Amazon.de: Kundenrezensionen: Die Blumen des Bösen

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104 von 106 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Einbruch in die Moderne
Wie ein Blitz mag dieses Werk seinerzeit eingeschlagen sein. In einer Zeit, da man sich nicht nur in Frankreich, aber dort schon sehr, nach "Vermenschlichung" der Verhältnisse sehnte, also der Aufklärung etwas weiter Raum gab, als bisher.
Damals, in einer Umgebung der wiedererstandenen religiösen Bigotterie, wie auch immer, erstand nun in jeder Beziehung Widerstand, so...
Veröffentlicht am 28. April 2003 von Klaus Grunenberg

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versus
9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen geschändetes meisterwerk
ich bin eigentlich froh, die zweisprachige ausgabe gekauft zu haben. ich spreche zwar nicht fliessend französisch, doch es reicht allemal, um mir an der unsäglichen übersetzung von monika fahrenbach-wachendorff die krätze zu ärgern! natürlich gibt es bei jeder übersetzung reibungsverluste, aber die willkürliche, in fast jedem vers vorkommende auslassung von einem oder...
Veröffentlicht am 15. Januar 2007 von Richard Kempkens

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104 von 106 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Einbruch in die Moderne, 28. April 2003
Von Klaus Grunenberg (97447 Gerolzhofen, Bayern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REVIEWER)    (REAL NAME)   
Diese Rezension stammt von: Die Blumen des Bösen (Taschenbuch)
Wie ein Blitz mag dieses Werk seinerzeit eingeschlagen sein. In einer Zeit, da man sich nicht nur in Frankreich, aber dort schon sehr, nach "Vermenschlichung" der Verhältnisse sehnte, also der Aufklärung etwas weiter Raum gab, als bisher.
Damals, in einer Umgebung der wiedererstandenen religiösen Bigotterie, wie auch immer, erstand nun in jeder Beziehung Widerstand, so auch in der Literatur, wie z. B, der eines Beranger oder hier Baudelaires.

In dieser Ausgabe von Reclam ist nun das ganze Werk unter der Bezeichnung "Les Fleurs du Mal" schon vor einiger Zeit erschienen, aber immer noch aktuell.
Wer auch immer sich mit Literatur, besonders der europäischen Lyrik beschäftigt, wird feststellen, daß das "alte" Europa im Stande war und (hoffentlich) weiterhin ist, Wege des Menschlichen aufzuzeigen.

Aber die Wellen sind natürlich auch über den Teich geschwappt und so haben wir in der Folge erhebliche Beispiele literarischer Bemühungen gerade der Moderne und Postmoderne und Postpostmoderne bis hin zu mutigen Schriftstellern und Schriftstellerinnen heutiger Zeit aufgrund französischer Vorreiter aufzuweisen.

D a s sollte uns zu denken geben und uns immer wieder erfreuen, denn hier ist der Hebel zu einem mitmenschlichen Verhältnis zu spüren, der vielleicht einmal wichtig für uns alle werden könnte.
Daher: nicht nur das Satanische bewundern (das in jedem von uns steckt)und vor allem nicht so tun, als wäre das nun unser über alles geliebtes: "Huch-wie schröcklich", sondern die zaghaften und trotzdem mutigen Bewegungen einer Emanzipation des Menschlichen bewundern auch in diesem Werk, das viele versteckte Kleinodien menschlicher Wärmebildung und Zuversicht in sich birgt.

