Amazon.de: Kundenrezensionen: Der Proceß

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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Bei genauer Betrachtung hat Kafka auch komische Elemente, 11. Juli 2007
Diese Rezension stammt von: Der Proceß ( Prozeß) (Taschenbuch)
Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.  Mit diesem Satz beginnt Kafkas posthum durch Max Brod veröffentlichter Roman, der einer der ganz großen Romane der Weltliteratur ist.

Die Verhaftung erfolgt in seiner Wohnung. Was ihm zur Last gelegt wird, erfährt weder K. noch der Leser noch später der ihn vertretende Advokat. Kafka bedient sich der personalen Erzählstruktur, so dass der Leser nie mehr weiß als K. selbst. K. darf weiter seinem Tagesgeschäft nachgehen; er ist Prokurist in einer Bank. Seine Berufstätigkeit ist der wesentliche Lebensinhalt des jungen Mannes. Er hat keine Familie, keine Freunde, pflegt keinen Kontakt zu seiner Mutter oder sonstigen Verwandten. Ein Verhältnis zu einer jungen Frau namens Elsa, die er einmal in der Woche aufsucht, scheint rein sexueller Natur zu sein. Schnell merkt man, dass es sich bei der anklagenden Behörde nicht um den staatlichen Rechtsapparat handelt, sondern um ein parallel existierendes Gericht. (Unsere Behörde,....sucht doch nicht etwa die Schuld in der Bevölkerung, sondern wird, wie es im Gesetz heißt, von der Schuld angezogen und muss uns Wächter ausschicken.) K. erkennt schnell, dass es nur ein Verfahren ist, wenn er es als solches anerkennt. Demnach unterliegt es seinem Willen, ob der Prozess gegen ihn aufrecht erhalten wird und stattfinden kann oder nicht. Doch ohne sein Zutun nimmt die Anklage immer mehr Raum in seinem Denken und Handeln ein, was letztlich dazu führt, dass er seiner Arbeit nicht mehr auf die notwendige Weise nachkommen kann. Immer mehr Menschen wissen von seiner Anklage und von den Gerichten, die auf Dachböden tagen (auf fast jedem Dachboden befindet sich ein Gericht). K. sucht Kontakte zu Menschen, die ihm seiner Meinung nach helfen könnten, seine Unschuld zu beweisen, denn er muss eine Eingabe zu seiner Entlastung einreichen. Nur: Entlastung von Was? Da K. den Anklagepunkt nicht kennt, kann er sich auch nicht zielgerichtet verteidigen.

Das Personal in diesem Roman bleibt überschaubar. Sehr schlecht kommen die wenigen Frauen dabei weg. Sie sind ausnahmslos Objekte sexueller Begierde und auch im eigenen Handeln nur auf Sexualität ausgerichtet. Überhaupt bleiben alle Charaktere, K. eingeschlossen, seltsam oberflächlich.

Kafka ist nicht eindeutig zu interpretieren. Man kann biografisch ansetzten; sicherlich hat sein schwieriges Verhältnis zu seinem Vater seine Literatur beeinflusst. Allerdings, wenn man seinen Biografen Glauben schenken darf, scheint er auch selbst ein schwieriger Mensch gewesen zu sein und nicht unbedingt für das praktische Leben tauglich. So finden sich sicher auch Züge Kafkas in der Person K. wieder. Aber auch soziale (siehe die Lebensumstände der Personen), psychoanalytische (Rolle der Frauen) oder religiöse (hat nicht jeder auf irgendeine Weise Schuld auf sich geladen?) Ansätze sind denkbar. Es bleibt letztlich jedem einzelnen Leser überlassen, zu welcher Interpretation er tendiert.

Was ist nun das Besondere an diesem Buch? Meiner Meinung nach ist es die Atmosphäre, die den Reiz dieses Buches ausmacht. Es bleibt alles seltsam im Dunkeln und nebulös. Dies hat ja nicht zuletzt den noch heute verwendeten Begriff kafkaesk geprägt für Situationen, die irgendwie merkwürdig und nicht logisch zu erklären sind. Eine große Rolle spielen Licht und Dunkelheit in diesem Buch. K.s Büro in der Bank hat große Fenster, die es erhellen; die Wohnung des Advokaten wird nur von schummrigem Kerzenlicht beleuchtet, ebenso die des Malers Titorelli. Dafür gibt es noch weitere Beispiele.

