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Der Prozeß: Kein Gerichtsroman...
Bei Kafka scheiden sich die Geister: man kann ihn lieben, oder man wird seinen Texten immer mit Unverständnis gegenüberstehen. Dazwischen gibt es fast nichts. Wer ihn in der Schule lesen *muss*, wird in hassen, wer ihn lesen will, dessen Leben kann er für immer verändern. Ein Einstieg in Kafkas Werk kann sicher über viele Wege erfolgen, „Der Prozeß ist sicher...
Am 15. September 1999 veröffentlicht
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
?????????
Wer bei einem Buch auf Antworten aus ist, wer bei einem Buch auf ein schlüssiges Ende wartet ist, wer bei einem Buch nicht nachdenklich zurückgelassen werden will ist ---- bei diesem Buch falsch.
Das Buch wirft einen in eine Situation die man nie richtig verstehen kann und nicht wirklich dahinter kommt was überhaupt passiert ist.
"Der Prozeß" ist ein...
Vor 10 Monaten von A. veröffentlicht
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› Weitere Rezensionen anzeigen: 3 Sterne, 2 Sterne, 1 Sterne |
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18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Der Prozeß: Kein Gerichtsroman..., 15. September 1999
Von Ein Kunde
Bei Kafka scheiden sich die Geister: man kann ihn lieben, oder man wird seinen Texten immer mit Unverständnis gegenüberstehen. Dazwischen gibt es fast nichts. Wer ihn in der Schule lesen *muss*, wird in hassen, wer ihn lesen will, dessen Leben kann er für immer verändern. Ein Einstieg in Kafkas Werk kann sicher über viele Wege erfolgen, „Der Prozeß ist sicher nicht der schlechteste. Der inhaltliche Ablauf ist bekannt: K. wird, ohne sich einer Schuld bewußt zu sein, verhaftet, und versucht verzweifelt wie erfolglos, seine Verteidigung vorzubereiten. Was er dabei erlebt, ist im klassischen Sinne 'kafkaesk'. Alle Bemühungen laufen ins Leere, prallen an einer sinnlosen Realität ab, gegen die der doch eigentlich stets rational und vernünftig agierende K. nichts entgegenzusetzen hat, vergleichbar mit der Situation in einem Traum, in der die groteskesten Situationen vom Träumenden widerstandslos akzeptiert werden und alle eigenen Versuche nur ein Stolpern von einer Unmöglichkeit in die nächste hervorrufen. Im Gegensatz zu „Das Schloß", das durchgehend au einem prinzipiell realen Niveau bleibt (na, weitgehend jedenfalls), finden sich im „Process" tatsächlich Situationen die der Realität augenscheinlich entgegenstehen. Der Verlauf des Romans erzeugt eine durchgehend beklemmend Atmosphäre, die Spannung bleibt aufrechterhalten, obwohl es über den Ausgang doch keinen Zweifel geben kann. Die Fassung des Urtextes ist nur zu empfeheln, da die manchmal abweichende Interpuktion niemals stört, sondern im Gegenteil oft eine beabsichtigte Kontinuität verdeutlicht. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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23 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
äähh...ja! Das stimmt!, 19. Januar 2003