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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Hinweis, 1. Juli 2007
Diese Rezension stammt von: Die Blumen des Bösen (Taschenbuch)
Zu den Qualitäten von Baudelaires Werk wurde bereits von meinen Vorgängern und in unzähligen anderen Publikationen ausreichend Stellung genommen. Sie dürften außer Frage stehen. Ich möchte an dieser Stelle nur darauf hinweisen, dass es sich bei der Insel-Taschenbuch-Ausgabe mit der ISBN 3-458-318208, um die Übersetzung von CARLO SCHMID (fertiggestellt 1941) handelt. Die oben angegebene Perlentaucher-Notiz mit der darin enthaltenen Kritik betrifft dagegen die Kalkreuth'sche Übersetzung, also mithin ein anderes Buch. Bislang konnte ich zwar nur bei einer Handvoll der Gedichte eingehend Original und (drei mir vorliegende) Übersetzungen vergleichen. Doch immerhin schnitt dabei - in meinen Augen - diese Übertragung von Herrn Schmid, indem sie sich inhaltlich dicht am Original hält, ohne zu sehr an Fluss und Lesbarkeit einzubüßen, stets am besten ab. Der Wert dieser Ausgabe wäre nur noch durch Beifügung des französischen Originals und ggf. eines fachlichen Kommentars o.ä. zu steigern. Doch auch so verdienen Baudelaire und Schmid an sich schon die volle Anzahl Sterne. >>Nachtrag: Inzwischen habe ich nochmal nachgeschaut und festgestellt, dass es vom Insel-Verlag noch eine ganze Reihe weiterer Ausgaben der "Blumen des Bösen" gibt: u.a. eine sehr aufwendige, in zwei Bänden inklusive der "Der Spleen von Paris" (ISBN 3-458-161724) mit Übertragungen durch Sigmar Löffler, Fernand Nohr und Dieter Tauchmann, sowie eine Hardcover- (von 1986 ISBN 3-458-145362, ebenfalls Carlo Schmid) und eine Jubiläumsausgabe (ISBN 3-458-342710) - letztere offenbar mit besagter (und kritisierter) Übertragung durch Wolf von Kalckreuth. Leider wird bei Amazon nicht zwischen den einzelnen Büchern differenziert. Die verschiedenen Ausgaben aus dem Hause Insel werden schlicht über einen Kamm geschoren und erscheinen hier also mit denselben offiziellen und Kundenrezensionen. Nicht eben sehr hilfreich für den suchenden Laien. Wer sich daher verläßlich informieren will, sollte dazu lieber die Internet-Seiten der Deutschen Nationalbibliothek aufsuchen.
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15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen spleen et idéal, 4. Dezember 2003
Diese Rezension stammt von: Die Blumen des Bösen (Taschenbuch)
Der große französische Dichter des second empire wird uns hier in einer wunderbaren Übertragung angeboten. Alle Gedichte der Fleurs du mal, einschließlich der Unveröffentlichten und jenen, für die der Dichter und der Verleger wegen Verstoßes gegen Moral und Sitte verurteilt wurden, sind enthalten.
Baudelaire ist kein Mensch der Sachverhalte einfach ausgrdückt, seine Sprache ist vielmehr mehrschichtig, und dieses Phänomen versucht der Übersetzter auch beizubehalten, so lässt sich ein Gedicht auf den ersten Blick nicht immer leicht verstehen, jedoch bei jedem neuerlichen Lesen tuen sich neue Facetten auf. Ein Reichtum an Motiven und Begebenheiten droht den Leser zu verschlingen. Diese Lyriksammlung stellt einen Schatz fürs Lebens dar, aus dem man immer wieder darben kann, ohne jedoch etwas zum zweiten Male zu fühlen.
Schade ist nur, das der ungeübte und mit der Materie nicht vertraute Leser sofort ohne jede Einleitung den Sprachgewalten ausgeliefert wird, hier wäre eine schöne Einführung eines Fachmannes sehr hilfreich und schön gewesen.
Wie immer bleibt zu sagen, im Original ist eh alles besser, aber wenn man aufs deutsche zurückgreifen muss, dann doch bitte diese Übersetzung.
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17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Die Faszination der Medusenschönheit, 30. August 2005
Von Werner Fletcher (Delbrück Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Diese Rezension stammt von: Die Blumen des Bösen (Taschenbuch)
Es ist das Grausige und Nekrotische, also das scheinbare Gegenteil vordergründiger Schönheit, das die seltsam makabre Anmut dieses wundervollen Straußes, den Baudelaire uns hier so kunstvoll gesteckt hat, erst richtig aufblühen läßt. Und es ist der in der Wonne und in der Liebe integrierte Schmerz, der als unverzichtbarer Bestandteil jeder tiefen Empfindung erst die große Synthese hervorzurufen vermag, die menschlichem Fühlen und Denken echte Tiefe verleiht, noch dazu besprenkelt mit den ebenfalls unerläßlichen Essenzen aus dem Flakon der Verderbtheit. Baudelaires teilweise herrlichen Blumen entfalten sich also unter dem Hauch der Verwesung, es entströmt ihnen ein die Sinne erregendes Gift. Des Dichters Schönheitsideal ist das der Medusa, und wie ein gewissermaßen botanisches, floristisch arrangiertes Medusenhaupt erblüht uns dieser Blumenstrauß des Bösen.

