt. Nachdem sich Erikas Hoffnungen auf eine Karriere als Pianistin zerschlagen haben, arbeitet sie als Musikdozentin am Wiener Konservatorium und quält dort, so gut es geht, ihre Schülerinnen und Schüler, die sie innerlich genauso verachtet wie sich selbst. Wenn sie mal in ihrer Freizeit gerade nicht mit der Mutter zu Hause vor dem Fernseher hockt, besucht sie Peepshows und als Spannerin den Straßenstrich im Wiener Prater, um ihre verödeten Phantasien zu stimulieren. Ihr Antagonist im vorliegenden Roman ist der Musikstudent Klemmer - jung, begabt, gut aussehend, mit sich selbst auf eine ungemein satte Art im Reinen - der sich das 35jährige Altfräulein als Experimentierfeld aussucht, um seine erotischen Strebungen zu befriedigen. Diesen personalisierten Zusammenprall sadomasochistischer Kontrollzwänge und narzisstischer Allmachtsphantasien entfaltet das vorliegende Buch auf insgesamt 300 Seiten mit beachtlicher sprachlicher und inhaltlicher Wucht. Nichts, was es hier zu lesen gibt, ist in irgendeiner Weise schön oder erbaulich, aber wie die Autorin die erste "Liebesszene" zwischen Erika Kohut und Klemmer in einer neopositivistischen Protokollsprache beschreibt, ist ein literarisches Meisterstück (S. 179ff.). In keiner Etappe der Geschichte keimt auch nur von Ferne die Hoffnung auf, die Handlung könnte ein gutes" Ende nehmen, stattdessen rutscht das Paar mit jeder Episode tiefer in die menschliche Katastrophe, bis am Ende die lebensuntüchtige Dozentin seelisch geschändet zurückbleibt.
Auch wenn ich das Buch mit großer Anteilnahem und Bewegung gelesen habe, stellt sich doch am Ende die Frage: wozu? Welchen Sinn" hat die meisterhafte Portraitierung derartiger seelischer Abnormitäten? Warum liest man so etwas? Um dieses menschliche Elend besser zu verstehen? Dann wäre das schriftstellerische Werk von Jelinek der Malerei von Egon Schiele verwandt, denn auch er enthüllt in genialischer Weise gerade das Abstoßende, Hässliche als untergründigen Bestandteil der menschlichen Existenz. Oder liest man ein solches Buch wie Die Klavierspielerin" einfach nur aus dem gleichen Vouyeurismus heraus, der Eva Kohut als Spannerin in die Büsche treibt. Dann allerdings hätte die Autorin ihren Lesern unbemerkt einen Spiegel vorgehalten.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Meisterwerk, das schwer im Magen liegt, 20. August 2007
Ich möchte vorausschicken, dass, auch wenn meine Rezension für dieses Werk nicht nur loben ausfällt, ich keiner von den gar nicht wenigen Menschen bin, die Elfriede Jelinek den Nobelpreis von Grund auf missgönnen. Ihre Sprache hat nicht ihresgleichen und das ist auch der Hauptpunkt, den ich diesem Buch zugute halte. Jelineks Sprache ist ungemein kompakt, subtil werden literarische Andeutungen eingestreut, die Worte und Sätze sind geschliffen und von expressionistischer Kraft und Sätze wie: "Kunst und Ordnung, die verfeindeten Verwandten.", oder "Derzeit bleibt der junge Mann lieber mit sich allein, einen besseren Kameraden kennt der Wolf nicht, bevor er die Ziege trifft.", sind einfach großartig.
Die absolute Kunstsprache, so gekonnt sie auch sein mag, kommt allerdings dem Lesefluss nicht zugute. Man muss schon sehr konzentriert lesen und kommt dennoch langsam voran. Erschwerend kommt hinzu, dass Jelinek darauf verzichtet, Anführungsstriche zu verwenden und auch den Sprecher nicht immer benennt, sodass man bei der wörtlichen Rede aus dem Kontext schließen muss, wer gerade spricht. Gelegentlich wird die Beschreibung geradezu zum Selbstzweck, wenn Metaphern so stark ausgebaut werden, dass ihr Bezug zur Realität verloren geht. Der Text zerfällt in Episoden, die wie Schaukastenbilder einzeln beleuchtet werden, aber nicht recht zusammenzugehören scheinen.
