Amazon.de: Kundenrezensionen: Reclam Universal-Bibliothek, Nr.15, Die Räuber

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30 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Das Werk eines Genies- in jeder Hinsicht
Ich möchte es gleich vorwegnehmen: Lesen Sie „De Räuber" von Friedrich Schiller. Sicherlich gibt es viele gute Theaterinszenierungen. Leider beschränken sich diese jedoch auf den Terrorismus. Diese Tatsache ist mehr als bedauerlich.
Schillers „Die Räuber" wird meistens in die Epoche des Sturm und Drangs eingeordnet. Gefühle und Triebe werden in dieser...
Veröffentlicht am 10. September 2005 von wiebke_1985

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versus
9 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen Heldenklima in den Böhmischen Wäldern
„Die Räuber" gelten als ein Drama des Sturm und Drang, insbesondere wegen der typischen Motive (feindliche Brüder, Autorität des Vaters, Absage an Gott, die Familie und den Staat) und der wilden, kraftvollen, pathetischen Sprache.
Das Schauspiel handelt von den zerstrittenen Gebrüdern Karl und Franz Moor, ihrem Kampf gegen die Weltordnung und ihrem Scheitern...
Am 6. November 2001 veröffentlicht

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30 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Das Werk eines Genies- in jeder Hinsicht, 10. September 2005
Ich möchte es gleich vorwegnehmen: Lesen Sie „De Räuber" von Friedrich Schiller. Sicherlich gibt es viele gute Theaterinszenierungen. Leider beschränken sich diese jedoch auf den Terrorismus. Diese Tatsache ist mehr als bedauerlich.
Schillers „Die Räuber" wird meistens in die Epoche des Sturm und Drangs eingeordnet. Gefühle und Triebe werden in dieser Epoche dem Verstand gegenübergestellt. Meiner Meinung nach ist Schillers Drama jedoch weit mehr als nur ein Stück des Sturm und Drangs. Friedrich Schiller, der dieses Stück in sehr jungen Jahren verfasst hat, muss seiner Zeit weit voraus gewesen sein. Er stellt dem verstandorientierten Franz einen gefühlvollen Bruder Karl gegenüber. Beide werden oder können nicht glücklich werden.
Friedrich Schiller hat, und das ist nur wenigen bekannt, eine Vorrede zu seinem Stück geschrieben. In dieser Vorrede schreibt Schiller von Bösewichten, die unglücklich werden, obwohl sie auf dem Weg zum höchsten glück sind. Karl und Franz können ohne jede Frage als Bösewichte bezeichnet werden. Karl, Hauptmann einer Räuberbande, ist Mörder vieler ihm unbekannter Menschen. Außerdem ist er der Mörder seiner Geliebten Amalia. Und sein Vater ist durch ein schock, der durch Karls unsensible Worte hervorgerufen wurde, gestorben. Sein Bruder Franz ist ebenfalls ein Bösewicht. Schließlich hat er eine Intrige gegen seinen Bruder geplant, ist für dessen Entwicklung mitverantwortlich, und auch der Tod seines Vaters wurde von ihm geplant. Warum fragt man sich jedoch, sind diese Bösewichte auf dem Weg zum höchsten Glück. Ganz einfach: Zur zeit des Sturm und Drangs war der Begriff des Genies von zentraler Bedeutung. Das Genie stellte derjenige dar, dem es durch Originalität, Individualität und durch eine gewisse Stärke möglich war, auf gesellschaftlicher, politischer und vor allem literarischer Ebene sich seine eigenen Grenzen zu schaffen. Friedrich Schiller, der durch das Schauspiel „Die Räuber" auf Grund seines Hinwegsetzens über die literarischen Gesetze selbst zum Genie wurde, hieß diese Entfaltung des Menschen sicherlich für richtig. Für ihn stellte diese Entwicklung zum Genie den Weg zum höchsten Glück dar. Beide Brüder, sowohl Franz als auch Karl, schaffen sich ihre eigenen Gesetze, indem sie sich über gewisse Normen und Konventionen hinwegsetzen. Beide haben erkannt, dass solche Konventionen die Individualität und die völlige Entfaltung der eigenen Person einschränken. Beide sind Genies, aber sie sind nicht glücklich. Die Antwort, die Schillers Schauspiel hierfür liefert, ist das eigentliche Geniale. Das Scheitern Karl und Franzens macht die eigentliche Kritik Schillers aus. Es ist diese Kritik, die zeigt, wie weit Schiller seiner eigenen Zeit voraus war. Karl und Franz sind gescheitert, weil sie den Einklang zwischen Gefühl und Verstand nicht gefunden haben und damit die Fähigkeit zum Leben verloren haben. Aus diesem Grund sind sie, wie Schiller außerdem in seiner Vorrede erwähnt, „auf dem Weg zur vollkommensten Vollkommenheit zu den unvollkommensten" geworden.