Die, die Charles Baudelaire geprägt oder zumindest doch beeinflußt haben, waren E.TH.A. Hoffmann, Maturin, Edgar Allan Poe vor allem, Petrus Borel, der Marquis de Sade; Delacroix, was die Malerei betrifft, oder unter anderen auch Richard Wagner, was die Musik angeht. Durch die intensive Beschäftigung mit diesen Geistesgrößen hat Baudelaire das Gift schon früh in sich hinein gesogen, das später einmal seine Blumen des Bösen düngen sollte. Der Geist des Perversen schwebt über ihm von Jugend an und folgt ihm unerbittlich wie ein Schatten, was seiner Genialität natürlich keinen Abbruch tut. Seine Schwäche besteht vielleicht einzig und allein darin, daß er seiner Begabung kaum anders Ausdruck verliehen hat, als auf eine defätistische Art und Weise. Den Geschlechtsakt zum Beispiel verglich er einmal mit der Folter oder mit einem chirurgischen Eingriff, und Wollust konnte es für ihn nur geben im Bewußtsein, Böses zu tun. Er schwelgt in blasphemischen Worten, in antiklerikaler Hetzrede, obwohl er sich bewußt sein mußte, daß seine Blasphemien und Lästerungen doch lediglich diejenigen treffen können, die sich durch die Besudelung ihrer Überzeugungen bzw. ihres Glaubens verletzt fühlen, aber niemals den Gegenstand seiner Lästerungen selbst, ganz unabhängig davon, ob dieser nun überhaupt existieren mag oder nicht.

Ein beeindruckendes Dokument menschlicher Geistesgeschichte und ein Exempel überragender Dichtkunst sind sie schon, die Blumen des Bösen, doch scheint es mir fraglich, ob sie allesamt dem Verwelkungsprozeß in der unerbittlich davon rinnenden Zeit werden trotzen können.

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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Lyrik in ihrer schönsten Form, 24. Juli 1999
Von Ein Kunde
Diese Rezension stammt von: Die Blumen des Bösen (Taschenbuch)
"Ich vergleiche diese seltsamen Blumen mit den seltsamen Versen, die ein taktvoller Marquis de Sade schriebe, wenn er die Sprache der Engel beherrschte." (Paul Verlaine) Baudelaires 'Fleurs du Mal' wurde 1857 das erste Mal in Paris veröffentlicht -wenn auch nur die ersten 100 Gedichte davon- und schon bald darauf wurden die Verleger und der Dichter wegen Verletzung der Moral und der guten Sitten vor Gericht gezogen und zu Geldstrafen verurteilt. Baudelaire selbst sagte über sein Werk:"Dieses verfluchte Buch (auf das ich sehr stolz bin) muß wohl recht dunkel sein, recht unverständlich!Ich werde lange darunter zu leiden haben, daß ich das Böse mit einigem Talent darzustellen wagte." -Wie recht er damit hatte! Ein wundervolles Werk mit noch wundervolleren Gedichten, die mit ihren Metaphern und ihrer Symbolik den Geschmack eines blutigen Pfirsichs im Munde des Lesers hinterlassen.Ein Dichter, der seine Kunst verstand. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen geschändetes meisterwerk, 15. Januar 2007
Diese Rezension stammt von: Die Blumen des Bösen (Taschenbuch)
ich bin eigentlich froh, die zweisprachige ausgabe gekauft zu haben. ich spreche zwar nicht fliessend französisch, doch es reicht allemal, um mir an der unsäglichen übersetzung von monika fahrenbach-wachendorff die krätze zu ärgern! natürlich gibt es bei jeder übersetzung reibungsverluste, aber die willkürliche, in fast jedem vers vorkommende auslassung von einem oder zwei begriffen, nur um das versmass zu erhalten: das ist schlechter stil! ich schlage nach dem zufallsprinzip auf: "viens, mon beau chat, sur mon coeur amoureux" liest sich auf deutsch: "komm an mein herz, mein schönes katzentier" katzentier!? und was ist mit "amoureux"? macht es mich zum pedanten, dass ich hier ein adjektiv vermisse?