Die Handlung ist schnell erzählt und geht nur geringfügig über das hinaus, was auf dem Buchrücken steht. Der eigentliche Konflikt des Romans in weniger ein personeller als ein psychologischer.
Jelinek schreibt mit großer Verachtung und Zorn, an kaum jemandem wird ein gutes Haar gelassen. Durch eine Brille, die weniger rosa nicht sein könnte, wirft sie einen Blick auf Charaktere und Gesellschaft. Wenngleich sie die Vulgärsprache nicht scheut, rutscht sie sprachlich nie ins Geschmacklose ab, was sie inhaltlich durchaus tut. Das allerdings ist Teil des Programms des Romans. Sexuelle Abarten werden bis zum Ekel beschrieben. Ob das nun richtungweisend oder banal ist, kann ich nicht beurteilen. Fakt ist, dass, so krank das Erzählte auch sein mag, die Autorin mit der Sprache umzugehen versteht.
Insgesamt ist "Die Klavierspielerin" formal gesehen ein Werk von großer schriftstellerischer Meisterschaft - Spaß allerdings macht es keinen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
55 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Faszinierend und erschreckend zugleich, 12. November 2001
Von Ein Kunde
Auf der Innenseite des Einbands der gebundenen Ausgabe der "Klavierspielerin" ist im Halbprofil das Gesicht einer Frau mittleren Alters abgebildet - Elfriede Jelinek, die Autorin des Buches. Es ist dies ein schönes, strenges, kaltes Gesicht. Die 285 Seiten, die danach folgen, haben dann aber rein gar nichts Schönes mehr an sich, sondern sind nur streng und kalt. Mit unglaublich präziser Sprache, hart wie Stahl und scharf wie Kristall, und einem ganz eigenen Stil, der dem Seelenzustand der Protagonistin (und vielleicht dem Zustand der ganzen österreichischen Nation) angemessen ist, wird das Psychogramm einer Frau gezeichnet, die nie die Chance einer gesunden Entwicklung hatte und einen hohen Preis für den verfehlten Ehrgeiz ihrer Mutter zahlen muß; Erika Kohut, die Klavierlehrerin, kann nicht anders als in letzter Konsequenz auf tragische Weise zu scheitern. Ich bin mir immer noch nicht im klaren darüber, ob das Buch schlicht zynisch zu nennen ist oder doch gnaden- und schonungslos ehrlich; bei den komischen, grotesken Stellen bleibt einem das Lachen schon beim Folgesatz im Hals stecken. Das Leben lehrt einen, daß es nichts gibt, was es nicht gäbe, und daß die Phantasie der Realität stets hinterherhinkt, und dieser Gedanke ist zutiefst erschreckend. Alle bekommen hier ihr Fett weg - Mann und Frau in ihrer Unfähigkeit zu wahrer zwischenmenschlicher Beziehung, die Frau an sich in ihrer Rolle als Lustobjekt, Dienerin, Beute und Opfer des Mannes, der Mann an sich in seiner Unaufrichtigkeit und Impotenz, die Arbeiterklasse, die Ausländer in der Alpenrepublik, und auch die oberen Zehntausend in ihrer Bigotterie und heuchlerischer Doppelmoral. Das Sittengemälde, das Elfirede Jelinek in diesem Buch zeichnet, ist alle Schichten, alle Laster umfassend. Ich denke nicht, daß Erika Kohut, die Protagonistin, nur noch in Bestrafung und Schmerz Lust empfindet; sie bemüht sich ehrlich, ihre Fesseln abzuschütteln, sie hofft auf Erlösung, sehnt diese herbei, und muß doch daran scheitern, was sie zur tragischen Gestalt macht - sie scheitert an dem, was eine Gesellschaft aus den Menschen gemacht hat oder machen kann. Unversöhnlich, erschreckend und faszinierend zugleich, ist der Autorin ein großer Wurf gelungen: keine angenehme Unterhaltung, sondern Gesellschaftskritik kolossalen Ausmaßes, die aufwühlt, in der jeder das eine oder andere Stück von sich selbst finden kann, wenn er ehrlich ist. Die österreichische Literatur hat hier ein beinahe schon brutales Sprachrohr gefunden.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Extrem, bissig, aber gut, 16. Juli 2000