Franz hat die Mitte zwischen Gefühl und Verstand gefunden. Die Enttäuschung und der Schmerz, die er in seiner Kindheit erfahren musste, hat er nicht verarbeitet. Er hat erst seine Gefühle radikalisiert; Enttäuschung und Schmerz wurden zu Hass, und später dieses Gefühl von Hass unterdrückt. Von dort an hat er nur noch Pläne geschmiedet, die ihm zu einem besseren Leben verhelfen sollten. Dabei hat er jedoch nur seinen Verstand eingesetzt und seine Gefühle, wie schon erwähnt, vollends unterdrückt. Das Unterdrücken seiner Gefühle und die zwanghafte Überbetonung seines Intellekts wurden ihm letztendlich zum Verhängnis. Wie ein Sturm sind kurz vor seinem Tod die unterdrückten Gefühle aus ihm herausgedrungen. Die Gefühle Franzens sind zu einer überdimensionalen Macht geworden, die seinen Verstand vollständig ausgelöscht haben, und ihn somit in den Wahnsinn getrieben haben. Dieser Wahn ist erst durch die Unterdrückung der Gefühle entstanden.
Wie sein Bruder ist auch Karl Opfer seiner Gefühle geworden. So kann er mit seinem Schmerz und seiner Enttäuschung über die angebliche Verstoßung seines Vaters nicht vernünftig umgehen. Karl radikalisiert ebenfalls seine Gefühle und wird zu einem Räuber. Obwohl er im Laufe der Handlung immer wider seinen Verstand benutzt und zu vernünftigen Schlüssen kommt, kann er die tiefsitzenden Gefühle nie so überwinden, dass sie im Einklang mit dem Verstand sind. Am Ende des Schauspiels packt auch ihn der Wahn. In diesem agiert er so emotionsgeladen, dass sich seine Gefühle auch auf die Menschen übertragen, die er geliebt hat. Er tötet Amalia, die sich umbringen will, und erweckt in seinem Vater eine solche Enttäuschung, die die dazu fähig ist, auch ihn in den Tod zu treiben. Aus dieser Szene ist jedoch auch erkennbar, dass Amalia und der Vater ebenfalls auf grund von Gehfühlen sterben mussten. Der Vater erliegt dem Gefühl der Enttäuschung und Amalia dem Schmerz, der aus ihrer Liebe resultiert. Alle vier Hauptpersonen werden zu opfern ihrer Emotionen. Zwei davon waren auf dem Weg zum höchsten Glück. Sie scheiterten an der völligen Hingabe einerseits und an der erbarmungslosen Unterdrückung ihrer Gefühle andererseits. Letzteres läuft auf das erst genannte hinaus, da Gefühle sich nicht unterdrücken lassen.

Die Vertreter des Sturm und Drangs haben verstanden, dass man seine Gefühle ausleben muss und dies propagiert. Friedrich Schiller hat jedoch die Erkenntnis gehabt, dass das Gefühl nicht überbetont werden darf. Nur derjenige, in dem Gefühl und Verstand gleichermaßen vereint werden und gleichermaßen zum tragen kommen, ist dazu fähig vernünftig zu sein.
Schillers „Die Räuber" zeigt auf, dass es für sensible und hochbegabte Menschen von solcher Größe, wie Karl und Franz sie sind, unabdingbar ist die Gefühle mit dem Verstand zu vereinen.
Diese Erkenntnis war in der Zeit, in der Schiller lebte, einfach revolutionär und daher sollte dieses Werk wieder viel öfter gelesen werden.

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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Mord und Revolution made in 1781!!, 6. Juni 2005
Mannheim 1782: man freut sich auf einen entspannten Theaterabend. "Die Räuber" soll gespielt werden, ein Stück des noch relativ unbekannten Friedrich Schiller. Und dann das!! Damen gesetzteren Alters schwinden die Sinne, würdevolle Herren springen ob des Geschehens auf der Bühne auf und tun lautstark ihren Unmut kund. Was ist passiert, was hat diesen Aufruhr verursacht?