die fulminanten worte des meisters selbst bedürfen nicht meiner empfehlung. wer auch nur mässig französisch versteht und nicht 100% auf die übersetzung angewiesen ist, sollte zugreifen! schade nur, dass ein so entscheidendes werk keinem begabteren deutschen nachdichter anvertraut wurde. es hinterlässt bei mir einen bangen zweifel an den vielen übersetzten büchern, die ich bisher gelesen und genossen habe, speziell den gedichten. und ich frage mich, ob manche klassiker der weltliteratur, die auf mich einen mässigen eindruck gemacht haben, in wirklichkeit schlampigen und bornierten herausgebern zum opfer gefallen sind. reclam, j'accuse!
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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen Ausgaben vergleichen! Ärger sparen!, 22. Oktober 2007
Diese Rezension stammt von: Die Blumen des Bösen (Taschenbuch)
Es wurde schon angedeutet, dass je nachdem welche Ausgabe von "Die Blumen des Bösen" man erwischt, die Freude am Lesen des Gedichtbandes sehr differenzieren kann. Die Übersetzung scheinen hier von Ausgabe zu Ausgabe sehr unterschiedlich. Deshalb einen kurzen Abriss:

Vorneweg: Die Übersetzung von CARLO SCHMID (ISBN 3-458-318208) scheint hier noch eine der gelungeren zu sein, zumindest laut einem meiner Vorrezensenten.

Ich habe die Übersetzung von von Monika Fahrenbach-Wachendorff erwischt (reklam, deutsch/französisch, ISBN-10: 3150099730 bzw. ISBN-13: 978-3150099735). Leider! Denn ich muss sagen, dass diese Übersetzung eine echte Zumutung ist. Der Sinn wird durch die teils sehr freien und weit von Baudelaires Ursprungs-Text entfernten Interpretationen Fahrenbach-Wachendorffs sehr entstellt. Zu großen Teilen auch nur um den End-Reim und das Versmaß zu erhalten, die Prägnanz von Baudelaires Sprache geht verloren durch umständliche und ungeschickte Formulierungen im Deutsch von Fahrenbach-Wachendorff. Diese zweisprachige Reklam-Ausgabe ist nicht zu empfehlen, einziger Lichtblick ist der mitabgedruckte Original-Text.
(Bei Reklam ist anscheinend noch eine rein deutsche Überstzung des Bandes erschienen, die hier in den Kritiken anscheinend ganz gut wegkommt. Ob es sich hierbei um den Abdruck desselben Übersetungsdebakels von Fahrenbach-Wachendorff handelt ist mir nicht persönlich bekannt. Nach Recherche auf der Reklam-Homepage konnte ich aber feststellen das es mit dieser fehlerhaften Übersetzung drei Ausgaben des Reklam-Verlages gibt: erstens ISBN 978-3-15-059973-0, zweitens: ISBN 978-3-15-005076-7 (aha, das eben erwähnte einsprachige Reklam-Heft) und drittens: ISBN 978-3-15-009973-5, das oben erwähnte zweisprachige Exemplar. Fazit: Reklam und Baudelaire-Übersetzung gehen aus Käufersicht zusammen wohl nicht klar).

Ebenfalls schlecht ist eine andere zweisprchige Ausgabe in der Übersetzung von Friedhelm Kemp (dtv-Verlag, ISBN-13: 9783423123495, bzw. ISBN-10: 3423123494). Ähnlich wie bei Fahrenbach-Wachendorff ist Kemps Sprache im vergleich zum Originaltext sinnentleert und überträgt nichts vom Reiz des Originals ins Deutsche. Stellenweise wird frei dazuerfunden oder einfach nur schlecht übersetzt. Auch dies, nicht zu gebrauchen.

Anscheinend ebenfalls weiter weg vom Original-Text übersetzt, ist die Übersetzung von Wolf Graf von Kalckreuth (siehe perlentaucher.de-Kritik), in den Händen gehalten habe ich diese Ausgabe aber noch nicht persönlich.