Von Ein Kunde
Die Klavierlehrerin Erika Kohut lebt mit über 30 Jahren immer noch bei ihrer Mutter.Von dieser wird sie dominiert, kontrolliert und unterdrückt. Dazu wird sie noch unter einen extremen Leistungsdruck gesetzt, so dass die Erziehung mehr einer Dressur gleicht.Zu einer herausragenden Pianistin soll sie werden. Auf der anderen Seite ist sie nicht mehr im geringsten fähig, gesunde menschliche Beziehungen zu knüpfen.Die anderen Menschen erscheinen in Erikas Vorstellungswelt wie Monster. Auf jede menschliche Nähe reagiert sie mit äußerster Agression.Als sie auf einen jungen Mann trifft, wiederholt sie unbewußt das schädliche Beziehungsmuster zu ihrer Mutter.Machtkämpfe werden bis aufs äußerste geführt, anstatt sich seelisch zu öffnen.Sexuelles Vergnügen empfindet Erika nur noch im Bestrafen und Bestraftwerden.Einen Ausweg aus ihrem Leid finder sie nicht.Die ungeheuer verdichtete und oftmals entstellte Sprache des Romans unterstützt die starke emotionale Wirkung des Romans. Für "Positivdenker" ist der Roman sicherlich abstoßend, wer sich jedoch auch für die zwischenmenschlichen Abgründe interessiert, dem bietet sich ein interessanter und schonungslos offener Roman.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
31 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Die Geschichte einer frigiden Künstlerin., 8. März 1999
Von Ein Kunde
Elfriede Jelinek scheint in der "Klavierspielerin" absichtlich gegen fast alle Regeln des guten Schreibens zu verstoßen. Sie schreibt weder einfach und klar, noch knapp, oft anstrengend. Dabei verwendet sie lange Hauptwörter, Fremdwörter, Partizipien noch und noch. Oft erinnert ihre Sprache an steifes Beamten - und Behördendeutsch, Kanzleisprache. Immer wieder entfremdet sie Worte, verwendet sie in einem ungewohnten Zusammenhang, schafft - auch - dadurch Absurdität. Diese Sprache erzeugt ein Gefühl von Bitterkeit, Hoffnungslosigkeit, Perversion. Und genauso müssen die Gefühle der Protagonistin sein, die aber nicht explizit zum Ausdruck kommen, sondern indirekt in Form dieser Sprache, die demontiert, zerstückelt wird. Und genau darin liegt die Kunst Jelineks. Die Wirkung ist stark, man fühlt sich beim Lesen dieses Romans betroffen, man hat vielleicht sogar Mitleid mit der Klavierlehrerin und Verständnis, obwohl diese oft, wenn ihr Sadomasochismus seine sadistische Seite auslebt, sehr brutal sein kann, zum Beispiel als sie einer vermeintlichen Rivalin Glasscherben in die Manteltasche legt oder Leuten in der Tramway mit Absicht gegen das Schienbein tritt. Ick kann nicht behaupten, dass ich dieses Buch mit Genuss gelesen habe - aber es hat mich aufgewühlt und beeindruckt. Es ist irgendwie auf seine Weise doch genial.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Gewalt der Begierde und Gewalt der Sprache, 11. Mai 2005
