Amazon.de: Kundenrezensionen: Leonce und Lena: Ein Lustspiel

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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Anspielungsreiche Komödie
Mit "Leonce und Lena" hat Georg Büchner ein Stück geschrieben, das auf den ersten Blick wie eine typische romantische Komödie anmutet, sich jedoch schnell auch als bissiges Porträt der Zeit um 1830 entpuppt. Das Leben des jungen Kronprinzen Leonce ist geprägt von Langeweile und melancholischen Phasen, bis er sich entschließt, das Schloss zu verlassen, um der von seinem...
Veröffentlicht am 20. September 2006 von Rolf Dobelli

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versus
19 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen Ziemlich seltsam
Büchners einziges Lustspiel ist nur auf den ersten Blick lustig. Geschrieben für einen Wettbewerb, wobei er allerdings den Einsendeschluß verpaßte und sein Werk ungeöffnet zurückbekam, erinnert das Stück an seine frühere Flugschrift "Der Hessische Landbote". Sarkastisch betrachtet er die Sinnlosigkeit höfischer Rituale und die allgegenwärtige...
Am 4. September 1999 veröffentlicht

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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Anspielungsreiche Komödie, 20. September 2006
Mit "Leonce und Lena" hat Georg Büchner ein Stück geschrieben, das auf den ersten Blick wie eine typische romantische Komödie anmutet, sich jedoch schnell auch als bissiges Porträt der Zeit um 1830 entpuppt. Das Leben des jungen Kronprinzen Leonce ist geprägt von Langeweile und melancholischen Phasen, bis er sich entschließt, das Schloss zu verlassen, um der von seinem Vater geplanten Hochzeit mit Prinzessin Lena zu entgehen. Auf der Flucht treffen Lena und Leonce durch Zufall aufeinander und verlieben sich - ohne voneinander zu wissen, wer sie sind. Erst als sie inkognito vermählt werden, müssen beide erkennen, dass sich genau das erfüllt hat, wovor sie eigentlich geflohen sind. Büchners Stück ist ein wahrer Katalog von literarischen Zitaten und Verweisen, den zu durchdringen am Anfang etwas mühsam ist. Der relativ kurze Text verschließt sich einer eindeutigen Interpretation. Er bietet mit seinen zahlreichen Anspielungen bei jedem Lesen neue Eindrücke und gilt heute als eine der wichtigsten Komödien der deutschen Literatur.
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21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Worte, dem Zufall überlassen und doch trefflich , 21. Oktober 2006
Aus Geldnot hatte Büchner (*1813) dem Cotta-Verlag den für ein Preisausschreiben geforderten Ein- bis Zweiakter eines Lustspiels zugesandt, allerdings zu spät. Die Veränderung in späteren Jahren zum Dreiakter erschien 1838, ein Jahr nach seinem Tod.

Ein skurriles Stück, man spürt eine Lust Büchners an Worten, Sätzen, Parodien und Querverweisen auf die Literatur. Ein Narrenstück, könnte man meinen, wo doch schon Shakespeare das Intro gab aus "Wie es Euch gefällt". Und diese übernommene Botschaft vermag der Anlass der Parodie, der Persiflage gewesen sein, über die Lächerlichkeit und Langeweile einer höheren Gesellschaft zu schreiben, deren höchste Beschäftigung, Müßiggang heißt und deren beste Fertigkeit das Nichtstun ist. Spritzige Bemerkungen unterlässt Büchner an keiner Stelle, übertreibt jedoch nicht, sondern verfällt passend in die Beschreibung der Nachlässigkeit der Personen in Verbindung mit deren freien Willen. Über Langeweile: eine der schönsten Beschreibungen in der Literatur ist hier zu finden. Und gleichzeitig ist die Aktion dagegen eine Kopfgeburt wunderbarer und phantastischer Freiräume, die es gilt auch mit Gedanken der Leere zu füllen. (vgl auch Rede von W. Genazino zur Verleihung des Büchnerpreises) Über Liebe: eine Beerdigung im Kopf. Aber man sollte sich Zeit für die Liebe nehmen, oder "die Zeit kann uns die Liebe nehmen."