Ebenfalls keine Kritik kann ich mir über die Ausgabe aus dem Patmos-Verlag erlauben (ISBN-13: 978-3491961333). Sie sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Fazit: Abschließend scheint es, dass zweisprachige Ausgaben von "Die Blumen des Bösen" inklusiver einer annehmbaren Übersetzung noch Mangelware am Buchmarkt sind.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Charles Baudelaire und der Beginn der modernen Poesie in Frankreich und Europa, 23. November 2006
Diese Rezension stammt von: Die Blumen des Bösen (Taschenbuch)
Mit Charles Baudelaire beginnt die Moderne in der Poesie. Denn bei ihm werden in feierlichen und hehren Versformen, die sich bislang nur für ebensolche Ereignisse und Vorgänge geziemten, plötzlich die unteren Schichten des Volkes, ihr Leben und Denken beschrieben: die Liebe zu einer Dirne und der Schmerz über ihren Tod, vom Lob des Mords an der Freundin gesprochen und vom göttlichen Teufel, der in den Höhen thront und über den der Dichter ob seiner Macht des Lobes voll ist. Also erstmals in der Geschichte der Poesie moderne Gedichte, die die Erniedrigung des Menschen und seine Unterdrücker in feierliche Worte bringt und damit nicht einfach nur zu Lob des Negativen wird (wie man glauben könnte), sondern das Feierliche und Lobhudelnde über den stummen Gräbern von Drangsal, von Unterdrückung und Krieg, von Verelendung und ganz gemeinem Tod entlarvt, ausstellt und anprangert. Mit diesem Band aber beginnt nicht nur diese moderne Form der Poesie, sondern mit ihm erhalten wir ein Buch, das zu lesen lohnt, nicht zuletzt wenn einen die Geschichte der modernen Poesie interessiert. Dazu in einer sehr guten Übersetzung.

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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Gnadenlose Enthüllung der menschlichen Seele!, 28. April 2005
Diese Rezension stammt von: Die Blumen des Bösen (Taschenbuch)
Als ich zum ersten Mal "Les fleurs du mal" las, traf es mich wie ein Donnerschlag. Noch nie war ich durch ein Werk so bewegt gewesen. Es war als hätte Beaudelaire diese Verse vor 150 Jahren für mich geschrieben.
Seit damals habe ich sie wie besessen immer wieder und wieder gelesen, erst in Deutsch und dann auch in Französisch.
Kein Tag vergeht an dem ich mir nicht zu mindest ein Gedicht Wort für Wort, Zeile für Zeile auf der Zunge zergehen lasse. Sie sind mir Trost und Genuß, Schmerz und Leid, ein Quell der tiefsten Gefühle.

Die Blumen des Bösen sind der Inbegriff der Dichtkunst, unerreicht in ihrer künstlerischen Qualität und grausamen Schönheit.

Charles Beaudelaire est le vrai maître de la poesie!

(Diese Übersetzung ist übrigens eine der besten, die derzeit erhältlich sind, aber dennoch kein Vergleich zum Original.Jeder, der französisch kann, sollte les fleur du mal unbedingt im Original lesen.)

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12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen ein Eldorado ist's, vom Schicksal vorbestimmt, 25. April 2007
Diese Rezension stammt von: Die Blumen des Bösen (Taschenbuch)
##
Baudelaire (1821-1867) ist einer der größten französischen Lyriker, ebenso Wegbereiter der lyrischen Moderne. Einfluss übte er auf Verlaine, Rimbaud, Mallarme, George und insbesondere Valery. "... Absicht, ein großer Dichter, doch weder [...], noch Hugo, noch Musset zu werden" so sagte Valery und gibt hier bereits Harold Bloom Recht, der die Frage der Vorgänger bestens analysierte. Baudelaire vermiet es zeitlebens, seinen Vorsatz zu benennen, Hugo zu überflügeln und selbst an die Spitze zu kommen, um ewig zu werden. Und doch waren sie da, diese Zeilen, "ein Vers, der sich an tausend andere ficht." (von Hofmannsthal) Wer das Ozeanische (Romain Rolland), die Empfindung der Ewigkeit, austrocknen lässt als Dichter, wird an Land geschwemmt, wer aber bis zum Hals im Wort steckt, dem schlägt die Stunde der wirklichen Geburt, ihm entsteht der dichterische Neubeginn, aus der empfundenen Hoffnungslosigkeit entsteht ein Metaleben, in dem Liebe und Tod um ihre Beute kämpfen. So ist Baudelaire.