Erika Kohut, von ihrer Mutter zur Pianistin gedrillt, hat es nur zur Klavierlehrerin geschafft. Sie lebt noch mit Mitte 30 mit der Mutter in einer Hass-Liebe-Beziehung zusammen. Ihre "Befriedigung" zieht sie vor allem aus Schikane gegenüber ihren Schülern, Selbstverstümmelung und Voyeurismus. Ganz gleich, welche Anzahl Sterne ich dem Buch gebe, das Resultat stellt nicht zufrieden. Fünf Sterne für eine phanastische Sprache, für die Kunst, aus althergebrachten Redewendungen, Sprichwörtern und Floskeln Neuschöpfungen zu bauen, die genau ins Schwarze treffen und damit den Sinn des Alten verändern und beim Lesen aufhorchen lassen. Vier Sterne für die Beobachtungsgenauigkeit, den Blick für Einzelheiten und das Verfolgen einer Szene bis zum Ende. Beispiel dafür ist die Beschreibung einer Eiskunstläuferin (S. 107), die Spünge übt und Pirouetten dreht, und deren Bewegung von der Autorin bis zur kleinsten Muskelanspannung wiedergegeben ist. Aber - und daher keine 4 oder 5 Sterne - dieses detailgetreue Beobachten wird so auf die Spitze getrieben, dass es zum Sezieren wird. Jede Handlung, jeder Gedanke, jedes Gefühl der einzelnen Personen wird auseinandern genommen und negativ beleuchtet. Liebe ist nichts anderes als der Wunsch nach Machtausübung und Unterwerfung des anderen; Gefühle wie Freundschaft, Zärtlichkeit, Mitleid, Sympathie, Zuneigung, usw. werden ausgeklammert. Wenn man Büchern, die ihre Personen und deren Handlungen mit der rosaroten Brille der selbstlosen und allumfassenden Liebe ausstatten, Realitätsferne und Unglaubwürdigkeit vorwirft, so gilt das auch - wenn auch mit umgekehrten Vorzeichen - für dieses Buch. Die von Jelinek beschriebene Seite des Menschen gibt es, aber es ist eine Seite und nicht das gesamte Wesen. 3 Sterne für das Buch sind also lediglich ein schlechter Kompromiss und nur rein rechnerisch zu werten.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
30 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
"Fisch im Fruchtwasser der Mutter", 8. Juni 2003
Für mich ist "Die Klavierspielerin" (1983) von Elfriede Jelinek nach wie vor das wichtigste deutschsprachige Buch in den letzten 30 Jahren. Im Gegensatz zu ihren meisten anderen Romanen wird hier eine richtige Geschichte erzählt, nämlich die der Klavierspielerin Erika Kohut, die als Pianistin gescheitert, von ihrer Mutter unterdrückt, emotional zurückgeblieben und somit unfähig zur Liebe ist, insbesondere zu ihrem Klavierschüler Walter Klemmer. Die Geschichte kreist um folgende Themen: Abhängigkeiten zwischen Tochter und Mutter bzw. Mann und Frau, Frigidität, Sadismus, Masochismus, Selbstverstümmelung, sexuelle Obsessionen und Perversionen, Gewalt, Machogehabe und Impotenz (keine Omnipotenz des Mannes!). Es geht also um von der Norm abweichendes Verhalten. Darum sind die Charaktere auch psychisch gestört. Die Schilderungen sind zum Teil sehr explizit und krass. Das Geschehen wird überzeichnet und wirkt deshalb häufig sehr schrill. Das Buch hat auch eine stark gesellschaftskritische, ideologisch gefärbte Seite, da das bürgerliche Wertesystem (Ehe, Familie, "Trautes Heim, Glück allein", Karriere, Leistungsprinzip) bzw. das Bildungsbürgertum (Musik) zertrümmert und lächerlich gemacht wird. Kalt und gefühllos seziert Elfriede Jelinek die ungeliebte Welt. Zudem lässt sie ihre Wut über die Trivialitäten des Lebens aus, wie namentlich den Sport. Sie zelebriert konsequent die Destruktivität, um das Bürgerliche und Triviale zu demaskieren und zu hinterfragen. Das Scheitern der Hauptfigur am Ende des Buches zeigt aber, dass die zornige Elfriede Jelinek den Lesern nach der Zerstörung keine Antwort parat hat. Die sprachliche Ebene des Buches ist sensationell. Der Tonfall ist scharf, ätzend, beissend, spottend und illustriert so bestens den Inhalt des Buches. Elfriede Jelinek geht sehr spielerisch und witzig mit der Sprache um, indem sie verschiedene Jargons imitiert und abwandelt. So geht sie z.B. von einem Sprichwort aus, um nachher die Aussage ins vollkommene Gegenteil zu verkehren. Indem sie harte Begriffe in einem völlig unpassenden Zusammenhang verwendet, erzeugt sie eine sehr aggressive Wirkung.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Ratlosigkeit, 29. März 2005