Ich finde, entgegen vielen anderen Lesern, dieses Buch nicht nur düster. Es hat sogar etliche satirische Passagen. Auf den ersten Blick bemerkt man das nicht, aber wenn man diese Stellen laut liest, kann man sich des Schmunzelns nicht erwehren. Z.B.: Die Rangordnung und Steigerung des Gerichts sei unendlich und selbst für den Eingeweihten nicht absehbar. Das Verfahren vor den Gerichtshöfen sei aber im allgemeinen auch für die unteren Beamten geheim, sie können daher die Angelegenheiten, die sie bearbeiten, in ihrem ferneren Weitergang kaum jemals vollständig verfolgen, die Gerichtssache erscheint also in ihrem Gesichtkreis, ohne dass sie oft wissen, woher sie kommt, und sie geht weiter, ohne dass sie erfahren , wohin. ??? Oder: Man will die Verteidigung möglichst ausschalten, alles soll auf den Angeklagten selbst gestellt sein. Kein schlechter Standpunkt im Grunde, nichts wäre aber verfehlter, als daraus zu folgern, dass bei diesem Gericht die Advokaten für den Angeklagten unnötig sind. Im Gegenteil, bei keinem anderen Gericht sind sie so notwendig wie bei diesem. Das Verfahren ist nämlich im allgemeinen nicht nur vor der Öffentlichkeit geheim, sondern auch vor dem Angeklagten.

Kafkas Sprache hat etwas Besonderes. Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen.







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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Schuldlos schuldig, 21. März 2007
Von Heike Geilen (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REVIEWER)    (REAL NAME)   
In dem Roman "Der Prozess" behandelt Franz Kafka einen aussichtslosen Fall der Justiz. Der Bankangestellte Josef K. gerät in einen Prozess, dessen Ursache er nie erörtern wird und alle seine Versuche, sich aus dem Schlamassel herauszuholen, ziehen ihn nur umso stärker hinein und am Ende wird er sich kaum der Todesstrafe entziehen können.

Der Roman ist auf eine nicht leicht zu beschreibende Weise ergreifend.
Kafkas "Held" K. lässt sich immer mehr in ein System aus Justiz und Bürokratie ziehen, was irgendwie nebulös erscheint - so etwa die Gerichtskanzleien in der dumpfen Luft der Dachböden, die unerreichbaren "höheren Richter", die nie erblickbare Anklagebehörde. Gleichzeit jedoch ruiniert er aber auch in zunehmendem Maße seine gefestigte Existenz und tilgt kontinuierlich jegliches Realitätsbewusstsein aus.

Der Roman ist alles andere als leichte Unterhaltung. Er ist auch nicht als "Pausenfüller" geeignet.
Doch für den, dem Lesen nicht nur qualvolle Pflichterfüllung oder bedingt brauchbares Mittel gegen die Langeweile ist, präsentiert er sich als echte Bereicherung. Jeder Dialog ist ein Meisterwerk.

Fazit:
"Der Prozess" ist ein spannendes Werk und sehr klar und nüchtern geschrieben. All die Dinge, die Kafka beschreibt, erscheinen real und doch fantastisch und absurd.

Es ist sicherlich kein Roman für jemanden, der normalerweise nur Grisham, Irving und andere moderne Bestseller liest. Das Lesen des Werks erfordert - bedingt durch den einzigartigen Stil Kafkas - einige Anstrengung, auch von dem, der sprachlich und inhaltlich komplexe Bücher gewohnt ist.