Schon Akt 1, Szene 1 lässt den Zuschauern kalte Schauer des Unglaubens über den Rücken laufen. Franz, jüngster Sohn des Graf von Moor, schmettert sein Motto "Frisch also! mutig ans Werk! - Ich will alles um mich her/ausrotten, was mich einschränkt, dass ich nicht Herr bin./Herr muss ich sein, dass ich das mit Gewalt ertrotze,/wozu mir die Liebenswürdigleit gebricht." So einen krass formulierten Ahteismus a la Machiavelli kannte man bisher nur aus Werken wie "Richard III" oder "King Lear" von Shakespeare. Aber von einem Deutschen? Niemals.

Und auch der ältere Bruder von Franz, der hinterlistig betrogene Karl, lässt sich nicht viel besser an. Da schimpft er über das "tintenklecksende Saekulum" und das "Kastratenjahrhundert" und vollkündet dann doch tatsächlich "Stelle mich vor ein Heer Kerls wie ich, und aus Deutsch/land soll eine Republik werden" (Akt 1, Szene 2). Das kam ja Hochverrat gleich, ein direkter Angriff auf die gottgewollte Obrigkeit.
Und das ist erst der Anfang. Noch in derselben Szene ruft Karl: "Mein Geist dürstet nach Taten, mein Atem nach Freiheit". Und in Akt 2, Szene 3 fügt er hinzu "Ich fühle eine Armee in meiner Faust - Tod oder Freiheit!" Auch dies ein Affront. Eigene Ambitionen waren in einer Ordnung mit einem direkt von Gott eingesetzten absoluten Monarchen tabu. Jeder hatte seine von Geburt an festgelegte Stellung in der Gesellschaft, die er nicht zu verlassen hatte.

Die Taten der Räuberbande, deren Hauptmann, Karl ist, führten der Gesellschaft ihre schlimmsten Albträume vor Augen: Brennende Städte, ermordete Frauen und Kinder und sogar vergewaltigte Nonnen! Ungeheheurlich! Da nutzte es auch wenig, dass gegen Ende des Stückes alles wieder so halbwegs in die gewohnten Bahnen der gottgewollten Ordnung zurückkehrte. Viele waren entweder gar nicht mehr im Theater oder einfach noch zu schockiert von dem eben Gesehenen.

"Die Räuber", eines der Gründungswerke der Sturm und Drang Zeit, hat auch in den folgenden Jahrhunderten nichts von seiner Sprengkraft verloren. Im Vorfeld der Revolution von 1848 war es Lieblingslektüre vieler nach Freiheit strebender National- und Verfassungsstaatler. Und noch 120 Jahre später zitierten die rebellierenden Studenten die "Armee in [ihrer] Faust".

Fazit: die Vokabel "unvergänglich" wird des öfteren im Zusammenhang mit literarischen Werken genannt. "Die Räuber" fällt auf jeden Fall unter diese Kategorie!
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Phantastisches Buch, sehr lesenswert, 6. Dezember 2000
Von Ein Kunde
Als es in der Schule hieß: Mensch Kinder, wir lesen Schiller, dachte ich mir meinen Teil und war im stillen nicht gerade davon begeistert. Ein Theaterstück lesen, verstehen und dabei auch noch Spaß haben? Das konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Doch wie es so ist, irrt man eben doch öfter, als man denkt. Mürrisch begann ich diesen Klassiker zu lesen und merkte bald, daß dieses wunderbare Buch gar nicht so verstaubt und antiquiert ist, wie ich immer dachte. So verschlang ich die Geschichte der Räuber mit Lust und Wonne! Intirigen und Verrat, Libe, Haß- alles was das Herz begehrt. Ein Drama des großen Formats. Jedem zu empfehelen und vielleicht sogar zum mehrmals lesen. Viel Spaß also bei dem alten Klassiker! Schiller wußte, was er tat!!!!!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Ob Räuber oder Edelmann..., 4. Dezember 2008
Diese Rezension stammt von: Die Räuber: Ein Schauspiel (Taschenbuch)
...spielt am Ende gar keine Rolle. Die Brüder Karl und Franz sind Söhne eines Adligen Herrn. Durch Intrigen gelingt es Franz, seinen Vater dazu zu bringen, dass dieser Karl enterbt und verstösst.
Jener wiederum weiss nichts besseres, als mit ein paar Spiessgesellen eine Räuberbade zu gründen und barbarisch zu hausen.
Franz hingegen macht sich erfolglos an die Braut seines für tot erklärten Bruders heran. Nach dem Ableben des Vaters regiert Franz als Tyrann, der in Räubermanier lügt, betrügt, stielt und mordet.
Am Ende treffen beide Brüder aufeinander. Der Vater - so stellt sich heraus - ist gar nicht tot, sondern durch seinen eigenen Sohn Franz gefangen gesetzt worden und stirbt nun doch. Franz begeht bei der Erstürmung seiner Burg Selbstmord, Karl tötet seine Verlobte und tut ein Gutes, indem er sich am Ende einem Bauern ergibt, der das auf ihn ausgesetzte Kopfgeld nötig hat.