Baudelaire hat mit Lesern gerechnet, die die Lyrik vor Schwierigkeiten stellt. Und so widmet er sich einleitend in diesen "Les Fleur du mal" an seine Leser, denen Willenskraft und Vernunft nicht das zu geben vermögen, was sinnliche Genüsse versprechen. Seine Leser sind mit dem Spleen vertraut, der allem Normalen den Garaus macht. Baudelaire wollte letztendlich verstanden werden, und so beginnt er betont freizügig vom "sündigen Begehren" zu sprechen und Reue als "holden Zeitvertreib" zu definieren. "Es ist Überdruss!" so widmet er sich dem Leser und bindet ihn gleichsam in seine Lyrik. Er schließt sein Eröffnungsgedicht: "Mein Leser, Heuchler du, - mein Bruder, - meinesgleichen!"

Und nun folgen 131 Gedichte, aufgeteilt in Spleen und Ideal, Bilder aus Paris, Der Wein, Blumen des Bösen, Aufruhr und Der Tod.

Ein Massenerfolg lyrischer Poesie ist nach Baudelaire in dieser Menge nicht mehr vorgekommen. Selbst Hugos Lyrik fand nicht diese Resonanz, vielleicht noch das "Buch der Lieder" von Heine. Und darum sind die Blumen des Bösen ein Mach(t)werk, etwas, was hilft im Gegenpart, das Gute zu erkennen. Diese negative Dialektik kann man bei Baudelaire finden, da wo 1902 bereits Stefan George mit der ersten Übersetzung das schier Unfassbare ins Deutsche brachte. Und doch scheint es nur unfassbar in der bürgerlichen Meinung, das baudelairesche Schocken ist eben der direkte Weg, Beachtung zu finden. Seine Erlebnisse in Paris bestimmten Rilkes Malte, seine Sucht ("ich wurde von der Pfeife geraucht"), sein Spiel und er findet im Gedicht die Lösung. "Das Spiel" will nach Walter Benjamin, von keiner gesicherten Position wissen. Das Spiel, im Gegensatz zur Arbeit, macht mit dem vergangenen Leben kurzen Prozess. Und Spleen, Benjamin sagt, es sei der Staudamm gegen den Pessimismus. Baudelaire kann in der Tat kein Pessimist sein, ist er doch nur der Gegenwart verschrieben, sein Tabu, wenn er eines hat, gilt der Zukunft. Er war nicht wie Verlaine, "der in die Devotion (Anm. Frömmigkeit) flüchtete" (Benjamin), noch hatte er die Jugendkraft des lyrischen Elans eines Rimbauds (ausdrücklich empfehle ich seine Dichtung, siehe Rez.).

"Ihr Menschen, ich bin schön! ein Traum in Stein gehauen; [...] doch in dem Dichter ruft sie eine Liebe wach", so berichtet CB über Schönheit und sucht am Ende den Blick, das Auge als Spiegel "aller Schönheit Quelle." Doch sieht er die Erwartung, die dem Menschen entgegendrängt als leer, denn den Augen ist der Glanz verloren, ein Reiz hat sie noch umfangen, im Banne seiner Augen hat sich Sexus vom Eros losgesagt, seine Verse der seligen Sehnsucht wechseln zur klassischen Liebe, mit einer Aura gesättigt und allen fernen Blicken nah:

"So bete ich dich an wie nachts den Sternenreigen,
O Schrein der Traurigkeit, o du mein tiefes Schweigen,
Und liebe dich je mehr, je ferner du von mir:
Je mehr es mir so scheint, du meiner Nächte Zier,
Als wollte mir zum Hohn die Räume du noch weiten,
Die meinen Arm getrennt von blauen Ewigkeiten."

Baudelaire ist blicklosen Augen verfallen und begibt sich ohne Illusionen in ihren Machtbereich. Diesem einen Werk hat Baudelaire all seine Kraft gewidmet, sein produktives Vermögen liegt hier, unbeirrbar in seiner Poesie, die er in der Absicht, "eine Schablone zu kreieren", verfasst hat - als Kondition eines jeden zukünftigen Lyrikers. Zerbrochen am Ende, das Gesetz seiner Poesie, "als ein Gestirn ohne Atmosphäre". (Nietzsche), wo "Polster tief wie Gräber sind", wo die letzte Reise "laut verkündet, ein Eldorado ist's, vom Schicksal vorbestimmt; / erkennt zu spät, dass nur ein Fels im Meere schwimmt."
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