Eingebettet sind all die Gedanken und Wortspiele in ein Spiel der Liebe. Angelehnt aber contrapunktiert an Shakespeares Romeo und Julia sollen zwei Menschen Leonce, Prinz aus dem Reiche Popo und Lena, Prinzessin aus dem Reiche Pipi, miteinander verheiratet werden, die sich nicht lieben, geschweige denn kennen. Beide ergreifen unabhängig von einander die Flucht, treffen per Zufall aufeinander und verlieben sich im ersten Augenblick, wo das Paradies für die beiden auf die Erde kommt. Verkleidet, als genialer Streich des Müßiggängers Valerio, treffen sie auf die Menge der Wartenden und Verzweifelten mangels Brautpaar und der König vermählt sie vermeintlich stattdessen ihrem Wunsch entsprechend, weil er sich eh eine Hochzeit (die ursprüngliche) vorgenommen hatte. Und siehe, Leonce wird erkannt, Lena ebenso und die, die in Unkenntnis des Anderen vermählt werden sollten, sind nun aus freien Stücken, nachdem sie sich haben lieben gelernt, verheiratet worden. Der Zufall überspielt die Konvention der gesellschaftlichen und standesgemäßen Bestimmung aber letztendlich beweist er sie doch. Büchner verzichtet auf eine dramatische Herleitung aller Figuren und Handlungen, spontan und unvermittelt fegen die Geschehnisse nur so dahin. Alles mündet mit der Hochzeit in die marionettenhafte Vorsehung, einem Uhrwerk gleich

Insgesamt eine grandiose Persiflage auf die unnütze und lächerlich erscheinende obere Gesellschaft, die Frankreich bereits 1789 abgeschafft hatte. In Vorbereitung auf die deutsche Revolution 1848 in der Zeit der Romantik geschrieben, doch recht unromantisch in der Ausrichtung, vergleicht man dieses Stück mit dem Eichendorffschen Taugenichts (1826), dafür für eine bessere Welt des Denkens auf den zweiten Blick plädierend wie Voltaires Candide (1759), doch nicht in Konsequenz des Tun (Candide: Wir müssen unseren Garten bestellen.) sondern mit der Zementierung des Nichtstuns durch ein "Dekret" (Valerio) und der Zerstörung der mechanischen Zeit zugunsten der "Blumenuhr", wie der natürlichen Zeiten zu einem "ganzen Jahr zwischen Rosen und Veilchen" (Leonce).

Wortwitz und Zitate führen Büchner in diese Welt. Ein Spaß, der aus Geldmangel entstand, verfeinert wurde und heute noch gegen Langeweile und übertriebene gesellschaftliche Konventionen positioniert und sicherlich zu den bekanntesten und wichtigsten Komödien der deutschen Literatur zählt. Lesenswert!
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21 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Entlarvung der Herrschenden, 7. Dezember 2002
Büchner überzieht den Adel mit beißendem Spott. Das Volk wird von einem despotischen Vollidioten (König Peter) regiert, dessen "Königreich" nicht viel größer ist als ein Golfplatz (man kann vom Schloss aus das Minireich übersehen).
In herrlich-komischen Szenen entlarvt Büchner, dass an der Spitze der Gesellschaft schmarotzende Hohlköpfe stehen - die allerdings von ihren Untertanen unbedingten Respekt verlangen.

Der Sohn es Königs (Leonce) kommt um vor höfischer Langeweile - und klopft vor allem dumme Sprüche. Und für so einen verzogenen, Snob müssen sich die Bauern kaputtschuften.

Leonce soll mit der Prinzessin Lena zwangsverheiratet werden. Sie ist nicht viel besser als das restlichen höfischen Parasiten und hat kein Gefühl für ihr Volk: "Es kommt mir ein entsetzlicher Gedanke: ich glaube, es gibt Menschen, die unglücklich sind, unheilbar, bloß weil sie sind".
Die Masse des Volkes litt im 19. Jahrhundert unter der skrupellosen Ausbeutung und Gewalttätigkeit ihrer Herrscher - und je bedeutungsloser ein solcher Herrscher war, desto brutaler presste er seine Untertanen aus.

Im Deutschland des Jahres 1836 - zum Entstehungszeitpunkt der Komödie - fieberte Deutschland der bürgerlichen Revolution entgegen. Frankreich hatte mit der Feudalherrschaft schon 1789 kurzen Prozess gemacht und gegen den Despoten Napoleon gab es Aufstände. In Deutschland gärte es, doc Büchner sollte die Revolution von 1848, die er sich sehnlichst herbeiwünschte und für die er auch politisch arbeitete,nicht mehr erleben.

Leonce und Lena wurde zum ersten Mal erst 1913 am Münchner Residenzteater aufgeführt. Zu diesem Zeitpunkt herschte in Deutschland nach der verlorenen Revolution von 1848 immer noch ein Kaiser im Bund mit einem Bürgertum, dass zu feige war, eine bürgerliche Revolution durchzuführen.
1913 muss Büchners Stück also noch die gleiche zersetzende Kraft besessen haben wie im Jahr seiner Entstehung.