In Schillers erstem Drama gibt es ein paar wirklich tolle Szenen, (z. B. den Dialog zwischen Franz und Pfarrer Moser). Einige Charaktere sind jedoch ein Bisschen zu blass geblieben, z. B. der Vater, der statt Herrscher nur Marionette zu sein scheint.

Alles in Allem aber fesselnd und immer noch zurecht Pflichtlektüre.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Sollte jeder zumindest einmal gelesen haben, 18. April 2008
In der Schule sind Schillers Räuber vollkommen an mir vorbeigegangen, deshalb habe ich mich endlich dazu durch gerungen einen freien Nachmittag zu nutzen und mir das Drama in aller Ruhe zu Gemüte führen. Meine Erwartungen wurden größtenteils erfüllt. Bereits nach wenigen Seiten hat man sich in den Sprachstil eingelesen, Verständnisprobleme sind nicht wirklich ein Thema. Auch inhaltlich wird der Leser nicht enttäuscht und über Langeweile kann man nicht klagen. Die Grundelemente die das Drama spannend machen, kennt man auch aus anderen Werken Schillers; Treue und Verrat (in dem Fall der Verrat des Bruders), Edelmut und selbstverständlich auch Liebe. Im großen und ganzen haben mir Die Räuber sehr gefallen, auch wenn mich das Ende nicht überzeugt hat, deshalb auch nur vier Sterne.
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9 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen Heldenklima in den Böhmischen Wäldern, 6. November 2001
Von Ein Kunde
„Die Räuber" gelten als ein Drama des Sturm und Drang, insbesondere wegen der typischen Motive (feindliche Brüder, Autorität des Vaters, Absage an Gott, die Familie und den Staat) und der wilden, kraftvollen, pathetischen Sprache.
Das Schauspiel handelt von den zerstrittenen Gebrüdern Karl und Franz Moor, ihrem Kampf gegen die Weltordnung und ihrem Scheitern.
Karl, der typische Sturm und Drang-Charakter, lässt sich bei seinem ideologischen Kampf vor allem von seinen Emotionen und nicht von der Vernunft leiten. Sein Wunsch ist es gegen die freiheitsraubenden Gesetze, gegen die Ungerechtigkeit in der Welt und gegen die Heuchelei der Kirche zu rebellieren, sein Widerstand ist jedoch zu individuell motiviert, als man aus dem Freiheitsroman ein Drama der Revolution hätte machen können.
Um seine übertriebene Sentimentalität, ein notwendiges Attribut jedes Sturm und Drang-Helden, nicht als Gefühlsduselei abzutun, ist seitens der Leser viel Verständnis oder ein mitfühlendes Herz erforderlich. Er muss seine edlen Taten, so zum Beispiel die Rettung eines Freundes aus den Fängen der Justiz, mit Kumpanen vollbringen, die eigentlich brutale Räuber und Mörder sind, und es kommt vor, dass bei seinen Unternehmungen auch Unschuldige leiden. So lädt er sich immer mehr Schuld auf, und verliert sich in einem Meer von Recht und Unrecht, aus dem er nicht mehr heraus weiss, und flieht in die Sehnsucht nach den guten alten Zeiten seiner Kindheit.
Die ebenso sentimentale Amalie, in der Rolle als naive aber treue Seele und ein Relikt der Empfindsamkeit, ist sich hingegen ihrer Gefühle sehr wohl bewusst und wirkt somit realistischer. Eine geradezu entspannende Starrheit im ganzen Gefühlschaos verkörpert Karls rachsüchtiger Bruder Franz, ist der doch der Einzige, der beinahe bis zum Schluss durchhält, ohne an seinen Gefühlen zu zweifeln. Er sinnt durch Intrigen nach Rache, da er der Zweitgeborene ist und hässlich dazu. Franz verkörpert eine radikale Seite der Aufklärung, die sich gegen jede religiöse oder philosophische Idee von der Freiheit des Menschen stellt. Dadurch, dass die Negativ-Figur Franz diese Lehre verkündet, wird sie vom Leser als falsch erkannt. Franz, der intellektuell rebelliert, im Gegensatz zu Karl, dem Herz und Gewissen das Wichtigste sind, ist damit der eigentliche Stürmer und Dränger. Unklar ist, warum die Brüder, aufgewachsen in einer harmonischen Familie, so verschieden sind: Franz ist ein Machtmensch, dem nichts heilig zu sein scheint, und Karl ist die idealistische Positiv-Figur.
Die Gesinnung der Brüder scheinen uns manchmal gar zu offensichtlich zu sein: zu böse und hinterhältig der eine, zu gut und edel in seinen Zielen der andere.
Die Gemütslage der handelnden Personen, mit Ausnahme von Franz, ändert schnell; im einen Moment sind sie noch „himmelhoch jauchzend" und im nächsten schon „zu Tode betrübt".
Das Durcheinander von Leidenschaft, unbedingter Liebe und abgrundtiefem Hass, von Freundschaft und Intrigen, von brutaler Gewalt und zarter Empfindung sowie die oft zerrissenen Handlungen und die scheinbar zufälligen Zusammenhänge verwirren den heutigen Leser unserer Meinung nach ungemein und sind meistens schlecht nachvollziehbar. Übertreibungen und oft schwülstige Bilder tragen das Ihre dazu bei.