Das Buch ist eher nicht spannend, es ist fesselnd. Kafka selbst bezeichnete seine Erzähltechnik als "Gefangennahme des Lesers", und dieses Vorhaben gelingt ihm sehr eindrucksvoll.
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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Eindrucksvolle Schilderung eines Außenseiters, 26. September 1999
Von Ein Kunde
Bei Kafka scheiden sich die Geister: man kann ihn lieben, oder man wird seinen Texten immer mit Unverständnis gegenüberstehen. Dazwischen gibt es fast nichts. Wer ihn in der Schule lesen *muss*, wird in hassen, wer ihn lesen will, dessen Leben kann er für immer verändern. Ein Einstieg in Kafkas Werk kann sicher über viele Wege erfolgen, „Der Prozeß ist sicher nicht der schlechteste. Der inhaltliche Ablauf ist bekannt: K. wird, ohne sich einer Schuld bewußt zu sein, verhaftet, und versucht verzweifelt wie erfolglos, seine Verteidigung vorzubereiten. Was er dabei erlebt, ist im klassischen Sinne 'kafkaesk'. Alle Bemühungen laufen ins Leere, prallen an einer sinnlosen Realität ab, gegen die der doch eigentlich stets rational und vernünftig agierende K. nichts entgegenzusetzen hat, vergleichbar mit der Situation in einem Traum, in der die groteskesten Situationen vom Träumenden widerstandslos akzeptiert werden und alle eigenen Versuche nur ein Stolpern von einer Unmöglichkeit in die nächste hervorrufen. Im Gegensatz zu „Das Schloß", das durchgehend au einem prinzipiell realen Niveau bleibt (na, weitgehend jedenfalls), finden sich im „Process" tatsächlich Situationen die der Realität augenscheinlich entgegenstehen. Der Verlauf des Romans erzeugt eine durchgehend beklemmend Atmosphäre, die Spannung bleibt aufrechterhalten, obwohl es über den Ausgang doch keinen Zweifel geben kann. Die Fassung des Urtextes ist nur zu empfeheln, da die manchmal abweichende Interpuktion niemals stört, sondern im Gegenteil oft eine beabsichtigte Kontinuität verdeutlicht.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Absolut beängstigend, 26. Juni 2006
Diese Rezension stammt von: Der Proceß ( Prozeß) (Taschenbuch)
Eines vorneweg: so ein trauriges und deprimierendes Buch habe ich noch nie gelesen. Jetzt sollte man meinen, warum man ein solches Buch lesen oder gar gut finden sollte. Ganz einfach: weil es viel interessanter, aufwühlender und lehrreicher ist als jeder 1000seitige Krimi/Thriller der heutigen Zeit. Typisch für Kafka sind wieder die sehr langen, verschachtelten Sätze, welche gut zur Geschichte passen, da so die Hilflosigkeit, der K. ausgesetzt ist, noch besser zur Geltung kommt. Die Sprache ist oft sehr bildhaft(vgl. Kapitel 'Im Dom') und man kann hier viel hineininterpretieren. Aber das kann jeder für sich selbst entscheiden. Der Prozeß ist auch deshalb so aufwühlend und spannend, weil man manchnal auch sich selbst(als die Person Josef K.) darin erkennt. Natürlich ist das Buch nicht für jedermann geeignet, da es sehr deprimierend ist, und deshalb schwer zu ertragen, aber wer sich für psychoanalytisches Denken interessiert oder einfach mal etwas anderes, abseits leichter Unterhaltung, lesen möchte, der sollte es nicht versäumen. Eigentlich sollte es jeder gelesen haben. Bis denn
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen zeitlos und verwirrend, 19. August 2007
Von tabula_rasa2605 (Rhein-Neckar) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REVIEWER)   
Josef K. wird eines Tages aus dem Nichts heraus "verhaftet". Jedoch nicht im wörtlichen Sinne, er darf seinen bisherigen Tagesablauf sowohl privat wie auch beruflich als Prokurist einer Bank genauso weiterverfolgen als wäre nichts gewesen. Einen Grund für seine Verhaftung bekommt er weder zu Beginn noch später jemals geliefert, wonach auch keine wirkliche Verteidigung seinerseits möglich ist. Während des kommenden Jahres beschränken sich die Erfolge des K. bei seinen Bemühungen um den vermeintlichen Prozess darauf, lediglich Ausflüchte seines Advokaten und trotz aller Mühen nur nutzlose Hinweise von angeblichen Kennern der Justizkreise zu erhalten.