5 1/2 Jahre nach der Aufführung war es dann endlich soweit: in einer Arbeiterrevolution wurden die verfaulten Reste des Feudalismus weggefegt. Damit die bürgerliche Demokratie Wirklichkeit werden konnte, musste erst eine andere Klasse die revolutionäre Führung übernehmen: Arbeiter und Arbeiterinnen.

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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Die Liebe und das Leben, 10. Mai 2008
Eine unglückliche Liebe, die nichts voneinander weiß, sich auf die Flucht begibt, um zwangsverheiratet zu werden und tatsächlich festzustellen, dass es die Richtigen getroffen hat. Im Reiche Popo regiert die Posse. Im Reiche Pipi sieht es nicht besser aus. Dazwischen: die Regierung, ein absurder Staatsrath. Auch die Geistlichkeit in Gestalt des Hofpredigers kommt nicht glimpflich davon. Erfahren, weise erscheint nur die zweite Reihe zu sein. Valerio, die Gouvernante, Rosetta wissen, wen sie vor sich haben und bedienen sich ihrer. Büchner hat ein groteskes Bild eines Hofes gezeichnet. Mit seiner wunderbaren Sprache gelingt es ihm ein Märchen zu erzählen, dass beinah gleichzeitig mit dem Woyzeck entsteht. Hier wie da spiegelt er die Gesellschaft, setzt sie der Lächerlichkeit aus. Doch im Gegensatz zum Woyzeck, wo es tödlich endet, geht Leonce und Lena versöhnlich aus. Bei Shakespeare trinken Romeo und Julia Gift. Das ist auch eine Tragödie. Bei Büchner sitzt das Gift im Amüsement. Die Liebenden finden wie Gefangene zu ihrem Glück, müssen sich von nun an Regeln zu beugen. Trotzdem läßt Büchner uns die Hoffnung, dass sie es vielleicht eines Tages anders machen werden.
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19 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen Ziemlich seltsam, 4. September 1999
Von Ein Kunde
Büchners einziges Lustspiel ist nur auf den ersten Blick lustig. Geschrieben für einen Wettbewerb, wobei er allerdings den Einsendeschluß verpaßte und sein Werk ungeöffnet zurückbekam, erinnert das Stück an seine frühere Flugschrift "Der Hessische Landbote". Sarkastisch betrachtet er die Sinnlosigkeit höfischer Rituale und die allgegenwärtige Langeweile.

Die Geschichte handelt von Prinz Leonce und Prinzessin Lena, die unbekannterweise miteinander verheiratet werden sollen. Die beiden fliehen kurz vor ihrer Hochzeit und treffen sich durch Zufall und ohne einander die Identität preiszugeben. Schließlich werden sie am Hofe verheiratet und geben sich zu erkennen.

Da Büchner jeder Anwandlung von Spannung entgegenarbeitet, ist das Stück eigentlich ziemlich seltsam und langweilig. Während es in "Woyzeck" um die Entleerung der Sprache geht, geht es hier um die Entleerung von Handlungen. Aus heutiger Sicht ist das Lustspiel recht unverständlich. Die Gesellschaftskritik spürt man nicht so stark wie in "Woyzeck", da hier die zweite Partei, nämlich die armen Bauern, nur am Rande eine Rolle spielt. Das Fehlen eines Gegenüberstellens nimmt dem Stück heutzutage an Schärfe, auch wenn zu damaliger Zeit eine solche Beschreibung des Hofes Provokation genug war. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)

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2.0 von 5 Sternen Als hätte Peter Handke Shakespeare zerlegt, 15. September 2009
König Peter von Popo will seinen Sohn Leonce verheiraten: "[...] denn entweder verheiratet sich mein Sohn, oder nicht [...]" (I, 2) - aha! Doch der Prinz, ein Meister des Müßiggangs, von Weltschmerz gepeinigt, seiner Geliebten Rosetta überdrüssig und auch ein bisschen lebensmüde, streift lieber mit seinem Begleiter Valerio, einem modernen Hofnarren, durchs Land oder durch die Wirtshäuser desselben und gibt auf diese Weise eine schrille Faust-Karikatur ab. "VALERIO: So wollen wir zum Teufel gehen" (I, 3). Unterwegs trifft Leonce - der Zufall will es - ausgerechnet auf die Prinzessin Lena von Pipi, die ihm ohnehin als Braut zugedacht ist, diese Zwangsehe jedoch als schmerzvolles Opfer begreift. Man schwelgt gemeinsam in erhabenen Gefühlen: "LEONCE: So träum dich selig und laß mich dein seliger Traum sein" (II, 4) und beschließt irgendwann zwischen zweitem und drittem Akt zu heiraten. Während der Hochzeitsvorbereitungen bei Hofe erreicht König Peter die Meldung, Prinz und Prinzessin würden vermisst. Der König hat aber wenig Zeit sich zu grämen, da sogleich Valerio mit zwei maskierten "Automaten" auftritt und den König mit diesen auf die Idee einer simulierten Hochzeit bringt. Kaum hat der Hofprediger sein Amen gesprochen, fallen auch schon die Masken: Leonce und Lena erfahren, dass sie sowieso füreinander bestimmt waren und der König übergibt seinem Sohn vor Rührung sofort die Regierung.