Nun, was soll man sagen...ich komme mir schon sehr anmaßend vor, als abgehalfterter Student so ein Werk überhaupt zu "bewerten". Es ist wirklich, wie ein anderer Rezensent hier schreibt: Kafka kann das Leben des Lesers verändern. Und meines hat er ganz definitiv verändert, hat Fenster zur Welt aufgestoßen, von deren Existenz ich vorher überhaupt nicht wußte. Nach der Lektüre mancher Bücher denkt man, nun viel schlauer und wissender zu sein. Bei der Kafka-Lektüre läuft es umgekehrt: danach ist alles offener, unermeßlicher, geheimnisvoller, als man es für möglich gehalten hätte. Sicher liegt das an Kafkas offenem Stil, der den Leser quasi Schritt für Schritt in dessen Inneres lockt, so dass jeder Kafka-Roman für einen jeden Menschen wohl eine ganz und gar einzigartige Erfahrung ist auf Grund der weit reichenden individuellen Melodie, die Kafka den Leser geradezu zu komponieren zwingt. Der wahre Inhalt steht hier nicht in, sondern zwischen den Sätzen, zwischen den Wörtern, die einem so schön im Kopf klingen, zwischen dem, was Sagbar ist. Und das ist wirklich...sehr groß.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Absolut beängstigend, 26. Juni 2006
Eines vorneweg: so ein trauriges und deprimierendes Buch habe ich noch nie gelesen. Jetzt sollte man meinen, warum man ein solches Buch lesen oder gar gut finden sollte. Ganz einfach: weil es viel interessanter, aufwühlender und lehrreicher ist als jeder 1000seitige Krimi/Thriller der heutigen Zeit. Typisch für Kafka sind wieder die sehr langen, verschachtelten Sätze, welche gut zur Geschichte passen, da so die Hilflosigkeit, der K. ausgesetzt ist, noch besser zur Geltung kommt. Die Sprache ist oft sehr bildhaft(vgl. Kapitel 'Im Dom') und man kann hier viel hineininterpretieren. Aber das kann jeder für sich selbst entscheiden. Der Prozeß ist auch deshalb so aufwühlend und spannend, weil man manchnal auch sich selbst(als die Person Josef K.) darin erkennt. Natürlich ist das Buch nicht für jedermann geeignet, da es sehr deprimierend ist, und deshalb schwer zu ertragen, aber wer sich für psychoanalytisches Denken interessiert oder einfach mal etwas anderes, abseits leichter Unterhaltung, lesen möchte, der sollte es nicht versäumen. Eigentlich sollte es jeder gelesen haben. Bis denn
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Schuldlos schuldig, 21. März 2007
In dem Roman "Der Prozess" behandelt Franz Kafka einen aussichtslosen Fall der Justiz. Der Bankangestellte Josef K. gerät in einen Prozess, dessen Ursache er nie erörtern wird und alle seine Versuche, sich aus dem Schlamassel herauszuholen, ziehen ihn nur umso stärker hinein und am Ende wird er sich kaum der Todesstrafe entziehen können.
Der Roman ist auf eine nicht leicht zu beschreibende Weise ergreifend.
Kafkas "Held" K. lässt sich immer mehr in ein System aus Justiz und Bürokratie ziehen, was irgendwie nebulös erscheint - so etwa die Gerichtskanzleien in der dumpfen Luft der Dachböden, die unerreichbaren "höheren Richter", die nie erblickbare Anklagebehörde. Gleichzeit jedoch ruiniert er aber auch in zunehmendem Maße seine gefestigte Existenz und tilgt kontinuierlich jegliches Realitätsbewusstsein aus.
Der Roman ist alles andere als leichte Unterhaltung. Er ist auch nicht als "Pausenfüller" geeignet.
Doch für den, dem Lesen nicht nur qualvolle Pflichterfüllung oder bedingt brauchbares Mittel gegen die Langeweile ist, präsentiert er sich als echte Bereicherung. Jeder Dialog ist ein Meisterwerk.
Fazit:
"Der Prozess" ist ein spannendes Werk und sehr klar und nüchtern geschrieben. All die Dinge, die Kafka beschreibt, erscheinen real und doch fantastisch und absurd.
Es ist sicherlich kein Roman für jemanden, der normalerweise nur Grisham, Irving und andere moderne Bestseller liest. Das Lesen des Werks erfordert - bedingt durch den einzigartigen Stil Kafkas - einige Anstrengung, auch von dem, der sprachlich und inhaltlich komplexe Bücher gewohnt ist.