Wer - wie ich - dieses Buch zum ersten Mal und ohne jegliche Vorkenntnisse liest, der wird sich vielleicht auch lange Zeit nach der Aussage der Geschichte fragen. Sinnvoller ist es wohl, sich bereits im Voraus mit Kafka beschäftigt zu haben, da das Buch in mancherlei Hinsicht autobiographische Züge enthält.
Dass Kafka mit der Schilderung des "Rechtssystems" in der Welt des Angeklagten K. bereits 1914/15 fast vorseherisch einen Blick auf die Verhältnisse mancher totalitären Systeme der kommenden Jahrzehnte geworfen hat, beeindruckt hier am meisten. Die Gerichte hausen in Dachgewölben, die seit Jahren nicht mehr durchgelüftet wurden, die Angeklagten bekommen weder eine Anklageschrift noch werden sie über den Fortgang ihres Prozesses unterrichtet oder bekommen ihren Richter jemals zu sehen und werden schließlich (passender Weise) in Abwesenheit und Unkenntnis verurteilt usw.. Es wird ein Bild der Willkürjustiz vermittelt, das, so übertrieben es auch sein mag, gerade deshalb auch wieder realistisch erscheint.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Kafka lesen, lesen und nochmals lesen, 30. November 2008
Diese Rezension stammt von: Der Proceß ( Prozeß) (Taschenbuch)
Genau wie ein Jemand, der in seinem Leben erst ein Glas Wein getrunken hat, nicht jede Geschmacksnuance wie ein Weinkenner genießen kann, so kann auch ein Leser, der zum ersten Mal Kafka liest, unmöglich die volle Brillanz in diesem Werk erkennen und aus dieser Brillanz schöpfen. Man muss sich mit Kafka beschäftigen. Und zwar nicht nur mit seinem Werk, sondern auch mit den Hintergründen zu seiner Person, um auch wirklich die tiefen Abgründe erkennen zu können, die Kafka in seinen Werken offenbart.

»Der Proceß« war das zweite von Kafkas drei großen Romanfragmenten. Den anderen beiden Fragmenten hat »Der Proceß« voraus, dass er in sich »geschlossener« ist, da er über ein Ende verfügt. »Der Proceß« handelt davon, dass der Jurist K. (-afka) von einem ominösen Gericht angeklagt wird und K. im Gegenzug versucht herauszufinden, welches Verbrechens er sich schuldig gemacht hat und das Wesen des Gerichts zu ergründen. So beginnt für K., ähnlich wie in »Das Schloß«, eine aufzehrende Schnipselsuche, die ihn zu geheimnisvollen Orten führt und ihn grotesken Gestalten ausliefert.

Es gibt dabei zahllose Deutungsansätze zu »Der Proceß«. So geht es in einem tieferen Sinn um die schriftstellerische Bewältigung Kafkas Kindheitstraumas und um die Bewältigung einer hoffnungslosen Verlobung. Es geht u.A. um die Überwindung einer Schreibblockade, um die Sinnsuche in einer immer komplizierteren und lebensverachtenderen Welt und um den erstickten Hilferuf eines Individuums.

Kafka ist gerade in unserer heutigen entmenschlichten Zeit so aktuell wie noch nie. Seine Aktualität wird mit dem weiteren Fortschritt und Wandlungsprozess, dem unsere Gesellschaft unterworfen ist, noch weiter zunehmen. Es wird eine Dystopie aufgezeigt, in der für das Individuum in der modernen Massengesellschaft kein Platz mehr ist.

Für mich war »Der Proceß« das erste Werk, dass Ich mit meinem hintergründigen Wissen über Kafka umfassender begreifen konnte, als die vorrausgegangenen Werke, welche Ich von Kafka bereits gelesen habe. Ich kann nicht behaupten, dass mein abschließendes Urteil über den »Proceß« positiver ausfällt, als gegenüber z.B. dem »Schloß«, weil »Der Proceß« »besser« ist, sondern vielmehr, weil Ich erst im Laufe der Zeit, und durch die Beschäftigung mit Kafka, den nötigen Sinn für sein Werk entwickeln musste.

Es gibt tausend Wege um Kafka zu deuten. Subjektiv empfehle Ich die Beschäftigung mit biografischen und psychoanalytischen Hintergründen und Methoden, um ein weiter gefasstes Verständnis für Kafkas Werk erlangen zu können. Hilfreich waren für mich persönlich ein Kapitel in dem Buch »Du sollst nicht merken«, von der Psychoanalytikerin Alice Miller, sowie Michael Müllers »Erläuterungen und Dokumente« zu »Der Proceß« als Reclam-Ausgabe.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Alterungsprozeß, 9. August 1999
Von Ein Kunde
Für alle anderen Protagonisten in diesem Roman, scheint solch ein Prozeß völlig normal zu sein. Nur K. kann sich in dieser „neuen Welt" nicht zurechtfinden. Er erwacht am ersten Morgen in einer völlig anderen Realität auf, die für andere völlig normal zu seien scheint.