"Leonce und Lena" ist eine dürftige Burleske, die, typisch Büchner, den geistig-moralischen Leerlauf dekadenter europäischer Herrscherhäuser zu verspotten und deren Alltag als aristokratische Beschäftigungstherapie zu entlarven bemüht ist. Adel und Klerus sind alberne Pappkameraden, die sich auf einen instrumentalisierten Gott berufen - die "kommode Religion" des Gottesgnadentums. Gekleidet ist diese ätzende Kritik freilich in ein Lustspiel, das so selbstverliebt daherkommt wie die meisten seiner Akteure und wirkt, als hätte Rätsel-Künstler Peter Handke sich einer Shakespeare-Komödie angenommen. Eine sinnvolle Handlung ist weit und breit nirgends auszumachen und die intellektuell überfrachteten Mono- und Dialoge haben bei Licht besehen auch nicht mehr Substanz als die karge Handlung. Selten zündet der überall grassierende Wortwitz noch heute; die meisten Anspielungen versteht der durchschnittliche Leser der Gegenwart nur noch unter Zuhilfenahme eines Lexikons. Dass das Stück so lange überlebt hat, verdankt sich zum einen dem anhaltenden Nachruhm des Namensgebers des wichtigsten deutschen Literaturpreises und zum anderen der Einladung des ebenso beziehungsreichen wie deutungsoffenen Stücks zu Bühnenexperimenten: eine Steilvorlage für prestigesüchtige Theaterregisseure, die sich jedenfalls einiges einfallen lassen müssen, damit man über dieses Lustspiel lachen kann.