Das Buch ist eher nicht spannend, es ist fesselnd. Kafka selbst bezeichnete seine Erzähltechnik als "Gefangennahme des Lesers", und dieses Vorhaben gelingt ihm sehr eindrucksvoll.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Beängstigend, 8. März 2005
Von Ein Kunde
Vielleicht der beste der drei Kafka-Romane. Eine der besten Abhandlungen zum Thema Angst. Angst vor dem Unbekannten, vor dem Allmächtigen, vor der Kontrolle. Aber vor allem existenzielle Angst: die Angst davor, eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens in der Formulierung "es gibt keinen" zu finden. Joseph K lebt in einem Labyrinth, dessen Eingang er nicht kennt und das keinen Ausgang hat. Jede Tür führt in einen neuen Gang, jede Bekanntschaft vermittelt ihm nur die Illusion, Hilfe zu erhalten. Er wird angeklagt, erfährt aber bis zum Ende nicht, wofür. Kafka sagte: "Die Fesseln der gequälten Menschheit sind aus Kanzleipapier gemacht". Eine der großen Wahrheiten des 20. Jahrhunderts, aber viel mehr noch ist "Der Prozess" mit seiner erschreckend hoffnungslosen Grundstimmung eine große Wahrheit der Menschheit.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Ein niemals stattfindender Prozess in einer Scheinrealität, 20. September 2001
Josef K. wird aus unbekannten und gleichsam unbegreiflichen Motiven verhaftet und in eine obskure und sinnlose Maschinerie jenes Prozesses hineingezogen. Da wird er vor ein Tribunal im Hinterzimmer eines Hauses in zweifelhafter Umgebung geladen, wo er wegen seiner Unkooperativität getadelt wird, als er dieses Zimmer zu einem anderen Zeitpunkt aufsucht, wohnt dort eine heruntergekommene Frau, die ein Verhältnis mit einem Anwärter für einen Richterposten hat. Josef K. gerät in groteske Szenarien, er selbst ist sich über die Punkte der Abklage im Unklaren, dennoch scheinen alle seine Bekannten von seinem Prozess zu wissen und reden ihm die Notwendigkeit eines unbedingten Einsatzes für diesen ein. Ein Onkel reist sogar extra wegen dieses Prozesses nach Prag und vermittelt ihm die zweifelhaften Dienste eines an das Krankenbett gefesselten, wohl aber im Führen von Prozessen versierten Advokaten, mit dessen Bediensteter Leni der Protagonist der Erzählung ein belangloses Verhältnis beginnt. Später kündigt Josef K. dem Anwalt, da dessen Bemühungen keinen sichtbaren Fortschritt im Verlauf des Prozesses erbringen. Er trifft auf merkwürdige Menschen, macht auf Empfehlung eines Kunden die Bekanntschaft eines Malers, der die untersten Richter porträtiert und ihn über die Möglichkeiten, mit einem solchen Prozess zu verfahren unterrichtet. Auch dieser wohnt in einem Hinterzimmer, in welches ständig eine Schar frecher Gören einzudringen versucht, der Maler schenkt ihm schließlich zahlreiche Kopien ein und desselben Gemäldes. Es gibt auch eine seltsame Szene in einer Kirche, wo ein Mann ihm wiederum interessante Mitteilungen über seinen Prozess macht, hierbei eine an Metaphern reiche Sprache benutzt. Der Roman endet mit der Erschießung von Josef K. in einem Steinbruch durch zwei groteske Figuren. "Wie ein Hund", lautet der letzte Ausspruch in diesem Buch. Der Prozess ist eine Erzählung in welcher ein Autor eine Gratwanderung wagt und diese auch bewältigt, nämlich das Pendeln zwischen den Szenarien des Prozesses, allesamt unwirklich und doch erschreckend real anmutende Szenarien, sowie dem tristen und reglementierten Tagesablauf in der Bank, wo jedoch mehr und mehr in den Prozess involvierte Personen auftauchen. Besonders abstrus ist in diesem Zusammenhang die Szene, in welcher Josef K. der Bestrafung seiner Wächter vom Tag der Verhaftung in den Räumlichkeiten der Bank beiwohnt. Kafka gelingt dieses Experiment, die Handlung erscheint weder in allen Phasen träumerisch und surealistisch, noch ständig wirklich und echt, Kafka hat fast alle seine Szenen irgendwo in der Mitte plaziert und hinterläßt den Leser fragend ob Josef K. nun träumt oder nicht. Die Interpretation des Prozesses läßt viele Möglichkeiten offen, eine Kritik am deutschen Beamtentum ist sicher nur ein Teilaspekt,eine Darstellung eines religiösen Tribunals ist ebenfalls nur eine mögliche Deutung. Vielleicht ging es Kafka um die Schilderung der Unentrinnbarkeit menschlichen Schicksals, der Unbedingtheit bestimmter Ereignisse, der Unsinnigkeit jeglicher Bemühungen, die Abkehr von der Hoffnung. Ein atheistischer Roman? Vielleicht.Doch die ungeheure Kraft dieses Buches liegt darin, daß es so viele Möglichkeiten der Deutung offenläßt, zwar in einer morbiden Realität spielt, die jedoch einer ungeheuren Komik nicht entbehrt. Der Leser ist geneigt, Josef K. zu bedauern und auch zu belächeln. Der Prozess ist eines der Bücher, die ich noch einmal lesen werde, Kafkas Sprache ist so glasklar und schnörkellos, wie sie nur ein gelernter Jurist fertigbringen kann. Oh ja, der Prozess ist absolute Weltliteratur, ein Buch das anspricht, aber nicht immer unterhält - übrigens keineswegs eine Pflichtaufgabe guter Literatur. Viele Autoren werden mit Franz Kafka verglichen, viele Situationen als kafkaesk bezeichnet, kaum ein Autor hat so sehr den Weg in die reale welt seiner Leser gefunden wie Kafka mit seinen leicht neben der Wirklichkeit spielenden Romanen. Mehr davon!
