Kundenrezension

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4.0 von 5 Sternen Ruhig, einfühlsam, stimmig, wieder etwas anders, aber vor allem ruhig., 5. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Goodbye Lullaby (Audio CD)
Avril Lavigne – Goodbye Lullaby (2011)

Elende Schubladendenker versuchten schon immer Avril in eine bestimmte Ecke samt Masche zu drängen, so wurde das kanadische Pop-Rock-Gör schon als Anti-Britney, als Goth-Girl oder zuletzt als Power-Punk-Girl tituliert. Nun ist sie plötzlich erwachsen und macht ernste Musik, weil sie ja so reif geworden sein soll... Lasst das Mädchen einfach Sängerin rein!

Ja, das neue Album ist anders. Pink-Pop-Punk-Allergiker dürfen aufatmen, denn von kitsch-fröhlichen Hooks in pink-pop-punkiger Aufmachung ist nichts mehr geblieben. Avril kehrt zurück zu den ruhigeren Tönen, wie oft auf ihrem Debut-Album vertreten. Ganz in Tradition der typischen Ausgleichreaktion schaltet sie gleich drei Gänge zurück, hin zu nachdenklichen Tönen ähnlich des damaligen Under my Skin, leider bleibt aber diesmal auch die üppige, rotzige Gitarrenproduktion auf der Strecke, Wert gelegt wird vor allem auf die akustische Klampfe.

Goodbye Lullaby startet mit dem Werbe-Opener von Avrils Parfüm Black Star. Klingt haarsträubend ist aber eigentlich ein wunderschönes Klavierkleinod mit bewährter Vier-Akkord-Progression. Was man sich danach geleistet hat, geht aber auf keine Kuhhaut. Was hat What the Hell? denn auf diesem eher beruhigten Album verloren? Noch dazu an dieser Stelle, nach einem sanft einstimmenden Intro? Unerwarteter und unerwünschter Plastikpop nach Schema F ist alles was hier übrig bleibt. Zugegeben, Lieder wie dieses sind die einzige echte Abwechslung auf diesem recht introvertierten Album. Selbst Lieder, die ohne die typische Vier-Akkord-Formel und dazu passendes Lagerfeuergeschraddel auskommen, sind meist organisch und ruhig gehalten (Stop standing there und I love you, letzteres leider etwas anstrengend.) Einzig Smile bricht hier aus und ist trotz poppiger Girly-Masche überzeugender als die zuvor erwähnte Leadsingle. Die Gitarren sind ordentlich funkig und der Refrain könnte zwar auf Dauer nerven, ist dafür aber auch extrem catchy.

Zugegeben: Bis jetzt klang die Rezension relativ harsch und Lavignes Songwriting ist auch stark zu kritisieren. Gerade gegen Ende folgt ein 4-Chord-Song auf den anderen. Trotzdem schafft sie selbst die gewöhnlichsten Songs darunter noch durch ungeheuer gefühlvolle und eindrucksvolle Gesangslinien zu verzaubern (4 real). Eine meisterhafte Komponistin mag sie nicht sein, ebenso wenig wie meisterhafte Lyrikerin, dass konnte man ihr schon seit dem Debut vorwerfen, doch ihre simplen Liebeslieder sind so ergreifend, ehrlich, direkt, etwas kindlich und doch unumgänglich. So wird aus dem 4-Chorder Wish you were here (zugegeben: diese Grundformel funktioniert einfach meist immer!) eine dramatische Liebesballade und das eindringliche Push (mitsamt altem Freund Evan Taubenfeld) geht einem nie wieder aus dem Kopf. Ruhig, eingängig und vor allem schön.
Auch wenn die Formel strapaziert wird, gehen Lieder wie Everybody hurts einfach immer gut ins Ohr. Melancholische Melodien und bewährte Harmoniefolgen samt sanfter Instrumentation machen einfach gute Poplieder aus. Leider bleibt die Abwechslung wirklich auf der Strecke. Gerade bei dem spannenden Not enough würde man sich wünschen, dass doch die E-Gitarren im Refrain mal wieder richtig knallen würden. Macht nichts, so bleibt mehr Aufmerksamkeit Avrils Stimmorgan gewidmet. Nicht technisch verzückend oder mit Umfang brillierend, sondern direkt und ehrlich.

Gegen Ende gibt es (oh Wunder!) wieder ein 4-Akkord-Akustik-Lied namens Darlin'. Nagut, dieses eine Mal sei es ihr noch verziehen, immerhin ist das Lied schon etwas älter und wie gehabt eingängig. Bei Remember when (das gleiche noch mal, nur auf dem Piano) geht das aber einfach nicht mehr in Ordnung und Avril muss sich doch den Vorwurf der Einfallslosigkeit gefallen lassen, was natürlich nicht für den unglaublich emotionalen, „gestrichenen“ Closer Goodbye gilt.

Fazit: Fans des „best-verdammten Dings“ werden wohl die frechere Seite an Avril vermissen. Andere vielleicht Abwechslung, mehr Einfallsreichtum oder griffigere Gitarren. Doch als ruhiges Nachfolgealbum geht Goodbye Lullaby voll in Ordnung, Avril hört sich wieder authentischer an.
Wertung: ****
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