. Der Erzählstil ist grandios. Die unglaubliche, emotional mitreißende oder abstoßende Geschichte wird teilweise in einem sachlichen, distanzierten und sehr konkreten Ton erzählt, teilweise mit romantischen Metaphern versteckt. Und ich lese weiter, auch wenn mich die Geschichte nicht in ihren Bann ziehen kann, weil die Sprache und eben der Erzählstil mich fesseln.Die Geschichte ist mehr als skurril. Das mag ich eigentlich gerne, nur: ich glaube sie am Ende nicht. Vielleicht fehlt mir Phantasie oder Vorstellungsvermögen, vielleicht bin ich altmodisch oder konservativ - ich glaube es nicht. Ich verstehe nicht die Motive, weder die der Mutter, noch die des Liebhabers, am wenigsten die der Klavierspielerin. Ich halte die Figuren nicht für schlüssig. Nach dem Lesen der Klavierspielerin bleibe ich ratlos zurück. Dafür gibt es auch einen deutlichen Stern-Abzug. Für mich war es das erste Jelinek-Buch, sicher nicht das letzte. Ich werde als nächstes ein viel späteres lesen, vielleicht liegt mir das mehr. .
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Gefangen in der eigenen perversen Welt, 25. September 2005
Eine Frau, die durch ihre Mutter zur Gefangenen ihrer selbst wird, die durch übertriebene Mütterlichkeit und die dadurch resultierende Isolation von der Normalität des Lebens einer Mittdreißigerin abgeschottet wird.Genau um dieses Thema dreht sich Elfriede Jelineks Roman. Die junge Frau Erika Kohut lebt das Leben einer alten Frau. Sie lebt zusammen mit ihrer Mutter, die sie auf Schritt und Tritt kontrolliert, in einer kleinen Wohnung in Wien. Erika arbeitet als Klavierlehrerin, nachdem sie den Wunsch, eine erfolgreiche Pianistin zu werden, durch Versagen aufgegeben hat, in einem Konservatorium in Wien. Ihre Mutter, eine einsame alte Frau, kontrolliert Erika. Macht ihr Vorschriften, stellt ihr nach. Dadurch isoliert sie die junge Frau, die sich daraufhin eine eigene Welt errichtet, in der sich alles um Voyeurismus, Masochismus und abstruse Gedanken dreht. Sie besucht Pornokinos, übt eine besonders schmerzhafte Form der Selbstbefriedigung aus, verletzt sich immer wieder selbst, beschattet Liebespärchen beim Liebesspiel und wird daraufhin von einem starken Reiz ergriffen zu urinieren. Nach außen wirkt sie kühl, unnahbar, mit sich selbst im Reinen, durch nichts zu erschüttern. Als sich ihr Schüler Walter Klemmer in sie verliebt und sich liebevoll um sie bemüht, ist sie hin- und hergerissen zwischen Lust und Abneigung. Letztenendes wendet sie sich Walter Klemmer zu, schreibt ihm einen Brief, in dem sie all ihre perversen masochistischen Gedanken und Wünsche niedergeschrieben hat. Sie verlangt von Walter, sie zu knebeln, zu schlagen und zu demütigen. Dabei will sie Bestimmerin über ihre Beziehung sein, verweigert Walter immer wieder das, was er sehnlichst will: Mit ihr eins werden. Schließlich ist Walter vom perversen Innenleben seiner Klavierlehrerin so entsetzt und durch sein Versagen bei einem Liebsakt, welches sich auf den abnormen Wünschen seiner Lehrerin gründet, so enttäuscht, dass er ausrastet. Er verschafft sich Zugang zu Erikas Wohnung und fällt über sie her. Er schlägt sie, beleidigt sie, demütigt sie. Er fragt sie, ob das nicht genau das sei, was sie wolle. Schließlich erfüllt er sich seinen Wunsch, mit Erika zu schlafen, gewaltsam und