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9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
K. Prozeß, der Prozeß eines jeden von uns, 17. Oktober 2002
Eigentlich habe ich das Buch nur wegen meinem Freund gelesen. Eigentlich dachte ich, Kafka wäre verrückt. und doch bin ich jetzt, wo der Prozeß zu ende ist, fasziniert von diesem unbeschreiblichen Meisterwerk. Josef K. wird eines Morgens verhaftet, niemand scheint zu wissen warum, sicher ist nur dass eine Freilassung so gut wie unmöglich ist. Soviel zum Inhalt. Aber was erfährt man zwischen den Zeilen? Nicht etwa dass Kafka die Bürokratie anklagt, wie die meißten flachen Interpreationen sagen, nein, der Leser erfährt genau das, was er schon lange wissen wollte; Über sich und seine Umwelt, die Gesellschaft und das Leben. Den gerade das ist das faszinierende an Kafka, dass er keine leeren Reden und Anschuldigungen macht sondern seine Bücher so geschickt schreibt dass sie auf jeden einzelnen Menschen zutreffen. Jeder führt seinen eigenen Prozeß...
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Ein packendes Stück Weltliteratur., 2. Oktober 2008
Es ist im Grunde genommen ein wenig albern, hier ein paar amateurhafte Sätze zu hinterlassen, die dieses Werk in irgendeiner Form angemessen bewerten sollen. Genau genommen ist es ziemlich anmaßend. Über Kafka und dieses Buch haben Germanisten tausende von Seminarvorträge, Magisterarbeiten und Dissertationen verfasst. Das Thema ist von allen Seiten professionell ausgeleuchtet, es existieren Regalmeter an Sekundärliteratur. Es kann also hier nur darum gehen, einen spontanen Eindruck wiederzugeben, der dem einen oder anderen, der den "Prozeß" tatsächlich noch nicht gelesen hat, eine Hilfestellung sein mag.
Ich habe nach rund 15 Jahren wieder zu dem Buch gegriffen - einfach um zu sehen, ob ich es nicht unangemessen verklärt hatte und meine Begeisterung der damaligen Jugend geschuldet war. Um es kurz zu machen: Es hat mich sofort wieder gepackt. Kafka schafft es, in wenigen Sätzen eine beklemmende und fesselnde Atmosphäre zu erzeugen. Das ganze ist traurig, bewegend, begeisternd und niemals langweilig. Ich bin tatsächlich erstmals seit Jahren wieder von einem Buch in den Schlaf verfolgt worden - "Der Prozeß" rief finsterste Träume hervor, wie es Thriller niemals schaffen.