Das Scheitern der Brüder scheint ein Phänomen der Epoche zu sein, muss doch auch im wirklichen Leben der Drang, die Welt im Sinne von Menschlichkeit und Gerechtigkeit zu verändern, scheitern. Andererseits ist das vollständige Scheitern des positiven Helden sehr ergreifend, raubt dem Leser etwas von seinem Optimismus, den er durch Karls heldenhaftes Auftreten gewonnen hat, und lässt ihn mit offenen Fragen zurück: Zählen nur unsere Taten und gar nicht die Motive, die ihnen zugrunde liegen?
Auf den ersten Blick scheint es, als gebe es in diesem Stück nichts anderes, Wichtigeres als diese an manchen Stellen schier unglaubliche und unlogische Räubergeschichte mit dem alten Mann und der jungen Frau, die beide so naiv sind, dass sie auf die dümmsten Tricks des bösartigen Franz hereinfallen. Bei genauerem Hinschauen, was einem grossen Teil der Leserschaft eher zu anstrengend sein dürfte, finden sich auch klare politische Aussagen Schillers wie die Kritik am Hof bei der Kosinsky-Geschichte oder an der korrupten hohen Obrigkeit bei der Auseinandersetzung Karls mit dem geifernden Pater. Das Stück liest sich um einiges interessanter im Bewusstsein, dass wie alle Figuren in Schillers Werk auch diese nicht individuell gemeinte Personen sind, sondern die Verkörperung von einer Idee, eines Prinzips, also auch dementsprechend schemenhaft. Schiller konfrontiert uns mit seiner Weltanschauung , die während mehrerer Jahre in ihm gereift ist und die für uns nicht ohne Weiteres einfach so angenommen werden kann.
Die Lebendigkeit, mit der Schiller schreibt, empfinden wir als sehr erfrischend, da hier doch jegliche Starrheit und Reserviertheit fehlt, die manchen klassischen Werken anhaftet.
Zum Studium der Epoche des Sturm und Drang ist diese Lektüre ein Muss. Wer auf Räubergeschichten steht, sollte „Robin Hood" lesen. Für Pubertäts-Nostalgiker und Möchtegern-Helden kommt das Stück der Bibel gleich.
Ursina Tschalèr und Sarah Pally, Kantonsschule Chur
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Kampf der Brüder bis aufs Blut, 8. März 2009
Von A. Winnefeld (Niedersachsen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Schillers "Die Räuber" schildert das Schicksal der Grafenfamilie von Moor; neben dem alten kränkelnden Grafen Moor gibt es den intriganten Bösewicht Franz, seinen jüngeren Sohn, sowie den älteren Sohn, Karl; letzterer ist der schwärmerische Protagonist des Dramas. Ebendieser Karl Moor glaubt, auf Grund eines von Franz fingierten Briefes, bei seinem Vater in Ungnade gefallen zu sein und gibt sich einem Leben als "edler" Räuber hin.
Doch hier gibt es schließlich kein so klares Gut und Böse, wie man es oftmals aus Stücken dieser Zeit kennt, es gibt keinen überlebensgroßen Helden, auch keinen die Ordnung rettenden Verrina wie in Schillers Fiesco. Franz, der vor nichts zurückscheut, um sich das zu holen, was ihm seiner Meinung nach die Natur verweigert hat, und der seinen Bruder aus der Gunst des Vaters zu verdrängen sucht, wird schließlich von seinem Gewissen bedrängt. Dieses meldet sich jedoch keinesfalls von selbst zu Wort - das Fegefeuer fürchtet Franz erst, als Karls Räuber in das Schloss eindringen um ihn in selbiges zu hinabzuschicken.
Auch Karl muss jedoch letztendlich zu Grunde gehen. Das "edle" Räuberleben fordert immer wieder das Blut unschuldiger. Karl ist kein Racheengel, sondern maßt sich nur eine richterliche Gewalt an, die er nicht haben dürfte - einerseits distanziert er sich von zwielichtigen Figuren wie Spiegelberg und wirft den Kindsmörder Schufterle aus seiner Bande, andererseits setzt er eine ganze Stadt in Brand und nimmt den Tod unschuldiger in Kauf, um einen Kameraden vom Galgen zu holen. In seinen hysterischen Momenten vergisst er die Gefährten, die ihm so treu ergeben sind: Roller und Schweizer, die beiden am positivsten gezeichneten Bandenmitglieder, die ihm aber bedingungslos ergeben sind, führt er in den Tod. Schweizer, seinem treusten Knecht, der sich von ihm Absolution erhoffte, weint er nicht eine Träne nach, als dieser sich, in seinem Auftrag Franz Moor lebendig zu fassen gescheitert, selbst erschießt, um seinen Schwur zu erfüllen. Schließlich muss Karl Moor erkennen, dass die Moral nur dann siegen kann, wenn er selbst verliert. Diese Einsicht kommt freilich erst, als seine Welt in Trümmern liegt.