Das Gericht, in Kafkas Leben die Autorität des Vaters, in der Türhüterparabel das Gesetz, sind nicht angreifbar - in der Doppeldeutigkeit des Wortes. K. kommt immer nur zu subalternen Richtern, hier und vor allem bei der Türhüterparabel, wo der Eingang nur für den Mann vom Lande allein bestimmt war, kann man durchaus schon existenzialistische Ansätze finden. Ihre ewige Suche nach der „bösen Macht" ist durch ihre Existenz begründet. Doch sie versuchen sich mit völlig irrealen Mitteln zu helfen. So bittet der Mann vom Lande schlußendlich sogar die Flöhe in des Wächters Mantels darum, für ihn Partei zu ergreifen.

Franz K. wartet immer darauf, daß ihm andere helfen. Zuerst Fräulein Bürstner, die Zimmernachbarin, dann die Frau des Gerichtsdieners oder den Maler Titorelli, selbst im Steinbruch bei seiner Hinrichtung sieht er einen Mann in einem Haus und erhofft sich von ihm die Errettung.

K. hatte durchaus Möglichkeiten, diesen Prozeßverlauf günstiger für ihn zu gestalten, doch sein Verhaltensmuster „Voreiligkeit und nachträgliche Einsicht" haben ihm einige Chancen geraubt. Versäumnisse sind also auch ein wichtiger Aspekt sowohl bei K. als auch natürlich bei Kafka selbst. In der Beziehung zu seinem Vater hat er es einerseits versäumt seine eigene Position klarzustellen, andererseits hat er es versäumt sich selbst zu verwirklichen. Da Kafka im Endeffekt Bankbeamter war, starb er sicher mit dem Gefühl nie ein wirklicher Künstler gewesen zu sein, seine eigene Gesinnung verleugnet zu haben und versäumt zu haben alles klarzustellen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)

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4 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Der Proceß - beklemmende Schrittfolge aufs Unvermeidliche, 29. Dezember 2001
Von Ein Kunde
1. Dies ist eine Laienrezension, also ohne hochfliegende literarische Ansprüche! Vielmehr Ausdruck eines Gefühls, das die Lektüre mir bereitet hat.
2. Merkwürdig: Es ist kein packendes Buch, keines, das einen faszinieren würde. Aber es ist wie ein gemeines Gift, das einen betäubt, ins Unwirkliche führt und einen, bei allem "unguten" Gefühl, nicht mehr losläßt. 2 Tage beklemmendes Lesen, Blättern, Kopfschütteln, Fragen, ja, auch Hoffen - gegen alles Wissen über den Ausgang.
3. Die Erzählform scheint nicht "rund", irgendwie nicht abgeschlossen. Tut man das, wie der Autor es hier gemacht hat, mit dem Beginn auch gleich das Schlusskapitel zu schreiben? Oder wollte er nur sicher gehen, dass die "Angelegenheit" - letztlich ohne einen Schuldbeweis - auch mit der gefühlskalten Hinrichtung endet?

Also: starker Tobak, 100% wert zu lesen!

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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen börner...., 22. September 2009
ey holt euch dieses buch auch wenn es euch abgetürnt hat im deutschunterricht....wenn man nicht versucht es zu interpretieren, sondern nur liest und es wirken laesst ist es besser als fallschirmspringen und viel mehr gibt's dazu nicht zu sagen...
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3 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Müssen und andere Laster, 29. August 1999
Von Ein Kunde
Jemand mußte...Damit ist alles gesagt. Der Leser muß wissen, worauf er sich einläßt, im Gericht hat sich schon so mancher verirrt, und Spaß und Ernst sind eins. Wie ein Reigen unausgelasteter Dompfaffen, windiger Advokaten stolpern die Interpreten über die Zeilen und suchen trefflich in das Gesetz zu gelangen. Und auch diese Konstatierung kann wohl nur Verdoppelung darstellen (und was heißt hier Darstellen?), reproduziert Klischeenahes, bläht sich auf : Texte und Exegeten - der `Process' enthält sie alle, malt sie vor, lacht sie aus, prügelt sie, macht ihnen schöne Augen. Kein Buch, sondern ereignishafter Prozeß. Doch die Schrift ist unveränderlich, und die Meinungen sind oft nur ein Ausdruck der Verzweiflung darüber... ...und wenn GOtt jemals geschrie(be)n hat, so ist dieser Text das Echo. Aber beenden wir doch die müßige Plackerei und beginnen wir an dem Punkt, den wir für den An-Fang hielten. Es nimmt dich auf, wenn du kommst, und es entläßt dich, wenn du gehst. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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Der Proceß
Der Proceß von Franz Kafka (Gebundene Ausgabe - 14. September 2006)
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