lässt sie am Boden liegend zurück. Erika fasst daraufhin einen Entschluss. Sie packt ein Messer in ihre Tasche und macht sich auf den Weg zum Campus, wo sich Walter aufhält. Ob sie ihn tötet oder ihn mit Liebesbitten anfleht, will sie spontan entscheiden. Als sie ihn mit jungen Kommilitonen herumalbern sieht, wird sie sich ihres Alters, ihrer auswegslosen Situation bewusst und sticht sich mit dem Messer ins Herz. Sie geht Richtung heimwärts. Dieses Buch ist voller Metaphern und Bilder. Jede einzelne Metapher an sich lässt sich nur schwer gedanklich nachvollziehen, doch insgesamt sieht man den Sinn der Bilder: Das verkorkste, verzweifelte Innenleben einer Frau, die nicht aus sich herauskann, die durch ihre Isolation einen Hass gegen sich selbst und eine perverse Form der Sexualität entwickelt. Die Person Erika Kohut wirkt durch die nüchterne Beschreibung schon so kalt und abgestumpft, dass es richtig wehtut. Die Stimmung ist beklemmend und bedrohlich. Das Buch ist unbedingt lesenswert. Es ist das Porträt einer Frau, die ihr Leben lang kontrolliert wurde und nun, da sie selbst einmal im Leben kontrollieren möchte, kläglich scheitert und wieder nur ihre auswegslose Situation vor Augen hat.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
31 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Menschliche Beziehungsunfähigkeit? Normalität????, 16. Januar 2002
Ich habe den Film gesehen, weil ich an diesem Abend ins Kino gehen wollte. Ich habe mir erst nichts weiter dabei gedacht. Musik, okay, Dramatik, okay, Liebe, auch nich schlecht. Aber es wurde zum Höllentrip durch die menschliche Psyche. Ich war gefesselt und abgestoßen zugleich von den unspektakulären, aber dennoch aufwühlenden Bildern dieser Dreiecksgeschichte. Es ist kein Film, aus dem man einfach herausgeht und weiterlebt; kein Buch, das man einfach so weglegt und vergisst. Nein, Ich habe jetzt gierig angefangen das Buch zu lesen und hier offenbahren sich noch tiefere Abgründe, als vorher geahnt. Ich hatte mich schon während des zweiten Genusses dieses Films gefragt, wie die Bilder wohl in Worte gefasst aussehen mögen. Ich wurde nicht enttäuscht. Die Worte dieses Buches sind noch um vieles grausamer und kälter, als es die Bilder des Filmes erahnen ließen. Es geht hier nicht vordergründig um Gewalt oder Sex. Es geht um Abhängigkeit, das Sich-selbst-im-Leben-verlieren. Und das fasziniert. Möglich, dass Menschen mit schwachen Nerven eher angeekelt sind, aber letztlich verlieren wir uns doch alle nur selber im Leben, in uns, in anderen. Wir machen uns abhängig von Menschen und Dingen, ob man das will oder nicht. Der Eine eben mehr, der Andere weniger. Erika Kohut ist nicht als gefühlloses Etwas auf die Welt gekommen, sie wurde dazu gedrillt. Ein Freund von mir, mit dem ich den Film ein zweites Mal gesehen hatte, ist geschockt und sprachlos nach Hause gegangen. Am Ende hat er nur gemeint: "Jetzt weiß ich: mein Leben ist DOCH schön!" Danach will man nie wieder lieben, glaubts mer! Das Buch zeugt von Vergänglichkeit und Zwang, besonders in der Liebe, die doch eigentlich immer positiv dargestellt wird (aber das ist sie nicht wirklich!), eben "weil immer etwas vergeht und selten etwas nachkommt". Denn "die Zeit vergeht, und wir vergehen in ihr". Ein einzigartiges Werk, das es zu sich lesen lohnt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
|
| |
|
|
| |
Kunden, die diesen Artikel angesehen haben, haben auch angesehen
|
|
Lust von Elfriede Jelinek (Taschenbuch - 2. Januar 1992)
|
|
|
| |
|
|
|