Zwei Bemerkungen noch:
- Ich will hier wirklich nicht in die Interpretation einsteigen. Aber wer in diesem Buch in erster Linie eine Kritik an Justiz und Bürokratie sieht, sollte nochmal zwei, drei Minuten länger nachdenken.. ;o)
- Es ist sensationell und auch erschreckend, wie wenig sich in der Arbeitswelt seit 1920 geändert hat. Die Beschreibung der Atmosphäre in der Bank, die Konkurrenzkämpfe, die Angst, Schwächen zu zeigen - all das könnte sich genauso in unserer Zeit zutragen.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Wo ist der Richter? Wo ist das hohe Gericht?, 24. Mai 2004
Die Idee könnte besser nicht sein: Einem junger Bankier, dem Leser nur als Josef K. bekannt, wird eines Tages aus heiterem Himmel mitgeteilt, dass er verhaftet sei. Ohne den Grund hierfür zu benennen und auch ohne ihn in ein Gefängnis zu bringen, lässt man Josef K. sein Leben wie gewohnt weiterleben - mit der einzigen Einschränkung, dass eben nun offiziell ein Prozess gegen ihn laufe. Das Buch begleitet K.'s Versuche, seinen Prozess, von dem er selbst kaum etwas weiß, so gut als möglich zu führen. Merkwürdige, zwielichtige Gestalten -von einem greisen Anwalt bis hin zu einem unbedeutenden Gerichtsmaler und schließlich sogar dem Gefängniskaplan- versuchen ihn dabei zu unterstützen. Kafkas völlig schnörkellose und sachliche Art des Schreibens überzeugt, unnötige und störende inhaltliche Ausschmückungen bleiben völlig aus. Dennoch wird dem Leser viel Geduld abverlangt, da das Buch nach einem wirklich phänomenalem Anfang schnell in der Spannungskurve absackt. Stattdessen wird in der zweiten Hälfte des Buches Kafkas surreale und expressionistische Weltsicht überdeutlich, wofür auch das in jedem Fall unerwartete Ende ein Beleg sein mag.
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10 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Kafkas "Prozess" - Für mich eine gigantische Karikatur, 4. Juli 2002
Primär lese ich Kafkas "Prozess" als einen expressionistischen Roman, in dem fast alles abstrakt, rätselhaft, unkenntlich erscheint. Darüber hinaus erweist sich diese "Vision des 20 Jahrhunderts" einmal mehr als eine gigantische Karikatur auf den systemabhängigen Menschen der industrialisierten Moderne. Kafka karikiert das Aussehen und die Handlungen der Personen im Roman. Er bezieht sich aus der, wiederum einsinnigen Erzählweise des Protagonisten Josef K., fast ständig nur auf Nebendarsteller, die, wie man genau zu erkennen vermag, den Großteil der Kapitelüberschriften füllen. Daraus resultiert zwangsläufig ein Querschnitt von scheinbar verschiedenen Individuen, die jedoch eines vereint: die Kritik an die bedingungslose Isolation der Menschen voneinander, die heraustritt aus dem imaginären Prozess, der für mich nur als unverständliche, aber gerade deshalb als deutliche Kontrastfolie zu den hier karikierten Personen zurücktritt. Er ist die abstrakte Begleiterscheinung der Kritik. Das zeigt sich zum Beispiel an der "Prügler-Szene", in der die zwei Wächter, welche Josef K. gefangen genommen hatten, verprügelt werden, weil sich jener Gefangengenomme bei einer ersten Anhörung vor dem Gericht über die Wächter beschwert hatte. Josef K. ist zufälliger Beobachter dieser abstrus und grotesk wirkenden Szene, die abweichend von der alles erfüllenden Abstraktheit des Romans erstaunlich konkret-physisch bleibt. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: Die Wächter werden prügelnd bestraft. Jedoch gibt es keinen kausal-stringenten Zusammenhang zwischen Beschwerde und vollzogenem Urteil. Hier zeigt sich wiederum die Isoliertheit, die sich im Medium des Prozesses auflöst. Sie bleibt aber insofern in der Szene erhalten, als ein in die Beobachterrolle zurückgedrängter K. hilflos und reflektierend konkret und damit wirklich faßbar von den Wächtern abgekrenzt, entfremdet, eben isoliert wird. Deshalb kann die Frage nach dem Warum des Prozesses nie gestellt werden. Sie braucht sich nicht zu stellen, denn die unfaßbare, unbegreifbare Komplexität unserer Existenz, ihre Verselbstständigung, unahbhängig unseres Zutuns, bleibt ebenso gegenwärtig wie "Der Prozess" Genau wie wir im Verstehensfortgang dieser Existenz scheitern müssen, scheitert der Protagonist Kafkas an dem Versuch, den Prozess zu begreifen.
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