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5.0 von 5 Sternen Komödiantische Kritik des Absolutismus, 4. August 2009
LEONCE UND LENA
Lustspiel von Georg Büchner, erschienen 1838; Uraufführung: München, 31. 5. 1895, Intimes Theater. - Das Stück entstand für eine Anfang 1836 angezeigte »Preisaufgabe«, in der die Cotta'sche Buchhandlung 300 Gulden für das beste Lustspiel ausgesetzt hatte. Büchners Manuskript traf jedoch zu spät ein, und er erhielt die Sendung ungeöffnet zurück. Ob der Autor den Text noch weiter bearbeitete, ist nicht eindeutig zu klären. Das Originalmanuskript ging verloren, Karl Gutzkow, der 1838 das Stück als Teildruck im »Telegraph für Deutschland« veröffentlichte, lag eine verschollene Abschrift des Originals aus der Hand Wilhelmine Jaeglés vor. In den Nachgelassenen Schriften gab Ludwig Büchner 1850 eine von ihm redigierte Fassung heraus, die wahrscheinlich auf das verschollene Originalmanuskript des Autors zurückgeht. Neben diesen Ausgaben haben sich drei Entwurfsbruchstücke Büchners erhalten, namentlich ein umfangreicheres der ersten Szene. Somit ist die Komödie nur als ein von zwei Herausgebern unabhängig voneinander gefilterter Text überliefert, der in vielleicht geringem, aber nicht mehr genau erschließbarem Maß vom Original abweichen dürfte.
Das Stück präsentiert sich als kunstvolles Kaleidoskop literarischer Anspielungen und Zitate; bereits Gutzkow fühlte sich an C. Brentanos Ponce de Leon erinnert, stärker hat wohl Shakespeares As you like it (Wie es Euch gefällt) auf die Handlungsstruktur eingewirkt, daneben sind Einflüsse aus Werken von A. v. Chamisso, V. Alfieri, A. de Musset, Th. Gautier und L. Tieck erkennbar.
Der Handlungsgang des Stückes parodiert das gängige Schema der Komödie. Leonce, Prinz des Reiches »Popo«, und Lena, Prinzessin des Reiches »Pipi«, sind einander verlobt, ohne sich zu kennen. Unabhängig voneinander beschließen sie, vor der Hochzeit zu fliehen. Im zweiten Akt treffen und verlieben sie sich, im dritten Akt lassen sie sich am Hofe Popo verheiraten, um sich erst danach als Prinz und Prinzessin zu erkennen. Büchner bemüht sich nicht, das Geschehen aus der Psychologie seiner Figuren zu entwickeln, wie auch die Handlung nicht den herkömmlichen Gesetzen des dramatischen Aufbaus folgt; spannungserzeugende Irrungen und Wirrungen fehlen oder werden ironisch zitiert, auch die Tatsache, daß am Ende der Zuschauer vor den Figuren um deren jeweilige Identität weiß, bleibt ohne dramaturgische Konsequenz, da das Stück insgesamt jedweder Einfühlung des Zuschauers in die Akteure entgegenarbeitet. Die einzelnen Momente der Handlung - der Entschluß zur Flucht, die Begegnung der Flüchtenden und die Entscheidung, sich zu verheiraten - werden nicht entwickelt, sondern setzen abrupt ein. Leonce verkündet spontan seine Absicht, nach Italien zu gehen und dort als »Lazzaroni«, als Faulpelz, zu leben, Lena läßt sich von der plötzlichen Idee ihrer Gouvernante leiten, den Hof zu verlassen. Lenas erster Satz ist Anlaß für Leonce, sich in sie zu verlieben, und auch die Ehe wird ad hoc geschlossen. Der Gang der Handlung ist determiniert, und konsequenterweise erscheinen die Titelhelden auf den Hochzeitsfeierlichkeiten als »Marionetten«, als Automaten: »Nichts als Kunst und Mechanismus, nichts als Pappendeckel und Uhrfedern!«
Dem Stück, lange Zeit als »Rückfall in die bloße Literaturkomödie der Romantik« (F. Gundolf) oder als »romantisch-ironisches Zwischenspiel« (H. Mayer) mißdeutet, ist eine satirisch-subversive Tendenz zu eigen, die neben der Ästhetik der Romantik und der idealistischen Philosophie vor allem auf den Spätabsolutismus des 19. Jh.s zielt; die Form der Komödie ermöglicht dem Autor unter den Augen der Zensur eine verdeckte »Fortführung des Krieges zwischen den >leeren und den vergoldeten Bäuchen<« (H. Plard). Für Prinz Leonce besitzt das Leben keinen Sinn, »Langeweile« grassiert und jede menschliche Tätigkeitsform gerät ihm zur Parodie: »Ich habe alle Hände voll zu tun, ich weiß mir vor Arbeit nicht zu helfen. Sehen Sie, erst habe ich auf den Stein hier dreihundert fünf und sechzig Mal hintereinander zu spucken. Haben Sie das noch nicht probiert? Tun Sie es, es gewährt eine ganz eigene Unterhaltung.« Nur in absurd-melancholischer Form, wobei die Seitenhiebe auf die Unendlichkeitssehnsüchte der Romantiker nicht fehlen dürfen, vermag er an einer Welt zu leiden, in der die einen zu unmenschlichem Müßiggang, die andern zu unmenschlicher Arbeit verdammt sind. In Valerio findet Leonce einen Gleichgesinnten, der ebenfalls »noch Jungfrau in der Arbeit« ist und »eine ungeheure Ausdauer in der Faulheit« besitzt, nicht ohne die Widerstände zu registrieren - schließlich ist er in einem Entwurfsbruchstück des Textes ein Deserteur, den die Polizei verfolgt -, die seinem subjektiven Entwurf von der Welt entgegenstehen: »Es ist ein Jammer. Man kann keinen Kirchturm herunterspringen, ohne den Hals zu brechen.« Während Leonce und Valerio sich weigern, ein »nützliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft« zu werden (»Lieber möchte ich meine Demission als Mensch geben.«), ist König Peter vom Willen beherrscht, durch Denken der Welt beizukommen: »Der Mensch muß denken und ich muß für meine Untertanen denken, denn sie denken nicht, sie denken nicht. - Die Substanz ist das >an sich<, das bin ich . . . Jetzt kommen meine Attribute, Modifikationen, Affektionen und Akzidenzien, wo ist mein Hemd, meine Hose? Halt, pfui! der freie Wille steht da vorn ganz offen. Wo ist die Moral, wo sind meine Manschetten?« Der deduktive Schematismus der idealistischen Systeme, die die Welt aus einem Axiom zu generieren suchen, gerät in seiner Beliebigkeit und Folgenlosigkeit gegenüber der menschlichen Praxis zur Groteske. Die Staatsräte, um ihre Meinung befragt, antworten im Chor zur Zufriedenheit ihres Herrn: »Ja, vielleicht ist es so, vielleicht ist es aber auch nicht so.«
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Leonce und Lena: Ein Lustspiel
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