Negativ zu bemerken ist an dieser Ausgabe der fehlende Kommentar; es gibt zwar Worterklärungen, aber ein umfassendes Nachwort fehlt. Wer Reclam Ausgaben wie die zum "Nibelungenlied" kennt, ist da besseres gewöhnt.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Verstand contra Gefühl - Ein zeitloses Meisterwerk des Sturm und Drang, 18. Oktober 2008
Friedrich Schiller hat zu Lebzeiten etliche lesenswerte und die Literatur prägende Stücke verfasst. "Die Räuber" ist in meinen Augen das großartigste, zeitloseste und für mich prägendste Werk. Im Fokus stehen hier die Protagonisten Karl und Franz Moor, welche im Laufe der Handlung unterschiedliche Entwicklungen durchleben.

Sowohl der jüngere Karl als auch Franz sind zwei vielschichtige, aber auch komplizierte Charaktere. Franz lebt zurückgezogen im Schloss des Vaters und spinnt Intrigen, die ihm zum Aufstieg verhelfen sollen. Sein Ziel ist es, seinen Bruder Karl und seinen Vater auszuschalten. Einerseits möchte er damit selbst zum Herrscher werden, andererseits will er sich an seinem Erzeuger rächen, da er im Kindesalter von seinem Vater vernachlässigt wurde. Doch auch Karl ist mit seiner derzeitigen Lage nicht zufrieden: Aufgrund des gefälschten Briefes von Franz glaubt er, vom Vater verstoßen worden zu sein, und das lässt seine Enttäuschung und Wut unermessliche Züge annehmen. Als Folge wird Karl zum Hauptmann einer Räuberbande und verlebt eine von Gräueltaten geprägte Zeit in den böhmischen Wäldern.

Schillers Figuren sind zweifellos schillernde Persönlichkeiten, die auf den ersten Blick grundverschieden wirken. Karl ist der aufbrausende, vitale, rebellische junge Mann, während Franz eher einen ruhigen, grüblerischen Eindruck macht. Doch bei näherer Betrachtung fällt auf, dass beide sehr viele Gemeinsamkeiten haben. So handeln beide aus Vergeltung: Sie wollen sich an ihrem Vater rächen, aber gleichzeitig auch für Gerechtigkeit kämpfen. Franz sieht es als legitim an, dem Vater Leid zuzufügen, da dieser ihn vor vielen Jahren selbst Leid erfahren ließ. Karl hingegen fühlt sich durch Regeln und Normen in seinem Gerechtigkeitsgefühl gekränkt und möchte dem durch Rebellion entgegenwirken. Schlussfolgernd wollen beide Gerechtigkeit mit dem Unterschied, dass Franz nur einen Anspruch auf sich erhebt, während Karl die Gerechtigkeit für alle anstrebt. Beide wollen etwas Neues schaffen und demnach ist es nicht verwunderlich, dass die Brüder mit dem Geniebegriff in Verbindung gebracht werden, welcher zum ästhetischen Zentralbegriff der Sturm und Drang- Epoche wurde.

Beide wollen alles richtig machen, doch scheitern sie am Ende. Karl sieht ein, dass seine tyrannischen Taten verkehrt waren und seinen Zielen nicht dienlich. Er kann diese Erkenntnis nicht mit seinem Gewissen vereinbaren und stellt sich der Justiz. Er geht an dem Überfluss seiner Gefühle zu Grunde: Die Überbetonung der Emotionalität schadet ihm letztendlich so sehr, dass sein Handeln zum Scheitern verdammt ist. Bei Franz ist es genau umgekehrt: Er muss realisieren, dass seine Intrige aufgeflogen ist und die Räuber ihn töten wollen, sodass er sich letztlich selbst erdrosselt. Ihm wird die Unterdrückung seiner Emotionen zum Verhängnis. Er hat stets seinen Verstand arbeiten lassen und seine Gefühle ignoriert.

Schiller zeigt somit, dass weder die Radikalität des verstandesorientierten Handelns noch die des vom Gefühl geleiteten Handelns den glücklichen Ausweg aus einer verzwickten Lage erzielen können. Sowohl die Überbetonung als auch die Unterdrückung von Verstand und Gefühl ist nicht richtig und kann sich - wie wir bei Karl und Franz sehen - zerstörerisch auswirken. Die einzig richtige Lösung ist die Einheit von beidem, ohne dass eine Richtung radikalisiert wird.

Bis man jedoch zu dieser Erkenntnis gelangt, muss man "Die Räuber" erst einmal lesen und sich mit den Charakteren von Karl und Franz auseinandersetzen. Schiller ermöglicht es dem Leser, aus den menschlichen Fehlern der ungehobelten Protagonisten zu lernen. Wer "Die Räuber" nicht liest, verpasst eine wichtige Lektion fürs Leben.
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8 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen Ein durchaus lesenswertes Buch, 17. Januar 2006
In Schillers Werk "Die Räuber", mit dem ihm der Durchbruch gelang, wird beschrieben, wie ein Sohn versucht, seinem älteren Bruder das Erbe streitig zu machen, indem er diesen durch einen Trick bei deren Vater in ein falsches Licht rückt. Das Buch ist in fünf Akte geteilt, wobei die ersten drei Akte nicht dem Niveau der beiden letzten entsprechen. Das Buch ist recht gut zu lesen, jedoch dauert es für den Laien einige Ziet, sich in den Sprachstil der damaligen Zeit einzuarbeiten. Ein Buch, das es sich zu lesen lohnt, jedoch sind weit bessere Werke Schillers vorhanden.
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4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein Klassiker im positiven Sinne, 22. April 2004
Von Ein Kunde
Diese wirklich dramatische (Liebes-)Geschichte Schillers hat mich begeistert. Anders als bei Goethe empfand ich die Aussagen und Themen in "Die Räuber" als sehr aktuell und spannend. Zudem fiel es mir überraschenderweise sehr leicht mich an Schillers Schreibweise zu gewöhnen und das Ende seiner wunderbaren Geschichte überwäktigte mich. KURZ: EIN MUSS
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